Meinung Persönliches

Bullshit Bingo für Eltern: Sätze, die wir als reisende Familie nicht mehr hören können

Alle Eltern müssen sich hin und wieder kluge Sprüche und dumme Fragen anhören, das gehört offenbar dazu. Gerade wenn es ums Thema (Fern-) Reisen geht, könnten wir inzwischen eine Art Bullshit Bingo spielen – Sätze, die wir immer wieder zu hören bekommen, und die uns inzwischen ziemlich nerven. Hier sind unsere Antworten, ein für allemal!

Bullshit Bingo für reisende Eltern

Bullshit Bingo ist übrigens ganz einfach zu spielen: Druckt euch unsere Vorlage aus und kreuzt beim nächsten Gespräch über eure Familienreisen alles an, was euch bekannt vorkommt. Wer zuerst eine volle Reihe waagerecht oder senkrecht komplett hat, der springt auf und ruft laut „Bullshit!“

„Na, ihr müsst ja richtig viel Geld haben!“

Haben wir (leider) nicht. Jede unserer größeren Reisen hinterließ ein tiefes Loch in der Familienkasse, das über Monate wieder mühsam gefüllt werden musste – nur, damit wir mit der nächsten Reise wieder alles auf den Kopf hauen konnten 😉

Solange wir nicht ein bedingungsloses Grundeinkommen gewinnen, ein überraschendes Erbe von einer unbekannten Großtante bekommen oder die Geschäftsidee des Jahrhunderts haben, wird das wohl auch so weitergehen. Aber ihr seht: Auch so kann man sich als Familie so einige Traumreisen erfüllen.

„Die armen Kinder!“

Diesen Ausruf, meistens von Damen älteren Semesters geäußert, finden wir echt frech. Der unterstellt uns nämlich, wir würden unsere Kinder mutwillig irgendwelchen Schrecken und Gefahren aussetzen, wenn wir sie mit auf Reisen nehmen.

Leiden unsere Kinder wirklich, wenn sie auf einem Langstreckenflug drei oder mehr Filme anschauen dürfen, im Campervan ständig die Musikauswahl bestimmen dürfen und wir ihretwegen statt billiger Backpacker-Absteigen lieber ein Hotel mit Aircon und Pool buchen? Oder wenn sie statt Dauerschnupfen in der Winterzeit die frische Luft in Neuseeland genießen?

Was bitte ist denn daran so schrecklich, Zeit mit seinen Eltern zu verbringen, dabei spannende neue Dinge zu erleben, fremde Leckereien zu probieren (und natürlich auch gern mal eine Pizza oder eine Sprite zu bekommen, wenn die vietnamesische Suppe nicht ansteht), von Fremden vergöttert zu werden, neue Freunde zu finden, ganze Tage am Strand zu verbringen oder anderswo in der freien Natur zu spielen, draußen Feuer zu machen oder Sternschnuppen zu suchen und sich spätabends müdegespielt in den Schlafsack zu kuscheln?

Wir finden ja, das klingt um Längen besser als frühmorgens aufstehen zu müssen, täglich in der Schule zu hocken, nachmittags von einem Termin zum nächsten zu hetzen, und so weiter.

Bullshit Bingo für reisende Eltern Vietnam Pool

In Vietnam haben unsere Kinder ganz offensichtlich sehr gelitten

„Daran erinnern sie sich doch später sowieso nicht.“

Na und? Ich kann mich, ehrlich gesagt, auch nicht mehr an sehr viel von meiner ersten Thailand-Reise erinnern. Und die hab ich mit 20 gemacht. Hingegen weiß der Weltwundersohn, bei unserer Neuseeland-Reise knapp 2 Jahre alt, noch erstaunlich viel davon – teilweise aus eigenen Erinnerungen, das meiste aber, weil wir uns immer wieder gemeinsam an unsere Reise erinnern, Fotos und Videos anschauen.

Das Weltwunderbaby wird sich an unsere Japan-Reise mit ziemlicher Sicherheit später nicht erinnern können. Aber sie hat in den drei Wochen so viel gelacht und gestaunt, mit Hingabe Onigiri geknabbert, sich sichtlich angetan von kichernden japanischen Mädchen streicheln lassen und mit tapsigen Schritten mehrere Flughäfen und japanische Fußgängerzonen erkundet und nicht zuletzt an jeder Ecke ihren Liebling Totoro wiederentdeckt, dass sie definitiv keine schlechte Zeit hatte. Und von unseren eigenen tollen Erinnerungen geben wir ihr gern etwas ab :-)

Bullshit Bingo für reisende Eltern Baby auf Brücke

Und wenn sie sich daran auch nicht erinnern mag – wir erinnern uns auf jeden Fall

„Ihr seid echt mutig!“

Wir finden uns eigentlich nicht besonders mutig… Dann würden wir uns Dinge trauen wie die Familie Reichert, die ihre drei Kinder kurzentschlossen aus der Schule nahmen und ihr Hobby Reisefotografie zum Beruf gemacht haben.

Oder tatsächlich den Overlander kaufen und damit durch Zentralasien bis nach Malaysia fahren, wie Diana und Wolfgang mit der kleinen Gaia von Morpheusreisen. Oder wir würden nicht nur von einem Jahr in Neuseeland träumen, sondern es angehen.

Bisher haben wir dazu nicht den Mut gefunden – und reisen einfach nur so nach Lust und Laune in der Welt herum, wenn die Schulferien und das Budget es erlauben.

„Mit so wenig Gepäck könnten wir mit den Kindern nie auskommen.“

Ganz ehrlich nicht? Mal ausprobiert? Reisen mit wenig Gepäck ist gar nicht so schwer, wenn man ein Handwaschmittel dabei hat und nicht dreimal täglich das Outfit wechseln will.

Und das Spielzeug? Man staunt ja, worauf Kinder auf Reisen so alles verzichten können. Und was sie alles gar nicht vermissen, solange sie ihre Eltern haben und jeden Tag etwas Spannendes erleben. Wer den ganzen Tag im Hotel am Pool abhängt, der braucht natürlich etwas mehr an Bespaßungsmaterial…

„An der Ostsee fänden es die Kinder sicher auch sehr schön.“

Ganz bestimmt sogar, deshalb fahren wir ja auch immer mal wieder hin. Aber in unserer Familie gibt es auch noch zwei Erwachsene, und die finden es eben in Neuseeland, Japan und wasweißichwo noch schöner als an der Ostsee.

Und solange unsere Kinder es dann dort ebenfalls schön finden und wir uns die Reisen (gerade so) leisten können, müssen wir doch nicht 18 Reisejahre unseres Lebens freiwillig auf Sparflamme verbringen?

Bullshit Bingo für reisende Eltern Geschwister mit Trage

So viele tolle Erlebnisse, egal ob an der Ostsee oder anderswo

„Das wäre uns viel zu gefährlich mit den Kindern.“

Wer so etwas sagt, spricht allermeistens nicht aus konkreter Erfahrung, sondern aus diffuser Angst. Was bitte soll denn in Japan, Vietnam oder Neuseeland so gefährlich sein? Und wieso fährt alle Welt weiterhin fröhlich nach Thailand oder auf die Malediven, wo es seit Jahren politisch gärt und immer wieder Terroranschläge passieren? Von Städtetrips nach Paris, New York oder London ganz zu schweigen…

Wir schauen natürlich bei der Auswahl unserer Reiseziele auf der Website des Auswärtigen Amtes und auch beim Institut für Reisemedizin vorbei. Und dann noch auf so einigen anderen Websites. Aber wir lassen uns nicht von Panikmache à la Pegida verunsichern und vom Reisen abhalten!

Unser Credo: Wer sich gut informiert und vorbereitet, der muss sich auch keine Sorgen machen. Jedenfalls nicht mehr als zu Hause auch. Und da ist es euch doch auch nicht zu gefährlich mit den Kindern, oder?

„Ihr macht so tolle Reisen, wie gern würden wir das auch mal machen…“

Dann macht es doch! Wir helfen euch gern bei der Vorbereitung :-)

Vietnam Hanoi Temple of Literature

Hier spielen wir die vietnamesische Version von Bullshit Bingo

Ein Feld in unserem Bullshit-Bingo haben wir freigelassen, das dürft ihr selbst ausfüllen. Welcher Kommentar von „besorgten Bürgern“ bringt euch zur Weißglut, wenn es ums Reisen mit Kindern geht?

7 Kommentare

  • „Boah, ist das nicht total stressig/ anstrengend mit Kind?!“
    Oder auch:
    „Kommt mir bloß heile wieder!!!“
    (Mit einer solchen Inbrunst vorgetragen als würden wir ein Bürgerkriegsland und nicht Neuseeland ansteuern)

    Einfach mal ausprobieren, liebe Zauderer :-)
    Happy travels!

  • Manche Menschen sehen Kinder offensichtlich nicht als (komplette) Personen an (im Hinblick auf Erinnerungen zum Beispiel) – Kinder haben sehr früh ein genau so umfang- und abwechslungsreiches (wenn nicht mehr!) inneres Erleben wie Erwachsene! Ich finde es immer wieder sehr schade, wenn ich merke, wie wenig das bei manchen Leuten zählt, und finde es toll, wenn ich Menschen erlebe, die ihre Kinder (und/oder die Kinder Anderer natürlich auch!) für VOLL nehmen, als Personen ansehen, die genauso wert sind, gehört und ernstgenommen zu werden wie Erwachsene. Auch wenn euer Weltwunderkind vielleicht nicht viele abrufbare Erinnerungen haben wird (und wer weiß?) – geprägt hat die Reise sie bestimmt!

  • Erstaunlicherweise kriege ich wenig davon gesagt. Die Sache mit dem Geld ja, und dann noch den Evergreen: „Wie ging das denn mit der Schule?“, bezüglich unseres Reise-Auszeit-Jahres. Direkte Kritik so gut wie gar nicht. Vielleicht bin ich einfach nur gut darin, sie komplett zu überhören? Oder ich umgebe mich weniger mit kritischen Menschen? Oder wir sind einfach ein zu offensichtliches Anschauungsobjekt dafür, dass Reisen den Kindern gut tut? Whatever, ich beschwere mich nicht.

    • Hm, vielleicht ist das eher fernreisespezifisch. Sobald man mit den Kindern in ein Flugzeug steigt und Europas Grenzen verlässt, geht das Barmen los. Obwohl – auch vor unserem Roadtrip durch Norwegen durften wir uns das anhören…

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