Rund ums Wohnmobil

Das Kindersitz-Problem im Campervan – was Eltern wissen müssen

Wie ihr in Neuseeland ein für Familien geeignetes Wohnmobil findet, haben wir hier bereits ausführlich erklärt. Nun geht es ans Spezialwissen für Eltern: Welcher Kindersitz muss, darf, sollte ins Wohnmobil – und braucht euer Kind überhaupt einen? Diesen Artikel haben wir gründlich überprüft und geupdatet (oder upgedatet?).

Unterwegs ohne Kindersitz - so lieber nicht

Unterwegs ohne Kindersitz – so lieber nicht (c) Weltwunderer

In Neuseeland gilt wie in Deutschland: eine Person, ein Sitzplatz. Wobei es in Neuseeland allerdings nicht unbedingt sein muss, dass dieser Sitzplatz auch über einen Gurt verfügt – viele landwirtschaftlich genutzte Pick-ups und „Utes“ haben so etwas ja gar nicht.

Die neuseeländische Straßenverkehrsordnung sagt dazu:

  • Alle Kinder unter fünf Jahren müssen in Neuseeland mit einem Kindersitz gesichert werden, der an ihr Alter und ihr Körpergewicht angepasst ist, ansonsten dürfen sie nicht mitfahren. Update: Seit 1.11.2013 gilt eine Altersgrenze von sieben Jahren!!
    • Babys unter neun Kilogramm oder sechs Monaten gehören in rückwärts gerichtete Babyschalen („baby capsules“). Werden sie auf dem Beifahrersitz transportiert, darf dort kein Airbag aktiviert sein, sonst droht Lebensgefahr!! Und: Einige Wohnmobilhersteller erlauben überhaupt keine Verwendung von Babyschalen.
    • Kinder bis zu sieben Jahren bzw. 18 kg Gewicht gehören in einen „Baby Seat“ (psst, nicht den Älteren verraten!). Auch diese Kindersitze passen nur auf bestimmte Sitze im Wohnmobil, nämlich die mit Ankerpunkten (Tether Straps) versehenen.
  • Kinder zwischen fünf und sieben Jahren müssen zumindest angeschnallt werden; ein Kindersitz ist zu benutzen, wenn er vorhanden ist.
    • Für Kinder bis acht Jahre bzw. 26 kg gibt es „Booster Seats“, das sind Sitzerhöhungen, die mit einem normalen Dreipunktgurt gesichert werden. Hierfür kommen also (fast) alle Sitze im Campervan in Frage. Einige Autohersteller verbieten aber, dass Kinder bis acht Jahre auf dem Beifahrersitz transportiert werden; das kann mit der Konstruktion des Airbags zusammenhängen und sollte sicherheitshalber beachtet werden.
  • Kinder zwischen acht und 14 Jahren müssen immerhin angeschnallt sein; ist im Auto kein Gurt vorhanden, müssen sie auf der Rückbank sitzen; ist diese bereits besetzt oder gibt es gar keine, dürfen sie dann halt auch vorn sitzen.
  • In Taxis und Tourbussen, wo es häufig gar keine Sicherheitsgurte auf der Rückbank gibt, dürfen Kinder jeden Alters laut Gesetz auch ungesichert mitfahren.

Zur Erinnerung: In Deutschland müssen alle Kinder bis zwölf Jahre bzw. 1,50 m Körpergröße einen passenden Kindersitz benutzen. In Neuseeland müsst ihr dagegen strenggenommen nur für Kinder bis sieben Jahre einen Kindersitz mitschleppen oder ausleihen; ob ihr das verantworten wollt, müsst ihr mit eurem Gewissen ausmachen.

Kindersitz vor Ort kaufen oder lieber selbst mitbringen?

Im Gegensatz zu Australien akzeptiert Neuseeland nicht nur Kindersitze, die mit dem Prüfzeichen „Australian Standard“ versehen sind, sondern auch das europäische ECE-44-Zeichen und das FMVSS-213-Siegel der USA. Ihr könnt also durchaus euren eigenen Sitz mitbringen.

Pro: Wer den eigenen Autokindersitz auch im Flugzeug nutzen will, sollte das auf jeden Fall tun und den Sitz dann direkt auch für das Wohnmobil nutzen. Der Hauptgrund dafür: Viele der vermieteten Kindersitze sind schon älter und in keinem guten Zustand; ob der Sitz bereits an einem Unfall beteiligt war, erfährt man vom Personal an der Mietstation nichts und in der Regel bekommt man auch keine Hilfe bei der Installation (angeblich aus Versicherungsgründen).

Contra: Die allermeisten in Deutschland vertriebenen Kindersitz-Modelle sind sowieso nicht „for use in aircraft“ zugelassen, nützen im Flugzeug also nichts. Und es ist auch nicht sicher, dass ihr euren eigenen Kindersitz auf den Sitzen des Wohnmobils installieren könnt! Isofix-Befestigungen haben Wohnmobile in aller Regel nicht, man braucht also

a) einen Kindersitz zur Universalbefestigung mit Dreipunktgurten und

b) muss der Kindersitz außerdem in aller Regel einen Top-Tether-Riemen haben, der an einem Haken an der Rückseite des Sitzes (oder im Kofferraum) befestigt wird. Sobald die Sitze im Wohnmobil über diese Haken verfügen, muss der darauf verwendete Kindersitz auch damit gesichert werden!

Kindersitz mit Ankergurt befestigen - gar nicht so einfach

Kindersitz mit Ankergurt befestigen – gar nicht so einfach (c) Weltwunderer

 

Kindersitze „for use in aircraft“

… und damit auch prinzipiell zum Installieren in einem neuseeländischen Campervan geeignet sind folgende Modelle:

Modell PreisGewichtTestnote Stiftung Warentest/ ADACTestjahr

Babyschalen

Bébé Confort Pebble179,00 €4,0 kgbaugleich mit Maxi Cosi Pebble (weiter unten)
Concord Ion (Achtung: NICHT Concord Airsafe von 2014!)112,00 €4,1 kggut (2,2)2007
Doona+ (Simple Parenting)330,00 €7,0 kggut (2,4)2015
Kiddy Evolution Pro mit Isofix-Basis Base 2199,00 €4,8 kggut (1,9)2014
Kiddy Evolution Pro2199,00 €4,8 kggut (1,9)2014
Maxi Cosi Citi (nicht mehr erhältlich)–  –– – 
Maxi Cosi Citi (SPS)99,00 €2,7 kggut (2,0)2007
Maxi Cosi Mico (nicht mehr erhältlich)–  ausreichend (4,0)2001
Maxi Cosi Pebble179,00 €4,0 kggut (2,3)2014
Recaro Privia175,00 €4,0 kgsehr gut (1,3)2014
Römer Baby Safe Plus / B06 (nicht mehr erhältlich)3,8 kggut (2,0)2006
Römer Baby Safe Plus SHR (nicht mehr erhältlich)3,9 kggut (2,1)2009
Storchenmühle Maximum (nicht mehr erhältlich)–  ausreichend (4,1)2009
Takata Mini (baugleich: Picomino Mini)229,00 €4,4 kggut (1,7)2013

iSize (0-12 kg, 45-75 cm)

Maxi Cosi Pebble Plus (baugleich mit Bébé Confort Pebble Plus)260,00 €4,5 kgsehr gut (1,6)2015

Gruppe I

Britax Römer Eclipse145,00 €7,3 kgnicht getestet
Römer King QuickFix  befriedigend (2,8)2003
Kiddy Energy Pro200,00 €5,1 kggut (1,6)2010
Kiddy Phoenixfix Pro (nicht mehr erhältlich)– 6,4 kgnicht getestet
Kiddy Phoenixfix Pro 2199,00 €6,5 kgsehr gut (1,4)2013

Gruppe I/II

Luftikid (Eitel Plastic) (nicht mehr erhältlich)0,7 kgmangelhaft (5,4)2008

Gruppe I/II/III

Kiddy Comfort Pro (nicht mehr erhältlich) 7,2 kggut (2,1)2008
Kiddy Guardian Pro270,00 €7,0 kggut (2,0)2010
Kiddy Guardian Pro2270,00 €7,3 kggut (1,8)2011
Kiddy Guardianfix Pro269,00 €7,7 kgmangelhaft (5,5) – gut bei Befestigung mit Isofix!2012
Kiddy Guardianfix Pro2270,00 €7,7 kggut (2,1)2012

Gruppe II/III

Kiddy Discovery Pro (nicht mehr erhältlich)6,6 kggut (2,1)2008
Kiddy Cruiserfix Pro170,00 €7,3 kggut (1,7)2011
Kiddy Smartfix219,00 €7,2 kggut (1,8)2015

(Quelle: KidsAway.de)

Die Wohnmobil-Vermieter haben bei rechtzeitiger Buchung garantiert die für ihre Fahrzeuge zugelassenen Kindersitze auf Lager; natürlich gegen eine Gebühr, die zwischen 20 und 100 NZ$ liegen kann. Es kann sich unter Umständen lohnen, einen passenden Kindersitz vor Ort zu kaufen oder zu leihen – Babyfachgeschäfte wie „Baby on the move“ bieten diesen Service in den großen Städten an. (Und wenn ihr ein Auto oder einen Campervan kauft, anstatt zu mieten, braucht ihr natürlich sowieso einen eigenen Kindersitz.)

Ob das Installieren eines speziellen Kindersitzes im Campervan eurer Wahl möglich und erlaubt ist, solltet ihr auf jeden Fall vor der Buchung recherchieren; am besten durch eine persönliche Nachfrage beim Vermieter. Nicht jeder Sitz ist für die Verwendung mit jedem Kindersitz zugelassen!

9 Kommentare

  • Ich habe 2013 auf unserer Tour einen US-Kindersitz gekauft (9-18kg), der sowohl in- als auch gegen die Fahrtrichtung montiert werden kann. Er ist beckengurttauglich und hat eine Flugzeugzulassung. Wir haben ihn 2013 und 2014 jeweils auf unserer Touren im Wohnmobil genutzt, die übrige Zeit lagerte er dunkel, trocken und kühl im Haus.

  • Hallo! Ich habe noch eine Verständnisfrage. Wir wollen unsere Kindersitze mitnehmen und haben einen Juicy Condo gemietet. Müssen die Kindersitze (voraussichtlich Maxi Cosi Citi SPS / Kiddy Modell? – noch nicht gekauft) auch über einen Top Tether verfügen? Dann wären ja nicht alle oben genannten Modelle zur Installation in einem neuseeländischen geeignet?

    • Hallo Liliane, kein Autositz ist gleich, deshalb solltet ihr auf jeden Fall bei eurem Vermieter nachfragen, ob die Sitze für die Kinder mit Top Tether ausgestattet sind. Wie im Text beschrieben ist, heißt es in diesem Fall automatisch, dass nur Kindersitze mit Top-Tether-Befestigung verwendet werden dürfen. Und richtig, darüber verfügen die allermeisten in Deutschland zugelassenen Sitze nicht. Ich kann dich aber beruhigen: Eine Babyschale wie den Maxi Cosi Citi könnt ihr auch ohne Haken legal installieren.

  • Wir hatten uns damals bereits zuhause dazu entschieden, unsere eigenen Sitze mitzunehmen und haben es wirklich nicht bereut. Unser Vermieter BRITZ hatte jedoch auf alle Fälle 2 Sitze für uns vorbereitet. Sahen eigentlich ganz gut aus, aber wie gesagt, wir hatten ja unsere Sitze eh dabei. Die durften wir zusätzlich zum übrigen Gepäck im FLugzeug mitnehmen, so dass das gewichtmässig kein Problem war.
    Wir sind bei früheren Reisen schon mehrere Mal ganz schön reingefallen. Da hat man uns wirklich die ältesten Modelle (Typ „Made in West-Germany“!!!) bzw. nicht altersgerechte Modelle angedreht, so dass wir diesmal kein Risiko eingehen wollten. Hat sich auf jeden Fall gelohnt!

  • Wir hatten einen Sitz vorgebucht bei thl (Maui, Britz und co), dann vor Ort (Christchurch) war denen egal was für einen wir nehmen. Sprich wir durften ins „Lager“ gehen und uns einen aussuchen. Rein optisch gab es da schon riesige Unterschiede. Die Wahl fiel auf ein neuwertig aussehendes Modell, was von seinen Eigenschaften auch unserem deutschen Modell entsprach.

    • Da hattet ihr ja Glück – bei uns gab es keine Auswahl (mehr?) und die Kindersitze sahen durchaus abgeranzt aus – wenn auch noch augenscheinlich alles in Ordnung war.

  • Das Problem kann sein, dass die Kindersitze, die die Campervan- und Autovermieter vermieten, schon extrem abgejuckelt sein können und oft auch nur die billigsten Modelle sind. Diese Erfahrung haben wir nicht nur in Neuseeland, sondern auch bereits in vielen anderen Ländern gemacht. Manchmal sitzt das Kind dann direkt auf dem Plastik ohne Polsterung (das kann bei langen Fahrten schon ganz schön übel sein …) oder die Gurte lassen sich nicht mehr richtig einstellen. Wir haben es in Australien und auch in Neuseeland so gehandhabt: Wir haben bei Buchung angegeben, dass wir einen Kindersitz brauchen, aber uns vorbehalten, diesen letztendlich nicht zu nehmen. In beiden Ländern ging das. Wir haben dann auch tatsächlich in Australien (dem ersten Land, in dem wir waren) den Kindersitz vom Vermieter nicht genommen, sondern sind zum nächsten Kinderausstatterladen gefahren und haben einen Kindersitz gekauft. Weil wir länger dort geblieben sind, hat sich das auch gelohnt. So wussten wir auch, dass es kein Unfallkindersitz ist 🙂
    Und im Laden haben wir dann auch ähnlich einfache Kindersitze gesehen wir die, die wir zum Mieten von der Autovermietung angeboten bekommen haben, für nur 30 AUS Dollar. Das Ausleihen wäre teurer gewesen!!!
    In Neuseeland, wo wir im Anschluss waren und wo wir unsere australischen Kindersitze letztendlich eingesetzt haben, haben wir uns trotzdem die Leihsitze zeigen lassen. Wir waren froh, dass wir unsere eigenen dabeihatten. Aber natürlich ist das auch Ansichtssache – wer in Deutschland nicht so pingelig ist, der wird wahrscheinlich auch mit den Leihsitzen glücklich werden.

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