Unterwegs in Neuseeland

Rund ums Wasser: die „Queens Chain“, Angeln und Muscheln sammeln in Neuseeland

Die Kiwis sind bekanntlich offene, freundliche Menschen. Und sie sind auch wahrhaft demokratisch: Jeder Neuseeländer hat prinzipiell das gleiche Recht auf die Nutzung neuseeländischen Bodens und neuseeländischer Küste – und dieses Recht gesteht man netterweise auch Besuchern zu. Was ihr alles tun und lassen dürft, erklären wir heute mal.

Die "Foreshore" am Pakiri Beach - gehört allen, dürfen alle benutzen

Die „Foreshore“ am Pakiri Beach – gehört allen, dürfen alle benutzen

Da wäre zunächst einmal die ominöse „Queens Chain“: Mit dem Vertrag von Waitangi erklärte die Englische Krone (die ja auf dem Kopf einer Königin sitzt), alle neuseeländischen Küstenbereiche – also alles Land, das bei Flut unter Wasser, bei Ebbe jedoch trocken liegt -, sowie die Flüsse und das Meer zum Eigentum Englands. Das Ziel der Königin war angeblich, der neuseeländischen (notabene, der weißen) Bevölkerung Platz zur Erholung zu bieten; heutzutage wird dieses Land zunehmend für Naturschutzzwecke vereinnahmt.

Der Kern der Sache: Das öffentliche Land konnte zwar nach Belieben vom Staat gekauft werden, die neuen Besitzer mussten allerdings der Öffentlichkeit weiterhin Zutritt zu ihren Ländereien erlauben – und auch jedem Interessierten das Angeln, Boot fahren oder Muscheln sammeln in eben den Küstenbereichen dieser Landstücke nicht verbieten.

Diese „Queens Chain“ ist also ein etwa 20 Meter breiter Streifen (der anno dazumal mittels einer „Kette“ abgemessen wurde) an jeder Küste und jedem Flusslauf – sie ist jedoch bei weitem keine durchgehende Kette, wie viele Neuseeländer glauben, sondern wird durch zahlreiche Privatbesitze zerteilt (wohl auch, weil die Anweisung von Königin Victoria nicht von allen Landvermessern gleichermaßen akkurat befolgt wurde – nach Schätzungen sind nur etwa 70 % der Küstengebiete öffentliches Eigentum). Unter anderem haben die Maori erfolgreich ihre Stammesgebiete aus der Queens Chain wieder herausnehmen lassen, nachdem ihre Landrechte von der Englischen Krone einfach übersehen worden waren.

Es bleibt allerdings dabei, dass in Neuseeland ein Großteil der Küsten und Flussläufe öffentlich zugänglich ist, auch wenn zwischen der Straße und dem Wasser Privatland liegt – so gut wie nirgends sieht man Häuser, die einen eigenen, abgezäunten Strandbereich für sich beanspruchen.

Boot fahren, Angeln & Co. – was ihr dürft

NZ Fishing

Seid ihr mit dem Boot unterwegs, dürft ihr es an jeder Bootsrampe zu Wasser lassen und auch an jedem Strand eurer Wahl anlegen und picknicken. Das gilt auch für alle „harbours“, also vom Meer aus zugängliche fjordähnliche Einschnitte. Ausnahme: Wenn ihr an einer Rampe einsteigen wollt, die einem Club gehört, müsst ihr dafür eventuell eine kleine Gebühr bezahlen.

Wollt ihr in Neuseeland angeln, dürft ihr das im Meer grundsätzlich immer gern tun und auch kostenlos. Einschränkungen gibt es allerdings, was die Größe des Fangs, die tägliche Fangquote, die Art und alles mögliche andere angeht. Hier macht jede Gemeinde ihre eigenen Vorschriften, als Faustregel könnt ihr aber davon ausgehen, dass Meeresfische größer als 30 cm sein sollten. Die Regierung hat aber ein Herz und stellt Hobby-Anglern eine kostenlose App zur Verfügung, über die man ganz einfach herausfindet, ob man gerade einen verbotenen Fisch gefangen hat und wie viele Jahre Knast nun drohen (vorbildlich erhältlich für iPhone und Android).

Was ebenfalls prinzipiell überall erlaubt ist: Muscheln („shellfish“) sammeln. Hier sind die regionalen und saisonalen Einschränkungen allerdings je nach Muschelart kompliziert, mitunter kommen auch noch zeitweise „shellfish bans“ dazu, wenn wieder irgendwelche Bakterien Muschelkulturen ungenießbar oder giftig machen. Beim Muschelsammeln also immer auf die Schilder am Strand achten!

Das Muscheln sammeln können wir aus persönlicher Erfahrung nur wärmstens empfehlen. Zwar bekommt ihr köstliche „green lipped mussels“ ohne Probleme und sehr günstig in jedem größeren Supermarkt, aber die Dinger selbst vom Felsen zu pflücken und fix in etwas Weißwein zu dünsten (-> Campervan-Küche!), ist einfach eine andere Liga. Desgleichen finden sich köstliche Felsenaustern, kleine Venusmuscheln, Pipis, Tuatuas und Delikatessen wie die geheimnisvoll schillernde Paua an fast jedem Felsen, an jeder Mole und auch gern einfach im Tidenbereich im Sand – wenn ihr irgendwo Einheimische mit Netzen oder Plastiktüten bewaffnet durchs flache Wasser waten seht, gesellt euch einfach neugierig dazu!

Was total verboten ist: den eigenen Fang zu verkaufen. (Verschenken darf man ihn aber, wie wir persönlich erleben durften – danke für die leckeren Muscheln!!)

Grünlippmuscheln, noch ungeputzt - jamm...

Grünlippmuscheln, noch ungeputzt – jamm…

 

Angeln – so einfach geht’s

Angelausrüstung: Beim Angeln im offenen Meer kommt ihr zunächst mit einer ganz rudimentären Handangel bestens zurecht. Das ist eine einfache Rolle (oder eher ein Ring), auf den ein paar hundert Meter Angelschnur gewickelt sind. Nimmt keinen Platz im Gepäck weg und markiert euch nicht sofort als angelwütigen Profi, der neugierige Blicke auf sich zieht – perfekt fürs Ausprobieren also.

Stellt euch auf einen Felsen oder eine Mole, wickelt ein paar Längen der Angelschnur von der Rolle ab und werft dann beherzt den Haken (je nach Seegang und Größe des Hakens am besten mit einem zusätzlichen Gewicht aus Blei versehen) so weit wie möglich nach vorn. Das sieht schwerer aus, als es ist – sogar die Weltwunderertochter hatte den Dreh schnell heraus.

Haken, Blinker, Blei und den ganzen Rest bekommt ihr in Neuseeland an jeder Tankstelle, in jedem Tante-Emma-Laden und sicherlich auch in speziellen Geschäften (die wir allerdings nie suchen mussten). Dasselbe gilt für Köder, also „bait“: nicht extra kaufen, sondern einfach eine Muschel oder Schnecke vom Felsen pflücken und auf den Haken spießen. Ein Eimerchen, das ihr mit Wasser füllt, um euren Fang hineinzusetzen, findet sich bestimmt beim Sandspielzeug.

… und schließlich braucht ihr noch ein scharfes Messer, mit dem ihr euren Fisch möglichst mit einem schnellen Stich in den Nacken töten und dann entschuppen und ausnehmen könnt.

Einige (moralische) Grundregeln solltet ihr einhalten: Zu kleine Fische (vorher informieren!) und solche, die ihr nicht kennt, bitte möglichst schonend vom Haken nehmen und wieder ins Wasser setzen. Wollt ihr euren Fang behalten, richtet kein Massaker mit stumpfen Messern an oder lasst den Fisch jämmerlich an Land ersticken, sondern stecht beherzt zu. Größere Fische wie Forellen werden zuerst mit einem gezielten (nicht zu zögerlichen!) Hieb auf den Kopf bewusstlos geschlagen; mietet ihr ein Boot für euren Angelausflug, sind passende Knüppel in der Regel bereits an Bord vorhanden.

Der finale Handgriff sollte sitzen

Der finale Handgriff sollte sitzen

Spaß auf Seen und Flüssen – hier sieht es anders aus

Während ihr in Neuseelands Meeren zig verschiedene Arten von Fischen und Muscheln fangen oder finden könnt, ist die Fangvielfalt in den Flüssen und Seen recht eingeschränkt: Die englischen Siedler fanden die einheimischen Fischarten so mickrig und klein, dass sie kurzerhand Forellen und Lachse einführten, um ein bisschen Spaß zu haben.

Entsprechend fängt man heutzutage im Süßwasser vor allem auf der Nordinsel nahezu ausschließlich „trout“, die sich brav im ganzen Land verbreitet hat. Ein seltsames Gesetz bestimmt, dass Forellen zwar gern von jedem Privatangler gefangen und gegessen werden dürfen, jedoch nicht von kommerziellen Verwertern. Deshalb werdet ihr im ganzen Land keinen Supermarkt und kein Restaurant finden, in dem ihr eine Forelle kaufen könnt – sorry, hier müsst ihr selbst ran. (Was aber geht: eine gefangene Forelle mit ins Restaurant bringen und dort vom Koch zubereiten lassen!)

Süßwasser-Angeln ist zwar überall erlaubt, kostet aber Geld und es gibt wegen des Artenschutzes zahlreiche Einschränkungen über das Wer, Wo, Was und Wann. So darf in den Zuflüssen zum Lake Taupo nicht mit Blinker und im See selbst nicht mit Fliege geangelt werden, der berühmte „Whitebait“ darf nur innerhalb streng vorgegebener Saisondaten gefangen werden und so weiter.

Die Fishing License

Die Preise für eine „fishing license“ sind für Touristen erschwinglich: Erwachsene zahlen für eine 24-Stunden-Lizenz 23 NZ$, Kinder ab 12 Jahren zahlen 7 NZ$. Wollt ihr „richtig“ angeln, leistet ihr euch besser eine Jahreskarte für 121 NZ$ bzw. 24 NZ$ (es gibt auch Familienkarten für dann nur 157 NZ$!). Die Lizenz beantragt ihr am besten online bei Fish and Game NZ.

Wollt ihr im Lake Taupo angeln, braucht ihr wiederum eine andere Lizenz, denn dieser See wird vom DOC verwaltet. Eine Jahreskarte kostet hier 90 NZ$, eine Wochenkarte 38 NZ$ und eine 24-Stunden-Lizenz bekommen Erwachsene für 17 NZ$. Kaufen könnt ihr eine Lizenz bei einem der zahlreichen autorisierten Händler überall im Land.

Und: Eine „backcountry license“ benötigt ihr, wenn ihr in Otago im Greenstone, Caples, im oberen Lochy, im Dingle Burn, im Nevis, Hunter, Young oder im Wilkin River angeln wollt; im Southland betrifft das den Ettrick Burn River und in Wellington den oberen Rangitikei River. Hier handelt es sich quasi um ein Upgrade der normalen Lizenz, das aber kostenlos erhältlich ist.

Wer nun denkt, er hätte ja keine Ahnung vom Angeln und auch gar keine Ausrüstung und überhaupt, der muss nicht verzagen – in Neuseeland lernt man schneller angeln, als man denkt!

Anno 2002 nahe dem Cape Reinga: Hier wird gleich ein Barsch gefangen!

Anno 2002 nahe dem Cape Reinga: Hier wird gleich ein Barsch gefangen!

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