Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Blog-Interview Nr. 18 – zwei Dresdner und ein Baby

Dass wir Sachsen ein reiselustiges Völkchen sind, ist nicht nur so ein Vorurteil von wegen „Reisefreiheit“ und „Go Trabi Go“ und so, es stimmt – wir haben schon überall auf der Welt Landsleute getroffen. Diese hier nicht – aber in Neuseeland waren sie trotzdem, wie mindestens drei weitere Familien, die wir kennen. Welt, nimm dich in Acht vor uns Dresdnern!

Oskar vorm Mount Egmont (c) Sylvia Miskowiec

Oskar vorm Mount Egmont (c) Sylvia Miskowiec

Weltwunderer: Liebe Sylvia, erzähl uns doch zuerst bitte ein wenig über eure Familie. Wer seid ihr?

Sylvia: Wir, das sind mein Freund Haimon, unser Sohn Oskar (mittlerweile 1,5 Jahre alt) und ich. Wir wohnen im schönen Dresden, sind aber immer gern mal auf Achse, meist mit dem Fahrrad und dem Chariot. Ein Auto haben wir nicht, daher war es zusätzlich spannend, wie die Elternzeit im Camper ablaufen wird.

WW: Warum habt ihr Neuseeland als Reiseziel mit Baby gewählt?

Oskar ist ein Winterkind, geboren im Januar. Als klar war, wann er zur Welt kommt, habe ich sofort gejubelt: „Wir fahren nach Neuseeland!“ Wir wollten am Ende seines ersten Lebensjahrs gemeinsam Elternzeit nehmen, denn wann hat man mal so eine Chance, mehrere Monate wegzugehen, zusammen als Familie und das auch noch bezahlt? Und welches Land bietet sich – auch aufgrund seiner Entfernung – im Winter dafür an? Ganz klar, oder?

WW: Wie sah eure Reiseroute aus?

Über der habe ich zwei Wochen vor unserer Abreise gebrütet. Nur eines stand bis dahin fest: Wir hatten einen Gabelflug. Ankommen im Norden in Auckland, weil es Mitte November im Süden vielleicht noch zu kalt ist. Und zurück musste es ab Christchurch gehen. Dazwischen lagen 7,5 Wochen.

Ich habe recht akribisch geplant, es macht mir aber auch Spaß, vorher Karten anzugucken und im Internet zu recherchieren. Und Haimon hat sich alle OSM-Karten runtergeladen und die CamperMate-App dazu. Eure Liste mit den Gratis-Plätzen haben wir leider daheim liegen gelassen, naja…

Nach zwei Tagen Auckland sind wir in den Norden gefahren, via Muriwai Beach. Cape Reinga haben wir ausgelassen, es erschien uns zu weit (im Nachhinein wäre auch das noch möglich gewesen). Doch die Doubtful Bay, die Sanddünen bei Hokianga, die Kauris, das war alles dabei. Dann sind wir über die Coromandel-Halbinsel runter nach Rotorua, von dort in den Tongariro Park, über den Forgotten World Highway zum Mount Egmont und Richtung Wellington.

Nach 3,5 Wochen ging es wie geplant über die Cook Strait auf die Südinsel. Dort dann über die Malborough Sounds in den Abel Tasman National Park, bis hinauf zum Cape Farewell. Dann stand die Westküste an, Gletscher gucken. Und dann Wanaka, Weihnachten in Queenstown. Von dort war‘s nicht wirklich weit bis ins Fiordland. Und dann standen wir schon am südlichsten Zipfel und fuhren zur Catlins Coast. Dann kam Dunedin, die Otago Peninsula. Und zu Neujahr Pinguine in Oamaru, wenn auch nur im Nistkasten. Als nächstes peilten wir nochmal die Berge an, doch im Mount Cook Village hat es nur geregnet. Dagegen war’s am Lake Tekapo traumhaft. Und in Kaikoura zum Schluss auch. Und dann war schon fast alles vorbei, in Christchurch haben wir schweren Herzens unseren kleinen Camper abgegeben und noch einen Tag zu Fuß die Stadt besucht…

Familie Lala am Rob Roy Gletscher (c) Sylvia Miskowiec

Familie Lala am Rob Roy Gletscher (c) Sylvia Miskowiec

WW: Fliegen, Windeln kaufen und lange fahren, wie hat das mit Baby geklappt?

Kein Problem, ehrlich! Wir hatten so einen Bammel vorm Flug, auch weil Oskar, beim Abflug zehn Monate alt, ein recht lebendiges Kind ist. Doch er hat sogar im engen Babykörbchen der Singapore Airlines geschlafen. Auch der Tagflug von Christchurch nach Singapur war wider Erwarten super entspannt. Wir haben die An- und Abreise gesplittet und hinzu zwei Tage, zurück drei Tage in Singapur ausgespannt. Das war super.

In Neuseeland ähnlich: Wir sind nie mehr als drei Stunden auf den ganzen Tag verteilt gefahren, meist vormittags zum Schläfchen 1,5 Stunden und dann nachmittags nochmal. Faszinierend war Oskars Schlafverhalten nachts, davor hatten wir ja auch Schiss: dass er nicht schlafen kann, weil er auch zu Hause weit vom berühmten Durchschlafen entfernt war. Doch siehe da, auf 1,70 m Breite mit Mama und Papa schläft es sich am besten. Und durch. Faszinierend 😉

Windeln hatten wir vor allem für nachts mit und das war gut! Im Weltwunderer-Blog hatten wir gelesen, dass die neuseeländischen Windeln nicht ganz so dolle sein sollen. Können wir nur bestätigen. Erst in Dunedin haben wir sehr gute entdeckt, die Marke hieß „babylove“. Mehr Probleme, wenn man es denn so nennen kann, hatten wir mit der Gläschenkost und später, als unser Vorrat alle war, mit den Breipulvern. Es gibt nicht so viel Auswahl wie bei uns. Und schmeckt auch nicht wirklich, außer die Pasta von „OnlyOrganic“. Pure Hirse oder Weizenflocken, ohne pappig-süße Zusätze, haben wir kaum gefunden. Also haben wir morgens meist das Gemüse gekocht, was Oskar dann mittags und abends verspeist hat. Er wurde ein richtiger Kumara-Fan 😉

WW: Auf welches Gepäckstück hättet ihr nicht verzichten wollen?

Auf den Buggy. Mag sperrig sein, ersetzte uns aber den Kindersitz am Campingtisch und das Mittagsschlaf-Bett. Im selben Atemzug würde ich aber auch noch die Manduca nennen. Handlich auf Wanderungen.

WW: Ganz konkret: eure Top-Ten-Liste für NZ bitte!

  1. die Gegend um den Farewell Spit, Wharariki Beach. Traumhaft.
  2. Wanakas Umgebung: die Wanderung im Mount Aspiring National Park zum Rob Roy Gletscher
  3. die Kauri-Bäume im Waipoua und Trounson Forest
  4. die Glühwürmchen in der Waipu Cave
  5. Otago Peninsula
  6. Fiordland, die Anfahrt zum Milford Sound unbedingt mal unterbrechen!
  7. Mount Egmont/Mount Taranaki. Einfach perfekt geformt!
  8. Rotorua (mit Nase zuhalten 😉
  9. Lake Tekapo
  10. Wale und Delfine in Kaikoura
Vater und Sohn am Lake Tekapo (c) Sylvia Miskowiec

Vater und Sohn am Lake Tekapo (c) Sylvia Miskowiec

WW: Was fandet ihr besser: Nord- oder Südinsel? Auckland oder Wellington? Strand oder Berge?

Bei Nord und Süd wollen wir uns nicht entscheiden – zu unterschiedlich! Wir appellieren eher dafür, auch über Auckland hinaus hoch in den Norden zu fahren, das haben viele, die wir getroffen haben, nicht gemacht. Bei der Städtewahl ist es sehr eindeutig: Wellington! Auch wenn’s oft windig ist. Ist schöner, offener.

Bei Strand und Bergen wird es wieder schwer. Entscheiden wir nicht, wir sagen: Es muss beides sein, denn beides macht den Zauber des Landes aus, da beides auch mal nahe aneinander liegt, etwa der Gillespies Beach an den Alpen oder die Surfstrände nahe dem Mount Taranaki.

WW: Könnt ihr Neuseeland als Reiseziel mit Baby empfehlen?

Absolut. So kinderfreundlich, die Umgebung wie auch die Menschen! So viele schöne Spielplätze, so sauber, nirgendwo liegen Glasscherben und Kippen rum, für uns mit Krabbelkind war das sehr entspannt!

WW: Alles perfekt – oder habt ihr euch auch mal geärgert in Neuseeland?

Hm, höchstens über die Qualität der Windeln… achja, und die Flughafenbediensteten in Christchurch. Die ersten und einzigen unhöflichen, sehr schlecht gelaunten Kiwis, die wir getroffen haben. Hat dann den Abschied etwas weniger hart gemacht 😉

WW: Hand aufs Herz: nach Neuseeland auswandern, habt ihr darüber nachgedacht?

Nein. Auf Dauer würde uns die isolierte Lage dann doch stören. In Neuseeland haben wir gesehen, wie privilegiert wir Europäer sind, was das Reisen angeht. Mal eben rüberhüpfen zu den Nachbarn, kein Problem! Da haben es die Kiwis schon schwerer.

WW: Was sind eure nächsten Reisepläne mit Oskar?

Wir waren nach Neuseeland schon wieder unterwegs, mit dem Rad auf dem Hohen Schneeberg, mit dem Mietwagen durch Mallorca. Im Spätsommer folgt vielleicht noch eine Ostsee-Radtour entlang der polnischen Küste. Und immer wieder mal Ausflüge ins nahe Elbsandsteingebirge!

Vielen Dank für das Interview, liebe Sylvia! Wer mehr über die Reise von Baby Oskar durch Neuseeland lesen will (und es lohnt sich!), der folgt am besten im Blog „Lalas Reise“ (wer auch immer Lala sein mag …?).

3 Kommentare

  • Ein Irrsinn…alles bezahlt von den Steuerzahlern…auch von denen, die sich nie werden eine solche Reise leisten können. Ein dekadenteres Zeichen für die Umverteilung von unten nach oben kann man sich fast kaum noch vorstellen.

  • Tolles Interview! Immer wieder inspirierend von Leuten zu lesen, die so einen Mut haben, einen lang gehegten Lebenstraum zu verwirklichen. Meinen Traum von einer Reise nach Neuseeland habe ich mir auch schon erfüllt, dabei allerdings auf das heiß geliebte Wohnmobil verzichtet. Wenn ich mich hier auf diesem Blog so umsehe, frage ich mich, wozu eigentlich…;) Mehr als ein wenig Mut braucht es nicht. Auch sehr schöne Bilder, am Lake Tekapo war ich auch und bekomme jetzt schon wieder Fernweh!

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