Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Blog-Interview Nr. 20: Familienwandern in Neuseeland – drei Experten plaudern aus dem Nähkästchen

Neuseeland ist ein Outdoor-Mekka, auch und gerade für Familien mit Kindern. Wenn ihr noch unsicher seid, ob ihr mit eurem Nachwuchs „down under“ auf Wandertour gehen könnt und welche Tracks geeignet sind, dann ist unser Interview mit den Familienwander-Experten aus Tirol genau das richtige Lesefutter.

Seilschaft (Betti und Emilian) (c) Christof Simon

Seilschaft (Betti und Emilian) (c) Christof Simon

 

Weltwunderer: Christof, erzähl uns doch zuerst bitte ein wenig über deine Familie!
Wir, das sind Emilian (5), Bettina (40) und Christof (35), leben in Tirol, also mitten in den Bergen. Emilian war schon als Baby auf Bergwanderungen in den Alpen oder bei Radreisen in Italien und Schweden dabei. Nach Indien, Island und Chile, Kanada und Australien stand Neuseeland schon lange auf unserer Reisewunschliste. Die mehrmonatige Auszeit hatten wir ebenfalls schon lange geplant und haben sie dann bewusst vor Emilians Einschulung realisiert, als er vier Jahre alt war.

WW: Was für Wanderungen macht ihr mit eurem Sohn in der Heimat?

Im Moment liebt er Touren, bei denen er klettern muss. Je nach Gelände sichern wir ihn meistens mit einem kurzen Seil, angebunden an einen Kombigurt. Je flacher und langweiliger der Weg ist, desto schwieriger wird es, ihn zu motivieren. In Neuseeland haben wir immer versucht, Länge und Schwierigkeiten an seine Fähigkeiten anzupassen.

In den „Visitor Centers“ wurde oft von Walks abgeraten, sobald wir erwähnten, dass wir ein vierjähriges Kind dabei haben. Am Anfang hielten wir uns noch an diese Empfehlungen, aber schon bald merkten wir, dass wir Emilian mehr zutrauen können.

Auf dem Schneefeld vor der Mueller Hut (c) Christof Simon

Auf dem Schneefeld vor der Mueller Hut (c) Christof Simon

WW: Welche Tracks fandet ihr für Familien am schönsten?

Der Weg um den Lake Waikaremona durch den Urwald war sehr schön. Hier haben wir uns vom Wassertaxi zu einer Stelle bringen lassen, sind dann drei Tage den leichten Teil der Strecke gegangen und haben uns wieder vom Wassertaxi abholen lassen.

Aber auch die Wanderung auf die Mueller Hut im Aoraki/Mt Cook Nationalpark war spitze. Hier waren wir zwei Tage unterwegs und haben eine Nacht auf der Hütte verbracht. Die Aussicht auf den Mt Cook und die Gletscher der Umgebung ist gewaltig.

Empfehlenswert in dieser Gegend ist jedenfalls der Hooker Valley Walk, für einen Familienausflug bestens geeignet. Als Tagestour auch mit Kindern gut machbar ist der erste Teil des Routeburn Track. In knapp zwei Stunden steht man am Key Summit. Ein unglaublich schönes Hochmoor mit viel Aussicht auf die umliegenden Berge.

Auch super war ganz im Norden der Nordinsel nahe Cape Reinga der Weg zum Werahi Beach. Die Strecke ist mit Kinder leicht in einer ¾ Stunde (OneWay) zu machen und kann nach Lust und Laune verlängert werden (Te Werahi Loop Track).

WW: Wie unterscheiden sich die neuseeländischen Tracks von den Alpen?

Die Klassifizierung ist etwas anders. Ein neuseeländischer „walk“ ist in der Regel ein breiter, sehr gut ausgebauter Weg, der oft sogar mit Kinderwagen befahren werden kann. Ein „track“ ist immer noch ein gut zu gehender Weg, der ordentlich markiert ist. Eine „route“ ähnelt einer Bergtour in den Alpen, die auch über Blockgelände führen kann.

So gut „walks“ und „tracks“ auch markiert sind, bei „routes“ sieht das meist anders aus. Die Markierungen sind oft spärlich oder gar nicht vorhanden. Mit den ausführlichen Beschilderungen in den Alpen kann man das nicht vergleichen. Ein Grundwissen im Kartenlesen und ein geübter Orientierungssinn sind dann von Vorteil.

Blockkletterei kurz vor der Mueller Hut mit Aoraki im Hintergrund (c) Christof Simon

Blockkletterei kurz vor der Mueller Hut mit Aoraki im Hintergrund (c) Christof Simon

WW: Wie schätzt ihr als Wanderexperten NZ als Wanderdestination mit Kindern ein?

Das Wandern mit Kindern in Neuseeland ist unkompliziert. Neuseeländer sind sehr wanderbegeistert. Wir haben auch auf mehrtägigen Touren Familien mit Kindern getroffen, die allerdings um einiges älter als Emilian waren.

Die Wege sind meist gut markiert, allerdings muss man bedenken, dass die meisten Hütten im Gegensatz zu den Alpen für Selbstversorger ausgelegt sind. Neben den mehrtägigen Walks gibt es viele kurze und für Kinder interessante Wanderungen und Spaziergänge.

Wir haben meistens Tracks gewählt, bei denen wir nach drei Tagen aussteigen konnten. Da wir im eigenen Zelt übernachteten, musste die komplette Verpflegung mitgeschleppt werden. Und auch Emilian, obwohl er große Teile der Strecken selbst gegangen ist, mussten wir manchmal tragen. Der Rucksack war oft schwer, aber dennoch klappte alles sehr gut.

Wandern entlang des Te Paki Flusses (c) Christof Simon

Wandern entlang des Te Paki Flusses (c) Christof Simon

WW: Was habt ihr denn da alles mitgeschleppt?

Unsere Ausrüstung war auf das Nötigste reduziert und sehr leicht, sodass im Notfall alles (Verpflegung, Zelt, Schlafsäcke, Matten, Kocher, Bekleidung usw.) von einer Person getragen werden konnte. Wenn Emilian nicht mehr weiter mochte, wurde er kurzerhand in die Trage verfrachtet. Bei Kindern, die noch getragen werden, schwören wir auf Tragehilfen wie die Manduca. Die sind im Vergleich zu einer Kraxe sehr leicht, lassen sich klein verstauen und das Kind wird anatomisch korrekt getragen. Der Schwerpunkt ist niedriger und das Gewicht wird besser verteilt.

Am wichtigsten beim Wandern ist Sonnenschutz. Den unbedingt vor Ort kaufen, mit den Sonnencremes in NZ haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch Mückenmittel kann je nach Wanderung wichtig sein.

WW: Kann man auch als „Wanderlaie“ in NZ guten Gewissens mit Kindern auf einen mehrtägigen „walk“ gehen?

Auf jeden Fall, wenn man das Ganze ausreichend und vernünftig plant. Man sollte nicht mehr als drei Tage gehen, denn für diesen Zeitraum bekommt man eine relativ genaue Wetterprognose. Bei vielen Routen gibt es pro Tag mehrere Möglichkeiten, zu übernachten. So kann man die Tagesstrecke bei Bedarf abkürzen.

Auf dem Weg zum Wharariki Beach (c) Christof Simon

Auf dem Weg zum Wharariki Beach (c) Christof Simon

WW: Wie fand Emilian die Reise?

Emilian fragt uns jetzt noch oft: „Wann fahren wir endlich wieder nach Neuseeland?” Die Reise hat bei ihm offensichtlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da für ihn als „Tiroler Bua“ die Berge nichts Neues sind, haben ihn das Meer und die Strände natürlich mehr beeindruckt. Aber auch an die Tiere wie Seelöwen, Pinguine, Stachelrochen und Keas erinnert er sich sehr gern.

Sein Favorit waren aber eindeutig die Skateparks. Schon bald gehörte ihm ein eigener Scooter und der erste Weg in einem neuen Ort führte uns zum örtlichen Skatepark.

WW: Wo hat es euch besser gefallen: Nord- oder Südinsel?

Uns haben die nördlichsten Teile der Nordinsel und die nördlichsten Teile der Südinsel am besten gefallen. Als Outdoorbegeisterte sind uns einsame Landschaften sehr wichtig. Von daher hat die Südinsel um einen Hauch mehr zu bieten.

WW: Ganz konkret: eure Top-Ten-Liste für NZ bitte!

  1. Wharariki Beach
  2. French Pass
  3. Tauranga Bay
  4. Aoraki
  5. Fahrt nach Glenorchy und weiter nach Paradise am Dart River
  6. Waipapa Point in den Catlins
  7. Cape Reinga
  8. Banks Peninsula
  9. Wanaka und Umgebung
  10. Te Papa Museum in Wellington
Juhu, wir sind richtig! (c) Christof Simon

Juhu, wir sind richtig! (c) Christof Simon

WW: Hand aufs Herz: Muss man wirklich nach Neuseeland? Viele meinen ja, die europäischen Alpen wären viel schöner…

Ich glaube es gibt kein „Schöner“, nur ein „Anders“. Die neuseeländischen Alpen im Süden haben manchmal Ähnlichkeit mit den europäischen Alpen, das stimmt. Allerdings ist das nur ein kleiner Teil Neuseelands. Das Großartige an Neuseeland ist seine Vielfältigkeit. Was mir vorher nicht bewusst war, ist, dass Neuseeland riesige Urwälder besitzt, wie im Fiordland.

Aber auch die vielen einsamen Sandstrände im Norden oder die wilden Küsten im Westen der Südinsel. Das sind alles Landschaften, die man so in den Alpen nie finden wird. Und selbst in den neuseeländischen Alpen: Hier gibt es Gletscher, die fast bis ans Meer reichen. Was für ein Erlebnis, wenn man das erste Mal Aoraki (Mt. Cook) in seiner vollen Pracht sieht…

Ja, man muss Neuseeland tatsächlich einmal erlebt haben!

WW: Wir danken dir für das Interview und deine Wander-Expertise, lieber Christof!

Wer mehr zum Wandern in Neuseeland (und hoffentlich auch bald in anderswo) lesen möchte, der klickt in den sehr schönen Blog der alpinen Familie: Trip with Kid.

Hier kommt deine Meinung rein.