Neuseeland-Reise 2011

Wieder daheim – ein Neuseeland-Reise-Resümee

Es ist geschafft – nach drei Tagen Rückreise mit vielen Eindrücken (Japan!), viel zu wenig Schlaf und viel zu viel Fernsehen im Flugzeug sind wir mit knapp 90 kg Gepäck und zwei neuen Lieblingskuscheltieren in den Armen unserer lieben Daheimgebliebenen gelandet. Wie war es denn nun in Neuseeland – und wie war es, zwei Monate als Familie zu reisen?

(c) FlickR/nberlin

(c) FlickR/nberlin

Was bleibt von zwei Monaten unterwegs sein auf engstem Raum, mit täglich wechselnden Eindrücken ohne die üblichen Alltagssorgen? Würden wir es noch einmal so machen? Hierzu ein ganz entschiedenes: Na klar!

Obwohl es in den Wirren des täglichen Gefechts mitunter echt stressig und „gar nicht lustig“ (O-Ton Weltwundersohn) war, haben wir unsere Entscheidung nie bereut. Eine solche Reise würden wir jederzeit wieder antreten (und werden es hoffentlich auch tun). Wir haben viel gelernt über uns und unsere Fähigkeiten und Grenzen; das Reisen mit Kindern ist durchaus anders, aber das ist ja auch das ganze Leben mit ihnen 😉

Waikouaiti Beach

Durch das ständige Zusammensein haben wir nicht nur ganz neue Seiten an unseren Kindern kennengelernt, sondern auch sie an uns. Profitiert hat vor allem die Geschwisterbeziehung; dagegen musste unsere Beziehung als Paar auf Sparflamme köcheln, denn tagsüber funktionierten wir vollzeit als Eltern (und der Tag war lang…). Für uns Kita-verwöhnte Berufstätige war das eine echte Umstellung; und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich jetzt nicht gern wieder allein am Schreibtisch sitze. Ich hoffe natürlich, dass wir gewisse neue Routinen beibehalten können und andere, alte Gewohnheiten zurückfahren oder ganz ablegen können; das fast tägliche abendliche Abhängen vor dem Fernseher ist so etwas, das man in all der Zeit nie vermisst hat und worauf man daher doch bestimmt auch in Zukunft verzichten kann?!

Ich könnte nun viel schreiben zur wahnsinnig schönen Natur in Neuseeland, zum unheimlich satten Grün der sanft geschwungenen Hügel auf der Nordinsel, zur schwindelerregenden Höhe des azurblauen Himmels und zur berauschend klaren Luft – zu dem kribbelnden Gefühl von Freiheit, das einen immer wieder überwältigt, wenn man an einem „scenic view“-Aussichtspunkt steht und auf Berge, Meer oder Regenwald schaut.

Ich könnte erzählen von der Abgeschiedenheit der Catlins, dem Tosen des Pazifiks, der den Blick bis zur Antarktis freigibt, vom fischigen Geruch der Seelöwen am Strand, dem Flirren der Sommerhitze über den Schwefelquellen von Rotorua oder den endlos langen Wellen am schwarzen Strand von Muriwai; von der Begeisterung, die eine Schule von Delfinen wecken kann, die bis auf Armlänge an das Aquataxi heranschwimmen, oder der Ehrfurcht, die einen beim Anblick der Milchstraße überkommt, die sich nachts quer über den Himmel zieht.

Weltwunderer Whakapapa Skifield

Unbestritten sind das Dinge, an die wir uns (hoffentlich) immer erinnern werden. Am beeindruckendsten war für uns aber etwas anderes: die Freundlichkeit und Offenheit der Neuseeländer (auch wenn man dem zwanzigsten Frager nicht mehr ganz so enthusiastisch von seinen Reiseplänen berichtet, und ja, man kommt aus Deutschland…). Sie zieht sich durch den ganzen Alltag in diesem Land, bis hinein in überraschende Bereiche wie die Medienberichterstattung; die Titelseiten der großen Zeitungen waren zum Beispiel oft mit für uns wahnsinnig banalen zwischenmenschlichen Storys gefüllt, nüchterne Weltpolitik findet kaum statt.

Neuseeland ist so weit weg vom Rest der Welt, dass es diesen auch selbst ein wenig vergisst, scheint es. Umso größer ist das Interesse an Besuchern aus Übersee; von Distanz, Arroganz oder gar Misstrauen gegenüber Ausländern keine Spur. Ja, ich weiß, dass es auch hier große soziale Probleme gibt und natürlich sind Menschen immer und überall nur Menschen, aber der Gesamteindruck ist doch unbestreitbar, dass hier das „Zusammen-leben“ noch im Wortsinn zu funktionieren scheint: Auf der Straße wird man von jedem Passanten angelächelt oder gegrüßt, Autofahrer winken sich gegenseitig zu, selbst Bauarbeiter am Straßenrand tippen grüßend an ihren Helm!

Wir wurden von wildfremden Menschen zum Grillen eingeladen, unsere Kinder bekamen von fremden Kindern Eis und Fahrräder angeboten, Leute in der Kassenschlange schenkten uns ungefragt Kleingeld zum Bezahlen… die Beispiele sind endlos. Ich habe mich tatsächlich in zwei Monaten nicht ein einziges Mal über jemanden (außerhalb meiner Familie…) aufgeregt!

Am besten trifft es dieses Schild auf einem Spielplatz in Auckland:

Schild auf dem Spielplatz am Auckland Planetarium

Und genau dieser Dreh im Betrachten der Welt, die grundsätzliche Annahme des Guten in seinen Mitmenschen, das würde ich gern aus dieser Reise in den deutschen Alltag mitnehmen.

Weil es so schön war und grad so gut passt, grabe ich diesen Beitrag nach über drei Jahren (schluchz) wieder aus und werfe ihn in die Blogparade „Deine schönste Reise“ von Planet Hibbel. Neuseeland ist und bleibt nun mal unser absoluter Favorit, was Reiseziele angeht – auch wenn es in den nächsten Jahren wohl vorerst ein Sehnsuchtsziel bleiben wird …

6 Kommentare

  • […] Jenny von den Weltwunderern lässt Ihren 2monatigen once in a lifetime-Trip mit Ihrer Familie durch Neuseeland Revue passieren. Sie schwärmt “von der Abgeschiedenheit der Catlins, dem Tosen des Pazifiks, der den Blick bis zur Antarktis freigibt, vom fischigen Geruch der Seelöwen am Strand, dem Flirren der Sommerhitze über den Schwefelquellen von Rotorua oder den endlos langen Wellen am schwarzen Strand von Muriwai; von der Begeisterung, die eine Schule von Delfinen wecken kann, die bis auf Armlänge an das Aquataxi heranschwimmen, oder der Ehrfurcht, die einen beim Anblick der Milchstraße überkommt, die sich nachts quer über den Himmel zieht.” Sie gibt aber auch zu, das 2 Monate 24 Stunden als Familie zusammen zu sein, alles Andere als immer nur harmonisch und lustig sind und man als Eltern teilweise echt auf der Strecke bleibt. […]

  • Ich schluchze direkt ein bisschen mit, liebe Jenny. Hach, die Zeit vergeht soooo schnell. Unsere 2 Monate Thailand mit den Kindern sind nun auch schon wieder fast 2 1/2 Jahre her und ich kann Deine gemischten Gefühle zu so einer Reise so unterschreiben. Einerseits das Beste was man machen kann und na klar, jederzeit wieder. Aber es wäre gelogen zu sagen, daß immer alles nur easy peasy war und sich immer alles wie Honeymoon anfühlt ;). Als Familie ist es großartig, als Paar bleibt man auf der Strecke. Manchmal ist es einfach nur krass anstrengend und man wünscht sich sofort eine Kita her, wo man die Brut auch mal abgeben kann. Neuseeland ist bei mir soooo lange her (2000). Ich war dort 3 Monate und bin mit meinem gekauften Camper rumgegurkt. Es war superschön und ja, irgendwann möchte ich nochmal hin. Aber es gibt noch sooo viel zu sehen auf dieser Welt, da tue ich mich schwer wieder an die gleichen Orte zu fahren. Aber Japan….das ist gerade mal wieder ein ganz heisses Thema. 🙂 GlG und 1000 Dank fürs Mitmachen, Nadine

  • Den letzten Worten meines Vorschreibers oder meiner Vorschreiberin kann ich mich nur anschließen. Das was euch an positiven Dingen in Neuseeland so beeindruckt hat, nehmt es mit in euer Leben und seid kleine Leuchten im manchmal tristen Allerlei. Uns hatte in Finnland immer fasziniert, dass die Leute sich in Gesprächen nicht für das was du bist interessiert haben (dein Haus, deine Kinder, dein Job), sondern für das, was dich interessieren könnte (Umfeld, Politik, Wetterlage). Seitdem versuchen auch wir das ewige „Wie geht’s? – Ja geht so.“ zu unterlassen. Das fühlt sich echt und aufrichtig an.
    Dass an Neuseeland die Politik der Welt mehr oder weniger vorbei läuft, berichtete mir Jenna, eine Freundin, die ihren Lebensmittelpunkt von Neuseeland nach Finnland verlegt hatte – ja die Liebe trägt solche Blüten. Sie war stets beeindruckt davon, wie weltpolitisch die Europäer denken, wie viel sie über Weltgeschichte wissen oder sogar über die Geschichte Neuseelands – sie dagegen hätte kaum etwas zur neuseeländischen Politik oder Geschichte sagen können. Neuseeland sei ein Land zum Arbeiten und (dabei) Spaß haben, das Leben und die Menschen genießen – so ihre Worte und eure aktuelle Erfahrung.
    Und schön, dass ihr gesund und glücklich wieder gelandet seid. Bis bald.

  • Hi, schoen, dass ihr wieder wohlbehalten gelandet seid und eine positive Bilanz ziehen konntet.
    Das Problem mit dem Abhaengen vor dem Fernseher konnten wir nur durch eine drastische Massnahme verhindern: das Rausschmeissen des Fernsehers. Ich hatte mich lange dagegen gewehrt, aber ich habe es ueberlebt.
    Jetzt koennte ich mich darin sonnen, aber leider hat mein Computer- und Internetkonsum im gleichen Masse zugenommen wie der Fernsehkonsum abgenommen hat. Aber der Schritt hat den Medienkonsum zumindest etwas ‚aktiver‘ gemacht, man konsumiert etwas gezielter. Ausserdem ist der verschwundene Fernseher im Wohnzimmer dann kein Anlass mehr fuer Streit um das Fernsehprogramm, die Kinder haben sich dran gewoehnt, auch wenn unser Aeltester gerne wieder einen Fernseher haette. So einen riesigen, wandgrossen Flachbildschirm am besten. Ich muss zugeben, ich wollte schon immer mal ein eigenes Heimkino…
    Behaltet die Freundlichkeit im Herzen, laechelt Fremde auf der Strasse an (auch wenn die komisch gucken sollten), helft Leuten auf der Strasse und sucht nach dem Positiven in schwierigen Situationen. Dann ist ein Teil Neuseeland euer staendiger Begleiter.
    Viele Gruesse,
    Frithjof

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