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Blog-Interview: Wie man das Tongariro Crossing läuft – mit Baby

Philipp berichtete kürzlich auf Facebook begeistert vom Tongariro Crossing – und auf seinen Fotos entdeckten wir doch tatsächlich ein Baby auf seinem Rücken! Das mussten wir genauer wissen: Das Crossing mit Baby laufen, ist das machbar?

Philipp Mertens Tongariro Crossing mit Baby

Ins Land Mordor wandern – mit Baby?! © Philipp Mertens

Weltwunderer: Lieber Philipp, erzähl uns doch bitte zuerst kurz, wer ihr seid!

Philipp: Wir sind Olivia (10 Monate), Monika und Philipp Mertens aus Münster. Bereits 2011 haben wir – natürlich noch ohne Baby – Nord- und Südinsel in drei Wochen praktisch aus dem Wohnmobil im Vorbeifahren gesehen. Daher war uns klar, wir kommen wieder.

Schon vor der Geburt unserer Tochter ließen wir Flüge anlegen und drei Tage nach dem Olivia auf der Welt war, haben wir alles fix gemacht. Nun reisen wir drei Monate im Campervan durchs Land und berichten auf www.oliviasneuland.wordpress.com von unseren Abenteuern.

WW: Was habt ihr in Neuseeland schon alles gemacht, was waren eure Favoriten?

Philipp: Wir sind in Christchurch gestartet, wo uns die Aufbruchstimmung nach dem Erdbeben gut gefallen hat. Als wir vor fünf Jahren hier waren, sind alle noch im Schock gewesen. Nun wächst da, wo einst Trümmer waren, eine neue Stadt.

Highlights gab es schon so viele auf unserer Tour! Die Otago Peninsula hat uns sehr gefallen und natürlich die Catlins. In der Curio Bay waren wir mit Olivia im Wasser und die Delfine schwammen direkt um uns herum. Weihnachten haben wir in Te Anau gefeiert. Dort haben wir einen Tag auf dem Lake Manapouri verbracht. Eine Deutsche und ein Neuseeländer bieten diese Tour auf ihrer Yacht an. Ihre Tochter war auch mit und Olivia hatte so jemanden zum Spielen, was toll war.

Wir hatten Kajaks dabei und haben eine ganz besondere Wanderung gemacht. Sie heißt „The Monument“ und führt auf einen steilen Berg, 3 Stunden insgesamt. Der Ausblick über Fiordland ist fantastisch!

Wir haben an einsamen Sandstränden gehalten, Olivia konnte im Sand spielen und im Wasser planschen. Es war besser als Milford Sound und Doubtful Sound, was wir beides auch gemacht haben. Doubtful Sound würden wir aufgrund der Länge und der vielen Busfahrerei mit Baby nicht empfehlen.

Von Te Anau aus sind wir auch noch zwei Tagesabschnitte des Kepler Track mit Trage gewandert. Alles als Übung für das Tongariro Crossing. Und auch im Abel Tasman sind wir Tagesetappen gewandert, was dank der vielen Wassertaxis kein Problem war.

Besonders gefallen hat uns noch die Golden Bay und vor allem der Wharariki Beach am westlichen Ende der Bucht. Auch da haben wir eine mehrstündige Wanderung über Wiesen und Hügel gemacht. Der Strand ist wirklich atemberaubend. Ein großes Highlight auf der Südinsel war dann noch in Havelock, wo wir mit dem „Pelorus Sound Mailboat“ mitgefahren sind. Acht Stunden auf einem kleinen Boot mit den beiden Postboten, die ganze sechs Häuser in der Zeit beliefert haben.

Olivia konnte wunderbar auf dem Boot krabbeln und spielen, es gab sogar eine Spielzeugkiste! Und als wir am Ende des Sounds die Cook Strait erreichten und der Wellengang schon ganz schön stark war, nutzte Olivia die Stufe zum Steuerdeck und stellte sich zum ersten Mal hin! Den gesamten Rückweg übte sie dann Stehen und ab diesem Moment konnte sie es.

Auf der Nordinsel ist Te Papa, das Museum in Wellington, ein Muss. Auch Olivia fand die vielen bunten Dinge dort toll, aus den  Kinderspiel- und Entdeckungsecken war sie kaum mehr wegzubekommen. Ebenfalls ein Highlight war der Raumati Beach Wasserspielplatz. Für Kinder allen Alters ein Traum. Er liegt auf dem Weg nach Wanganui.

Auch sehr gefallen hat uns das „Festival of Lights“ in New Plymouth, wo Olivia am Abend auf einer Picknickdecke ein Konzert mit uns verfolgte und dann im Buggy beim Spaziergang durch den unglaublich stimmungsvoll beleuchteten Park schlief. Das haben wir gleich zwei Tage so gemacht.

WW: Wieso habt ihr euch ausgerechnet das Tongariro Crossing vorgenommen?

Philipp: Bei unserer Reise 2011 haben wir keine Zeit für das Crossing gehabt. Nun waren wir sehr gut vorbereitet auf das Land und hatten viel darüber gelesen und gesehen. Für mich war es ein Muss, Monika zögerte aufgrund ihrer Kondition nach der Geburt und natürlich wegen Olivia.

Wir trafen viele Eltern hier. Einige rieten uns davon ab, andere hatten es entweder schon mit Baby gemacht oder meinten, dass es auf jeden Fall gut möglich sei. Die Entscheidung, das Crossing zu dritt zu machen, fiel endgültig aber erst hier vor Ort.

Philipp Mertens Tongariro Crossing mit Baby

Hoch oben an den Emerald Lakes © Philipp Mertens

WW: Wie habt ihr euch auf die Wanderung vorbereitet?

Philipp: Gute Vorbereitung ist auf jeden Fall wichtig. Wir haben vorher mehrere einfache Tageswanderungen gemacht. Dabei war schnell klar, in unserer Ergo-Babytrage geht das nicht. Es wird viel zu heiß für Papa und Tochter, wenn sie so an einem klebt. Und außerdem muss auch noch Gepäck mit. Also nutzten wir immer öfter die Deuter Kids Komfort II.

Wir übten das Essen unterwegs, merkten, was wir alles an Kleidung brauchen oder auch nicht, nahmen Wickelzeug und was kleines zum Spielen mit usw. Das Gewicht der Trage mit Kind, Wasser, Essen und Kleidung lag schlussendlich bei 17 bis 18 kg.

Am meisten machten uns eigentlich die Höhenmeter Sorgen. Wir kommen vom platten Land und sind Berge nicht gewohnt. Daher hab ich in New Plymouth die Gelegenheit genutzt und ein Höhentraining der besonderen Art gemacht: Einmal den Mt Egmont Summit Track – selbstverständlich ohne Baby. Wer da hochkommt, ist für den Tongariro bestens gerüstet.

WW: Und zwei Tage später habt ihr das Tongariro Crossing gemacht. Wie war denn die Wanderung s0?

Philipp: Das Crossing ist ja kein Rundweg. Wir haben die Variante gewählt, unseren Camper ans Ziel zu stellen und mit dem Shuttle zum Start zu fahren. So hatten wir keinen Stress und mussten nicht zu einer bestimmten Zeit ankommen, um den Bus zurück zu erwischen. Nur das frühe Aufstehen um sechs Uhr war etwas schwer, da Olivia recht spät schlafen geht und eigentlich lange schläft. Aber erstaunlicherweise ging es ganz gut.

Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, die Entscheidung für das Crossing an diesem Tag fiel spontan am Abend zuvor. Ich war eigentlich noch nicht ganz erholt vom Mt Egmont, den ich erst zwei Tage zuvor bestiegen hatte. Aber das gute Wetter mussten wir nutzen!

Die ersten Kilometer bis Soda Springs führen nur sehr moderat bergauf und größtenteils über Stege. Wir gingen trotzdem langsam, um Kräfte zu sparen, und genossen den morgendlichen Ausblick.Dann kam der berüchtigte Aufstieg – Devils Staircase. Natürlich ist es etwas anstrengender mit Baby, aber insgesamt war es viel weniger schlimm als erwartet, sowohl konditionell als auch vom Untergrund und damit verbundener Unsicherheit.

Ab dann war es eigentlich gemütliches Wandern, bis man am Red Crater vorbei war und es zu den Emerald Lakes runter ging. Steht man oben und sieht die Leute zum Teil auf dem Hosenboden hinunter rutschen, zweifelt man kurz, ob man heil hinab kommt. Aber steigt man selbst in den Hang, ist es ganz einfach. Hacken in den Schotter und runterrennen. Olivia hat gejubelt vor Vergnügen!

Es folgte noch eine kleine Kletterpartie bergauf und dann ging’s auch schon Richtung Carpark, ein langer und stetig abfallender Weg. Wir waren alle drei gut drauf und haben nach sieben Stunden das Ziel erreicht.

Philipp Mertens Tongariro Crossing mit Baby

Gruseliger Ausblick, Stimmung fantastisch © Philipp Mertens

WW: Wie hat es eurer Tochter gefallen, hat sie die ganze Zeit fröhlich in ihrer Trage gesessen?

Philipp: Tatsächlich hat sie die ganze Zeit fröhlich dort gesessen! Wir haben gehofft, dass sie nicht weint unterwegs, aber dass sie so eine Freude hat, hätten wir nie erwartet. Sie hat morgens gegen 10 Uhr ihren kleinen Schlaf gehalten und nach der Mittagspause an den Emerald Lakes auf einem Grasfleck, wo sie auch etwas spielen konnte, hat sie ihren Mittagsschlaf gemacht.

WW: Windeln wechseln, Brei füttern, Mittagsschlaf – wie hat das geklappt?

Philipp: Olivia haben wir während der Wanderung nur einmal wickeln müssen, das ging problemlos. Sie hatte nicht ihren „großen Tag“, aber auch das wäre kein Problem gewesen. Sie hat regelmäßig Wasser von uns bekommen, es war doch sehr warm an dem Tag.

Und dann haben wir eine Isolierkanne mit heißem Wasser und zwei Gefäße mit Brei mitgenommen. Dazu noch  Quetschis mit Obst. Natürlich auch Lätzchen, Löffel usw., aber es passte alles gut in die Deuter Trage. Wir hatten sogar Regenzeug für alle dabei, aber das war unnötig, wie sich herausstellte.

WW: Gab es Phasen oder Stellen, an denen ihr Schwierigkeiten hattet?

Philipp: Ehrlich gesagt: nein. Und das, obwohl wir nicht besonders fit, wenig erfahren und, was Berge angeht, als Münsterländer völlig unbedarft sind. Aber trotzdem schien die Wanderung für einige Leute auch ohne Kind schon eine Grenzerfahrung zu sein.

Also sollte niemand einfach so los laufen, sondern vorher unbedingt ein paar Trainingstouren machen und schauen, wie er mit Baby am Berg und auf 20 km zurechtkommt. Das Crossing ist kein Rundweg und wenn der Camper am Ziel steht, ist ein Abbrechen auch irgendwie unglücklich. Wer aber einigermaßen fit ist und nicht bei der kleinsten Unebenheit aus dem Gleichgewicht gerät, sollte es schaffen und auch genießen können.

WW: Wart ihr als Familie mit Kind auf dem Track etwas Besonderes?

Philipp: Definitiv! Wir bekamen viel Anerkennung, Bewunderung und waren auch gerne mal Fotoobjekt in der ansonsten lebensfeindlichen Umgebung. Das ist natürlich ein schönes Gefühl und gibt zusätzlich Kraft.

WW: Was würdet ihr im Nachhinein sagen – war es eine gute Idee, den Track mit Baby zu laufen?

Philipp: Alle Zweifel, die wir vorher hatten, waren in unserem Fall unbegründet. Es war uneingeschränkt gut und wir würden es jederzeit genau so wieder machen. Aber wir hatten, wie beschrieben, auch Glück: Das Wetter war top, Olivia hatte nur Spaß und unsere Anstrengung hielt sich in Grenzen.

WW: Welche Tipps habt ihr für andere Familien mit Baby, die das Crossing laufen wollen?

Philipp: Unbedingt informieren, am besten schon von Deutschland aus. Wir haben Videos geschaut, eine sehr genaue Beschreibung des Weges gelesen, uns genau über das Wetter informiert usw. Und eine gute Trage kaufen, mit einer „Ergo Baby“ wären wir nicht angekommen. Vor Ort in NZ andere Tageswanderungen machen, um Sicherheit mit der Trage zu gewinnen und zu merken, ob es auch auf 20 km funktioniert.

Philipp Mertens Tongariro Crossing mit Baby

Am Ziel! © Philipp Mertens

WW: Wollt ihr mit eurer Kleinen noch mehr Ganztages- oder Mehrtageswanderungen in Neuseeland machen?

Philipp: Unbedingt. Wir haben bereits auf der Südinsel einige Wanderungen gemacht. Aber auch auf der Nordinsel, wo wir gerade noch sind, machen wir regelmäßig Wanderungen. Vier bis fünf Stunden sind ideal für uns. Allzu oft würden wir Olivia nicht mehr über sieben oder acht Stunden in die Trage stecken, auch wenn es ihr gefallen hat. Ihr Bewegungsdrang nimmt nämlich täglich zu.

WW: Vielen Dank, dass ihr eure Erfahrungen mit uns geteilt habt, Philipp – wir wünschen euch noch eine wunderschöne Zeit in Neuseeland und viele tolle Wanderungen mit Olivia!

Wenn ihr noch mehr praktische Informationen zum Wandern mit Baby sucht, schaut doch mal auf dem Blog des Bergzeit-Magazins vorbei.

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4 Kommentare

  • Hört sich alles super an! Respekt wie ihr das gemacht habt! Auch wir planen mit unserem Baby zu wandern, es wird derzeit noch voll gestillt und die große Frage ist: wie unterwegs stillen, im Extremfall unter diesen Bedingungen: Baby schreit, hat Hunger, es hat gerade angefangen zu regnen, alles nass, keine Hütte, nichts zum Unterstellen in Sicht. Wie habt ihr das gelöst?
    Danke!

    • Liebe Isy, ich antworte mal an Philipps Stelle, hab ja auch oft „outdoor“ gestillt 😉
      Wenn ihr euer Baby im Tuch oder der Babytrage habt, merkt ihr ja recht gut, wenn es unruhig wird und Hunger bekommt – schreien muss es also schon mal nicht. Im Notfall setzt du dich einfach in voller Montur auf einen Stein, machst deine Regenjacke vorn auf und ziehst den Pulli hoch; ein stilltaugliches Unterhemd hast sicherlich drunter, so dass es am Bauch nicht allzu kalt reinzieht. Ein geübtes Baby braucht nicht lange zum Andocken, und es stört sich bei Regen und Kälte auch nicht daran, wenn du es beim Trinken großteils unter deinem Pulli versteckst. Wenn es arg schüttet, muss dein Partner sich schützend über euch stellen – aber hey, so schlimm wird das Wetter schon nicht werden!
      Ich würde vorschlagen, ihr übt das Freiluftstillen erst einmal unter Schönwetterbedingungen und steigert euch dann langsam. Nach ein paar Versuchen klappt es in jeder Lage, versprochen. Ich habe schon Frauen gesehen, die im Gehen gestillt haben!!

      Liebe Grüße und viel Erfolg, Jenny

  • Respekt!
    Wir haben immer wieder überlegt es zu machen und uns dann entschieden es zu lassen. Das Wetter war zu wechselhaft und die Leute vom DOC meinten, dass wir „all four seasons on one day“ erwarten müssten. Das hat uns dann umgeworfen und „gezwungen“ es zu lassen.

    Umso fantastischer finde ich es, dass ihr das geschafft habt. Nochmal: RESPEKT!

    Liebe Grüße,
    David

  • Klingt toll! Respekt – gut gemacht! Und wenn ich das so lese, habt ihr den Weg leichter überstanden als ich. Bei mir machte damals der Meniskus Beschwerden, so dass ich den Abstieg zu den Emerald Lakes nur unter ziemlichen Schmerzen bewältigen konnte. Der Rest des Weges war eher eine Qual vor allem der relativ leichte, aber langgezogene Abstieg am Ende… Unsere Kinder waren damals zu groß (=schwer!) zum Tragen und noch zu klein, um die gesamte Strecke mitzuwandern. Wir ließen sie deshalb in der Obhut mitreisender Freunde. Wir möchten aber gerne wieder hin und dann zusammen mit den Kindern wandern, war einfach zu schön da.

    LG
    Hartmut

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