Where to go in NZ

Ein Riesenrätsel – die „Puzzling World“ in Wanaka

Die Puzzling World in Wanaka heißt natürlich deshalb so, weil sich die Besucher hier drin über alles Mögliche wundern sollen; auf englisch heißt „puzzling“ nämlich so viel wie „rätselhaft“. Gäste, die des Englischen nicht mächtig sind, erleben beim Betreten der Puzzling World trotzdem genau das, was sie unter dem Begriff verstanden haben.

Puzzling World WanakaIm großen Eingangsbereich saßen zu unserem Erstaunen zahlreiche Besucher – mit und ohne Kinder – in Outdoorkleidung und … puzzelten. Steckpuzzles, Ringpuzzles, Entwirrpuzzles, Vexierpuzzles, you name it. Wer die Augen verzweifelt zur Decke hob, dessen Blick wurde von einem Spiegelkaleidoskop tausendfach gebrochen zurückgeworfen: „Zurück an dein Puzzle, Wurm!“

Da draußen regenschwangere Wolken dräuten und immer mal wieder einen Schauer über den finsteren Lake Wanaka trieben, tummelten sich die am Wandern gehinderten Touristen eben hier. Das Haus ist groß und verwinkelt und trotz leichtem Nieseln gab es auch draußen im Hof genug Möglichkeiten des Tummelns – wir hielten uns hier ungeplant für mehr zwei Stunden auf.

Wer sich am Eingang die Finger wund- oder abgepuzzelt hatte, der konnte als nächstes die Augen und das kleine Gleichgewichtsorgan im Ohr auf den Prüfstand stellen: Die Puzzling World verfügt über einen, wenn nicht den weltgrößten, schiefen Raum. Was hier drin bei 15° Neigung passiert, will ich der Spannung halber nicht verraten, nur so viel: Jedem Erwachsenen wird beim Betreten unweigerlich sofort schlecht. Die Kinder hatten großen Spaß, wir Erwachsenen wankten ihnen bleichgesichtig und fassungslos über unser treuloses Innenohr hinterher. Übel, ganz übel!

Am faszinierendsten für Herr-der-Ringe-Fans ist der „Ames Forced Perspective Room“, in dem man nachvollziehen kann, wie bei den Dreharbeiten kleine Hobbits neben großen Zauberern stehen konnten – während die Darsteller doch nahezu gleich groß sind und nur im Ausnahmefall auf kleinwüchsige Doubles zurückgegriffen wurde. Damit auch alleinreisende oder kameralose Besucher die Faszination dabei erleben können, mit fünf Schritten zur Seite zwergenklein oder riesengroß zu werden, nimmt eine Kamera Zwei-Minuten-Schleifen des Raumes auf.

Nachdem wir zig Hologramme und Trompe l’Oeuil-Bilder à la M.C. Escher bewundert hatten (Spaß für uns Eltern, wahre Augenöffner für unsere große Tochter, nur mildes Interesse des Weltwundersohns, für den Perspektive bisher keine Rolle spielt), war es Zeit für frische Luft. Die genossen wir, wegen des Nieselwetters zum Glück teilweise überdacht, im „dreidimensionalen“ Labyrinth. Vom Eingang aus soll man hier logischerweise den 1,5 km entfernten Ausgang finden – und bekommt den Tipp mit auf den Weg, dass man dafür jedem der vier Ecktürme einen Besuch abstatten muss.

Puzzling World Wanaka MazeWas zuerst „babyleicht“ schien und schon zur töchterlicher Enttäuschung führte, entwickelte sich zu einem kniffligen Projekt, bei dem wir auch etwas über uns lernten: Der Weltwundermann ist bereit, die Familie aufzuteilen und mehrere Wege gleichzeitig auszuprobieren, um das Ziel schneller zu erreichen – große Entrüstung auf Seiten der Weltwunderkinder: „Papa, wir dürfen uns nicht trennen! Vielleicht müssen wir dann immer hier drin bleiben!“ Es dauerte bestimmt eine Stunde, in der wir immer wieder dieselben Gänge abliefen (oder doch nicht?) und immer wieder dieselben Leute trafen (die allerdings mit fortlaufender Zeit zunehmend verkniffen schauten), bis wir es schließlich geschafft hatten: Mission accomplished!

Leaning Tower Wanaka

Muhahaha, witzig… FlickR/Seth Mazow

Den „Leaning Tower“ vor dem Eingang konnten wir leider nicht mehr für witzige Familienfoto-Hintergründe verwenden, wie es ansonsten offenbar jeder Besucher tat, da die Weltwunderkinder nach dem Bewältigen des Labyrinths in eine tiefe Müdigkeit verfielen.

Halt – eine Attraktion haben wir noch mitgenommen: Die „römischen Toiletten“, die natürlich keine echten waren und uns Erwachsene mit einem 2D-Diorama bestachen, avancierten zum Knaller für unsere Kinder. Ist halt superwitzig, wenn man in eine Toilette fallen kann…

Der Eintritt von 15 NZ$ pro Elternteil und 10 NZ$ für die Weltwundertochter schien uns nicht zu hoch; wer weniger Zeit hat und entweder auf das Labyrinth oder die anderen Sachen verzichten will, muss nur 12 bzw. 9 NZ$ bezahlen. Auch wir Eltern waren zufrieden: ein lustiger Vormittag, den wir wegen des Nieselregens nicht draußen hätten verbringen wollen, ein erholsamer Folgetag für unsere Hardcore-Wanderung zum Rob Roy Gletscher und eine gute Gelegenheit für eine ruhige Weiterfahrt nach Twizel. Und als Herr-der-Ringe-Fans waren wir glücklich, endlich begriffen zu haben, wie das „Forced perspective“-Verfahren funktioniert. Nun können wir uns selbst einen kleinen Hobbit zaubern!

Es bleibt spannend: 2013 soll zur Feier des 40. Geburtstags der Puzzling World ein neues Gebäude eingeweiht werden – so groß wie alle bereits stehenden Gebäude zusammen und 2,5 Mio. NZ$ teuer!

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