Gut zu wissen

Einkaufen in Neuseeland – wo und wann und vor allem: was?

Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen in Neuseeland war das Einkaufen im Supermarkt – zu Hause in Deutschland ja eher etwas, was man am besten ohne Kinder und schnell hinter sich bringt. In Neuseeland war es eine sogenannte „breeze“ – wir hielten uns grundsätzlich mindestens eine Stunde auf und bezahlten grundsätzlich mehr als geplant, weil wir grundsätzlich mehr mitnahmen, als wir gedacht hatten.

Weltwunderer New Zealand Fruit World

Historische Aufnahme: Weltwunderfrau im Jahr 2002 vor einem „Fruit World“-Markt

Woran das lag? Beim Einkaufen in Neuseeland wird man als Kunde ernst genommen: Man trifft auf freundliche Angestellte, kann in Ruhe seine Einkäufe auf das Förderband legen und bekommt sie sorgfältig und thematisch sortiert in Tüten verpackt. Nach einem Schwätzchen mit der Kassiererin bekamen wir häufig noch Tipps und fehlendes Kleingeld von anderen Einkäufern, bevor uns ein weiterer Angestellter den geleerten Einkaufswagen (natürlich ohne Pfandmünze!) am Wohnmobil wieder abnahm und zur Sammelstelle zurückbrachte.

Neuseeländische Supermärkte: immer offen

In den Städten kann man rund um die Uhr einkaufen, natürlich auch sonntags. Die großen Supermärkte in Neuseeland haben eigentlich immer geöffnet: außer am ersten Weihnachtsfeiertag, am Neujahrstag, am Karfreitag und am ANZAC Day.

Während die kleinen „Four Square“-Märkte in den Dörfern überraschend kurze Öffnungszeiten haben (oft nur bis 17 Uhr!), kann man in den noch kleineren Dairies und Superettes wiederum Glück haben, weil die Besitzer meist arbeitsame Inder oder Chinesen sind, die direkt hinter ihrem Tresen wohnen.

„Groß“ bedeutet in Neuseeland wirklich „groß“: riesige Supermärkte mit fußballfeldgroßen Parkplätzen, die oft zusammen mit anderen großen Geschäften eine „Mall“ bilden.  Das Gefühl, dass man Lebensmittel angemessen nur in Form von Großeinkäufen erwerben sollte, wird nicht nur durch die Größe aller beteiligten Gebäude vermittelt, sondern auch durch das riesige Warenangebot. Man wird schier erschlagen von Angeboten, „Super saver“-Konditionen, Rabattkarten, „Weekend windbacks“ usw.

Wer aufpasst, kann auf der Rückseite des Kassenzettels schon wieder Gutscheine und Rabattcodes für die nächsten Einkäufe finden. 2011 gab es zum Beispiel einen Tankgutschein („fuel discount voucher“) für Shell- und Gull-Tankstellen, wenn man bei „Countdown“ oder „Foodtown“ für mindestens 40 NZ$ eingekauft hatte. Günstig Einkaufen in Neuseeland – easy.

Neuseeländische Supermärkte: die Großen und die Kleinen

Neuseeland ist fest in der Hand von Franchise-Ketten: „Countdown“ (ehemals die edlere Variante “Woolworths”), „New World“, „Foodtown“, „SuperValue“ und „Freshchoice“ (nur Südinsel) gibt es im ganzen Land, vorzugsweise in größeren Städten, aber auch in winzigen Marktflecken wie Kaitaia, die dann als Sammelpunkt für viele kleine Orte im Umland dienen.

Ansonsten muss man in den Kleinstädten mit den „Four Square“-Supermärkten vorlieb nehmen, deren Sortiment das gleiche, aber deutlich teurer ist. Noch kleinere Nestchen (oder auch Vororte) bieten die Möglichkeit, in einer „Superette“ oder einem „Dairy“ das Nötigste zu kaufen. Ein Einkaufsvergnügen ist das Herumschleichen in den meist etwas schmuddeligen, vollgestopften Büdchen aber nicht.

Sparen ist das Motto der gelb-schwarzen Kette „Pak‘n Save“: Dort sieht es aus wie in einem Warenlager mit Metallregalen bis zur Decke, es gibt alles in großen Mengen und daher vergleichsweise günstig. Leider nicht unbedingt geeignet für Wohnmobilreisende mit wenig Stauraum…  Das zweite Alleinstellungsmerkmal von „Pak‘n Save“ ist, wie der Name schon sagt, die für Kiwis unerhörte Tatsache, dass dort die Einkäufe SELBST eingepackt werden müssen. Unbelievable! Da man die Tüten dann auch bezahlen muss, ist das angesichts der Unmengen an Plastikmüll, der ansonsten allein beim Einkaufen entsteht, gar kein schlechter Gedanke. (Ich habe allerdings kaum Einkäufer gesehen, die ihre Sachen dann wie ein guter Deutscher in Stoffbeutel oder Körbe getan hätten …)

In allen anderen neuseeländischen Supermarkt-Ketten wird der Dienst am Kunden aber extrem groß geschrieben. Die Atmosphäre ist so ungewohnt schick und angenehm, dass das Einkaufen eine wahre Freude ist und zum Urlaubsvergnügen beiträgt. Die netten Jungens, die 2002 im „New World“ das Obst von Hand polierten und hinter der Kasse nur dafür da waren, die Einkäufe einzupacken, waren 2011 allerdings verschwunden. Auch die Kiwis müssen wohl langsam sparen …

Wo gibt es Alkohol?

Während es in „Four Squares“ gar keinen Alkohol gibt (warum auch immer), kann man in den großen Supermärkten an endlosen Regalen mit Bier und Wein entlangwandern; und nix mit 1,99-Euro-Tetrapack-Fusel! Wir haben das Probieren und Verkosten von neuseeländischem Wein, den man in Europa (bisher) nicht so oft bekommt, genossen. Auch das Bier in Neuseeland ist – trotz fehlendem Reinheitsgebot – sehr lecker, auch wenn einige Sorten für den deutschen Gaumen ein wenig… dünn… schmecken.

Wer „harten“ Alkohol will, der muss sich allerdings in einem „Liquor Store“ umsehen, die ungefähr so aussehen wie große deutsche Getränkemärkte. Diese Schnapsläden gehören den beiden großen neuseeländischen Brauereien („Speight’s“ und „Dominion Breweries“) und haben natürlich auch sonntags geöffnet.

Wo gibt es Vitamine?

Eine weitere neuseeländische Besonderheit sind die zahlreichen Obst- und Gemüsemarkthallen, die wir vor allem auf der Nordinsel und in der Gegend um Motueka gesehen haben. Die großen heißen „Fruit World“ (und haben offenbar ein Bio-Sortiment), die mittleren, meist Außenstellen von „Orchards“ im Umland, haben keine Namen und die ganz kleinen sind einfache Bretterhäuschen oder -verschläge am Straßenrand mit Kasse des Vertrauens. Zur Erntezeit wäre es Wahnsinn, Gemüse und Obst im Supermarkt zu kaufen – am Straßenrand wird es für einen Bruchteil des Preises angeboten!

Hier kann man schauen, wann und wo der nächste Bauernmarkt stattfindet – bei der großen Zahl von Bauern und der kleinen Zahl von Orten ist die Wahrscheinlichkeit recht groß. Natürlich verkaufen viele dieser Höfe auch direkt an Besucher, die vorbeikommen. Auf der informativen Seite „pick your own“ kann man auch nachschauen, ob es nicht in der Nähe die Gelegenheit zum Selbst pflücken gibt (Saisonkalender inklusive). Kinder machen so etwas übrigens sehr gern!

Was es in Neuseeland nicht gibt, sind Discounter wie ALDI oder LIDL, und ich habe auch keine Drogerieketten wie DM oder Schlecker gesehen. Was es wahrscheinlich gibt, uns aber nicht ins Auge gefallen ist, sind Bioläden und -supermärkte, wie wir sie aus Deutschland kennen. Das Shop-Verzeichnis Organic Explorer findet bei Interesse aber sicherlich den passenden Laden – zumindest in den größeren Städten.

Wo gibt es Babybedarf und Kinderkram?

Die Lütten brauchen neue Ausrüstung? Schaufel und Eimer, Bälle und Merchandise-Mist gibt es im normalen Supermarkt, dort haben wir auch gleich Jandals, Sonnenbrillen und sonstigen schnell benötigten Kinderkram gekauft.

Windeln, Babynahrung usw. gibt es in Neuseeland natürlich auch, wobei die Bandbreite des Angebots schmaler und anders ist. Wir haben „disposable nappies“ von „Huggies“ und von „Homebrand“ (der Hausmarke bei „Countdown“) ausprobiert und waren mittelzufrieden; das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei weitem nicht auf Pampers-Niveau.

Babynahrung im Gläschen gibt es klassisch von „Watties“ und modern auch in Bioqualität – die haben wir allerdings nicht getestet. Schwieriger soll es sein, Milchbreie in Pulverform zu bekommen; es sei denn, ihr sucht „oats“ (feine Haferflocken), die gibt es an jeder Ecke. Hier lautet der Tipp anderer Eltern: Schaut euch in Bio-Läden um.

Geht es ans Geschenkekaufen, waren wir hochzufrieden mit den vielen ausgezeichneten Souvenirshops, die es an jeder Touristenattraktion gibt. Tatsächlich kann man da oft sehr hübsche Spiele, Plüschtiere, Kinderbücher (natürlich dann auf Englisch) usw. kaufen. Besonders beeindruckt waren wir diesbezüglich im Tarawera Redwood Forest bei Rotorua. Vorsicht, Budget, sag ich da nur!

Wo finden wir Kram und „Mist, das haben wir vergessen“?

Sollte der geschätzte Camper etwas aus dem Nonfood-Bereich benötigen – Geschirr, Kleinstmöbel, Werkzeuge, you name it –, ist der erste und beste Anlaufpunkt der Kramgigant „The Warehouse“. Hier gibt es, richtig, einfach alles. (Oder fast: Wir haben zum Beispiel, als wir unseren Teekessel verloren hatten, in großen Städten wie Rotorua und Tauranga mehrere Tage lang nach einem Ersatz gesucht!)

Campingzubehör und Outdoor-Klamotten sucht man am besten in den Großstädten (sprich: Auckland und Wellington und vielleicht noch Christchurch), hier gibt es spezialisierte Stores wie Kathmandu und Kiwi Camping, aber auch viele kleinere Läden – schließlich ist Camping inklusive Jagen und Fischen das Nationalhobby.

Von Interesse für Reisende könnten schließlich noch die Elektronikmärkte wie „Dick Smith“ oder „Smith City“ (hübscher Zungenbrecher) sein; wenn man Adapter, Ladekabel oder so etwas braucht, wird man hier – eventuell! – fündig.

Noch ein Tipp: Wer in Neuseeland campen und kochen will, sollte den Kocher vor Ort kaufen. Die bei uns gebräuchlichen Gaskocher dürfen nämlich nicht mit ins Flugzeug und die dafür nötigen (passenden) Kartuschen gibt es hier nicht.

Unser Fazit: Am besten alles mitbringen – und wenn man doch etwas braucht: zuschlagen, wenn ein Laden das Gesuchte führt, auch wenn es etwas teurer ist. Man will die kostbare Urlaubszeit ja nicht mit der Suche nach Schnäppchen verbringen, und die sind in Neuseeland generell sehr unwahrscheinlich.

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4 Kommentare

  • Ja, The Warehouse, wirklich klasse. Heißt bei uns „Der Laden, in dem es ALLES außer Espressomaschinen gibt“ ;-). Die haben wir dann nach tagelanger Suche in einem Küchenspezialgeschäft direkt gegenüber gefunden.

  • Hi.
    Ja, ok. Laut Definition… 😉
    Pak’nSave drueckt uebrigens gerade am Wochenende unglaublich die Preise. Es lohnt sich also, mit dem Einkauf zu warten, wenn man denn kann..
    Stichwort Saisongemuese: Tomaten kosten im Moment gerade wieder 14 Dollar(!) pro Kilo, waehrend man fuer 1,79 Dollar einen 2 Kilo Kuerbis bekommt. Das ist ein Euro fuer zwei Tage Suppe! 🙂

    Viele Gruesse, Thomas

  • Hi

    Hab euren Text mit viel Interesse gelesen, ist wirklich super informativ. Nur ein paar kleine Anmerkungen:
    Dass es keine Discountmaerkte gibt, stimmt so nicht, zumindest wenn man Pak’nSave nicht zu den Discountmaerkten zaehlt. Meiner Meinung nach erfuellt aber gerade der grosse gelbe Laden alle Kriterien eines Discounters.
    Es stimmt, dass viele (importierte) Outdoorartikel teurer sind als in Deutschland, Kletterausruestung z.B. ist zum Teil doppelt so teuer wie zu Hause. Wenn man aber Sonderangebote von MacPac, Kathmandu, High Country oder Bivouac Outdoor nutzt (und darauf achtet, dass man keine europaeischen Marken kauft), dann kann man auch bei Schlafsaecken, besonders aber bei Bekleidung aus Merinowolle wesentlich guenstiger einkaufen als in Deutschland.
    Gaskocher ohne Kartusche kann man meiner Erfahrung nach problemlos im Flieger transportieren. Passende Kartuschen gibt es auch in Neuseeland in den Outdoormaerkten, solange man einen Kocher mit Schraubkartusche verwendet (Primus, Coleman, MSR. etc.). Die blauen CampinGaz Bajonett-Kartuschen sucht man in der Tat vergebens.
    Es stimmt, Wein ist teuer, fuer weniger als 10 Dollar (ca. 6 Euro) bekommt man hoechstens australischen Wein. 7 bis 8 Euro pro Flasche in NZ entspricht so ungefaehr dem deutschen Wein fuer 4 bis 5 Euro. Gut muss er deswegen trotzdem nicht sein, ich denke der hohe Preis ist ausschliesslich dem Exportgeschaeft zu verdanken.

    Viele Gruesse,
    Thomas

    • Danke für die vielen Tipps, Thomas! Beim Thema Discounter möchte ich aber widersprechen: Deren Charakteristika sind, im deutschen Verständnis jedenfalls, neben niedrig(st)en Preisen vor allem das reduzierte Warensortiment und die kleinen Verkaufsflächen – zwei Dinge, die auf Pak ’n Save so gar nicht zutreffen. Womit du allerdings recht hast: Günstiger als beim großen Gelb-Schwarzen wird man in NZ nichts bekommen 😉

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