Gut zu wissen

Die letzten ihrer Art – Neuseelands 10 bedrohteste Tierarten

Neueste Forschungen zeigen, dass der Maui-Delfin kurz vor der Ausrottung steht. Aber er ist bei weitem nicht die einzige Tierart, die in Neuseeland derzeit um ihr Überleben kämpft. Wir haben eine sehr betrübliche Schwarze Liste erstellt, deren Vertreter ihr in Neuseeland wahrscheinlich bald (oder schon jetzt) nicht mehr in freier Natur sehen könnt.

1. Große Neuseeland-Fledermaus (Greater Short-Tailed Bat)

Die einzigen Säugetiere in Neuseeland waren Fledermäuse, bevor die Europäer kamen. Durch die Abholzung der Wälder und eingeführte Feinde wurden viele endemische Arten ausgerottet, aber die Große Neuseeland-Fledermaus überlebte im Süden der Südinsel – bis 1965 jedenfalls, als die letzte gesichtet wurde. Vor Kurzem wurde jedoch von Sichtungen am Big South Cape (südlich von Stewart Island) berichtet, bei denen es sich um die GNZF handeln könnte – wir drücken die Daumen!

2. New Zealand Fairy Tern

Noch 35 bis 40 dieser süßen Piepmätze leben auf der südlichen Hälfte der Nordinsel und an den Stränden nördlich von Auckland. Bedroht wird dieser kleine Seevogel – natürlich – von der Zerstörung seines Lebensraums und von Feinden wie Ratten, Katzen und Hunden.

Aber es gibt Hoffnung: Nachdem der Bestand 1983 auf zehn Tiere zusammengeschrumpft war, von denen nur drei oder vier fortpflanzungsfähig waren, erholte er sich durch Schutzmaßnahmen bereits wieder auf 40 Tiere. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Fairy Tern in den nächsten 50 Jahren ausstirbt, liegt damit nur noch bei 39 Prozent. Yay!

Fairy Tern Chicks by Brian Chudleigh

Bildquelle: Forest and Bird

3. Maui-Delfin

Wir berichteten schon darüber, dass nur noch 55 dieser kleinsten Delfine der Welt im Westen der Nordinsel leben – inzwischen sind es sogar nur noch 48 erwachsene Tiere. Tick, tack … Als größte Bedrohung werden die Fischernetze angesehen, deren Einsatz offenbar immer noch politisch gewollt ist und als wichtiger angesehen wird als der Schutz einer bedrohten endemischen Tierart.

4. Weißer Reiher (White Heron)

Seine weißen Federn sind so schön, dass Maori und Europäer ihn beinahe ausgerottet hätten. Obwohl der Weiße Reiher in ganz Australien und Asien vorkommt, haben die Vögel nur einen einzigen Brutplatz: Whataroa, nördlich des Franz Josef Gletschers. Dieser steht nun unter Naturschutz, so dass sich die Population bei ca. 120 Tieren stabilisiert hat.

White Heron NZ

Bildquelle: Airflore by Flickr

5. Kakapo

Genau 124 dieser niedlichen nachtaktiven Papageien leben auf Codfish Island nahe Stewart Island und auf Anchor Island in Fiordland auf der Südinsel und haben zuletzt elf Nachkommen pro Jahr zustande bekommen. Auch der Kakapo verliert seinen Lebensraum an den Menschen und sein Leben an eingeschleppte Raubtiere, weil er am Boden nistet und kein Fluchtverhalten zeigt. Heute lebt er nur noch auf Inseln, die vor Raubtieren geschützt werden. Das Schutz- und Wiederaufzuchtprogramm ist dem neuseeländischen Staat jährlich 800.000 NZ-Dollar wert und wird sogar von Firmen unterstützt. Der Kakapo wehrt sich aber hartnäckig durch Fortpflanzungsfaulheit und generelle Ungeschicktheit (der hier auf dem Bild hat es geschafft – er ist ausgestopft).

Kakapo stuffed

Bildquelle: Tewahipounamu by Flickr

6. Chatham Island Taiko

Nur auf den abgelegenen Chatham-Inseln (und damit quasi gar nicht) könnt ihr noch 120 bis 150 dieser seltensten Seevögel der Welt sehen, die nicht nur von Katzen und Nagern, sondern auch von Wekas bedroht werden. Mit Schutzmaßnahmen wie einem Raubtier-Zaun um die Brutplätze konnte die Zahl der Nester auf 17 erhöht werden. Der Zugvogel galt lange Zeit als ausgestorben und wurde zufällig auf den Chatham-Inseln wiederentdeckt. Sehen können ihn nur die Fallensteller des DOC, die jedes Jahr auf die Inseln kommen. Deshalb zeigen wir auch kein Bild.

7. Schwarzer Stelzenläufer (Black Stilt)

Der pechschwarze Watvogel mit den roten Beinen war in den Achtzigern beinahe ausgestorben, dank der üblichen Verdächtigen: Mensch und eingeschleppte Raubtiere. Durch Landwirtschaft und die damit einhergehende Trockenlegung von Feuchtgebieten schrumpfte der Bestand auf 23 Tiere zusammen, erholte sich jedoch wieder auf 150, die heute im Mackenzie Basin in Canterbury geschützt aufgezogen werden (der hier ist ein erfolgreich aufgezogener Youngster, daher die noch blassen Beine).

New Zealand Black Stilt

Bildquelle: Lizbif04 by Flickr

8. Bryde’s Wal

Ein weiterer Meeressäuger, der sich publikumswirksam sogar bis an die Küsten von Auckland heranwagt, ist genau deshalb bedroht: Der bis zu 15 Meter lange Bartenwal, der flache Gewässer bevorzugt, gerät im Schiffsverkehr häufig unter die Räder – pardon, in die Schraube. Nur noch 160 Tiere leben im Hauraki Gulf. Man sieht sie öfters mal gestrandet in den Nachrichten, daher hier kein Bild.

9. Südlicher See-Elefant (Southern Elephant Seal)

Die riesigen See-Elefanten sind als Tierart per se nicht bedroht, aber die winzige Population in Neuseeland ist es durchaus: Nur noch 250 der großnasigen Kolosse leben auf kleinen Inseln wie Campbell und werden nur gelegentlich an den Küsten der Hauptinseln gesichtet. Kein Wunder, denkt man an die Massaker, die Wal- und Robbenfänger im 19. Jahrhundert hier angerichtet haben. Heute leiden die Möpse hauptsächlich an der Überfischung der Meere – wir essen also keine See-Elefanten mehr, sondern deren Essen.

10. Neuseeländischer Seelöwe (New Zealand Sea Lion)

Oh Schreck, der Bestand des Seelöwen hat sich in den letzten 15 Jahren halbiert! Nur noch 12.000 dieser eleganten Meeresjäger leben auf der Otago Peninsula und kleineren Inseln vor der Küste. Das klingt zwar noch recht stabil, aber wenn sich nichts ändert, werden sie innerhalb von 23 Jahren ausgestorben sein. Schuld ist hieran ausnahmsweise nicht nur der Mensch – neben der bösen Schleppnetzfischerei hat nämlich eine Bakterieninfektion vor 15 Jahren den Bestand einbrechen lassen.

New Zealand Sea Lion

Bildquelle: Globalcitizen01 by Flickr

Die „hinteren“ Plätze

Natürlich gibt es noch weit mehr Kandidaten – 2.800 bedrohte Tierarten zählt das DOC auf, kann sich aber aktiv nur um 200 dieser Arten kümmern. Dabei kommen Forschung, Finanzierung und dem Engagement von Gemeinden große Bedeutung zu, und ein niedliches Image und mediale Beachtung stehen oft vor rationalen Entscheidungen. Der Kakapo etwa ist ein extrem knuddeliger Bursche und symbolisiert wie kein anderer Vogel die Naturgeschichte von Neuseeland. Auf den Hauptinseln hat er kaum eine Chance, sich wieder anzusiedeln, trotzdem wird unheimlich viel Geld in seinen Erhalt investiert. Sinnvoll? Darüber kann man streiten …

2 Kommentare

  • Welche bedrohten Tierarten werden wohl unsere Enkel eines bitteren Tages alles
    Aufzählen?Mir schaudert alleine beim Gedanken,es wird um der Rendite Willen
    geplündert,als gäbe es noch eine,oder besser,zwei Reserveerden.Die Krone der
    Schöpfung beraubt sich ihres Tafelsilbers,man schämt sich,ob dieser Dummheit.

  • Traurig, traurig. Unglaublich, wie schnell Tiere von der Bildfläche verschwinden. MMn ist der Erhalt bedrohter Arten eine wichtige Aufgabe des Menschen, gerade wenn unsere Spezies auch noch dafür verantwortlich ist.

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