Unterwegs in Neuseeland Where to go in NZ

12 Gründe, warum ihr die Nordinsel Neuseelands nicht vergessen solltet!

Setzt man ihnen die Pistole auf die Brust, entscheiden sich die allermeisten Neuseeland-Reisenden für die Südinsel. Die sei wilder, unberührter, spektakulärer, einfach schöner. Die Folge: Viele Reisende nehmen sich drei Wochen Zeit für die Südinsel (toll) und hetzen dann in den verbleibenden sieben Tagen über die Nordinsel. Schlechte Idee! Wir sagen euch, was ihr alles verpasst, wenn ihr euch nicht auch für die Nordinsel Neuseelands genug Zeit nehmt.

Die grünen Hügel

Sie stehen geradezu klischeehaft für Neuseeland. Und auch wenn sie nicht zum ursprünglichen Landschaftsbild gehören (warum, haben wir hier erklärt) und auch, wenn ihr sie mitunter auch auf der Südinsel finden werdet, vor allem auf der Banks und der Otago Peninsula:

Ihr habt die grünen Hügel erst richtig verstanden, wenn ihr auf der Nordinsel unterwegs wart. Abseits der Highways, auf den schmaleren Straßen. Vielleicht unterwegs zum Mangapohue Scenic Reserve, vielleicht auf Hobbit-Suche in der Gegend um Matamata, vielleicht auch auf dem Weg hinauf zum Cape Reinga.

Weltwunderer Matamata 2002

Grüner Hügel, grüner Hügel, noch ein grüner Hügel… (der rote Farbklecks macht gerade ein Nickerchen)

((Und wehe, hier wagt einer den Vergleich mit dem Sauerland! Solche Kommentatoren kommen in die Hölle!))

Thermalzeugs

Mir fällt jetzt einfach kein schicker Oberbegriff ein, aber eins ist sicher: Auf der Südinsel werdet ihr weder Geysire noch blubbernde Mudpools noch rauchende Sinterterassen sehen. Ihr werdet euch nicht wundern, wie Leute inmitten von stinkenden Schwefelschwaden leben, ihr werdet nicht staunen, welche psychedelischen Farben die Natur zustande bringt, ihr werdet nicht diesen seltsam dumpfen und hohlen Klang unter euren Füßen spüren, der euch zeigt, dass die Erdkruste hier nur wenige Meter dick ist – und ihr werdet euch nicht gruselnd fragen, was da wohl drunter ist…

Die thermal aktive Gegend um Rotorua und Taupo ist eines der Hauptargumente für einen Besuch der Nordinsel. Entsprechend voll kann es zur Hauptsaison im „Whakarewarewa Geothermal Reserve“ und im „Waiotapu Thermal Wonderland“ werden, wo die thermalen Hauptattraktionen warten: etwa der Lady Knox Geysir (Ausbruch täglich um 10 Uhr, dank eines Stücks Seife), der Pohutu Geyser oder der Champagne Pool.

Drumherum gibt es aber noch viele weitere sehr lohnenswerte thermale Gebiete! Nehmt euch Zeit und lauft durch das Waimangu Volcanic Valley, abgerundet mit einer Bootsfahrt über den Lake Rotomahana (dessen dampfende Ufer eine gruselige Erinnerung daran sind, dass dieser See erst vor reichlich 100 Jahren durch eine gewaltige Eruption des Mount Tarawera entstand). Geht kurz vor der Schließzeit über den Rundweg der Craters of the Moon, und fühlt euch wie auf demselben (plus Gebüsch).

Oder nehmt ein bisschen mehr Geld in die Hand und fliegt nach Whakaari/White Island hinüber, wo ihr nicht nur wegen eurer Gasmaske schwitzen werdet. Dieser aktive Vulkan kann jederzeit ausbrechen…

Weltwunderer Rotorua Craters of the Moon

Die Craters of the Moon (im Jahr 2002 – auf Dia!)

Vulkane

Apropos Vulkan: Auch diese werdet ihr nur auf der Nordinsel finden – und auch wenn die wenigsten regelmäßig ausbrechen, sind die eindrücklichen Kegel doch allerorten als „Landmarks“ zu sehen. Ist der Mount Taranaki einmal nicht von Wolken verhangen, freut man sich wie beim Anblick des ebenso scheuen Mount Fuji, und der düster drohende Kegel des Mount Ngauruhoe im Tongariro National Park beeindruckt nicht nur Herr-der-Ringe-Fans.

Ach ja: Der direkt daneben liegende Mount Ruapehu gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Nervenkitzel ist bei einem Aufenthalt in seiner Nähe also immer inklusive – ganz kostenlos!

Weltwunderer Tongariro National Park Neuseeland

Da droht er, der Vulkan

Maori

Ehrlich gesagt waren wir bei unserer Reise über die Südinsel Neuseelands verwundert, wie häufig wir dort auf die Spuren von Maori trafen – nicht nur im Museum, sondern auch im Alltag. Trotzdem präsentieren sich die Ureinwohner Neuseelands auf der Nordinsel ungleich stärker und als Tourist bekommt man hier viel einfacher einen Zugang zu ihrer Kultur.

Das geht mit Touristen-Shows im Whakarewarewa oder Tamaki Village los und den vielen, mit eindrucksvollen Schnitzereien verzierten Marae. Aber auch bei einer Fahrt zum East Cape oder ins Northland, wo Maori einen Großteil der Bevölkerung stellen, trifft man allerorten auf Zeugnisse ihrer Kultur und kann ihre Gastfreundschaft kennenlernen – die die „normale“ Gastfreundschaft der Neuseeländer vielleicht sogar noch übertrifft.

Tipp: Maori haben oft viele interessante Sachen über ihre Heimat zu erzählen, vor allem was die Pflanzen- und Tierwelt betrifft. Und viele sind tolle Erzähler! Auf der Website www.inz.maori.nz könnt ihr gezielt nach geführten Touren und Aktivitäten schauen, die von Maori angeboten werden.

Flickr_iTravelNZ Marae Rotorua

© Flickr_iTravelNZ

Cape Reinga

Das nördlichste Ende von Neuseeland hat nicht nur eine geografische Bedeutung, sondern auch eine mythische. Wenn ihr da oben vor dem Leuchtturm steht, vor euch tausende Kilometer Ozean, ein gigantischer Strudel aus den Wassermassen des Pazifik und der Tasman Sea, und irgendwo gaaanz unten an der letzten Spitze der Felsen ein kleiner, verkrüppelter Pohutukawa-Baum, dann werdet ihr wenigstens ein bisschen an die Maori-Sage glauben, dass die Seelen der Verstorbenen genau dort unten in das Reich der Toten eintreten.

Auf der Hinfahrt habt ihr vielleicht schon an den Te Paki Sand Dunes gehalten und beim Sandrodeln großen Spaß gehabt – oder ihr seid mit eurem Campervan johlend über den gigantisch breiten, brettharten Ninety Mile Beach gefahren (und habt heimlich gezittert, weil das doch für Miet-Campervans verboten ist…)

Und wenn ihr dann euren Campervan über die vielen Serpentinen hinunter in die Tapotupotu Bay gelenkt habt und am felsigen Strand eure Angel auswerft, dann werdet ihr heilfroh sein, dass ihr genug Zeit für die Nordinsel eingeplant habt.

Weltwunderer Neuseeland Cape Reinga

Cape Reinga im Jahr 2002 (ja, das ist ein Dia!)

Baden und Schnorcheln

Überhaupt – die Strände! Klar gibt es die auch auf der Südinsel zuhauf, und sie sind auch dort enorm eindrucksvoll. Aber so richtig schön baden, ohne dabei einen Wetsuit zu brauchen oder mit den Zähnen zu klappern, könnt ihr dort nicht. Was warten auf der Nordinsel nicht alles für Strände auf euch und eure Kids!

Wir fangen mal lieber gar nicht an, uns hier über die schwarzen Strände von Piha, Muriwai und der Kapiti Coast auszubreiten, über die einsamen goldenen Strände der Coromandel Peninsula, der Hibiscus Coast oder der Bay of Plenty. Einen herrlichen neuseeländischen Sommer könnte man allein damit verbringen, alle schönen Strände der Nordinsel zu besuchen – zum Baden, zum Surfen oder zum Schnorcheln (jaha!).

Und wenn die Temperaturen noch nicht so einladend sind, nimmt man einfach eine Schaufel und gräbt sich seine eigene thermale Badewanne – zum Beispiel in Hahei Beach auf Coromandel oder (Geheimtipp!) in Kawhia.

Ocean Beach in Tairua

Weltwundertochter in ihrem geliebten „UV-Anschutz“ (O-Ton) am Ocean Beach in Tairua

Wellington!

Nein, man fährt nicht nach Neuseeland, wenn man auf Stadtbummel und Shopping steht, schon klar. Aber auch die Outdoor-Enthusiasten und Stau-Verächter, die um Auckland einen weiten Bogen machen (oder jedenfalls versuchen, schnell durchzufahren), tun gut daran, der „coolsten kleinen Hauptstadt der Welt“ mehr als ein paar Stunden zu gönnen. Wir haben einen Tag in Wellington verbracht und bereuen es seitdem, nicht länger geblieben zu sein. Seufz!

Wellington Panorama from Mount Victoria

Hobbiton und Weta Cave (und Mordor)

Die „Weta Cave“ ist natürlich nicht der einzige Grund, warum man Wellington besuchen sollte. Aber unserer Ansicht nach ein sehr wichtiger 😉 Im Zuge des „Mittelerde“-Booms sind die wenigen noch verbliebenen Drehorte der sechs Filme zu solcher Berühmtheit gelangt, dass „Hobbiton“ in Matamata sogar von Menschen besucht wird, die mit Elben und Hobbits gar nichts am Hut haben. Und selbst die sind begeistert!

Für echte Herr-der-Ringe-Fans gibt es sowieso keine Ausrede, die Nordinsel wegzulassen. Zu viele wichtige und vor allem gut zugängliche Drehorte versammeln sich hier: angefangen von Wellington über Matamata und Piopio bis zum Mount Ngauruhoe alias dem Schicksalsberg…

Weltwunderer Mount Ngauruhoe Tongariro Mordor

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn… (aka Whakapapa Skifield)

Kauriwälder

Dichte, feuchte Regenwälder gibt es auf der Südinsel im Überfluss – das stimmt. Aber was ein neuseeländischer Urwald wirklich ist, das versteht man erst, wenn man unter einem der tausend Jahre alten Kauri-Riesen gestanden hat. Dank der Abholzungsbemühungen der europäischen Siedler gibt es heute kaum noch Kauri-Wälder. Die letzten stehen im Norden der Nordinsel, und ihr solltet ihnen unbedingt einen Besuch abstatten.

Weltwunderer Neuseeland Tane Mahuta

Te Matua Ngahere (und davor in Gelb die noch sehr viel jüngere Weltwunderfrau)

Pohutukawas

Apropos Bäume: Der immergrüne neuseeländische Weihnachtsbaum, der Pohutukawa, erblüht ja bekanntlich immer zur Weihnachtszeit in strahlendem Rot und versieht die grünen Hügel und goldenen Küsten mit einem neuen Farbspektrum. Und wo findet ihr diesen herrlichen Anblick? Richtig – nur auf der Nordinsel.

Flickr_russellstreet Rangitoto

Ein Pohutukawa vor Rangitoto Island – noch ein Grund pro Nordinsel übrigens! © Flickr/russellstreet

Kiwi Spotting

Kiwis, die heißgeliebten flugunfähigen und vom Aussterben bedrohten Wappentiere Neuseelands, gibt es natürlich auf beiden Inseln, das wisst ihr. Und ihr könnt sie natürlich auch auf der Südinsel sehen; entweder ausgestopft im Museum oder auch eingesperrt in einem Zoo. In freier Wildbahn ist die Chance, auf der Südinsel einen Kiwi zu sehen oder zu hören, extrem niedrig – jedenfalls für Otto-Normal-Touristen. Die hier heimischen Unterarten sind einfach schon viel zu selten und verstecken sich in unzugänglichen Gebirgsregionen.

Viel höher ist eure Chance auf einen echten „Kiwi Encounter“ auf der Nordinsel – seid ihr im Tongariro National Park, in der Gegend um Rotorua oder im Northland unterwegs, werdet ihr nachts bestimmt öfters das typische Kiwi-Pfeifen hören. Und auf einem nächtlichen Rundgang durch den Waipoua Kauri Forest oder durch den wiederaufgeforsteten Urwald von „Zealandia“ in Wellington könnt ihr vielleicht sogar einen Nördlichen Streifenkiwi („North Island Brown Kiwi“) sehen!

Weltwunderer Verkehrsregeln Neuseeland Tongariro Kiwi Sign

Wanganui River Journey – wandern ohne wandern

Das Wandern ist eine der Hauptattraktionen in Neuseeland, und die Südinsel muss sich hinsichtlich wirklich geiler Wanderrouten echt nicht verstecken. Aber auch auf der Nordinsel warten so einige tolle Routen. Auf unserer Bucket List steht dabei ganz oben der neunte Great Walk.

Die Wanganui Journey auf Neuseelands längstem schiffbaren Fluss ist der einzige mehrtägige Wanderweg, auf dem überhaupt nicht gelaufen werden muss. Das finden wir als Gepäckschlepper und Motivierer von drei Kindern enorm attraktiv 🙂

Weltwunderer Wanganui River Neuseeland

Der Wanganui River von oben – der wird aber noch viel kurviger!

Es gibt sicherlich noch mehr Dinge, Attraktionen und Wanderungen, die einzigartig für Neuseelands Nordinsel sind – was sind eure Favoriten?

4 Kommentare

  • Ich liebe die Südinsel, aber ohne die Nordinsel wäre Neuseeland nicht Neuseeland. Es ist die Kombination der so verschiedenen Landschaften, die NZ so einzigartig und unwiderstehlich machen. Ich war total von der Vielfalt der Nordinsel überrascht. Neben den Klassikern fand ich besonders den östlichsten Zipfel mit dem Leuchtturm am East Cape atemberaubend schön.

    Super Artikel!

  • Kia Ora!

    Endlich mal ein Artikel der zeigt, wie toll der Norden ist!!

    Obwohl ich bei der Pistole wohl auch eher Südinsel schreien würde, muss ich sagen, dass ich die Nordinsel, bei etwas überlegen, vielleicht sogar vorziehen würde. Auch weil es hier im Winter wärmer ist. (nur Weihnachten muss ich das nicht haben 😉 )

    Liebe Grüße,
    Corinna | Aussteigen Bitte

  • Wir stehen kurz vor Abflug nach Christchurch und haben „standardmäßig“ für die Südinsel mehr Zeit eingeplant als für den Norden.
    Aber der Norden darf nicht fehlen; da geben wir euch absolut recht.
    Neben den oben bereits beschriebenen Locations (die wie noch nicht alle kennen) sind bei uns von unserer Reise 2006 (damals noch kinderlos, 10 Jahre später dann mit zwei Kurzen) zwei traumhaft schöne Wanderungen besonders in Erinnerung geblieben: der Mangawhai Cliffs Walk nördlich von Auckland und den Haruru Falls Track (nein, nicht aussteigen, Wasserfall gucken und wieder einsteigen, sondern rund 3h durch das Reservat).
    Beides sehr zu empfehlen!!!

    • Danke für die Tipps, Susanne – die setzen wir gleich auf unsere Liste! Viel Spaß bei eurer dritten NZ-Reise, auf beiden Inseln 😉

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