Rund ums Wohnmobil

Criminal Minds – was tun bei Autodiebstahl oder Raubüberfall?

Im letzten Beitrag ging es um den hoffentlich nie eintretenden Fall, dass ihr in Neuseeland einen Unfall mit eurem Wohnmobil habt. Heute schauen wir uns einen noch dringender erhofft ausbleibenden Fall an: Was tun, wenn ihr auf eurer Neuseeland-Reise Opfer von Kriminalität werdet?

(c) Flickr/beccaplusmolly

(c) Flickr/beccaplusmolly

Wer hin und wieder einen Blick in die großen neuseeländischen Gazetten wirft, der bekommt schnell einen recht krassen Eindruck von der neuseeländischen Gesellschaft: Hier scheinen Mord, Totschlag und noch Schlimmeres an der Tagesordnung zu sein. Tatsächlich geschehen Morde etwa doppelt so häufig wie in Deutschland, in Sachen Vergewaltigung hat Neuseeland gar eine traurige Spitzenposition weltweit (wobei allerdings eingeschränkt werden muss, dass Weiße und gar Touristen hiervon nahezu gar nicht betroffen sind!).

Was uns Besucher interessiert, sind ja eher die oft kolportierten Geschichten von Einbrüchen in Mietwagen, Raubüberfällen auf einsamen Parkplätzen oder noch fieseren Vorkommnissen (Eltern, nicht auf diesen Link klicken!). Peter vom streitbaren, aber gut informierten NZ2Go-Blog listet für das Jahr 2012 17 im „NZ Herald“ berichtete Vorfälle mit Touristen auf, bei denen insgesamt 26 Besucher zu Schaden kamen – zwei davon wurden ermordet. Ist das nun (zu) viel? Für die Betroffenen sicherlich schon…

Damit euch nicht dasselbe passiert und ihr plötzlich ohne Wertsachen, Rucksäcke und Auto dasteht, haben wir ein paar wichtige Tipps zur Vorbeugung gesammelt.

Wie kann man sich schützen?

Die allermeisten Autos, ob nun Pkw oder Wohnmobile, werden in Neuseeland auf öffentlichen Parkplätzen aufgebrochen, die mehr oder weniger abgeschieden liegen, nicht überwacht werden und wenig frequentiert sind. Hier stellen Touristen zwangsläufig ihre Fahrzeuge ab, wenn sie zu Wanderungen starten.

Für einen Kriminellen ist das eine ideale Situation: Da die Besitzer der Autos, wenn sie zu ihrer Tour gestartet sind, über längere Zeit zuverlässig abwesend sein werden, ist genügend Zeit, um in aller Ruhe das geeignetste Fahrzeug am Platz auszusuchen, die Türschlösser aufzubrechen und dann die Wertsachen mitzunehmen.

Ein einsamer Parkplatz lädt Diebe ein!

Ein einsamer Parkplatz lädt Diebe ein!

Die Lieblingsbeute sind Dinge, die sich leicht zu Geld machen oder weiterverwenden lassen: Bargeld und Kreditkarten, Wertsachen wie elektronische Geräte und hochwertige Outdoor-Ausrüstung. Auch Alkohol wird von vielen gern mitgenommen. (Das Fahrzeug an sich stellt natürlich ebenfalls einen Wert dar; die Zahl der Autodiebstähle ist in Neuseeland enorm hoch.)

Wer all das weiß, der kann sich immerhin ein wenig vor den bösen Dieben schützen.

  • möglichst nicht auf einsamen oder abgelegenen Parkplätzen parken; schon gar nicht, wenn dort Schilder schon vor Diebstahl warnen und schon gar nicht über Nacht!
  • Türen abschließen, alle Fenster und Schiebedächer schließen (Lüftungsklappen auf dem Dach und Tankdeckel nicht vergessen!) – auch wenn ihr euch über Nacht im Campervan aufhaltet!!
  • wenn man die Wahl hat: kein allzu „hochwertig“ aussehendes Fahrzeug kaufen oder mieten (einige Vermieter bieten eigens neutrale Fahrzeuge ohne Aufkleber an)
  • habt ihr ein eigenes Fahrzeug, schützt es mit einer Lenkradkralle oder anderen Sperrvorrichtungen
  • den Ersatzschlüssel nicht im Auto aufbewahren!!
  • keine Wertsachen offen im Auto herumliegen lassen
  • das Fahrzeuginnere vor neugierigen Blicken schützen: die Rückscheiben verdunkeln oder verhängen, keine Wertsachen in der Fahrerkabine von Wohnmobilen herumliegen lassen
  • ODER: Liegt wirklich nichts mehr im Auto, weil ihr alles im Hostel gelassen habt oder bei euch tragt, dann lasst alles offen für Blicke von außen und öffnet auch die Handschuhfach-Klappe
  • Wertsachen und wichtige Dokumente, vor allem die Pässe, immer am Mann tragen oder an der Rezeption im Hotel lassen (manche Veranstalter von Touren bieten an, eure Wertsachen für euch aufzubewahren)
  • vor der Reise wichtige Dokumente kopieren und im E-Mail-Postfach hinterlegen; bei Diebstahl kann man sich dann notdürftig ausweisen, darf weiterhin Auto fahren usw.
  • immer ein paar Passbilder bei sich haben, falls man neue Dokumente ausstellen lassen muss
  • einen [amazon_link id=“B000KFYYDO“ target=“_blank“ locale=“DE“ container=““ container_class=““ ]Pacsafe[/amazon_link] oder andere Schließsysteme für lose Wertsachen benutzen, um Gelegenheitsdiebe abzuschrecken – auch verwenden, wenn ihr nachts im Campervan seid!
  • eine Packliste anlegen, die den gesamten Inhalt eurer Koffer und Taschen auflistet – wurde das Auto aufgebrochen und durchwühlt, habt ihr so schnell einen Überblick, was fehlt
  • immaterielle Werte schützen: Reisetagebuch und vor allem den Fotoapparat niemals aus der Hand legen; zwischendurch regelmäßig Sicherheitskopien von den Fotos auf CDs brennen und heim schicken oder im Internet hinterlegen (Cloud-Speichersysteme oder Dropbox eignen sich auch für größere Datenmengen)
  • vor Raubüberfällen schützen: keine Anhalter mitnehmen, immer ein eingeschaltetes Handy dabei haben und im Zweifel die 111 rufen
Clevere Vorsichtsmaßnahme - für Diebe, die lesen können (c) Flickr/stewf

Clevere Vorsichtsmaßnahme – für Diebe, die lesen können (c) Flickr/stewf

Was tun, wenn es doch passiert ist?

  • den Schaden dokumentieren: das aufgebrochene Auto und den Ort des Verbrechens fotografieren
  • die nähere Umgebung absuchen: oft werfen die Diebe alles weg, was ihnen auf den zweiten Blick nicht wertvoll genug erscheint
  • sofort zur örtlichen Polizeistation gehen, den Vorfall melden und auflisten, was gestohlen wurde
  • wenn Dokumente gestohlen wurden: um das Aktenzeichen (“case number”) und eine Kopie der Aussage bitten, damit man auf Nachfrage nachweisen kann, warum man sich nicht ausweisen kann (Tipp: den Bearbeiter nach einigen Tagen direkt kontaktieren und nachfragen, ob eventuell ein Teil der gestohlenen Sachen gefunden wurde)
  • die Passnummer bei der deutschen Polizei als gestohlen melden
  • alle Kreditkarten sperren lassen, eventuell neue beantragen und nach Neuseeland schicken lassen (das macht nur Sinn, wenn ihr noch mehr als drei Wochen im Land seid)

Ein neuer Pass

Ist der Pass weg, müsst ihr die deutsche Botschaft aufsuchen, und zwar persönlich. Die Adresse ist 90-92 Hobson St, Thorndon, 6011 Wellington; die Telefonnummer (aus Neuseeland): 04 473 6063. Habt ihr andere Dokumente oder Zeugen, die eure Identität bestätigen können, dann nehmt diese mit. Einen Ersatzpass bekommt ihr auf jeden Fall schneller, wenn ihr eine Kopie des gestohlenen Passes vorlegen könnt, und nur mit dem Aktenzeichen des Polizeiberichts (siehe oben).

Ein neuer Pass – übrigens ist das dann nur ein vorläufiges Dokument für die Heimreise und kein vollwertiger neuer Reisepass! – kostet etwa 150 NZ$ (eine Reiseversicherung oder eine Kfz-Diebstahlversicherung übernimmt diese Kosten eventuell). Achtung: Die Botschaft ist nur vormittags geöffnet, in dringenden Fällen könnt ihr die Nummer 021 651 987 anrufen oder eine SMS schicken.

Keine Sorge, das Botschaftspersonal in Wellington wird sich schnell und kompetent um euch kümmern. Im „Pass-verloren-Test“ des Reiseportals ab-in-den-urlaub.de schnitt die neuseeländische Botschaft hervorragend ab.

… und wer bezahlt mir den Schaden?

Die immateriellen Verluste, also gestohlene Fotos und andere wertvolle Erinnerungen, sind natürlich unersetzbar. Genauso wenig wird man euch für den Schreck, die nachfolgende Angst und den Stress wegen der Wiederbeschaffung gestohlener Ausrüstung entschädigen (können).

Eine Versicherung kann euch aber wenigstens die Kosten für Reparaturen und Neuanschaffungen erstatten, wenn ihr eine entsprechende abgeschlossen habt. Dazu müsst ihr auf jeden Fall von allen Sachen, die ihr nach dem Diebstahl neu kauft, die Bons aufbewahren. Lasst euch auch alle Reparaturen an zerbrochenen Fenstern oder geknackten Türschlössern quittieren.

Achtung: Versicherungen zahlen generell nur, wenn ein Einbruchdiebstahl vorliegt; wurde ein Nachschlüssel verwendet oder standen Türen und Fenster gar offen, werdet ihr auf dem Schaden wohl sitzen bleiben. Genauso schwierig wird es, wenn ihr fahrlässig gehandelt habt – dazu zählt zum Beispiel, wenn Wertgegenstände offen sichtbar im Fahrzeuginneren lagen, aber auch, wenn das Auto auf einem nicht bewachten Parkplatz stand …

Eine ganz normale Hausratversicherung deckt den Diebstahl am eigenen Fahrzeug auch ab, wenn ihr euch im Ausland aufhaltet (allerdings höchstens bis zu sechs Monaten). Auch die Haftpflichtversicherung von zu Hause oder eine spezielle Reisegepäckversicherung können unter Umständen greifen.

Hat euer Fahrzeug eine Teilkaskoversicherung (Mietfahrzeuge haben die immer), deckt diese (bis zu einer festgelegten Maximalsumme) den Schaden ab, wenn fest verbaute Gegenstände wie Autoradio oder Navi aus dem Fahrzeug gestohlen wurden und auch, wenn das ganze Auto weg ist.

Achtung: Auch für Schäden durch Diebstahl gilt die Selbstbeteiligung, die ihr grundsätzlich immer zahlen müsst, wenn ihr nicht das teure „Bonus Pack“ gewählt habt!

Reisegepäckversicherungen werden genau für solche Fälle angepriesen und abgeschlossen, gelten aber als legendär knauserig – ihr müsst nachweisen, dass ihr euch nicht fahrlässig bestehlen lassen habt, bekommt eventuell nicht den Wiederbeschaffungswert, sondern nur den Zeitwert der gestohlenen Dinge ersetzt und generell auch nur einen bestimmten Höchstbetrag. Teure Sachen wie Fotoausrüstungen sind darüber hinaus oft ganz von der Versicherung ausgeschlossen. Hier heißt es also vor Versicherungsabschluss, genau im Kleingedruckten zu lesen!

Disclaimer: Mangels eigener Erfahrungen mit diesem Thema sind wir hier voll und ganz auf Recherche-Ergebnisse angewiesen. Unsere Informationen stammen unter anderem von der Stiftung Warentest, der deutschen Botschaft in Wellington und dem Auswärtigen Amt in Berlin. Wenn ihr eigene Erfahrungen mit Autoeinbruch in Neuseeland gemacht habt, meldet euch bitte und erhellt uns mit „first hand information“!

(c) Flickr/haggaret

(c) Flickr/haggaret

6 Kommentare

  • Wir haben uns auf unserer Reise durch NZ im Frühjahr 2011 eigentlich zumeist sicher gefühlt. Ein paarmal standen wir für eine Nacht am Straßenrand (Parkplätze, – buchten), das schien die Lkw-Fahrer irgendwie zu stören und wir wurden durch lästiges Hupen gestört.

    Auf dem Weg zwischen Rotorua und Whakatane hatten wir Schwierigkeiten, einen Übernachtungsplaz zu finden. Da es langsam dunkel wurde, stellten wir uns auf einen Parkplatz in einer kleinen Gemeinde mit dem Namen Te Teko. Irgendwie machte der Ort einen etwas heruntergekommenen Eindruck, trotzdem wollten wir nicht weiterfahren. Ein wenig später kam eine einheimischer Handwerker vorbei und hielt an. Er meinte „This is not a friendly town… “ und empfahl uns, hier nicht die Nacht zu verbringen. Er lud uns ein, sich bei ihm neben seine Werkstatt zu stellen, die außerhalb der Stadt zwischen einigen Bauernhöfen stand. Er selber wohnte am Ende der Straße den Hügel hinauf. War uns erst auch nicht so richtig geheuer (wir wussten ja nicht, wie „friendly“ er eigentlich war), aber es erwies sich als perfekter Übernachtungsplatz. Er bot uns sogar Strom und Wasser an… am nächsten Morgen fuhr er gegen 6 h morgens an uns vorbei, vermutlich zur Arbeit… Als wir dann eine Woche später bei Freunden in Gisborne ankamen und die Geschichte erzählten, kannten sie den Ort und meinten, dass dies ein typsicher Ort mit sozialen Problemen und hoher Kriminalität sei… noch mal Glück gehabt.

    Zwischen Whitiangia und Coromandel Town auf der Rd 309 hielten uns Bauarbeiter an und erkundigten sich, ob wir hier irgendwo übernachten oder länger parken wollten. Offensichtlich gab es einige Gangs, die es vor allem auf Touristen in Campervans abgesehen hatten. O-Ton der Arbeiter: „… we have to kill the bastards…“ Zum Glück waren wir auf dem Weg nach Waterworks und danach nach Coromandel Town… ohne längere Stopps an einem der Tracks in dieser Gegend.

    Das waren im Prinzip die einzigen etwas unangenehmen Erlebnisse dieser Art in 3 Monaten NZ. Schwer zu sagen, ob man nur Glück hatte. Insgesamt fühlten wir uns aber schon sehr sicher. Aber man kann natürlichh immer auch mal Pech haben.

  • Das „nothing to steal“ – Schild ist aber wirklich clever, gefällt mir gut 😉
    Hätte nicht gedacht dass das so ein Thema in Neuseeland ist…na, jetzt bin ich jedenfalls vorgewarnt und werd drauf achten. Danke!

  • … und genau das ist das Problem! Ich habe das Netbook immer mit einem Kensington-Schloss an der Karosserie festgemacht; dann hätte man schon das ganze Auto klauen müssen, und das kam mir bei einem deutlich erkennbaren Miet-Campervan eher unwahrscheinlich vor.
    Noch fieser fand ich so ein Warnschild am Beginn des Kepler Tracks; da kommt man ja erst nach mehreren Tagen zurück …

  • Zum Glück ist uns das bisher auf sechs Neuseelandreisen erspart geblieben. 1996 habe ich noch keine Warnschilder gesehen, aber in den letzten Jahren wurden es immer mehr. Besonders mulmig war mir bei den Weiere Falls, dort habe ich ein solches Schild zum ersten Mal gesehen und die Wanderung ist 3hr return. Es ist schon lästig immer alles Wertvolle mitzuschleppen, die Kameras hat man ja eh immer dabei, aber die Wechselobjektive etc. Anfangs habe ich immer den kompletten Fotorucksack mit Pässen und Netbook dabei gehabt, aber je länger man da ist, umso nachlässiger wird man.

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