Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Blog-Interview Nr. 8: Schwerer Fall von Neuseeland-Sucht: Sarah und Julian mit Baby Alejandra

Zum Glück ist Papa Julian Arzt, sonst würde die kleine Familie noch mehr unter ihrem Reisefieber leiden: Schon vor der Ankunft von Tochter Alejandra reisten Julian und Sarah in jeder freien Minute. Mit Baby ist es offenbar noch schlimmer geworden…

Familie Bauer unterwegs

Familie Bauer unterwegs © FamilieBauerAufWeltreise

Weltwunderer: Erzählt doch zuerst bitte ein wenig über eure Familie – wer seid ihr?

Sarah: Seit wir uns 2008 kennengelernt haben, sind wir in jeder freien und finanzierbaren Minute in der Weltgeschichte unterwegs. Das hat sich mit der Geburt unserer Tochter im Juni 2011 nicht geändert. Familie und Freunde meinten zwar, dass wir nun das Tempo aus unserem Nomadenleben herausnehmen würden, aber das hat uns nur noch mehr dazu animiert, einen weniger konservativen Weg einzuschlagen.

Julian: Mit diesem Hintergedanken organisieren wir auch unseren Alltag: Alejandra kam zwei Tage nach Sarahs Bachelorabschluss auf die Welt, drei Monate später nahm sie ein Masterstudium auf und ich legte eine siebenmonatige Elternzeitpause vom Arztberuf ein. In dieser Zeit reisten wir nach Italien, in die Schweiz, nach Frankreich, nach La Gomera und dann nach Singapur, Australien und Neuseeland.

WW: Wow, das nenne ich mal Tempo! Warum habt ihr das so weit entfernte Neuseeland als Reiseziel ins Auge gefasst?

Sarah: Wir waren schon vor Alejandras Geburt, im März und April 2010, in Neuseeland gewesen. In Kaikoura haben wir uns verlobt und Alejandra „geplant“ J So schnell wie möglich wollten wir in dieses fantastische Land zurückkehren, wo die Menschen so unglaublich freundlich sind und die Natur nicht schöner sein könnte – selbstverständlich mit Kind.

Julian: Und so kam es dann auch: Schon im folgenden Jahr saßen wir mit Alejandra im Reisebüro und buchten die Tickets. Insgesamt waren wir zwei Monate unterwegs, vier Wochen davon in Neuseeland.

WW: Wie hat denn eure Familie auf eure Pläne reagiert?

Sarah: Unsere Freunde haben noch keine Kinder, reisen aber selbst gern viel, die waren von der Idee begeistert. Die Großeltern leider weniger, was sich sehr negativ auf unsere Reisestimmung auswirkte und uns auch verunsicherte. Sie gaben uns mit ihren Ängsten das Gefühl, dass wir etwas grundsätzlich Falsches tun. Aber sie hatten eben ganz normale Sorgen um ihr neues Enkelkind. Die Vorstellung von der „normalen“ Reise mit Kind nach Amrum lässt sich so schnell nicht ausradieren.

Ende eines Stadtbummels...

Ende eines Stadtbummels… © FamilieBauerAufWeltreise

Julian: So entstand übrigens auch die Idee zum unserem Reiseblog. Da konnten vor allem die Großeltern jeden Schritt von Alejandra verfolgen und sehen, dass es ihr gut geht. Inzwischen fiebern sie bei jeder neuen Reise am PC mit, auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Thema immer noch nicht ganz einfach ist.

WW: Haben sich die Ängste der Großeltern denn bewahrheitet?

Julian: Zum Glück nicht. Natürlich hatten wir viel darüber gelesen, wie wichtig beispielsweise Beständigkeit und Rituale für Kinder sind und uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie wir Alejandra das auf einer Reise an immer wechselnden Orten bieten können. Letztendlich war es für sie kein Problem, auch wenn wir immer andere Zimmer hatten und keine festen Einschlaf- und Essenszeiten einhalten konnten.

Sarah: Alejandra kann sich sehr schnell und unkompliziert auf neue Situationen einstellen. Sie mochte es nur nicht, zu lange im Auto zu sitzen – aber wer mag das schon? Alejandra war nie krank, wir hatten keine Autopanne und immer ein Dach über dem Kopf. Das Wetter spielte mit und wir haben keine Flüge verpasst. Rückblickend können wir wirklich sagen, es war eine astreine Reise.

WW: Über Neuseeland als Reiseziel wusstet ihr also schon Bescheid. Habt ihr euch auf das Reisen mit Baby speziell vorbereitet?

Julian: Neuseeland als Reiseziel macht die Reisevorbereitungen wirklich sehr einfach. Die Einreisebedingungen sind, der medizinische Standard ist hoch und alles, was ein Kind braucht, bekommt man genauso leicht wie in Deutschland. Die meisten Gedanken machten wir uns über die Flüge. Wir waren zwar mit Alejandra schon auf den Kanaren, dorthin muss man immerhin 4,5 Stunden fliegen, aber dieses Mal standen insgesamt sieben Flüge auf dem Programm, darunter zwei Zwölf-Stunden-Flüge. Wir sind alle Strecken mit Qantas und Air New Zealand geflogen und waren sehr zufrieden. Wir haben allerdings nie zwei Flüge hintereinander gemacht, sondern bei jedem Umsteigen einen Stop-over eingelegt.

WW: Air New Zealand und Qantas haben ja einen recht guten Ruf – erzählt mal!

Sarah: Der Kinderwagen wurde bis zum Gate mittransportiert und nach dem Flug gleich wieder ausgehändigt. Wir bekamen einen extra Eltern-Kind-Platz (schööön viel Beinfreiheit 😉 sowie ein Reisebettchen („Baby Basket“). Eine nette Begleiterscheinung war, dass immer ganz viele Eltern um uns herum saßen, die ebenfalls Babys und Kleinkinder dabei hatten. Das Klischee kreischender Kinder an Bord stimmte nicht, vielmehr knüpften wir liebe Kontakte und die Kleinen konnten miteinander spielen. Im Übrigen versicherten uns die Stewardessen, dass wir jederzeit zu ihnen kommen konnten, wenn wir etwas bräuchten und wir uns bloß nicht verrückt machen sollten, wenn die Kinder doch mal schreien. Wir bekamen während der Flüge sogar extra Windeln und Gläschen in die Hand gedrückt und auch Fläschchen erwärmen war kein Problem (die 100-ml-Flüssigkeitsbegrenzung im Flugzeug gilt nicht für Eltern mit Kleinkind!).

WW: Ich sehe gar kein Wohnmobil auf euren Bildern – wie seid ihr unterwegs gewesen?

Julian: Wir haben ein Auto für die Strecke von Auckland bis Christchurch gemietet. Wegen unserer guten Erfahrungen beim letzten Mal entschieden wir uns wieder für die Hostel-Variante. Da wir uns mit der Route nicht genau festlegen wollten, riefen wir einfach immer spontan an (Lonely Planet!), ob für die Nacht noch etwas frei ist. Bezüglich der Bettenkapazität war das nie ein Problem, allerdings sind nicht alle Hostels offen für Kinder, aber das war zum Glück die Ausnahme.

WW: Wie habt ihr denn die Reise finanziert – hat das Geld gereicht?

Sarah: Die Finanzierung unserer Reisen ist Dauerthema bei uns. Da wir gern und viel reisen, müssen wir im Alltag auf viel verzichten und leisten uns nichts Teures. Wir brechen auch nicht einfach auf und fliegen los, sondern planen sehr genau, was wann und wie und wo machbar ist.

Julian: Neuseeland ist in den letzten Jahren immer teurer geworden, das bekamen wir bei der Autovermietung und den Übernachtungen deutlich zu spüren. Das geplante Budget hat bei Weitem nicht ausgereicht, aber aus der Erfahrung haben wir fürs nächste Mal gelernt: Beim nächsten Mal werden wir ein Wohnmobil mieten oder sogar kaufen und im Anschluss wieder verkaufen – da kommt man auf jeden Fall deutlich billiger raus.

WW: Habt ihr Tipps für die ultimative Eltern-Kind-Packliste?

Sarah: Unverzichtbar waren zwei Dinge: zum einen unser Ergo Carrier, denn Alejandra war mit acht Monaten noch schön leicht und auf Wanderungen konnten wir sie damit problemlos transportieren. Zum anderen das Kinderwagengestell mit dem Maxi-Cosi-Aufsatz. Den konnten wir als Autositz wie auch als Kinderwagenschale benutzen. Völlig überflüssig waren dagegen die vielen Klamotten, die wir für sie dabei hatten. Von allen Kleidungsstücken reichen maximal zwei, in Neuseeland kann man überall waschen und trocknen.

WW: Und jetzt ganz konkret: eure Top-Ten-Liste bitte!

  1. Kaikoura: Dort gibt es sooo viele Wale und das „Bendamere House“ ist die schönste Unterkunft in ganz Neuseeland!
    2. East Cape: so einsam und schön, die Landschaft ist fantastisch
    3. Coromandel Peninsula, insbesondere New Chums Beach
    4. Dunedin: tolle Stadt, schöne Architektur und die naheliegende Otago Peninsula ist ein Traum
    5. Stewart Island: Bei blauem Himmel und Sonnenschein hatten wir dort ein tolles Wochenende im „Bunkers Backpackers Hostel
    6. Queenstown: total hip! Wer es ruhiger mag, fährt einen Tag in den Milford Sound oder mit der Gondel rauf auf Bob’s Peak
    7. Golden Bay: sonnig und warm, beste Pizzeria ever: „Dangerous Kitchen“ in Takaka
    8. Bay of Islands: Eine Fahrt mit der „R. Tucker Thompson“ und man ist im Himmel
    9. Mahia Peninsula: kein Mensch, nur Natur, Klippen und das blaueste Meeresblau Neuseelands
    10. Whangara: Drehort von „Whale Rider“, der Ort steht nicht mal auf der Karte, weil nach dem Filmstart so viele Touristen kamen
Am schönsten Ende der Welt

Am schönsten Ende der Welt © FamilieBauerAufWeltreise

WW: Was ist besser: Nord- oder Südinsel?

Julian: Da tun wir uns schwer und argumentieren wie alle: Die Nordinsel ist wärmer, dafür ist die Südinsel landschaftlich einfach viel schöner. Wenn wir uns für einen Platz zum Wohnen entscheiden müssten, würden wir Wellington wählen: tolle Stadt und ideal für die Erkundung beider Inseln.

WW: Und was hat Alejandra dazu gesagt – wie fand sie die Reise?

Julian: Wir glauben, dass ihr die Reise sehr gut getan hat. Zum einen waren wir Eltern immer um sie herum, zum anderen wurde sie von den Menschen ganz anders wahrgenommen als in Deutschland. Die Neuseeländer waren vernarrt in sie. Ständig war sie auf irgendeinem Arm und flirtete, was das Zeug hielt.

Sarah: Ein Schlüsselerlebnis hatte ich mit ihr eines Morgens in der U-Bahn in Richtung Uni: Wir waren gerade aus Neuseeland zurück und Alejandra war es gewohnt, dass jeder mit ihr Kontakt aufnahm, sie anlächelte oder mit ihr spielte. Das versuchte sie nun in der U-Bahn, aber keiner reagierte, alle starrten auf ihr iPhone oder aus dem Fenster. Das wäre in Neuseeland ganz anders verlaufen.

WW: Ihr habt ja nun beides erlebt, was ist eure Meinung: lieber mit oder ohne Kind nach Neuseeland?

Sarah: Mit Kind ist es anders, aber viel schöner. Man reist langsamer und hat immer im Kopf, was das Kind braucht, sei es Wickeln, Füttern oder Mittagsschläfchen. Das bringt einen selbst zur Ruhe und auch weg von der Vorstellung, alles sehen und erleben zu müssen, was man auf der To-do-Liste hat. Reisen wird sonst schnell genauso durchgetaktet wie der Alltag zu Hause.

Julian: Ein weiterer Unterschied sind die sozialen Kontakte, die man knüpft. Früher trafen wir meist Gleichaltrige und redeten über die üblichen Dinge, die man schon erlebt und gesehen hat. Mit Kind kommt man plötzlich mit den unterschiedlichsten Leuten und vor allem mit Einheimischen ins Gespräch: der Bedienung im Café, der lieben Omi im Bus oder den Kindern im Schwimmbad. Das erleben wir immer wieder und genießen es.

WW: Euer Fazit: Hat sich die Reise gelohnt?

Julian: Neuseeland ist Teil unseres Lebensgefühls geworden. Die Herzlichkeit der Kiwis, ihre Gastfreundschaft, ihres Hilfsbereitschaft und ihre entschleunigte Lebensweise haben wir mit nach Deutschland genommen. Da sie sich aber in Neuseeland viel besser teilen lässt, gilt: „nach Neuseeland ist vor Neuseeland“: Wir wollen so schnell wie möglich zurück. Also Vorsicht: Es besteht Suchtgefahr!

WW: Was würdet ihr anderen Familien empfehlen, die nach Neuseeland reisen wollen?

Julian: Macht’s einfach! Viel schiefgehen kann wirklich nicht. Und lasst euch bloß nicht von Außenkommentaren verunsichern.

WW: Habt ihr – wie so viele andere – mit dem Gedanken gespielt, ganz in Neuseeland zu bleiben?

Sarah: Von meiner Seite aus stünde dem nichts im Wege. Julian muss sich das noch überlegen. Er ist knapp zehn Jahre älter als ich, das macht sich in der heimatlichen Verwurzelung doch bemerkbar.

Julian: Momentan planen wir erst einmal, wohin es kommendes Jahr gehen könnte. Wie es aussieht, wird es eine große und lange Reise werden, bei der Neuseeland natürlich nicht fehlen darf 😉

WW: Danke für das Interview, Sarah und Julian. Wir werden euren Blog aufmerksam verfolgen – und hoffen, während der großen Reise mal von euch zu lesen!

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