Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch, 14.1.: An- und Runterkommen in Purau

Endlich geht der Urlaub so richtig los! Auf einem Picknickplatz in einem Fliegenschiss-Nest namens Purau verbringen wir unsere erste Nacht im Campervan ganz allein am Strand – idyllisch in einer Bucht der Lyttelton Harbour Bay am oberen Ende der Banks Peninsula. Und machen gleich illegales „freedom camping“, weil unser Autoatlas von 2004 hier noch einen Campingplatz verzeichnet.

Weltwunderer Purau Banks Peninsula Die Kinder schlafen endlich tief und fest (Jetlag überwunden!?) und draußen am obligatorischen Picknicktisch sitzt der Weltwundermann und raucht seine obligatorische(n) Zigarette(n). Dabei studiert er wie gewöhnlich den Sternenhimmel, der wie gewöhnlich eine Wucht ist. Ich atme das erste Mal heute tief durch und versuche mich zu erinnern, welchen Wochentag wir eigentlich haben – und welches Datum.

So langsam schalten wir alle einen Gang herunter, gewöhnen uns an die Knallsonne, die gepfefferten Preise und das Linksfahren. Jetzt geht es daran, eine Routine zu entwickeln, die uns in den nächsten Wochen das Leben auf etwa fünf Quadratmetern ohne nennenswerten Stauraum erlaubt. Im Gegensatz zu unserem kleineren Campervan von 2002 ist dieser hier zwar größer und toller, bietet aber irgendwie viel weniger Platz! Also nix mit ordentlichem Verstauen unserer acht Reisetaschen und -täschchen, dem Buggy und den Campingstühlen; wir werden wohl die nächsten zwei Monate aus den Taschen leben müssen, die nebeneinandergequetscht im Fußraum stehen.

Weltwunderer

Zu allem Überfluss hat der Weltwundersohn Durchfall und muss ständig gewickelt oder auch mal komplett umgezogen werden. Und jeder braucht ständig eine andere Jacke, längere oder kürzere Hosen, eine Taschenlampe oder, oder, oder…

Um das alles in Ruhe zu erledigen, haben wir den ursprünglichen Plan, mit der Gondel nach Lyttelton hochzufahren, ad acta gelegt. Beim Großeinkauf im Wahnsinnsdiscounter Pak ’n Save hatten wir nämlich erschrocken bemerkt, dass es schon Nachmittag war. Dabei hatten wir doch schon um 10 Uhr im Motel ausgecheckt (und vorher in aller Eile unsere acht Taschen wieder zusammengepackt) und waren in den Bus zum Flughafen gestiegen, um pünktlich um 11 Uhr unseren Campervan bei Britz abzuholen, diesen wieder zum Motel zu steuern und dort alles einzuladen – mit den bereits angesprochenen Stauraum-Problemen. Mit wechselkursbedingten Kreditkartenproblemen und dem nicht assistierten Anbringen des vorsintflutlichen Kindersitzes, ganz zu schweigen den ersten Fahr- und Orientierungsversuchen verging hier offenbar mehr Zeit als gedacht.

Das permanente Insistieren der Weltwundertochter, wann wir denn jetzt endlich an den Strand gehen würden, brachte uns schließlich dazu, sie am Straßenrand auszusetzen – nein, Quatsch, es brachte die Idee hervor, noch einen Tag zum Ausruhen und zum Optimieren der Packstrategie auf einem Zeltplatz nahe Christchurch einzulegen. Die Banks Peninsula hatten wir von 2002 noch in guter Erinnerung und der Weltwundermann wollte nur noch eines: endlich angeln! Die veraltete Karte, die hier in Purau einen Motorhome Park verzeichnet, führte uns also über 100 Serpentinen und eine supersteile Passstraße hierher.

Weltwunderer Purau Banks Peninsula

Nach ausführlichem Beschauen mehrerer geeigneter Stellen mit Bank und Klo und Beratung durch eine nette ältere Dame (hoffentlich eine Anwohnerin, denn man soll ja immer die „locals“ fragen!) wählten wir der Tochter zuliebe die mit mehr Meer; so langsam ist dank Flut auch etwas davon im Dunkeln zu erahnen.

Purau Beach

Der erste Nachtaufbau wurde mit viel Fluchen und Probieren erledigt. Nachdem die Kinder mit ihrer Bettwäsche auf der oberen Ebene lagen, stellten wir beim Auspacken der restlichen Bettwäschepakete fest, dass diese nur noch Handtücher und Bettlaken enthielten. Also den Kindern ihre Bettdecken wieder weggezogen und durch den Notfallschlafsack ersetzt, den wir zum Glück dabei haben. Vielen Dank, Britz, für die nicht angekündigten Handtücher! Vier Personen brauchen aber in der Regel mehr als zwei Bettdecken …

Unser Stellplatz am Wasser ist groß, hat eine bequeme Picknickbank, die öffentliche Toilette ist trotz der Abgelegenheit des Platzes sauber und mit Papier und Seife voll ausgestattet – wie wir es von Neuseeland kennen. Auf einer weiteren großen Wiese sind noch mehr Campervan-Stellplätze, man tritt sich also wirklich nicht auf die Füße hier. Zu allem Überfluss konnten sich die Kinder auch noch über einen Spielplatz freuen; als ob der Strand nebst kleinem Flüsschen zum Spielen nicht reichen würde …

Weltwunderer Purau Banks Peninsula

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