Gut zu wissen Where to go in NZ

11 Dinge, die Neuseelands Südinsel einzigartig machen

Nachdem wir für die oft missachtete oder schlechtgeredete Nordinsel Neuseelands eine dicke Lanze gebrochen haben, wollen wir der Fairness halber in diesem Beitrag nun die Vorzüge der Südinsel ins Rampenlicht rücken. Das wird uns nicht schwer fallen…

Wie oft haben wir schon Blogposts gelesen, die Neuseelands Nordinsel und die Südinsel gegeneinanderstellen und nach einem Schlagabtausch entscheiden, welche „besser“ oder bereisenswerter ist. Die Südinsel gewinnt dabei meist – zwar knapp, aber sie gewinnt. Mit mehr Natur, weniger Menschen, mehr Wow-Faktor überzeugt sie die meisten Reisenden (und, so meine Vermutung, oft auch einfach mit weniger Stress, weil die „Großstädte“ Auckland und Wellington, in denen man sich als Durchreisender zumindest kurz aufhalten muss, verkehrstechnisch für Wohnmobil-Fahrer herausfordernd sind).

Dass es natürlich so einfach mit dem Vergleichen nicht geht, sollte euch klar sein. Jede der beiden Hauptinseln Neuseelands hat ihre Vor- und Nachteile, die bei jeder individuellen Reise ganz anders zum Tragen kommen. Wir haben uns das auch schon mal ausführlich angeschaut, in einem der am häufigsten gelesenen Beiträge des Weltwunderer-Blogs.

Wenn ihr zu den bedauernswerten Menschen gehört, die für ihre Neuseeland-Reise weniger als drei Wochen Zeit haben, und ihr euch deshalb unseren guten Rat zu Herzen nehmt und nur eine der beiden Inseln besucht, dann haben wir hier ein paar Gründe für euch, die vielleicht den Ausschlag pro Südinsel geben. Aber schaut euch zum Vergleich unbedingt auch die Gründe pro Nordinsel an!

Franz Josef und Fox Gletscher

Wenn ihr nicht zufällig in Alpennähe wohnt und dort schon mal einen Gletscher gesehen habt, ist dies ein entscheidendes Argument für die Südinsel: Es gibt weltweit kaum andere Orte, an denen so große Gletscher so weit hinunter auf Meeresniveau reichen, so dass man sie einfach als Abstecher von der Straße besuchen kann.

Zugegeben, in den letzten Jahren haben sich Fox Glacier und Franz Josef Glacier besorgniserregend weit zurückgezogen, aber es wird immer noch eine schwindelerregende Zahl an Besichtigungsmöglichkeiten angeboten: vom Spaziergang (inzwischen leider nicht mehr bis auf den Gletscher, sondern nur noch zu einem Aussichtspunkt – hallo, Klimawandel!) über „scenic flights“ mit dem Kleinflugzeug bis hin zu Heli-Hiking und Ballonfahrten. Angesichts der Besuchermassen, des penetranten Rotorenlärms und des Treibstoffverbrauchs bei dem bunten Spektakel mag man gemischte Gefühle haben. Aber die meisten Besucher vergessen die spätestens, wenn sie von oben auf das große Weiß schauen 😉

Tipp: Wenn euch der Gletscherrummel zu blöd ist und ihr eine Heli-Tour zu teuer findet, dann schaut euch auf der „anderen Seite“ den Tasman Glacier Lake an – hierher kommen in den letzten Jahren immer mehr Besucher, weil der Gletscher immer häufiger große Eisberge in den Gletschersee stürzen lässt.

Weltwunderer Neuseeland Tasman Glacier Lake

Der Tasman Glacier Lake bietet Eisberge satt

Regenwald ohne Schwitzen

Hände hoch, wer hat schon mal echten Regenwald gesehen? Und wer hat schon mal echten gemäßigten Regenwald gesehen? Den gibt es zwar nicht nur in Neuseeland, aber auf der Nordinsel werdet ihr keinen finden. Gemäßigter Regenwald bedeckte beide Inseln einst fast komplett, heute finden sich nennenswerte Bestände nur noch an der West Coast und im Süden der Südinsel.

Bei einer Wanderung in den Catlins (ein gewaltiger Grund pro Südinsel) oder im Fiordland am Milford Sound (ein weiterer gewaltiger Grund pro Südinsel!) seht und erlebt ihr Regenwald satt – vom unglaublich vielfältigen Grün, dem vielstimmigen Zwitschern in den Gipfeln und natürlich Wasser von oben und unten. Wer nicht nass werden will, der hat auf der Südinsel nichts verloren!

Weltwunderer Neuseeland Catlins Rainforest

So richtig schöner nasser Regenwald in den Catlins

Wale! Pinguine! Seelöwen!

Wilde Tiere sind einer der Hauptgründe für Neuseeland-Reisen – und auf der Südinsel findet ihr eine Menge davon. Während sich der scheue Kiwi eher auf der Nordinsel spotten lässt, ist die Südinsel eindeutig „the place to be“, wenn ihr auf Meeressäuger steht. Whale Watching in Kaikoura ist so einfach, dass man mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit bei jeder Ausfahrt mindestens einen Wal sieht; Pinguine sind so häufig, dass sogar Verkehrsschilder vor ihnen warnen, und Seelöwen kommen in den Catlins auch schon mal neugierig über den Zeltplatz geschluppelt und schauen in den Zelten nach Essbarem.

Weltwunderer Curio Bay Neuseeland

Achtung, Seelöwe! Da macht man besser einen Bogen beim Strandspaziergang

Die (wahrscheinlich) längsten Stichstraßen der Welt

Ihr steht auf Roadtrips mit grandiosen Ausblicken alle paar Meter, wunderschönen Stellplätzen direkt an der Straße und wenig Verkehr? Dann ist Neuseeland sowieso das perfekte Reiseland für euch. Aber die Südinsel bietet für Fahr-Gourmets noch einen Ticken mehr.

Die 100 km lange Straße zum Milford Sound, die 120 km lange Straße zum Aoraki/Mount Cook oder auch die knapp 50 km von Queenstown nach Glenorchy (und weiter in die Einöde nach Paradise) würde mal sich als Tourist eigentlich klemmen, weil man dieselben Strecken auch wieder zurückfahren muss. Und weil mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens auf einer Strecke beschissenes Wetter sein wird. Wer das aber auf der Südinsel tut, ist dämlich – denn diese Straßen gehören zu den schönsten Kurz-Roadtrips, die es gibt. Gerade bei schlechtem Wetter!

 

Weltwunderer Neuseeland Paradise Glenorchy

Sackgassen ins Paradies – davon gibt es auf der Südinsel genug

Höhenrekorde

Ja, ein Gebirge gibt es auch auf der Nordinsel, und dazu mehrere sehr beeindruckende Vulkane. Aber der höchste Berg Neuseelands steht nun mal auf der Südinsel – Aoraki/Mount Cook hat zwar 1991 ein paar Meter verloren, aber er misst immer noch beeindruckende 3.724 m. Und man kann ihn bequem von der Straße aus sehen, das ist doch mal was!

Ein Klassiker: Aoraki, der höchste Berg Neuseelands

Ein Klassiker: Aoraki, der höchste Berg Neuseelands

Der meiste Sonnenschein in Neuseeland

Die Südinsel gilt oft als die kältere, nassere und insgesamt unwirtlichere der beiden Inseln, für die man am besten eine Extratasche mit warmer Kleidung mitbringt. Ja, es stimmt: Wir haben in den Catlins im Hochsommer Anfang Januar bei 13° C ganz schön gefroren, und momentan soll es da unten sogar Nachttemperaturen nahe dem Gefrierpunkt geben. Die West Coast gehört zu den regenreichsten Gebieten der Welt, und wer wie wir den Milford Sound bei Sonnenschein erlebt hat, der kann sich wirklich glücklich schätzen.

Aaaaber – zu den Highlights der Südinsel gehört auch ihr Norden, und hier wartet Nelson im Vorland des wunderschönen Abel Tasman National Park als sonnenreichste Region von ganz Neuseeland: Über 2.300 Stunden im Jahr scheint hier die Sonne (im Vergleich dazu kackt Deutschland mit nur 1.400 Stunden jährlich ganz schön ab…).

Hier haben wir das mit dem Wetter in Neuseeland genauer erklärt.

Weltwunderer Neuseeland Abel Tasman

Tropenstrände mit entsprechender Hitze warten im Abel Tasman National Park auf der Südinsel

Französisches Idyll, Victorian Heritage und Steampunk

Auf der Südinsel gibt es nur Natur, keine Kultur? Quatsch. Wo auf der Nordinsel, bitteschön, findet man Stadtbilder, die von kreativem Steampunk und perfekt erhaltener viktorianischer Architektur zeugen? Das gibt es nur in Oamaru, südlich von Christchurch. In „Annie’s Victorian Tea Rooms“ kann man nicht nur Tea Time wie anno dunnemals genießen, sondern auch noch eine echte (?) Zeitmaschine bewundern. Und wenn euch die viktorianische Kulisse zu zahm ist, schaut ihr auf der Itchen Street im „Steampunk HQ“ vorbei.

Und wo auf der multikulturellen Nordinsel wähnt man sich plötzlich in einer französischen Kleinstadt, mit Straßennamen wie „Rue Brittan“, französischer Beflaggung und echt französischen Cafés, Bistros und Brasserien? Das gibt es nur in Akaroa, auf der Banks Peninsula vor Christchurch.

Flickr_Daniel Stockmann Oamaru

Steampunk und Victorian Age satt gibt’s nur in Oamaru © Flickr/Daniel Stockmann

Gold!

Neuseeland ist ein teures Reiseland, da beißt die Maus keinen Faden ab. Wie gut, dass es auf der Südinsel eine Möglichkeit gibt, mit wenigen Stunden Arbeit bis zu 600 NZ$ zu verdienen! Okay, diese Möglichkeit hatte sich schon vor mehr als 100 Jahren herumgesprochen, und inzwischen hat die Begeisterung dafür auch wieder stark nachgelassen.

Verschlafene oder verlassene Dörfer in Otago, die heute eher als Freiluftmuseen fungieren, erinnern zwar noch an den Goldrausch, aber bei unserem Besuch in Arrowtown trafen wir nur noch einen einzigen Goldwäscher an – der stand mit Wathosen im Arrow River und wusch unbeirrt Schüssel um Schüssel. Nach eigener Auskunft macht er auf diese Weise bis zu 600 NZ$. (Im Monat. Räusper.)

Weltwunderer Gold mining Arrowtown New Zealand

Gold mining in Arrowtown – lohnt sich!?

Eis!

Während die Südinsel Neuseelands kulinarisch ansonsten eher für Merkwürdigkeiten wie Possum Pie oder das Wildfoods Festival in Hokitika steht (wo dann „Huhu grubs“ serviert werden, grusel…), gibt es eine herausragende Speise, die ihr hier unbedingt probieren müsst: Geht in Queenstown oder Arrowtown ins „Patagonia“ und kauft euch dort ein Eis. Ja, es ist verdammt teuer, aber es ist jeden Cent wert. Versprochen!

Kurzstrecke in die Antarktis

Dass wir Weltwunderer von der Antarktis schwärmen, habt ihr vielleicht schon gewusst. Dass wir mit drei Kindern noch ein Weilchen warten müssen, bis wir uns den Traum wie Inka von blickgewinkelt.aq (!) erfüllen können, ist auch klar. Neuseelands Südinsel ist zum Glück einer der wenigen Orte, wo man schon fast da ist – zumindest machen diverse Schilder, das Antarctic Centre in Christchurch und die Anlegestelle der Antarktis-Kreuzfahrtschiffe in Bluff den Eindruck. Seufz…

Weltwunderer Neuseeland Slope Point

Vom Slope Point in den Catlins ist es nicht mehr weit bis „ganz unten“

Ähem: Sandflies…

Nach all den tollen Sehenswürdigkeiten und Vorteilen, die ihr nur auf der Südinsel finden werdet, wollen wir nicht verschweigen, dass sich aus Gründen des kosmisch ausgewogenen Karmas auch die Nemesis des Neuseeland-Reisenden exklusiv hier unten aufhält: Die Sandfly hat schon so manchen Wanderer und Camper in den Wahnsinn getrieben, weshalb ihr besonders bei feuchtem, bewölkten Wetter nur mit Umsicht aus dem Campervan steigen und immer ein Repellent dabei haben solltet.

Das gefährlichste Tier Neuseelands: die Sandfly

Das gefährlichste Tier Neuseelands: die Sandfly

Was meint ihr – sind das genug Gründe, die für die Südinsel sprechen, oder habt ihr noch mehr? Oder gebt ihr gar der Nordinsel den Vorzug??

1 Kommentar

  • Die Sandfly, die Pest der Westcoast – Gott sei Dank gibt es die an der Ostküste nicht. Einziges Mittel, das wirklich dagegen hilft, ist Autan. Also auf jeden Falls in Reisegepäck – sehr wichtig. Die Bisse der Sandfly sind proportional zur Größe der Fliege nämlich unangenehm groß und jucken bis zum Wahnsinn, dadurch kann es auch schnell zu Entzündungen kommen. Vorsichtshalber auch Salbe für „nach den Biss“ mitnehmen. 🙂 Stimme aber auf jeden Fall zu – den Milford Sound und Glenorchy/Paradise bzw. links abbiegen über die die Brücke nach Kinloch (!) sind auf jeden Fall sehenswert.

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