Japan

6 Japan-Highlights für Kinder – von Ninjas, Totoro und Tempelfüchsen

Japan, da denken die meisten an Tempel, seltsames Essen und Hightech-Shopping – nicht eben Urlaubsaktivitäten, denen man sich mit Kindern widmen möchte. Wir haben ein ganz anderes Japan kennengelernt: Von Ninjas, zahmen Hirschen und Totoro waren nicht nur unsere Kids begeistert!

Weltwunderer Japan Iga Ninja Museum

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude, und so blätterten wir schon nach der Buchung der Flugtickets begeistert im Reiseführer, stöberten auf Pinterest und lasen uns durch die Reiseliteratur auf der Suche nach Dingen, die wir in drei Wochen Japan un-be-dingt anschauen und machen wollten. Die Liste wurde lang und länger, und uns wurde bald klar, dass wir sie nicht würden abarbeiten können.

Das hatte drei, nein vier wichtige Gründe:

a) Wir reisten im Hochsommer durch Japan, und

b) wir hatten drei Kinder dabei.

Bei Temperaturen um die 35 °C verboten sich ausgedehnte Stadtspaziergänge und Tempelbesichtigungen von selbst, denn wir sind keine Hitze-Märtyrer. Zeitgleich mit diesen Temperaturen herrscht in Japan im Juli und August auch noch Hochsaison, was bedeutet, dass gefühlt alle Japaner Urlaub machen und diesen mit Stadtspaziergängen und Tempelbesichtigungen verbringen – die Hitze scheint ihnen nichts auszumachen, sie bleiben dabei auch noch unfassbar gut und dezent bekleidet, kein Schweißfleck ist zu sehen!

Nun aber zu den anderen drei Gründen: Unsere Kinder sind durchaus reiseerprobt (jedenfalls zwei von ihnen), aber sie bleiben doch Kinder. Ihre Sommerurlaubs-Prioritäten heißen Meer und Baden, egal in welches Land wir sie schleppen. Wir strichen die Wunschliste unserer Reiseaktivitäten also rigoros zusammen und ließen fast nur Dinge stehen, die sowohl bei Hitze als auch mit Kindern funktionierten.

Überraschung – das waren gar nicht mal wenige Punkte, und sie machten auch uns Erwachsenen viel Spaß! Hier sind also unsere Sightseeing-Tipps für einen kinderfreundlichen Japan-Urlaub.

Weltwunderer Japan Kinder

Japan hat für Kinder viel mehr zu bieten, als man denkt!

Giant Buddha in Nara – von Hirschen und Nasenlöchern

Nara ist vor allem die Stadt, in der das größte Holzgebäude der Welt (der Todai-ji) steht, welches wiederum den Daibutsu beherbergt – einen etwa 15 Meter hohen Bronze-Buddha. Bevor unsere Kinder auch nur anfangen konnten, deswegen herumzunörgeln, trafen wir im Parkgelände um den Daimon herum eine süße Hirschkuh mit noch süßerem Kitz. Niiiedlich – und die ließen sich sogar streicheln!!

Tatsächlich wimmelt Nara Park von handzahmen – und teilweise direkt frechen – Hirschen, die hier offenbar denselben Status wie indische Kühe genießen (nur sind sie wesentlich besser genährt). Achtung: Zwar sind japanische Hirsche viel kleiner und zarter als ihre europäischen Artgenossen, trotzdem warnen Schilder im Park davor, dass die Viecher auch mal schmerzhaft schubsen, kneifen und stoßen können, wenn sie Futter haben wollen. Ich persönlich verstehe ja den Hirsch-Hype sowieso nicht – jaaa, wenn es Kaninchen wären, oder Kätzchen…

Weltwunderer Japan Nara Daibutsu

Uiii, ein Hirsch…

Die zweite Fliege muss aber auch noch erwähnt werden, denn nur wegen der Hirsche lassen sich die Kinder ja nicht in den laaaangweiligen Todai-ji hineinlocken (nicht traurig sein übrigens, wenn das Haupttor geschlossen ist – der Eingang ist versteckt an der linken Seite!). Dort wartet nämlich eine weitere Kinder-Attraktion: Neben dem rechten Fuß des Riesenbuddha steht dort eine dicke Holzsäule, vor der immer eine Schlange von japanischen Familien wartet. Warum?

Im Fuß der Säule ist ein schmales Loch, dessen Durchmesser genau dem des Buddha-Nasenlochs entsprechen soll. Und wer durch dieses hindurchpasst, dem winkt immerwährendes Glück (oder so). Klar, dass unsere Kinder sich als menschliche Taschentücher ausprobieren mussten – und auch die Weltwundertochter quetschte sich gerade noch so hindurch. (Es gab durchaus auch beleibtere Kandidaten, die sich rückwärts wieder herausziehen lassen mussten!)

Weltwunderer Japan Nara Daibutsu

Durch das Nasenloch des Buddha – kein Problem

Der Mega-Hit, nicht nur für Jungs: Ninja-Museum in Iga

Ninja-Devotionalien und echte Ninjas liefen uns auf unserer Japan-Reise immer wieder über den Weg, vor allem im historischen Tokioter Viertel Asakusa. Und wir waren auch recht schnell im Besitz diverser Ninja-Schwerter, Ninja-Schuhe und Ninja-Wurfsterne (aus Plastik allerdings).

Weltwunderer Japan Iga Ninja Museum

Süße kleine Ninjas

Das einzige Ninja-Museum Japans aber, das in der ansonsten total unspektakulären Stadt Iga steht und dessen Direktor ein echter Ninja-Nachfahre ist, entdeckte ich rein zufällig im Internet. Es ist in keinem Japan-Reiseführer zu finden, den ich kenne!

Wirklich schade drum, denn das Ninja-Museum ist ein echter Kracher, und zwar nicht nur für sechsjährige Ninjago-Fans. Wir schauten uns hier zuerst eine technisch beeindruckende, gleichzeitig lehrreich und witzig aufbereitete Kampfkunst-Show an. Dann wurden wir in einer kleinen Gruppe durch ein historisches Ninja-Haus geführt, wo uns diverse Tricks wie verborgene Drehtüren, Geheimfächer unter den Dielen oder doppelte Wände vorgeführt wurden.

Weltwunderer Japan Iga Ninja Museum

Bitte eintreten ins Ninja-Museum!

Weltwunderer Japan Iga Ninja Museum

Ein echter Ninja? Wer weiß…

Weltwunderer Japan Iga Ninja Museum

Geheim, geheim!

Im Keller des Hauses wartete schließlich noch eine gut aufbereitete Ausstellung zur Geschichte der Ninja, 400 historischen Waffen und ihrer Kleidung. Und auch wenn der Großteil hier unten nur auf Japanisch und Englisch beschrieben war, hatten unsere Kinder keine Verständnisprobleme – Multimedia-Präsentation sei Dank.

Hättet ihr gewusst, dass es in Japan verschiedene Ninja-Schulen mit je eigenen Schwerpunkten gab, von denen sich einige sogar auf Medizin und Zauberei spezialisiert hatten? Dass Ninjas mit speziellen Schuhen über wassergefüllte Burggräben laufen konnten? Und dass ein Ninja im Entengang schlich, wobei er seine Füße auf den Händen abstellte? Jahaa, das alles lernt ihr dort.

Tipp: Wenn ihr im Frühjahr nach Japan reist, dann ist das fünfwöchige Ninja-Festival in Iga bestimmt besuchenswert! Wer dann im Ninja-Kostüm anreist, muss nicht einmal das Zugticket bezahlen 😉

Krachbumm mit Mehrwert: „Taiko Drum Museum“ in Tokio Asakusa

Ein Stadtbummel durch Tokio, das klingt für Kinderohren total langweilig: Es warten viele Tempel, Museen und Shopping Malls. Nachdem unsere Kinder den Besuch des knackevollen Sensoji-Schreins in Asakusa brav über sich ergehen lassen hatten (nee, hat schon auch Spaß gemacht!!), war es Zeit für die Belohnung: Wir liefen hinüber zum „Taiko Drum Museum“, das direkt über einem beeindruckend sortierten Trommelgeschäft liegt. Nur eine Querstraße vom Touristenrummel entfernt, waren wir hier total allein – und es lief eine Klimaanlage!

Nicht nur deshalb blieben wir sehr lange hier drin: Im „Taiko Drum Museum“ darf man nämlich fast alle Ausstellungsstücke ausprobieren. Es gibt nicht nur die japanischen Taiko-Trommeln, sondern auch riesige Tempelgongs, balinesische Tanztrommeln oder karibische Calypso-Schalen… Wir machten vor nichts Halt. Und empfehlen das Trommelmuseum als Muss für Familien mit Kindern!

Achtung: Montags und dienstags ist das Museum geschlossen!

Weltwunderer Japan Tokio Taiko Drum Museum

Fotos sind leider nicht erlaubt…

Füchse zählen im Wald: Fushimi Inari Taisha in Kyoto

Kyoto ist Pflicht auf jedem Japan-Reiseplan, und auch wir wollten supergern wenigstens einige der tausend Tempel anschauen. Nun ja, wir schafften immerhin einen. Der Fushimi Inari Schrein am Stadtrand bietet nämlich zwei sehr kinderfreundliche Attraktionen: Man kann hier auf zahlreichen verschlungenen Wegen durch tausende rote Torii hindurch den Wald erkunden und trifft dabei an jeder Ecke auf kleine und große Fuchs-Figuren.

Weltwunderer Japan Kyoto Fushimi Inari Taisha

Fushimi Inari Taisha, das heißt vor allem: viele Füchse

Was genau diese Füchse zu bedeuten haben und wer hier eigentlich verehrt wird, haben wir auch nach fleißiger Reiseführer-Lektüre leider nicht verstanden. Sind die Füchse die Boten eines Gottes, oder sind sie selbst Gottheiten? Und warum stiften Unternehmen und Geschäftsleute aus ganz Japan die roten Torii?

Wir stiefelten jedenfalls in faszinierter gemeinsamer Ahnungslosigkeit stundenlang staunend kreuz und quer, bergauf und bergab durch die Abenddämmerung und genossen die mystische Stimmung. Was wir nicht gefunden haben: die Bergspitze, auf der das geheime Heiligste des Schreins ausgestellt sein soll. Wer weiß, vielleicht war das Absicht?

Weltwunderer Japan Kyoto Fushimi Inari Taisha

Verwirrend viele Wege auf dem Fushimi-Berg

Weltwunderer Japan Kyoto Fushimi Inari Taisha

Wer oder was wird hier verehrt??

Weltwunderer Japan Kyoto Fushimi Inari Taisha

Tausend Torii? Sicher sind es noch mehr. Wir haben das Zählen aufgegeben

Lebendige Geschichte in Ainokura

Wie lebten die Japaner, bevor sie erdbebensichere Wolkenkratzer bauten und das Land mit billigen Blechhäusern überzogen? (Die sehen zwar großteils trotzdem ansehnlich aus, aber jeder Japan-Kenner ergeht sich in Trauer über diesen kulturellen Verfall – es muss also was dran sein.) Japaner haben es nicht so mit Restauration und Erhalt historischer Bausubstanz. Auch die ältesten Shinto-Schreine im Land sind bei genauerem Nachfragen meist vor spätestens 150 Jahren abgerissen, abgebrannt oder bei Erdbeben eingestürzt und danach schick wieder aufgebaut worden.

Weltwunderer Japan Ainokura

Japanisches Weltkulturerbe in Ainokura

Weltwunderer Japan Ainokura

Früher waren die Japaner offenbar noch kleiner als heute…

Das winzige Dörfchen Ainokura in den Japanischen Alpen ist eines der gaaanz wenigen, in denen tatsächlich noch echte alte Häuser stehen, die außerdem noch bewohnt werden. Unseren Abstecher hierhin fanden die Kinder richtig spannend, denn einige der Häuser stehen für Besichtigungen offen. Und welches Kind klettert nicht gern steile Treppen auf Dachböden hinauf, versteckt sich hinter Schiebetüren bestaunt in den Boden eingelassene Feuerstellen? Den meisten Applaus fand jedoch ein von Kindern gestaltetes Hinweisschild, das auf die Gefahren des Rauchens in den historischen Holz-und-Stroh-Häusern hinwies. 😉

Weltwunderer Japan Ainokura

Rauchen verboten in Ainokura

Nachtwandern und Gewichtheben auf dem Friedhof: Okuno-in in Koya-san

Der größte buddhistische Friedhof Japans Okuno-in, voll mit moosbewucherten Grabsteinen, geheimnisvollen Laternen und Jizo-Statuen unter riesigen Zedern – das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zum Glück gibt es auch hier einiges, was man Kindern schmackhaft machen kann.

Wir begannen unseren Aufenthalt in der herrlich kühlen Tempelstadt Koya-san stilecht abends, als kein einziger der tausenden Tagestouristen mehr zu sehen war. (Natürlich auf einem kostenlosen Parkplatz am Waldrand mit riesigem, makellosem Toilettengebäude.) Und weil das stimmungsvoll beleuchtete Friedhofsgelände auch nachts offen ist, forderten wir die Kinder zu einer echten Grusel-Nachtwanderung heraus. Mehr als 200 Meter trauten sie sich nicht hinein, trotz Taschenlampe. Vielleicht hätten wir die Zombies nicht erwähnen sollen…

Weltwunderer Japan Koyasan

Okuno-in in Koyasan – auch am Tag sehr beeindruckend

Auch tagsüber macht ein Bummel über den Friedhof Spaß, man kann halt viel mehr sehen 😉 Unseren Kindern gefiel nicht der Tempel der tausend Lichter am besten (obwohl da ein Mönch ein loderndes Feuer bewachte) und auch nicht die Gasse der Buddha-Statuen, die man als Gläubiger ordentlich mit Wasser bespritzen musste. Sie waren stattdessen beeindruckt von dem Holzkasten, in den man nur mit einem Arm hineingreifen konnte und so einen Stein auf ein Brett heben sollte – das Gewicht des Steins soll dabei variieren, je nach dem Gewicht der eigenen Sünden. (Wenn das stimmt, muss der Weltwundersohn dringend mal über seine Sündenbilanz nachdenken!)

Weltwunderer Japan Koyasan

Worshipping Buddha: sehr seltsame Bräuche hier…

Weltwunderer Japan Koyasan

Im Tempel der tausend Lichter brennt ein lustiges Feuerchen

Nudelsuppenkunst in Yokohama

Über unser krasses Kulturschock-Erlebnis im Cup Noodles Museum in Yokohama habe ich schon ausführlich geschrieben und verlinke daher ganz faul. Ein Besuch im Nudelsuppenmuseum wird Eltern mit Kindern in jedem Reiseführer empfohlen, ich denke aber, dass man sich den gut überlegen sollte. Das ist definitiv nichts für Sensibelchen! In puncto persönliche Andenken waren unsere selbst gestalteten Nudelsuppen aber der absolute Renner (und geschmeckt haben sie auch).

Weltwunderer Japan Yokohama Cup Noodles Museum

Male, male Nudelsuppe…

Auf Totoros Spuren

Eure Kinder kennen Totoro & Co. nicht?? Das solltet ihr spätestens vor der Abreise nach Japan abstellen. Wir haben es zwar leider, leider nicht ins weltberühmte und auf Monate im Voraus ausverkaufte „Ghibli Museum“ in Tokio geschafft, aber Totoro, die Rußgeister und andere Anime-Figuren aus der Studio-Ghibli-Welt begegneten uns in Japan allerorten. Niedliche Zeichentrick-Figuren sind in Japan kein Kinderkram, auch ernsthafte Erwachsene benutzen hier ganz selbstverständlich Brotdosen mit Anime-Motiven oder wischen sich mit Pokemon-Handtüchern den Schweiß ab.

Für unsere Kinder war es jedes Mal ein Fest, wenn wir Totoro und Konsorten irgendwo begegneten. Und wir haben definitiv viel zu viele Andenken mit nach Hause gebracht…

Weltwunderer Japan Totoro

Weltwunderkinder im Himmel: ein Totoro-Fanshop!

2 Kommentare

  • Wunderbar!! Totoro samt zugehöriger Konsumwelt ist für unsere Zehnjährige ein echter Reiseanreiz – wobei ich allerdings auch Hello Kitty nicht verschweigen will. Ich weiß ja nicht, was die Weltwundertochter so liest, aber meine oben genannte Tochter hat grade einen Mädchenroman mit massig Tokio-Pop-Appeal entdeckt: „Harriet – versehentlich berühmt. Ein Kolibri auf dem Catwalk“ von Holly Smale. (Nicht vom Titel abschrecken lassen – ist nicht so tussig, wie es klingt; ich hab’s mit eigenen Augen gelesen. Im englischen Original heißt die Serie „Geek Girl“, was sich definitiv besser anhört.)
    Grüße von Maria im Japan-Fieber

  • Man kann Tickets für das Ghibli-Museum nicht nur im Voraus über das Internet (empfehlenswert für Ausländer!), sondern auch vor Ort in Japan kaufen, in Lawson’s Convenience Stores / Kombinis. Dafür braucht man aber jemanden, der Japanisch sprechen/lesen kann, weil das über eine Maschine läuft, deren Englisch irgendwann nach dem dritten Klick spurlos verschwindet. Auf dem Weg haben wir es geschafft – und das während der Kirschblütenzeit! Dabei geholfen hat uns Tomo, den wir über die Organisation Tralocal kennengelernt haben. Diese Organisation bringt Reisende (TRAvelers) und Einheimische (LOCALs) zusammen, damit letztere den ersteren ihren Ort zeigen können. Sehr empfehlenswert! Einfach mal „Tralocal“ in die Suchmaschine eingeben.

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