Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch: Dem Himmel ganz nah am Mt Cook/Aoraki

… waren wir gestern und heute. Gestern waren wir sogar quasi mittendrin – und zwar in einer dicken Regenwolke. Die hatte sich an den Hängen der Mount Cook Range verklemmt und regnete ohne Unterlass auf den ansonsten bestimmt sehr hübschen DOC-Campground White Horse Hill hernieder, der noch 2 km hinter dem Mount Cook Village in einer grandiosen Einöde liegt.

Near Mount Cook New Zealand

… von der wir leider gar nichts sahen, weil wie gesagt: Dauerregen und dazu Sturmböen von 100 km/h, die unseren Campervan bedrohlich ins Schwanken brachten. Einige arme Menschen, die eigentlich im Zelt übernachten wollten, drückten sich verfroren im Shelter herum und haben dort offenbar die Nacht verbringen müssen; nicht wirklich bequem, aber immer noch besser als die Alternative.

Da wir dem „Weather Forecast“ des DOC grundsätzlich blind vertrauen (und dieses Vertrauen hat er sich verdient!), trotzten wir den Böen stoisch und wurden, wie wir es vom neuseeländischen Wettergott gewohnt sind, umgehend belohnt: Gleich nach dem Frühstück klarte es gewaltig auf und nach nicht einmal einer Stunde herrschte herrliches Sommerwetter (allerdings immer noch mit einer steifen Gebirgsbrise).

Und was noch besser war: Auf einmal sahen wir, wo wir die Nacht verbracht hatten – fast am Fuße eines riesigen Gletschers, der vom Mount Sefton herabgletschert (wie nennt man das, was Gletscher machen?). Gleich daneben erhob sich gewaltig und unverwechselbar die Spitze des Mount Cook bzw. Aoraki, wie ihn die Maori nennen. Hier fühlte man sich dem Himmel bzw. dem 3.700 m hohen Gipfel wirklich schon recht nah.

Mount Cook Aoraki

Im Mount Cook National Park gibt es unzählige tolle Walks und Tracks, aber unsereiner muss ja wählerisch sein: nicht zu weit (drei Stunden hin und zurück sind als Zeitangabe fortan unser Maximum), möglichst spektakuläres Ziel zur Kindermotivation und allzu steil darf es auch nicht sein, denn dann ist das Weltwunderkleinkind kaum noch tragbar. Der Wetterbericht hatte außerdem schon klargestellt, dass am Nachmittag wieder Schluss mit Schönwetter sein würde – eine weitere Übernachtung hätte leider, leider keinen Sinn gemacht.

Unser Campervan wurde also geschwind weitere acht Kilometer ins Tasman Glacier Valley gelenkt, bis es für alle Autos ohne Four Wheel Drive und vor allem für Mietwagen Ende hieß. Von hier ging es im herrlichsten Sonnenschein etwa eine halbe Stunde durch alpine Tundra (?) und Felsgeröll, das perfekt als Mordor-Kulisse funktioniert hätte, zum Gletschersee des Tasman Glacier.

Hier haben wir zum ersten Mal Eisberge gesehen! Die schwammen türkisblau und riesig auf dem milchweißen See herum, der daher nicht wirklich einladend aussah (und natürlich eiskalt war). Wenn man sich überlegt, dass neun Zehntel von den Kaventsmännern noch unter Wasser sind… der Wahnsinn.

Tasman Glacier Lake

Leider durften wir an der Bootstour über den Gletschersee nicht spontan vom Pier aus teilnehmen, obwohl das Geld durchaus gern ausgegeben hätten – nein, diese Tour kann man nur vom Mount Cook Village aus buchen und dort wird man auch eingesammelt und hergekarrt bzw. -geführt, wie wir zehn Minuten später sahen. Ja, sollten wir jetzt echt die 10 km ins Dorf zurückfahren, um uns dann von einem Kleinbus wieder herbringen zu lassen!?

Hier waren die Kiwis mal ungewohnt unspontan, müssen wir kritisch anmerken! Na ja, das anschließende Picknick am rauschenden Bergbach (in den der Weltwundersohn hineinfiel und von der Weltwundertochter gerettet wurde) war auch nicht schlecht.

Inzwischen sind wir schon wieder ganz woanders, jetzt sind unsere Kinder mal dran mit Im-Himmel-Sein. Nach zackigem Durchqueren des Mackenzie County, vorbei an den gewaltigen milchweißen und dadurch irgendwie wenig einladenden Wasserreservoirs der Lakes Pukaki und Tekapo (wo wir ein niederschmetterndes Massentourismus-Entzauberungs-Erlebnis an der Church of the Good Shepherd hatten – nichts wie weg da!) und durch trostlose, karge Mondlandschaften, sind wir aufatmend wieder in die grünen Weiden des Canterbury zurückgekehrt. Obwohl man sagen muss, dass die sanften Hügel mit den Kühen und Bewässerungssystemen nach den grandiosen Panoramen der letzten Wochen durchaus ein wenig … langweilig sind.

Canterbury Plains

Im Farmyard Holiday Park im beschaulichen Geraldine (gesprochen mit langem „iii“) schweben die Lütten auf Wolke sieben, denn hier gibt es wirklich alles, was ein Kinderherz begehren kann: Auf einem unglaublich großen Gelände gleich neben dem Zeltplatz versammeln sich neben Spiel- und Turngeräten aller Art zahlreiche Gehege, in denen man Opossums (süß!) und Schweine füttern, auf Eseln reiten, Kaninchen streicheln und mit Papageien reden kann; und natürlich gibt es auch einen Pool und ein großes Planschbecken. Morgen früh sind wir also verabredet: Die Weltwundertochter wird Quadbike fahren.

Für mich gab es übrigens auch etwas: Eine monstergroße Spinne im Waschbecken. Huäh…

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