Neuseeland-Reise 2002

Neuseeland, die erste – drei Tage bis Auckland

… Obwohl wir heute vom Flughafenpersonal überraschend freundlich mit „Kia Ora“ willkommen geheißen wurden und es noch kaum fassen können, tatsächlich in Neuseeland zu sein, ist doch schon der dritte Tag der langen Irrfahrt zu den Antipoden, wo die Leute nach allgemeinem Kenntnisstand mit dem Kopf nach unten laufen und andersrumme Haarwirbel haben.

Los ging unsere große Reise nämlich schon vor drei Tagen, als wir früh um 9 bei Tine vor der Tür standen und unseren hübschen, aber etwas schwerfälligen Audi gegen einen spritzigen und gemieteten Opel Corsa eintauschten, der uns schnell und mit nur einer ernstzunehmenden Ablenkung durch einen gar schrecklichen Auto-Mit-Wohnanhänger-Zu-Schnell-Gefahren-Unfall knapp vor uns sicher nach Frankfurt/Main an den Flughafen brachte, wo wir ihn flugs gegen ein noch besseres Gefährt, nämlich ein Flugzeug der Air Aseana, eintauschten.

Dieses brachte uns als sehr verantwortungsbeladene Notausgangsbeschützer mit himmlischer Beinfreiheit in nur (haha) zehn Stunden nach Seoul, in die Hauptstadt von Südkorea. Dort früh am Montag angekommen und ohne Lust auf umständliches Auschecken und Stadterkunden, füllten wir lieber einen kompletten Tag, also acht Stunden, mit duschen für 10 Dollar, auf Bänken liegen und pennen, masochistischem Ertragen von japanischem Musikfernsehen, Duty-free-Shoppen und Rauchen auf luxuriös belüfteten Inseln aus. Interessant waren nicht nur die Rauchgewohnheiten der Koreaner (die Spucknäpfe werden tatsächlich als solche benutzt! Igitt!!), sondern auch und vor allem die Einführung in die koreanische Küche. Ja, am Seouler (?) Flughafen kann man auch gut essen! Wir probierten diverse Suppen mit viel Grünzeug, gelben Rettich in Scheiben und entdeckten per Zufall ein koreanisches Nationalgericht: kalte Suppe. Naja.

Am Abend ging es dann endlich an die zweite Etappe – wieder eine zehnstündige Unternehmung, diesmal aber nach Sydney und in einem lustigeren Flugzeug, in dem man Privatfernsehen und diverse Computerspiele am Sitz kleben hatte. Unterhalten wurden wir aber am meisten durch unsere Mitreisenden, die sämtlich in Seoul neu zugestiegen waren: Koreanisch gehört fortan nicht mehr zu unseren Lieblingsnationalitäten.

Keiner der koreanischen Passagiere verbrachte mehr als eine halbe Stunde am Stück an seinem Platz, geschweige denn auf seinem Sitz. Nee, beim Fliegen ist Bewegung angesagt! Da geht man in den Gängen spazieren, wirft sich über die Rückenlehne, um laut mit der hinteren Reihe zu palavern oder man nimmt aktiv am Fitnessvideoprogramm teil. Klar, für den Körper ist die viele Bewegung das Beste und warum sollte man nicht mitmachen, wenn schon ein Fitnessvideo angeboten wird? Für uns übermüdete, unsere Privatsphäre und einen Nichtangriffsbereich von 50 cm rundum gewohnte Deutsche war es, hm, anstrengend. Wir freuen uns schon auf den Rückflug…

Fast hätte Tine diese zehn Stunden im Paradies namens Business-Class verbracht, aber Mitleid und guter Wille brachten sie dazu, einen von 100.000 identischen, frühsporttreibenden Asiaten mit ihrem Upgrade zu beglücken. Zum Ausgleich gab es zwar kein asiatisches, aber leckeres Essen – für den Weltwundermann Algen und noch Undefinierbareres, für mich vegetarisch, also wie immer: fades Zeuch.

In Sydney angekommen, hatten wir es schon fast geschafft und belohnten uns mit Donuts und Bagels. Nach dann gar nicht mehr so langem Warten in einem lustig begrünten Flughafen mit einem grauenhaft ekligen Raucherbereich (den wir natürlich trotzdem betraten…) bestiegen wir letztendlich den Flieger nach Auckland und kamen nachmittags um 16 Uhr Ortszeit, also zehn Stunden anders als zu Hause, an.

Zack, ging es mit einem hünenhaften Maori-Taxifahrer ab zur Britz-Mietwagenstation, wo wir unter Verleugnung von Tine (die wartete brav am Flughafengebäude) und nach kurzer Einführung unseren schnuckeligen kleinen Camper überreicht bekamen, mit dem wir uns gleich wagemutig in den Linksverkehr stürzten. Weiß gar nicht, wie oft der Weltwundermann den Scheibenwischer angemacht hat, als er blinken wollte…

Der Zeltplatz am Strand in Takapuna, einem hübschen Vorort (mit Hochhäusern?) hinter der gigantischen Harbour Bridge war dank Lonely Planet und Weltwunderfrau schnell gefunden, der Supermarkt um die Ecke hatte aber schon geschlossen und warf so unsere Pläne über den Haufen. Ersatzhandlungen in einem Minimarkt brachten zwar eine karge Nudelmahlzeit, aber kein Bier. Deshalb ist jetzt auch schon Schicht im Schacht bzw. im Schrank, den wir liebevoll unser Zuhause nennen, obwohl es erst halb 11 ist… Aber der Jetlag und die Übermüdung schlagen gnadenlos zu. Ich glaube, ich war noch nie in meinem Leben so müde… Uff.

2 Kommentare

Hier kommt deine Meinung rein.