Gut zu wissen

Ekel-Alarm: Neuseelands Huhu-Käfer

Wir lieben neuseeländische Kinderbücher! Zum Beispiel „Old Huhu“ von Kyle Mewburn: ein zuckersüßes neuseeländisches Kinderbuch – übrigens Gewinner des „New Zealand Post Children’s Book Award“ von 2010. Es erzählt Vorschulkindern die wichtige Geschichte vom Leben und Sterben am Beispiel eines kleinen Huhu-Käfers. Weshalb ich das hier erzähle? Nun…

Huhu_Flickr_Greg Schechter

Ein echter Huhu-Käfer © Flickr/Greg Schechter

Wir haben auf unserer Reise viele Huhu-Käfer gesehen – und keinen davon hätte ich als „klein“ bezeichnet oder niedlich gefunden. Vielmehr habe ich jedesmal, wenn ich ein tiefes, hubschraubendes Summen nahen hörte, schleunigst die Flucht angetreten – denn Huhu-Käfer fliegen ungezielt und gern mal mit voller Wucht an Touristenköpfe oder halten sich verzweifelt an Jackenkragen fest.

Habt ihr schon mal einen Huhu-Käfer gesehen? Er ist der größte endemische Käfer in Neuseeland und wird mit etwa 5 cm Länge angegeben. Von wegen! Stellt euch einen Maikäfer vor, und dann noch einen Maikäfer. Und dann noch mal so viel Käferlänge an Fühlern, die wild umherfuchteln. Das ganze steuerungslos durch die neuseeländische Abendluft in Richtung jeder Lichtquelle brummelnd und überall notlandend, wo man sich mit seinen Widerhakenbeinchen festhalten kann.

Umso befremdlicher erscheint mir die Idee einiger verrückter Kiwis, „Huhu grubs“, also die fetten Maden der Huhu-Käfer, gegrillt zu verspeisen. Schmecken sollen sie, wie offensichtlich alles, was nicht allzu essbar aussieht, wie Hühnchen (wer prägte noch gleich den tollen Spruch, alles schmecke wie Hühnchen, außer Hühnchen?)

Diese zweifelhafte Delikatesse gehörte früher traditionell auf den Speiseplan der Maori. Heute werden Huhu-Larven nur noch auf diversen „Food Festivals“ präsentiert – und dort wahrscheinlich häufiger fotografiert als gegessen. Als Maden leben die Huhus, versteckt unter Baumrinde und in Löchern, ganze zwei bis drei Jahre lang!

Huhu Grub_Flickr_EliDuke

Eine fette, leckere „Huhu grub“ auf dem Wildfoods Festival in Hokitika © Flickr/EliDuke

Erschlagen kommt übrigens nicht in Frage, dafür sind die Viecher viel zu groß – und auch pazifistisches Wegwedeln oder gar freundliches Abstreifen ist nicht möglich, denn so ein Huhu hält sich gut fest, wenn er einmal gelandet ist. Daher auch sein Beiname „haircutter“: Die gelandeten Viecher verheddern sich so sehr in euren Haaren, dass man sie herausschneiden muss.

Uaaah, ich sage euch, diese Käfer haben nicht nur mich an so manchem warmem Sommerabend in den Schutz des Campervans getrieben. Es gibt da eine (sehr lustige) Anekdote von einem jungen Israeli, der sich uns gerade erst als ehemaliger Kampfflieger vorgestellt hatte und dann plötzlich schreiend und armeschüttelnd umherhüpfte, um sich von einem Huhu-Käfer zu befreien…

Ich habe erst Mitleid mit ihnen bekommen, als ich gelesen habe, dass Huhu-Käfer nur 14 Tage Zeit für ihr Leben als Käfer haben – in diesem Aggregatzustand haben sie nicht mal einen Mund zum Essen! (Obwohl, angeblich beißen sie, wenn man nicht nett zu ihnen ist…) Wenn man dann als typischer Huhu die Landung falsch berechnet und in Rückenlage endet, aus der man aus eigener Kraft nie wieder hochkommt, können diese 14 Tage noch kürzer werden…

Als ich das jedenfalls gelesen hatte, taten sie mir leid, die Huhu-Käfer. Aber eklig finde ich sie immer noch.

Noch mehr Gruselgeschichten aus dem Insektenreich gefällig? Dann erzählen wir gern euch noch etwas über Giant Wetas, riesige Puriri-Motten und ohrenzerfetzend laute Zikaden!

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