Reisetipps für Japan

Campervan fahren in Japan: das müsst ihr wissen

Dass Campervan fahren in Japan überhaupt möglich ist und verdammt viel Spaß macht, haben wir 2015 entdeckt. Seitdem erreichen uns – nicht oft, aber immer öfter – eure Fragen dazu, wie das genau geht. Deshalb kommt hier unsere genaue Anleitung zum Campervan-Reisen durch Japan!

Campervan-Reisen in Japan

Doch ein wenig anders als gewohnt: ein japanisches Stoppschild

Disclaimer: Wir sind bisher zweimal in Japan per Campervan unterwegs gewesen und haben jedes Mal den Mazda Bongo mit Hubdach und fünf Sitzplätzen von JapanCampers gefahren. Unsere Erfahrungen und Empfehlungen beruhen daher auf diesem Fahrzeugmodell.

Aber auch wenn ihr ein anderes Modell und/oder bei einem anderen Vermieter gebucht habt, könnt ihr unsere Tipps fast alle nutzen. Also: weiterlesen!

Campervan fahren in Japan

Wie sieht ein Campervan in Japan aus?

Japanische Autos sind auffallend schmal; und auch auf die Campervans und Wohnmobile trifft das zu. Mitunter sieht das sehr witzig aus – ist aber praktisch, da japanische Straßen teilweise recht schmal sein können und auch die grundsätzlich vorgezeichneten Parklücken nicht breit sind.

Seid also nicht enttäuscht oder erschrocken, wenn ihr euren Campervan das erste Mal seht, und richtet euch auf eine recht beengte Erfahrung ein!

Unser Campervan für fünf Personen ist ein umgebauter Mazda Bongo, der nicht mehr als 4,60 m lang ist und dessen umgeklappte Rückbank eine Fläche von 1,40 m x 2,20 m ergibt – zu zweit schläft es sich da ganz bequem, zu dritt wird es ziemlich eng. Achtung: Auch nach oben ist nur wenig Platz, mehr als Aufrechtsitzen ist nicht möglich!

Unter dem Hubdach, das elektronisch geöffnet und geschlossen wird, gibt es eine Liegefläche von 1 x 2 m. Hier oben kann man zu zweit gut schlafen, wenn man zusammen nicht mehr als 120 kg wiegt. Bonus: Im heißen Sommer ist es dank der durchgehenden Gaze ringsherum angenehm kühl (jedenfalls solange man im Schatten parkt – siehe Stellplätze).

Campervan fahren in Japan

Irgendwo anhalten und bleiben, wo es schön ist – wie hier am Lake Inawashiro

Die Campervan-Ausstattung: das ist (nicht) drin

Die Ausstattung des Campervans ist spartanisch, aber durchdacht – wiederum nicht das, was ihr vielleicht von einem europäischen, speziell eingerichteten Wohnmobil erwartet, aber ausreichend für einen Roadtrip von einigen Wochen.

Am wichtigsten: Der Midsize Campervan hat, wie fast alle Budget Campervans, kein Waschbecken und keine Toilette oder Dusche. Das alles braucht ihr aber auch nicht, denn ihr könnt

a) in jedem Supermarkt und an jedem Parkplatz die wirklich hervorragenden Toiletten und Waschbecken benutzen (es gibt fast immer eine geräumige, frei zugängliche Behindertentoilette mit Waschbecken und manchmal einer Liege!), die ein wenig mehr Privatsphäre zum Waschen bietet),

b) an jeder Ecke einen Onsen (öffentliches Bad mit natürlicher heißer Quelle) oder ein Sento („einfaches“ öffentliches Bad) besuchen,

c) im Sommer an vielen öffentlichen Toilettenhäuschen, Wasserspendern oder auch an einem See euren Wasserkanister füllen und euch damit „duschen“

d) an vielen Stränden die Außenduschen an den Toilettenhäuschen nutzen (ihr merkt, Toiletten gibt es in Japan überall).

Wir haben das auch auf unserem zweiten Roadtrip kein einziges Mal als störend erlebt. Der Vorteil: Man muss weder Schmutzwasser noch eine Chemietoilette entsorgen.

Campervan fahren in Japan

Platz ist in der kleinsten Hütte…

Die sonstige Campervan-Einrichtung: Es gibt

  • einen Mini-Kühlschrank (ich schätze ihn mal auf 30 Liter) zwischen Fahrer- und Beifahrersitz, der über eine Extrabatterie betrieben wird und auch nachts läuft
  • eine einflammige Gaskochplatte zum schnellen Aufwärmen von Cup Noodles etc.
  • ein Set Geschirr und Besteck für fünf Personen, einen Wasserkessel und eine kleine Waschschüssel
  • einen Wasserkanister mit Dusch-Aufsatz
  • Bettwäsche und/oder Schlafsäcke
  • ein iPad, das als Pocket-Wifi fungiert und mit Google Maps und weiteren hilfreichen Apps z. B. für schnelles Finden von Onsen, Rastplätzen (Michi no Eki), Supermärkten etc. ausgestattet ist
  • vier Innenbeleuchtungen in der Kabine und eine im Hubdach
  • elektrisch und manuell bedienbare, fest eingebaute „Gardinen“ an den Seitenfenstern
  • mindestens neun Extra-Stromanschlüsse im Cockpit und hinten zum Aufladen von Gadgets (allerdings zu schwach für Laptops!)
  • eine breite Ablage mit mehreren Haken im hinteren Bereich der Kabine für Kleinigkeiten, die oft gebraucht werden
  • Zusatzaustattung, die z.T. extra bezahlt werden muss: Insektennetze für die beiden Vordertüren und die Heckklappe (sehr empfehlenswert im Sommer), ein Zelt für die Heckklappe (haben wir nicht getestet), Campingstühle und -tisch
Campervan fahren in Japan

So sitzt ihr tagsüber im Campervan – drei Kids passen gerade so auf die Rückbank

Campervan fahren in Japan

Rückbank runterklappen, Matratze drauf – (fast) fertig

Campervan fahren in Japan

Ablagen für Kleinzeug gibt es genug

Die Motorleistung des Mazda Bongo ist nicht berauschend, aber er meistert alle Berge zuverlässig und bei Tempolimits von maximal 80 km/h muss er auch nicht mehr bringen. Ach ja, und ihr fahrt natürlich Automatik – damit ist die Umstellung aufs Links-Fahren gar nicht mehr so schwer.

Ein wenig nervig, wenn ihr viel fahrt, ist der mit etwa 50 Litern recht kleine Tank bei einem Verbrauch von mindestens 12 Litern/100 km; wir haben etwa alle zwei Tage eine Tankstelle angefahren.

Campervan fahren in Japan

Ordentlich aufgeräumt – alles am Platz

Was kostet Campervan fahren in Japan?

Womit wir schon bei den Kosten einer Campervan-Reise in Japan wären. -> Hier könnt ihr unsere Reisebudget-Abrechnung für Japan von 2015 genau einsehen.

Benzin kostet in Japan derzeit zwischen 125 und 130 Yen (knapp 1 Euro) pro Liter. Tanken macht Spaß, solange ihr eine Tankstelle mit Service erwischt – gerade anfangs können wir nur raten, darauf zu achten. Das Tanken an einem Kassenautomaten ist schwierig bis unmöglich (wenn es keine Englisch-Version der Anzeige gibt). Solche Tankstellen haben die Katakana-Zeichen セルフ („se-ru-fu“) an ihrem Schild stehen und sind schon von weitem zu erkennen.

Ein weiterer großer Kostenpunkt ist die Maut („t0ll“), die auf jedem „National Expressway“ anfällt. Für jeden Kilometer werden dabei etwa 25 Yen berechnet (plus 150 Yen „terminal charge“). Wenn euer Campervan nicht mit einem automatischen Zähler für „ETC“ ausgestattet ist, über den ihr die Kosten nach eurer Rückkehr insgesamt berechnet bekommt, müsst ihr händisch bezahlen – das ist aber kein Problem und funktioniert genauso wie im Rest der Welt (ranfahren, Karte ziehen, weiterfahren, wieder ranfahren, Karte einstecken/abgeben, bezahlen, abfahren). Ihr könnt fast immer bar oder mit diversen Kreditkarten bezahlen.

Schließlich müsst ihr noch Kosten für Parkplätze einkalkulieren. Während ihr auf Rastplätzen und öffentlichen Parkplätzen sowie natürlich auf Supermarkt-Parkplätzen nichts bezahlt (auch nicht über Nacht!), kann es in größeren Städten und an Touristenattraktionen oder Stränden recht teuer sein.

Campervan fahren in Japan

Wir haben zwischen 200 und 600 Yen für zeitlich unbegrenzte Parkplätze bezahlt, aber auch 500 Yen und mehr pro Stunde gesehen (in größeren Städten oder Stadtzentren ist das normal – hier solltet ihr versuchen, außerhalb zu parken und mit Metro oder Bus ins Zentrum fahren).

Der Campervan selbst kostet natürlich auch Geld – im Vergleich zu Europa oder Neuseeland sind die Fahrzeuge von JapanCampers aber sehr günstig (bei anderen Vermietern haben wir dagegen geschluckt…) und bieten außerdem Discounts für Frühbucher und Langzeitmieten.

Was ihr bei der Budgetplanung bedenken solltet: Zum Mietpreis (den ihr erst vor Ort bezahlt) kommt ein „booking deposit“ von etwa 200 Euro, eine weitere Kaution für das iPad (bekommt ihr nach der Reise alles wieder) sowie diverse Extrakosten wie die Reinigungsgebühr oder Kilometergeld für alles über 2.000 km.

Und: Statt einer klassischen Überweisung oder Kreditkartenzahlung möchte JapanCampers am liebsten alles über PayPal oder in bar haben. Da ihr in Japan quasi nur an Automaten der SevenBank (die es nur im „7Eleven“ gibt) abheben könnt und auch dort nur in limitierten Beträgen, solltet ihr mindestens zwei Kreditkarten dabeihaben (Maestro-Karte funktioniert auch!).

Wie in allen anderen Ländern müsst ihr euch außerdem entscheiden, ob ihr mit eurem Campervan sehr günstig reist und dafür eine Selbstbeteiligung von happigen 100.000 Yen im Fall eines Unfalls riskiert, oder ob ihr etwas mehr bezahlt und dafür im Schadensfall über JapanCampers versichert seid.

Campervan-Stellplätze in Japan finden

Wo schläft man, wenn man in Japan im Campervan unterwegs ist? Das haben wir schon in einem gesonderten Beitrag genau beschrieben, wo ihr auch eine Liste schöner Stellplätze findet.

Der große Vorteil an einer Campervan-Reise durch Japan liegt genau hier: Es kostet nichts und ihr steht mit etwas Glück an wunderschönen Orten!

Campervan fahren in Japan

Camping am Lake Ogawara ganz im Norden Tohokus

Campervan-Reisen in Japan: so findet ihr euren Weg

Wer mit Google Maps (oder Apple Maps, oder Maps.Me) unterwegs ist, hat überhaupt kein Problem, sich in Japan zurechtzufinden. Zielort eingeben, wahlweise die Option „Mautstraßen vermeiden“ wählen, und los gehts. Die Namen der Highways und die Namen der Städte sind nahezu immer in „romaji“ (lateinischen Buchstaben) angegeben, außerdem könnt ihr euch an den Nummern der Straßen gut orientieren.

Worauf ihr achten solltet: Für Google Maps sind alle Straßen gleich, wenn es um die kürzeste/schnellste Route zwischen A und B geht. Für euch am Steuer des Campervans macht es aber einen Unterschied, ob ihr auf einem „normalen“ zweispurigen Highway unterwegs seid (auf den Karten sind die nummeriert) oder auf einem einspurigen Reisfeldweg, der an einer klapprigen Brücke endet, die nur für Fahrräder passierbar ist.

(Für kürzere Schleichwege sind Googles Querfeldein-Vorschläge natürlich manchmal durchaus spannend und führen euch zu tollen Spots und Entdeckungen. Hebt euch solche Strecken aber für Tageslicht und spätere Reisetage auf, an denen ihr den Campervan schon gut im Griff habt!)

Campervan fahren in Japan

Dieser Weg führte nirgendwohin

Und noch eine Warnung: Kompliziert wird es, wenn ihr größere Städte durchquert. Die Highways und Expressways führen dann in lustigen Kringeln über- und untereinander durch, gern auch mal durch lange Tunnel – wo dann kein GPS-Signal mehr empfangen wird (was doof ist, wenn ihr innerhalb des Tunnels eine bestimmte Abzweigung nehmen müsst).

Nehmt euch Zeit beim Fahren, fahrt vor Auf- und Abfahrten ruhig langsam (euer Campervan hat ein „Anfänger“-Schild draufgepappt) und schaut vor dem Start nach, wie euer Ziel und der Highway heißen (die Kanji kann man notfalls abfotografieren).

Wir haben beim Fahren in Tokio bestimmt mehr Maut bezahlt, als es nötig gewesen wäre… aber wir haben es geschafft!

Campervan fahren in Tokio

Campervan fahren in Tokio – auch nicht sooo dramatisch

Verkehrsregeln in Japan

Vor dem Autofahren in Japan haben die meisten Urlauber solchen Respekt, dass sie auf das Mieten eines Fahrzeugs verzichten. Ist totaler Quatsch! Japaner sind sehr angenehme Verkehrsteilnehmer, ganz anders als im Rest Asiens. Ihr werdet nie ein Hupen hören, es wird nicht gedrängelt und schon gar nicht gerast – eher werdet ihr euch über Schleicher ärgern, die das mickrige Tempolimit auf einer Landstraße exakt einhalten.

Apropos Tempolimits: Da Rasen zu den „serious crimes“ in Japan gehört, solltet ihr die kennen. Achtung, jetzt kommt’s: Auf Highways sind es 80 bis 100 km/h, auf Landstraßen sind es zwischen 40 und 60 km/h und in Ortschaften 40 km/h. Kleinere Autos müssen oft noch langsamer fahren, und selbst für Krankenwagen gilt ein Tempolimit von 80 km/h!

Klingt waaahnsinnig langsam, oder? Finden viele Japaner offenbar auch, zumindest auf den Highways fahren eigentlich alle zu schnell (aber es gibt keine Raser wie in Deutschland). Wir haben einen einzigen fest installierten Blitzer gesehen und keine Verkehrskontrolle; sie sind wohl auch nicht üblich. Das Risiko liegt natürlich bei euch!

Campervan fahren in Japan

Verkehrsregeln in Japan – alles selbsterklärend, oder?

Die wichtigste Regel: Auf japanischen Straßen fährt man links. Linksabbieger haben demnach Vorfahrt.

Die zweitwichtigste Regel: Fußgänger und Radfahrer haben immer Vorfahrt. Es gibt zahlreiche Zebrastreifen und die Fußwege sind oft sehr schmal und nicht mit Bordsteinen abgegrenzt, sondern nur markiert, also passt gut auf!

Und Stoppschilder sehen aus wie unsere Vorfahrt-Gewähren-Schilder (die Aufschrift in Kanji und Katakana heißt „to-ma-re„: anhalten). Im Zuge der Vorbereitungen auf Olympia 2020 soll allerdings in Zukunft zumindest in den Touristenregionen „Stopp“ unter den Zeichen hinzugefügt werden.

Alles andere ist so ziemlich wie zu Hause.

Naja… ein paar Dinge laufen schon anders. Es zahlt sich aus, wenn ihr den Erläuterungen von André, Maciek und Daichi (die Jungs von JapanCampers) gut zuhört, und auch die Einführung in die Verkehrsregeln auf dem iPad solltet ihr vor dem Losfahren gelesen haben.

Na dann – gute Fahrt, und viel Spaß in Japan!

Campervan fahren in Japan

Bis zum nächsten Mal, kleiner Bongo! 💚

Offenlegung: JapanCampers hat uns einen Rabatt auf die Miete des Campervans gegeben.

4 Kommentare

  • Danke für den Beitrag, Jenny! Aber sterbe ich jetzt neugierig oder hab ichs uebeelesen? Was habt ihr denn nun fuer den Campervan bezahlt?

    Mir gefällt die Art des Reisens. In Japan.

    • Liebe Heike, du musst nicht sterben – nur den verlinkten Beitrag lesen, in dem wir unsere Reisekosten von 2015 aufgedröselt haben (-> hier entlang). Ich werde den noch mit den neuen Zahlen aktualisieren, weiß noch gar nicht genau, wie viel wir diesmal ausgegeben haben…

  • Liebe Weltwunderer, eure erste Reise hat uns so inspiriert, dass wir im märz 2017 auch mit einem Bongo von Japancampers unterwegs waren. Euren Azsfphrung bzgl. Fahren in Japan können wir uns nur anschließen: Wenn man sich mit dem Fahrzeug und den Verkehrsregeln vertraust gemacht hat total entspannt. Allerdings würden wir kein zweites Mal im Frühjahr einen Camper buchen. Es war zu kalt (besonders oben) und zu eng mit zwei Teenagern und bei Regen und (auch mal) Schnee. Ende vom Lied: wir haben uns kurzfristig feste Quartiere gesucht. Und es war IMMER unkompliziert, ordentlich bis großartig und gar nicht mal so teuer. Beim nächsten mal also mit Pkw, der japanische Führerschein gilt noch bis 2025.

    • Ja, das haben wir uns auch schon gedacht, dass es im Frühjahr und Herbst etwas kühl werden könnte (obwohl es ja eine Heizung gibt und offenbar so einige Reisende sogar mit dem Campervan ins Skigebiet fahren!). Dann nutzt man den Campervan wohl besser als geräumiges Auto und Not-Unterkunft, wenn doch mal alles ausgebucht sein sollte. Ein nächstes Mal gibt es für euch aber offenbar auch?! 😉

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