Anreise: Rund ums Fliegen

An Bord: Fliegen mit Kindern

Der Aufenthalt an Bord kann bei einem Langstreckenflug wirklich seeeehr lang werden – denn anders als im Zug muss man die meiste Zeit ruhig sitzen, es ist furchtbar eng und auch laut und man kann bis auf Start und Landung* nicht(s) aus dem Fenster sehen! Die (wenigen) Höhepunkte und was man generell über den Ablauf eines Fluges wissen sollte, beschreibt dieser Beitrag.

Weltwunderer An Bord

Entertainment

Bis auf die Billigflieger hat eigentlich jede Fluggesellschaft ein familientaugliches Bordprogramm; ob das aber drei alte Disney-Trickfilme sind oder zwanzig Filme verschiedener Länge, dazu Computer- und Hörspiele, kann einen großen Unterschied ausmachen.

Die meisten modernen Maschinen verfügen über ein „Personal Inflight System“, das ist ein eigener Monitor mit eigener Kanalwahl im Rücksitz des Vordermannes. Hier muss dann nur noch sichergestellt werden, dass das Kind passende Kopfhörer zur Verfügung hat – die Wegwerf-Kopfhörer im Flugzeug sind für jüngere Kinder oft zu groß und rutschen herunter. (Gerade die Kleinen sind aber auch schon zufrieden, wenn sie es nur flimmern sehen und können auf die Dialoge verzichten.)

Alternativ bieten sich hier mitgebrachte Hörspiele und Musik auf dem iPod (hat heutzutage außer mir eigentlich jeder) bzw. Filme und Spiele auf dem Tablet an. Vorteil: Eltern haben die Macht über das Programm, die Altersangemessheit kann individuell geregelt werden (nicht jedes Kind verträgt Disneyfilme!) und es gibt kein Genörgel à la „Das ist laaangweilig…“ oder „Das kenne ich schon!“

* Im A380 bietet das Bordprogramm ein ganz interessantes Feature an: Vier (oder waren es sechs?) Kameras filmen während der gesamten Flugzeit aus dem Flugzeug heraus, nach oben, unten, vorn und hinten. So machen Start und Landung auch auf den Gangplätzen Spaß!

Spielzeug

Speziell für die kleinen Gäste gibt es bei jeder Airline Spielzeug, mitunter nicht zu knapp. Oft werden die Kinder schon beim Boarding beschenkt, mitunter kommt das Bordpersonal mit einem Tablett an den Sitz und man kann in Ruhe auswählen. Hier sollte man sich auch nicht vor gezielten Nachfragen scheuen – besser eine augenrollende Stewardess als ein gelangweiltes Kind! Wir haben bei Lufthansa sehr gute Erfahrungen mit Spielzeug für jedes Alter gemacht; Buntstifte und Malbücher sind die Mindestausstattung.

Essen

Machen wir uns nichts vor – das Speiseangebot in der Economy Class ist eigentlich immer schlecht. Wenn man tiefgefrorenes und mikrowellenerhitztes Essen in einer minikleinen Assiette mit Plastik- oder Kinderbesteck auf einer Fläche von 60 cm2 einnehmen muss, das man anschließend mangels Bewegung nicht richtig verdauen kann, dann ist das auch ganz logisch.

Stellt euch am besten darauf ein, dass den Kindern das Essen nicht schmecken wird. Bereitet sie darauf vor und nehmt eine Notfall-Ausstattung an Müsliriegeln mit. Die Grundregeln hier: Snacks sollten nicht krümeln, nicht kleben, nicht schmieren und nicht viel Zucker enthalten (Zucker = Energie = wache Kinder!). Wenn Obst nur geschnitten gegessen wird, sollte das vorher erledigt worden sein; die Plastikmesser an Bord sind zum Schneiden ungeeignet.

Ja, es gibt spezielle Kindermenüs; die werden Kindern mit eigenem Sitzplatz aber nicht automatisch zugeteilt. Und nein, das Kinderessen schmeckt auch Kindern nicht unbedingt, die normalerweise gern Pommes und Spaghetti essen (Erfahrung!).

Für ganz kleine Kinder haben viele Fluglinien Babykost vorrätig – aber auch hier gilt wieder: Es wird sicher nicht die gewohnte Marke oder Sorte sein. Wirklich nett ist, dass das Kinderessen beim allgemeinen Austeilen immer zuerst dran ist (gemeinsam mit den anderen „Abweichlern“, etwa den Vegetariern). Man kann dem Kind also zuerst in Ruhe beim Essen helfen (und das ist nötig!), bevor man sich selbst der Herausforderung stellt.

Nachholen ist möglich, sollte aber nicht erwartet werden. Das Bordpersonal kann nur so viel verteilen, wie es ursprünglich für die Passagiere vorgesehen hatte. Auch tauschen (von Fisch auf Fleisch oder so) kann klappen, muss aber nicht.

Trinken

Viel wichtiger als Essen ist Trinken – das sollte besonders auf Langstreckenflügen Priorität haben! Das Bordpersonal bringt IMMER gern Getränke zum Sitz, nicht nur auf den regelmäßigen Rundgängen. Und es wärmt auch Milchflaschen in der Bordküche auf. In einigen Flugzeugen kann man sich sogar vor der Bordküche selbst mit Getränken und Snacks bedienen.

Getränke, die auf dem Tablett am Sitz abgestellt werden, sind tückisch. Klug ist, wer die Becher nur halbvoll füllen lässt. Praktisch ist hier eine eigene Trinkflasche, die immer wieder aufgefüllt werden kann (spart Müll und Nerven, weil sie nicht bei jeder Veränderung der Sitzposition verschüttet werden kann).

Toilette

Was reingeht, muss auch wieder raus – und hin und wieder aufzustehen und herumzulaufen, ist bei längeren Flügen nicht nur für Kinder eine Wohltat. Eltern, die beim Fliegen oft sehr verkrampft und beengt sitzen müssen (im „schlimmsten“ Fall mit schlafenden Kindern auf dem Schoß), sollten jede Gelegenheit nutzen, den Kindern Bewegung zu bieten und sich selbst vor einer Thrombose zu schützen. Flugzeugtoiletten sind eng, aber mit einem (kleinen) Kind passt man hinein. Vorschulkinder sollte man warnen, bevor gespült wird – die Geräusche sind mitunter erschreckend.

In der Toilette kann man übrigens auch recht gut wickeln, dazu wird ein Wickeltisch aus der Seiten- oder Rückwand über das Toilettenbecken geklappt. Bitte keine Wickelaktionen am Sitzplatz ausprobieren – alle Sitznachbarn werden es euch danken!

Und wenn in der Hektik zu wenige Windeln eingepackt wurden (oder, wie in unserem Fall, das „gute“ Essen und die Aufregung zu Durchfall führen …), hat jede Airline auch Windeln, Feuchttücher und Wundcreme vorrätig. Einfach das Bordpersonal fragen!

Am Platz

Klar, angeschnall sitzenbleiben ist für alle Passagiere das Sicherste und für das Bordpersonal das Einfachste. Es gibt Zeiten, da sollten wirklich alle sitzen: bei Start und Landung und immer, wenn das Anschnallzeichen leuchtet, aber auch beim Servieren von Essen und Getränken. Die Stewardessen finden es nicht lustig, wenn sie mit ihren Wagen an einem im Gang herumhampelnden Kind hängenbleiben.

Bevor ein Kind aber wie wild auf seinem Sitz herumturnt und dabei die Passagiere auf den vorderen und hinteren Sitzreihen in den Wahnsinn treibt, sollte man dem Bewegungsdrang nachgeben und einen kleinen Spaziergang unternehmen. Gerade auf Langstreckenflügen kann man da recht lange unterwegs sein! Mitunter ist vor den Toiletten mehr Platz, so dass dort auch kurz auf Papa „geturnt“ werden kann.

Kleinere Kinder, die sich mit dem Schlafen im Sitzen schwertun, landen irgendwann meist auf dem Boden vor den Sitzen. Mit den Decken und Kissen, die am Platz bereitliegen, lässt sich ein recht komfortables Lager richten. Und Mama und Papa können „oben“ kurz aufatmen…

Aber Achtung: Sicher ist das nicht! Fällt der Druck in der Kabine plötzlich ab, habt ihr kaum eine Chance, euren Kindern rechtzeitig die Sauerstoffmaske anzulegen. Und kommt es zu Turbulenzen oder einem Unglück, sind „lose herumliegende“ Kinder ganz fix einfach weg.

Cool bleiben

Ja, es kann verdammt stressig sein. Und allein war es sooo viel angenehmer beim Fliegen. Aber das sollten die Kinder nicht spüren; die „spiegeln“ nämlich ihre nervösen und ärgerlichen Eltern dann und werden selbst unerträglich. Wenn es also irgendwie möglich ist, solltet ihr entspannt sein und bleiben.

Wer den Flug ausgeruht, satt und gesund antritt, eine ausführliche und vollständig abgearbeitete Checkliste am Mann hat, seine Erwartungen im Griff hat und sich bewusst macht, dass Fliegen ungefährlicher als Autofahren und dieser furchtbar lange Flug nur der Beginn eines wundervollen Urlaubs ist, der sollte genug Ruhe ausstrahlen, damit auch die Kids entspannt bleiben.

Und wenn nicht – nun ja, auch der längste Flug geht zu Ende. Und aus den schlimmsten Erlebnissen kann man danach die lustigsten Geschichten erzählen. Geplagte Eltern summen am besten leise „ommmm“…

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