Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Blog-Interview Nr. 1: Familie Reichler auf Familienbesuch in Neuseeland


Es geht loooos! Ich darf vorstellen: Steffi, Alex und ihr kleiner Sohn Felix sind die ersten Neuseeland-Fans, die sich dem Weltwunderer-Blog für ein Interview zur Verfügung gestellt haben. Die beiden sind im Bereich Neuseeland schon „alte Hasen“, aber für ihren Einjährigen war die Reise eine Premiere.

Steffi und Alex mit Felix in Golden Bay

Steffi und Alex mit Felix auf dem Kaituna Track

Steffi hat ihre Liebe zu Neuseeland offenbar von ihren Eltern geerbt, die vor sechs Jahren ins Land ihrer Träume ausgewandert sind. Da liegen regelmäßige Besuche bei der Verwandtschaft nahe, und so haben Steffi und ihr Mann seitdem schon dreimal die Gelegenheit zu einem Trip über die Südinsel genutzt, im Mietwagen oder per Wohnmobil – allerdings bisher immer ohne Kind. Das änderte sich, als Enkel Felix zum ersten Mal seine Großeltern besuchen sollte. Wie anders sich ihre erste Neuseelandreise mit Kleinkind anfühlte, hat mir Steffi erzählt. Wer die Option auf Wiederkommen hat, der kann seine Reiseroute eben auch ganz entspannt beschränken…

Weltwunderer: Wenn die Großeltern in Neuseeland leben, ist das ja ein naheliegendes Reiseziel. Trotzdem: Euer Sohn ist ja wirklich noch sehr klein…?

Steffi: Sicher gab es Leute, die entsetzt waren: „Mit so einem kleinen Kind…!“ Zum Zeitpunkt seines ersten Besuchs bei den Großeltern war Felix 14 Monate alt. Weil er noch so klein ist, wollten wir ihm keine anstrengende Rundreise im Wohnmobil zumuten, sondern haben uns vor allem in der Region um Nelson und in der Golden Bay umgeschaut, wo meine Eltern jetzt leben und arbeiten. Das und die Sicherheit, die wir als Neuseeland-„Kenner“ hatten, waren der Anstoß, die Reise bereits jetzt zu machen.

WW: Und: Hat es sich gelohnt?

Steffi: Auf jeden Fall! Wir hatten eine tolle Zeit, in der vor allem mein Mann mehr als sonst von Felix‘ Entwicklung mitbekommen hat. In den vier Wochen ist der Kleine wahnsinnig gewachsen, in jeder Beziehung! Wir haben ganz neue Eigenschaften an Felix kennengelernt: Wenn es darauf ankommt, kann man sich auf ihn schon richtig verlassen, er ist gar nicht mehr so klein und bedürftig, wie wir oft denken. Und er hat ein sehr gutes Gespür für Menschen.

Wir haben vom Reisen mit Kind auch selbst profitiert: Da lernt man, sich wieder für so manche Sachen Zeit zu lassen, die sonst in der Hektik untergehen. Man entdeckt Kleinigkeiten am Wegrand, die man garantiert übersehen hätte. Außerdem knüpft man mit Kind sehr schnell Kontakte. Ich finde es toll, wie viele Menschen wir in Neuseeland getroffen und kennengelernt haben. Der Kiwi-Lifestyle ist so herrlich entspannt, da können wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden.

WW: Die Frage aller Fragen: Was fandet ihr am schönsten in Neuseeland?

Steffi: Das ist echt schwierig! Es gibt so viele schöne Orte – wir können uns nicht wirklich entscheiden. Dabei haben wir die Nordinsel bis jetzt noch gar nicht gesehen… Ich finde es übrigens sehr schade, dass bei Neuseeland-Reiseberichten die Südinsel oft ziemlich kurz kommt. Da gibt es jede Menge wunderschöner Plätze! Was uns spontan einfällt:

  • Delfine und Wale beobachten in Kaikoura
  • Am Strand liegen in Kaiteriteri und Little Kaiteriteri
  • Wandern und Baden im Abel Tasman National Park
  • Die Pancake Rocks in Punakaiki an der West Coast
  • Pupu Springs und der PupuHydro Walkway in der Golden Bay
  • Die Quelle des Motueka River im Riwaka Valley, nördlich von Motueka
  • Strandwandern am Wharariki Beach in der Golden Bay und am Farewell Spit
  • Queenstown
  • Den Queen-Charlotte-Drive entlangfahren
  • Ein Spaziergang durch das “The Grove Scenic Reserve” bei Pohara: Der Ausblick vom Lookout über die Golden Bay ist fantastisch!

Wenn Felix entscheiden dürfte, würde er „Strand“ sagen 🙂

WW: Wie habt ihr euch auf die Reise mit Kind vorbereitet?

Steffi: Das war unsere erste lange Reise mit unserem Sohn, wir waren diesbezüglich also recht ahnungslos. Da niemand in unserem Umfeld Ratschläge zu bieten hatte, haben wir uns hauptsächlich über das Internet schlau gemacht, unter anderem übrigens im Weltwunderer-Blog 😉 Zur Planung vor Ort haben uns außerdem natürlich die „neuseeländischen“ Großeltern viel weitergeholfen, da sie selbst schon mit meinem kleinen Bruder durch Neuseeland gereist sind.

WW: Über Geld spricht man zwar nicht… aber vielleicht wollt ihr doch verraten, wie ihr die Reise finanziert habt?

Steffi: Ganz einfach: Sparen, sparen, sparen! Wir sind keine Großverdiener und ich bin ja zurzeit noch Vollzeitmama, aber unser Budget hat ausgereicht. Das lag aber vor allem daran, dass wir in Neuseeland nichts für unsere Unterkunft bezahlen mussten. Man kann und also mit „normalen“ Reisenden eigentlich nicht vergleichen.

WW: Was würdet ihr anderen Familien empfehlen, die nach Neuseeland reisen wollen?

Steffi: Ganz wichtig: Die Reise gut vorbereiten und mit viel Gelassenheit herangehen.
Nicht zu viel Gepäck mitnehmen! In Neuseeland gibt es „Baby on the move“, eine Ladenkette, wo man alles für Babys und Kleinkinder für wirklich kleines Geld ausleihen kann. Den Buggy haben wir in Deutschland gelassen und uns für ca. 25 € einen geliehen (und den dann fast nicht gebraucht…). Den Camper oder das Mietauto bei kleineren Firmen buchen, die sind meist günstiger. Wir haben gute Erfahrungen mit Sunrise Holidays und Hardy Cars gemacht.
Ganz wichtig: Wenn das Kind noch Windeln trägt, genügend davon ins Handgepäck tun! An manchen Flughäfen gibt es keine zu kaufen.

WW: Auf welches Gepäckstück würdet ihr nicht verzichten wollen und was war völlig überflüssig?

Steffi: Völlig überflüssig waren die meisten Spielsachen, die wir dabei hatten. Steine, Muscheln und Sand waren viel interessanter für Felix. Auf unseren Tragerucksack „Deuter Kid Comfort 3“ hätten wir hingegen nicht verzichten wollen; auch wenn Felix schon ein wenig laufen konnte, den haben wir rege genutzt!

WW: Gab es Zeiten oder Gelegenheiten, die ihr mit Kind als besonders anstrengend empfunden habt?

Steffi: In Neuseeland hatten wir ja Heimvorteil, hier war es toll. Stressig und anstrengend waren Hin- und Rückflug mit Singapore Airlines. Trotz Vorreservierung eines Baby-Bassinetts (das sind Schalen, in denen unter Zweijährige ohne eigenen Sitzplatz liegen können) haben wir keines bekommen. Der Hinflug hieß also: Zu dritt auf einem Zweiersitz in der letzten Reihe, wo man seine Sitzlehne nicht zurückklappen konnte, der Vordermann jedoch schon. Das war mit einem Kind auf dem Schoß ziemlich eng. Auf dem Rückflug bekamen wir zwar das bestellte Bassinett, allerdings nur mit einem Sitzplatz dabei. Einen Einjährigen während eines neunstündigen Fluges allein zu bespaßen, ist eine echte Herausforderung!

WW: Würdet ihr diese Reise oder eine ähnliche noch einmal machen?

Steffi: Ja, auf jeden Fall! Wir haben etwas Wichtiges gelernt: Auch mit Kind kann man prinzipiell immer und auch überall hinreisen. Die gemeinsamen Erlebnisse kann einem keiner mehr nehmen. Viel kann Felix ja noch nicht sagen, aber ich bin sicher: Wenn er sich nicht wohlgefühlt hätte, hätte er sich während unserer Reise nicht so rasant entwickelt. Er fand es toll und wir auch!

WW: Für euch ist der Gedanke an Auswanderung ja extrem naheliegend: Habt ihr je mit dem Gedanken gespielt, ganz in Neuseeland zu bleiben?

Steffi: Klar! Aber dieser Schritt muss gut überlegt sein, vor allem von der finanziellen Seite. Als nächstes werden wir „nur“ nach Italien fahren; aber hoffentlich auch bald mal wieder zu Oma und Opa nach Neuseeland!

WW: Vielen Dank, Steffi, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast! Wir wünschen euch dreien noch viele schöne Monate in Neuseeland!

Ich bin total glücklich, dass dieses Blog-Projekt geklappt hat – es war ja nicht nur Steffis, sondern auch mein erstes Interview…und ich hoffe natürlich, dass dieser Beitrag euch da draußen anspornt, eure Erfahrungen ebenfalls mit mir zu teilen. Ihr seht ja, es ist gar nicht schwer…

 

4 Kommentare

  • Hallo,
    ich durchforste gerade das Internet auf der Suche nach Erfahrungen bezüglich Neuseelandreisen mit Kind. Mein Mann und ich wollten eigendlich Anfang diesen Jahres eine Trekkingreise mit Zelt durch Neuseeland machen, aber Abreise einen Tag nach ET war dann ein Fall für die Reiserücktrittsversicherung. Jetzt haben wir bisher (*klopf auf Holz) eine sehr entspannte Tochter und bereits für nächsten März Flüge und Camper gemietet. Leider gehen nur vier Wochen – aber besser als nichts. Gerade praktische Dinge interessieren mich, da unsere Tochter vieles jetzt noch gar nicht braucht (sie ist jetzt ein halbes Jahr und wird dementsprechend in Neuseeland ein Jahr sein) und wir keine Erfahrung damit haben.
    Bevor ich hier alles zuspamme…mich interessieren: Sonnencreme (gibt ja viele die nichts taugen oder die Kleidung versauen)/brille (umstritten ob nötig), Insektenschutzmittel für Kinder (wegen Sandflys), Windeln (wir benutzen hier die von dm, was gibts in NZ?), stabiler leichter faltbarer Buggy (das Baby on the move Konzept klingt interessant, kann man auch in Stadt A mieten und Stadt B abgeben?), Erfahrung mit Jucy Rentals, vorallem Kindersitz ok? Tragehilfe – lohnt sich die Deutertrage zu kaufen wenn man einen Bondolino hat? Wir haben auch ein Babybasket bei Singapore Airlines reserviert – der obere Kommentar macht Sorgen, warum hat es trotz Reservierung nicht geklappt?
    Ansonsten bin ich dankbar für alle Tipps!
    Beste Grüsse, Anika

    • Hallo Anika,
      viele Fragen sind das, Antworten findest du wenigstens teilweise hier im Blog verstreut (Suchfunktion nutzen!). Unsere Ratschläge ganz kurz: Sonnencreme mit LSF 50plus von zu Hause mitbringen (Stiftung Warentest ist dein Freund), auch UV.Schutzkleidung und eine STrandmuschel nicht vergessen! Deutertrage braucht ihr nicht, wenn ihr eh schon eine Trage habt, Buggy ist verzichtbar bei kleinem Gepäck. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagt ihr mit dem Doona Travelsystem, das könnt ihr im Flieger benutzen (einen eigenen Sitzplatz empfehlen wir dringend – wenn nicht gebucht, habt ihr vielleicht Glück und könnt einen freien nutzen), als Buggy am Flughafen und in der Stadt und als Babyschale im WoMo. Bassinets im Flugzeug sind mit einer Einjährigen eh kritisch – passt sie dort dann überhaupt noch rein?
      Viele Grüße aus Japan!
      Jenny

    • Liebe Anika,
      vielleicht noch ein paar Infos aus unserem Erfahrungsschatz (wir waren von November 2014 bis Januar 2015 mit unserer Tochter, die dort eins geworden ist mit dem Camper in Neuseeland unterwegs):
      Wir hatten eine Sonnencreme aus Deutschland dabei, hätte es aber nicht gebraucht. Neuseeland ist genauso gut ausgerüstet wie Deutschland! Aber dann hat man seine bewährte „Lieblingscreme“ im Gepäck…
      Windeln gibt es dort auch in jedem Supermarkt (sowie Babynahrung, Feuchttücher, Schnuller, etc.)
      Voll bewährt hat sich „Stichfrei“ von Ballistik, das ist schon für die Kleinsten ab zwei Monate geeignet. Aber Sandflies stechen nicht durch die Kleidung, insofern hilft anziehen auch. Unsere Kleine wurde überhaupt nicht gestochen und wir vielleicht zehn mal. Und das trotz Reisen in die fiesen Gebiete wie Milford Sound. Aber das gute ist: Bei Wind sind die Dinger sofort weg und solange man sich bewegt, stechen sie auch nicht. Sie sind echt doof…
      Ne Sonnenbrille hat unsere Kleine nicht getragen und auch nicht vermisst. Wir hatten Sonnenhütchen und Sonnenschirm von Hyphen, das war grandios und hat uns auch viel Eincremen erspart.
      Unsere Kleine hat mit zehn Monaten nicht mehr in diesen Basket gepasst – wir haben das Geld in die Hand genommen und einen dritten Sitz gekauft. Und das trotz der erheblichen Mehrkosten keine Sekunde bereut: Die Kleine hat sieben Stunden am Stück auf ihrem Sitz liegend gepennt (in den Fußraum haben wir einen Rucksack gedrückt und dann hatte sie ne super Liegefläche) und wir konnten uns auch ein bisschen ausruhen. Alles andere würde ich wie Jenny auch nicht empfehlen. Auch wenn das Kind unkompliziert ist (so wie unsere): Einer muss immer mit ihr unterwegs sein, sie besaßen, etc. Das ist echt anstrengend und man ist heilfroh, wenn sie mal schläft und man sich auch ein bisschen in den Sitz kuscheln und pennen kann.
      Wenn ihr das Tragen gewohnt seid, braucht ihr weder Trage noch Buggy. Wir haben alles mit dem Ergobaby gemacht – entweder vorne auf dem Bauch oder hinten auf dem Rücken und das ging perfekt. Die Städte sind in Neuseeland so wenig sehenswert, dass ihr bestimmt nicht eure kostbare Urlaubszeit dort verbringen werdet. Und für die Natur macht ein Buggy überhaupt keinen Sinn.
      Mit Jucy haben wir keine Erfahrung gemacht, aber alle, die wir getroffen haben, waren mit ihren Kindersitzen zufrieden, die Neuseeländer sind da pflichtbewusst und korrekt, da muss man sich eher keine Sorgen machen.
      Vielleicht kann Dir auch unsere Reiseerfahrung auf http://www.reiseamsel.blogspot.de noch ein bisschen helfen…

      Viel Spaß bei der Vorbereitung! Lena

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