Gut zu wissen Unterwegs in Neuseeland

9 einfache Naturschutz-Tipps: So schützt ihr Neuseelands Umwelt beim Reisen

„Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet“, stellte schon Hans Magnus Enzensberger fest. In Neuseeland war er unseres Wissens nie, aber die aktuelle Entwicklung dort könnte man nicht besser beschreiben. Wir haben Tipps gesammelt, wie ihr die Natur in Neuseeland auch als Touristen schützen könnt.

Neuseelands Natur schützen

Neuseelands Natur ist einzigartig, und jeder kann helfen, sie zu erhalten

Die neuseeländische Umwelt ist vielerorts in beklagenswertem Zustand, und das liegt beileibe nicht nur an uns Touristen. Aber wir sind es, die in großer Zahl in die besonders ursprünglichen, wenig besiedelten und naturgeschützten Regionen dieses Landes reisen. Und genau die wollen wir noch lange in diesem wunderschönen Zustand sehen.

Leider ist es zunehmend verbreitet, dass man genau in diesen wunderschönen Winkeln hässliche Zeugen menschlicher Anwesenheit findet: von überquellenden Mülleimern an Freedom-Camping-Stellplätzen und zurückgelassenem Campingzeug an kostenlosen DOC-Campsites, über Plastiktüten und kaputte Badeschlappen am Strand bis hin zu Toilettenpapierfetzen im Wald (igitt!).

Neuseeland Fiordland Flechten

Nein, das ist kein Müll, das sind sehr hübsche Flechten und Moose

Hier sind 9 Tipps, wie ihr Neuseelands Natur schützen könnt:

Ruht euch nicht darauf aus, den DOC zu loben und von den toll angelegten Wanderwegen mit sauberen Toiletten im hintersten Winkel zu schwärmen. Unterstützt den DOC lieber bei seiner Arbeit.

Das fängt schon damit an, die „Kasse des Vertrauens“ („honesty box“) an vielen Campsites als solche zu respektieren – und nicht als Angebot, hier kostenlos zu campen. Die vielen abgelegenen Campsites von persönlich anwesenden Rangern verwalten zu lassen, ist für das DOC unmöglich. Das eingenommene Geld wird aber dringend benötigt: für die Erhaltung und Pflege von Wanderwegen und Hütten, den Artenschutz und vieles mehr.

Ihr genießt die Leistungen des DOC – dann bezahlt bitte auch dafür.

Wenn ihr mehr tun wollt, gern: Der DOC freut sich immer über freiwillige Helfer, die bei der Verwaltung von Campsites und Hütten helfen, beim Anlegen von Wegen, beim Zählen und Einfangen von Tieren etc. Was es wo zu tun gibt, steht immer aktuell auf der Website des DOC. „Volunteering“ für den DOC könnt ihr übrigens auch mit einem ganz normalen Besuchervisum machen, und ihr müsst euch auch nicht auf Monate verpflichten – kurzfristige Aktionen dauern oft nur wenige Tage.

Und natürlich könnt ihr auch einfach etwas spenden.

Die vielen hundert günstigen oder ganz kostenlosen DOC Campsites im ganzen Land geben euch die Möglichkeit, in freier Natur mitunter ganz allein zu campen. Da ist Freedom Camping fast gar nicht nötig, oder? In Neuseeland ist das nach wie vor grundsätzlich erlaubt, und es spart euch unheimlich viel Geld, besonders als Familie.

Mit dem Freedom Camping ist es aber wie mit dem Couchsurfing: Man sollte es nicht als Gelegenheit sehen, kostenlos durch die Welt zu kommen, sondern als Bereicherung seiner Reise.  Es gibt hunderte ausgewiesene, legale Freedom Camping Spots. Beschränkt euch auf diese, verhaltet euch dort umsichtig und rücksichtsvoll und hinterlasst keine Spuren eurer Anwesenheit.

Und wenn ein Freedom-Camping-Stellplatz schon mit mehreren Campern belegt ist, dann quetscht euch nicht dazu.

Euren Müll solltet ihr grundsätzlich nie am Wegrand oder in der Natur entsorgen, das gilt nicht nur für Stellplätze. Legt bitte auch nur verschlossene Müllbeutel in die Mülleimer, damit keine Einzelteile vom Wind fortgeweht werden können. Müll verschandelt nicht nur die schönsten Gegenden, er gefährdet auch ganz direkt Wildtiere, die ihn fressen und daran ersticken oder sich vergiften.

Achtet darauf, Mülltonnen immer gut zu verschließen; neugierige Keas und Pukekos zupfen sonst flink alles heraus.

Und wenn ihr unterwegs Müll findet, dann hebt ihn auf und nehmt ihn mit zum nächsten Mülleimer.

Was für Müll gilt, trifft auf eure eigenen Hinterlassenschaften natürlich noch stärker zu. In Neuseeland findet sich wirklich an jeder Ecke eine saubere Toilette – benutzt sie bitte, und „don’t shit in the woods“! Mit Kindern gibt es ja ab und zu Notfälle, aber auch diese sollen bitte nicht am Wegrand liegenbleiben. Packt den Mist in eine Plastiktüte, oder vergrabt ihn wenigstens 50 cm tief, weitab von Bachläufen oder Quellen.

Und wenn ihr Freedom Camper seht, die sich in der Natur erleichtern, dann dürft ihr die gern anzeigen!

Ein abendliches Feuerchen ist gemütlich und bringt das totale Freiheits-Feeling, stimmts? In jedem DOC-Naturschutzgebiet (und in einer Zone von einem Kilometer außerhalb), an nahezu jeder DOC Campsite und an jedem Freedom Camping Spot sind Feuer allerdings verboten.

Auch wenn es gerade geregnet hat, ringsum nur Steine und Sand zu sehen sind oder einfach niemand da ist – haltet euch an den „fire ban“. Ein verheerender Waldbrand ist schneller entstanden, als man denkt, und die Schäden können furchtbar sein. Ist euch das euer Feuerchen-Spaß wert?

Feuermachen bitte wirklich nur an ausgewiesen erlaubten Stellen.

Die Wege im naturbelassenen „bush“ oder im Gebirge sind ohnehin so angelegt, dass ihr maximalen Naturgenuss bekommt. Oft lauft ihr hier über eigens angelegte „boardwalks“ oder Metallgitter, um den Boden nicht zu zerstören. Zeigt etwas Wertschätzung für diese immense Arbeit – der Untergrund und die darauf wachsenden Pflanzen sind oft sehr empfindlich, und das Nest eines Laufvogels ist schnell zertrampelt.

Geht nicht vom Weg ab, auch nicht für ein tolles Foto, und schärft das auch euren Kindern ein.

Waitonga Falls Mt Ruapehu

Bretter, die die Welt bedeuten – jedenfalls für die Pflanzenwelt darunter

In Kauri-Wäldern könntet ihr mit euren Schuhen die unsichtbaren Sporen des „kauri dieback“ übertragen und so zum Aussterben der letzten Kauris beitragen, oder Didymo-Algen in noch saubere Gewässer bringen – und das wollt ihr sicher nicht.

Steht also an einem Wanderweg der Hinweis, dass ihr eure Schuhe reinigen sollt, dann tut das. Gründlich.

Was ihr bei einer Wanderung im „bush“, am Meer oder im Gebirge an Tier- und Pflanzenarten vorfinden könnt, wie sich die Tiere in ihrem Lebensraum verhalten und was ihnen schadet – darüber solltet ihr Bescheid wissen, bevor ihr aufbrecht. Das DOC leistet in Neuseeland hervorragende Aufklärungsarbeit, gibt kostenlose Broschüren für den kleinsten Track aus und stellt allerorten Infotafeln auf. Lest sie, erklärt euren Kindern, was ihr da lest, und gebt euch gemeinsam Mühe, das Gelernte umzusetzen.

So lauft ihr keine Gefahr, scheue Pinguine von ihren Küken fernzuhalten, Kea-Papageien mit für sie giftigen Snacks zu füttern oder von einer Seelöwin attackiert zu werden, die ihr Baby beschützen will.

Und wenn ihr ahnungslose Touristen seht, die sich falsch verhalten, dann weist sie freundlich, aber bestimmt darauf hin.

Zum nachhaltigen Reisen gehört natürlich noch viel mehr – angefangen mit dem umweltverträglichen Flug nach Neuseeland (haha), haben wir hier für euch noch viele weitere Anregungen gesammelt.

Habt ihr noch mehr Tipps, was wir alle tun können, um die neuseeländische Natur durch unseren Besuch nicht zu zerstören?

Coromandel Lookout

Wir alle wollen doch, dass Neuseeland weiterhin so schön aussieht, hm?

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4 Kommentare

  • Tolle Informationen,

    aber es kann doch nicht euer Ernst sein, dass der Kot eines Menschen in der Natur der Umwelt mehr schadet, als ihn in einer PLASTIKtüte zu vergraben.

    • Nee, ist es auch nicht! 🙂
      Da steht doch: Kacke in Plastiktüte in den Mülleimer (-> hygienisch) ODER vergraben. Ohne Tüte natürlich.
      Zufrieden?

  • Danke für die Zusammenfassung, ich hoffe, dass viele Besucher das beherzigen werden. Ich hätte noch einen Punkt: für viele ist ja NZ der Inbegriff von Natur, und da möchte man ja auch naturnah leben und Dinge tun, die man zu Hause nicht machen kann. Zum Beispiel am Strand Muscheln für´s Abendessen sammeln. Find ich auch toll, leider sind aber in den letzten Jahren zB im Abel Tasman Park fast alle Felsen leergeräubert worden. Einmal stand ein Deutscher mit einer ganzen Tüte voller Paua (Abaloneschnecken) vor uns und fragte, was er jetzt damit machen soll. Er hatte die ganze Population in der Bucht abgesammelt und konnte soviele gar nicht essen, und erlaubt war es sowieso nicht. Also, bitte nachhaltig und zurückhaltend sammeln, nicht alles leerräubern und wenn nur ein paar Muscheln da sind, laßt sie einfach dort. Whitebait ist bis auf eine Art auch vom Aussterben bedroht, also sollte man der typisch neuseeländische Delikatesse nicht zu oft frönen. Sorry, wenn ich eine Spaßbremse bin – ich muss selber dieses Jahr auf Jakobsmuscheln verzichten, weil ein Fangverbot in unserer Gegend erlassen wurde. Und das fällt mir seeeeehr schwer. Seufz. Die sind so lecker….

    • Vielen Dank für den Hinweis, Ruth! Dich sollten wir direkt als Reise-Umweltberaterin engagieren 😉

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