Anreise: Rund ums Fliegen

Den Langstreckenflug mit Kindern überleben – unsere wichtigsten Tipps

Unser nunmehr dritter Langstreckenflug als Familie steht kurz bevor – und wir sind totaaal entspannt. Quatsch! (Dies nur zur Beruhigung für euch.) Nichtsdestotrotz haben wir in den letzten Jahren einige Lektionen gelernt und Erfahrungen gesammelt, mit denen wir unseren 19-stündigen Flug nach Japan sicherlich gut überstehen werden. Die teilen wir hier mit euch!

Weltwunderer Langstreckenflug mit Kindern

Ein entspannter Langstreckenflug mit Kindern beginnt schon weit vor dem Abflug – nämlich mit der Buchung. Ja, richtig gelesen.

Langstreckenflug mit Kindern: Das solltet ihr schon bei der Buchung beachten

  • Sucht einen Flug mit Startflughafen in eurer Nähe und möglichst nur einem Umstieg heraus, der nicht mitten in der Nacht startet oder landet – auch wenn es etwas mehr kostet! Ein Stopover auf einem Langstreckenflug ist ebenfalls eine sehr nette Idee.
  • Die Frage aller Fragen, wenn eure Kinder jünger als sieben Jahre sind: Welche Art von Kindersitz erlaubt die Airline eurer Wahl und tut sie das auch während Start und Landung? (Informationen auf der Website genau lesen, Reisebüros haben hiervon meistens keine Ahnung!)
  • Auch wenn euer unter Zweijähriges für zehn Prozent des Ticketpreises ohne Sitzplatz fliegen könnte, bitte spart nicht am falschen Ende – es ist krass unbequem, ein Kind bei einem Langstreckenflug auf dem Schoß zu halten, ihr wisst nicht, ob ihr ein Bassinet bekommt und selbst wenn, könnt ihr es bei Turbulenzen nicht benutzen! ((und die Aufschläge für Flughafen- und Kerosinsteuern zahlt ihr sowieso in voller Höhe, sooo günstig ist das „infant“-Ticket also auch nicht))
  • Als Familie solltet ihr eure Sitzplätze so zeitig wie möglich reservieren, und zwar in Toilettennähe und am Fenster (bewährt ist nicht eine komplette Sitzreihe, sondern besser zweimal zwei Plätze im „Karree“ – dann können renitente Kinder trotzdem an einen Rücksitz treten, ein wenig herumturnen oder ihren Eltern ein wenig Privatsphäre gönnen, wenn sie schlafen)
  • Auch Kinder- und Erwachsenenmenüs direkt bei der Buchung reservieren, so vergesst ihr es nicht und bekommt euer Wunschessen. Das vegetarische Menü ist die optimale Wahl, vor allem wenn ihr mit einer asiatischen Airline fliegt. Dann ist es nämlich a) richtig lecker, b) wird es als Extrawurst (höhö) vor den „normalen“ Menüs serviert und c) macht es nicht so unangenehm voll – immerhin habt ihr kaum Gelegenheit, die Kalorien mit Bewegung wieder loszuwerden.

Vor dem Abflug erledigen:

  • Eine sehr bequeme Sache ist der Vorabend-Check-in – wenn eure Airline den anbietet, dann nutzt ihn. Papa bringt dann am Vorabend (daher der Name) schon mal das ganze Gepäck zum Flughafen und checkt es ein, ihr erscheint morgens (oder auch mittags) nur mit eurem Handgepäck.
  • Auch der Online-Check-in beschleunigt die Abläufe am Flughafen und ist deshalb unbedingt anzuraten, wenn möglich.
  • Die allermeisten Airlines wollen allerdings beim Check-in noch mal euren Autokindersitz sehen und „approven“, auch wenn er alle Vorschriften erfüllt. Wappnet euch mit Ausdrucken aller Bestätigungen, die ihr auf der Website findet und in E-Mails bekommen habt – oft weiß niemand so recht Bescheid und es gibt unnötige Verzögerungen.
  • Beim Einchecken wird das Gepäck gewogen und sollte die Vorgaben der Airline (zwischen 23 und 30 kg) nicht überschreiten. Wiegt also eure gepackten Taschen schon zu Hause, um nicht vor Ort voller Panik umpacken, Sachen wegwerfen oder neue Koffer im Flughafenshop kaufen zu müssen.
  • Apropos Gepäck: Die saudämlichen etwas komplizierten Sicherheitsvorschriften verlangen von euch, alle Flüssigkeiten im Handgepäck separat in 100-ml-Portionen in einem extra Ziplockbeutel zu verpacken. Geht euer Handgepäck gründlich durch auf alles, was nicht krümeltrocken und fest ist – beim Scannen wird sowieso alles entdeckt und ihr müsst dann alles wegwerfen. Taschenmesser und Bastelscheren sind auch keine gute Idee!
  • Profitipp: Trinkt am besten schon am Tag vor eurem Abflug mehr als sonst, um euren Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Mit gefüllten Speichern fühlt ihr euch wohler und fliegt es sich besser, versprochen.
  • Profitipp Nr. 2: Wer unter leichter Flugangst oder genereller Aufregung leidet, der nimmt Baldrian-Präparate am besten auch schon einige Tage vorher ein, sonst wirken sie nämlich nicht.

Checkliste: Praktische Ausrüstung für den Langstreckenflug mit Baby und Kind

  • Start und Landung sind in den großen neuen Maschinen nicht mehr allzu schlimm für die Ohren. Gebt euren Kindern trotzdem rechtzeitig ein Kaugummi, ein Bonbon oder ihre Trinkflasche, damit sie ordentlich schlucken – nur so funktioniert der Druckausgleich (und natürlich beim Schreien – es hat also auch etwas gutes…). Stillen ist aus unserer Sicht nicht möglich, weil Stillbabys ja im Autositz festgeschnallt fliegen sollten. Mit Wasser aus einer Nuckelflasche, dem Schnuller oder eurem Finger sollte das Ganze auch funktionieren. Stillen könnt ihr in aller Ruhe, sobald die Anschnallzeichen erloschen sind.
  • Wasserflasche: Für die optimale Flüssigkeitsversorgung solltet ihr immer eine eigene dabei haben, je nach Reiseziel genügt hier auch eine stinknormale PET-Flasche (wenn es nämlich gar kein trinkbares Leitungswasser vor Ort gibt, müsst ihr eh immer neue Flaschen kaufen) – vor der Sicherheitskontrolle muss die aber geleert sein, sonst müsst ihr sie wegwerfen.
  • Feuchtigkeit ist das A und O, also neben Getränken auch: Meerwasser-Nasenspray, Feuchtigkeitscreme für Gesicht und Hände, eventuell Augentropfen oder Augenspray (wirkt super!) und Brille für Kontaktlinsenträger (die Dinger sollten gleich nach dem Start raus, sonst landet ihr mit knallroten, brennenden Augen)
  • Essen ist ebenfalls enorm wichtig – das richtige und zur rechten Zeit. Da die Mägen von Kindern sich nicht um die Servierzeiten der Airline scheren, gehören ein paar energiereiche, leckere (!) Snacks ins Handgepäck: Müsliriegel, Studentenfutter, Obstbrei in Tüten (der wird allerdings nur für Babys durch die Sicherheitskontrolle gelassen) oder auch Sandwiches. Ist alles aufgefuttert, scheut euch nicht, das Bordpersonal nach einem Snack zu fragen, so etwas ist immer vorrätig.
  • Um auch nur ein bisschen schlafen zu können, sollte man a) das Schlafen im Sitzen vorher üben und b) es sich so bequem wie möglich machen. Das heißt: kleine Kinder im Autokindersitz schlafen lassen (nicht auf den Boden der Kabine legen!!), ein gutes Nackenkissen* und eine kuschelige Decke mitnehmen, Erwachsene möglichst am Fenster sitzen lassen (dort könnt ihr euch an die Wand lehnen, die Kinder liegen eh quer auf euch drauf)
  • Kompressionsstrümpfe? Braucht man eigentlich nur bei medizinischer Indikation (aka Krampfadern oder Schwangerschaft), für Normalos wie uns genügen lockere Kleidung und weiche Schuhe. Einige Airlines stellen Schlappen zur Verfügung, uns genügen dicke Socken (einpacken) und Sandalen (anziehen). Denkt daran, dass der Boden in der Flugzeugtoilette oft feucht ist – bäh!
  • Was man aber brauchen kann: eine Gürteltasche oder ein gut zugängliches Fach am Handgepäcks-Rucksack, wo alle (!) Reisedokumente schnell erreichbar drin sind. Plus ein Stift, mit dem ihr im Flugzeug die Einreise-Karten ausfüllen könnt.
  • Ebenfalls praktisch: Kinderkopfhörer mit Adapter für den Flugzeug-Anschluss (die Lautstärke ist hier abregelbar, die Akustik hoffentlich besser und ihr könnt auch eigene Hörbücher per MP3-Player anhören – Englisch verstehen die meisten Kinder ja noch nicht so gut…)
  • …und natürlich eine Menge Spielzeug – jedenfalls, wenn eure Kinder nicht sowieso die ganze Zeit fernsehen (dürfen)

An Bord: Verhaltensregeln während des Fluges

Nummer eins: Flüssigkeit tanken. Die Flugbegleiter bringen zwar mehrmals Getränke vorbei, aber das genügt nicht. Füllt eure Flasche immer wieder auf, entweder per Rufknopf in der Armlehne (Achtung, die Kinder sollten den nicht als Spielzeug entdecken!) oder bei einem kleinen Spaziergang in die Galley. Im A340 gibt es einen richtigen kleinen Erfrischungsbereich im „Untergeschoss“, wo man eine Art Stehbuffet mit Wasserspender und Snacks findet.

Nummer zwei: Bewegung. Apropos Spaziergang: Es ist für Familien enorm wichtig, sich viel zu bewegen – die Eltern vermeiden so die gefürchtete Thrombose, die Kinder bauen überschüssige Energie ab und schlafen danach (hoffentlich) besser. Habt ihr das Glück, mit einer asiatischen Airline zu fliegen, dann lacht nicht über die anderen Passagiere, die pflichtbewusst beim Inflight-Frühsportprogramm mitturnen und ständig in den Gängen unterwegs sind – die machen es genau richtig!

Mindestens einmal pro Stunde (abgesehen von den Schlafenszeiten natürlich) sollt ihr aufstehen und ein wenig herumlaufen, euch strecken und dehnen. Das kann man als Toilettengang tarnen, man kann in die Galley gehen und um Wasser oder Snacks bitten oder einfach neben dem eigenen Sitz stehenbleiben.

Geeignete Übungen: Nehmt im Stehen einen Fuß in die Hand und zieht die Ferse zum Po, wippt von den Zehenspitzen auf die Fersen oder reckt euch zum Overhead Compartment hinauf. Kniebeugen oder Windmühlen-Arme würde ich persönlich nicht machen oder allenfalls dort, wo genügend Platz ist (ich verweise wieder auf den A340…). Im Sitzen kann man isometrische Übungen machen, die Arme nach oben recken oder sich nach unten zu den Füßen beugen.

Nummer drei: schlafen. Ich schätze mal, 99 Prozent der Economy-Fluggäste schlafen im Flugzeug NICHT GUT. Aber auch wenig und schlechter Schlaf ist besser als gar keiner – denn ihr müsst nach der Landung noch so einiges wuppen, bevor ihr selig seufzend ins Bett fallen könnt.

Wenn die Kabine also für den Nachtflug verdunkelt wird, dann akzeptiert das und gebt es auch an die Kinder weiter: Film zu Ende schauen, dann ist Schlafenszeit! Das kann bei Kleineren durchaus heißen: Schlafanzug an, Zähne putzen, Betthupferl. Mit dem vertrauten Kopfkissen und einem Hörspiel von zu Hause im MP3-Player klappt es vielleicht, dass wenigstens die Kinder Schlaf finden.

Eltern-Tipps für die Flugzeugtoilette:

  • immer nur ein Kind mitnehmen, mehr passen beim besten Willen nicht in die enge Toilettenkabine
  • keine falsche Scheu vor dem Toilettengang – die damit verbundene Bewegung tut gut!
  • Stellt euch ruhig dann schon an, wenn es noch nicht allzu dringend ist. Zu Stoßzeiten, nämlich nach dem Erreichen der Flughöhe, nach dem Essen, vor der Landung und „morgens“ nach dem Anschalten des Kabinenlichts geht es vor den Flugzeugtoiletten zu wie vor einem U2-Konzert. Könnt ihr also nachts nicht gut schlafen – dann geht schon mal zur Toilette!
  • Wollt ihr da drinnen wickeln, bereitet euch gut vor: Zieht dem Wickelkandidaten schon mal Hosen und Strampler aus und packt die wichtigsten Utensilien in eine kleine Tasche um, die ihr euch umhängt. Da drin ist kein Platz, wenn der Wickeltisch einmal heruntergeklappt ist – jeder Handgriff muss dann sitzen!
  • Spätestens nach ein paar Stunden sehen die Flugzeugtoiletten nicht mehr gut aus, manchmal ist es richtig eklig. Geht also nie in Socken zur Toilette, sondern tragt Schlappen oder schlüpft in eure Straßenschuhe.
  • Kleinkinder, die beim Aufsteigen gern die Klobrille umklammern, setzt ihr hygienisch auf eine breite Toilettensitzauflage, die die gesamte Brille umschließt. Eine Packung mit Desinfektionstüchern tut es auch (Spray fällt unter die Flüssigkeitenregelung!).

Zum Schluss noch ein guter Tipp von der rumreiserei: Wenn eure Umsteigezeit knapp zu werden droht, gebt dem Bordpersonal Bescheid. Je mehr Passagiere Angst um ihren Anschlussflug haben, desto eher kümmert man sich und bringt euch dann direkt vom Flieger zum nächsten Flieger, ohne Hetzen und Bangen.

Habt ihr noch einen überlebenswichtigen Langstreckenflug-Tipp für uns? Wir lernen immer gern dazu!

6 Kommentare

  • Wer zu dritt fliegt und als Reiseziel Neuseeland hat, kann – bei Verfügbarkeit – bei Air New Zealand eine Sitzreihe als Skycouch umwandeln. Kostet nochmal nen kleinen Aufschlag (ca. 120€), ist aber sehr zu empfehlen! Schaut einfach mal die Infos der Airline an.

  • Ich musste gerade ziemlich lachen, vor dem Klo geht’s zu wie vor einem U2-Konzert! Da kenne ich mich nämlich aus! Morgen fliege ich zu meinem 27. U2-Konzert und in 2 Wochen begeben wir uns auf unseren ersten Langstreckenflug mit Kindern. Deswegen habe ich deinen Artikel gelesen.
    Danke für die vielen Tips! Und das Lachen.
    VG Martina

  • Da kann ich euch in allen Punkten nur recht geben. Ich bin echt froh, dass meine Kinder so gern fliegen und auch keine Probleme mit den Ohren oder sonstiges bekommen. Bei unserem 20 Stunden Flug nach Bali habe ich vorher groß angekündigt, dass wir alle so viel Filme schauen und chips futtern können, wie wir wollen. Ich hab sie einfach schalten und walten lassen, wie sie wollten und das hat perfekt funktioniert. Ihren Bewegungsdrang haben sie während der Zwischenstops in Doha und Kuala Lumpur ausgelebt und ansonsten die Zweisamkeit mit der Mediathek im Flugzeug genossen. Sie freuen sich schon ganz doll auf unseren nächsten Flug am kommenden Freitag. Da geht’s für uns dann nach Italien.

    LG aus Berlin 😉
    Luisa

    • hallo luisa! wir (eltern & 4 jährige und 2 jährige) planen im nächsten mai nach bali zu fluegen. wir schwanken noch hin und her, ob wir die zwischenlandung als 1tägigen aufenthalt mit übernachtung nutzen sollen oder direkt weiterfliegen sollen? wie habt ihr es gemacht? danke für drine antwort 🙂
      lg, ayse ausm pott

  • Wir haben auch immer Wechselkleider sowohl für die Kinder als auch für uns im Handgepäck, dann hat man zum einen bei der Ankunft immer was zum Anziehen, wenn das Gepäck nicht ankommt, aber vor allem was für unterwegs, wenn die Kinder sich (oder die Eltern oder umgekehrt!) vollkleckern. Wer schon mal mit Kind mit beginnender Magendarmgrippe geflogen ist, weiß von was ich spreche…

    Bei den Kompressionsstrümpfen denke ich anders. Selbst bei angeblich gesunden Erwachsenen steigt ab einem gewissen Alter (40+) das Tromboserisiko bei Langstreckenflügen recht anständigend (darüberhinaus wissen die wenigsten, ob sie eventuell irgendwelche zusätzlichen Risikofaktoren haben). Abgesehen von allen oben genannten Tipps, trage ich auf Langstreckenflügen immer Kompressionsstrümpfe (aber nur die kurzen bis zum Knie, die sind gar nicht so unbequem). Aber wie immer, muss das letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.

  • Wow, ist das ausführlich!
    Wir haben auch vor kurzem unsere Lessons Learned und Tipps zusammengetragen (http://www.unterwegs-bleiben.de/fliegen-mit-kind/). Etwas mehr mit Fokus auf Babies. Bei der Sitzplatz-Reservierung mögen wir – vielleicht auch weil es bei einem reisenden Kind so gut passt – eine Dreier-Reihe für uns zu buchen. Das haben wir auch bei unserem 9 Monate alten Sohn gemacht, obwohl er eigentlich noch keinen eigenen Sitzplatz bekommen würde. Das geht aber freiwillig (und gegen etwas Aufpreis).

    Wir werden Deine Liste definitiv für unseren nächsten langen Flüge als Anhaltspunkt nutzen

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