Reiseplanung und Vorbereitung

Elternzeit in Neuseeland – warum nicht?

Immer wieder hören und lesen wir von mutigen Eltern, die das erste Jahr mit dem Baby für eine Neuseelandreise nutzen – hier im Weltwunderer-Blog haben zum Beispiel Katja und Ronald und auch Ulrike und Rolf von ihrer Elternzeit-Reise erzählt. Der Klassiker „Abenteuer Elternzeit“ von Inka Schmeling hat das Thema mediengängig gemacht. Wir schauen uns die Fakten an: Elternzeit in Neuseeland, (wie) geht das?

Neuseeland ist ein schwieriges Reiseziel für Otto Normalverbraucher: Die Entfernung ist so groß, dass Reisezeiten unter drei Wochen ausscheiden. Wann aber hat man schon mal mehr als drei Wochen am Stück Urlaub – und dann noch bezahlt? Antwort: in der Elternzeit. Genauer: im ersten Jahr bzw. den ersten 14 Monaten der Elternzeit, in denen man nicht nur beurlaubt ist, sondern auch noch Elterngeld bezieht.

Curio Bay NZ

Elternzeit und Elterngeld: Fakten und Gesetze

Elterngeld- und elternzeitberechtigt ist prinzipiell jeder Deutsche, der sein Kind selbst betreut und dafür die Arbeitszeit reduziert oder aussetzt. Bei Normal- bis Gutverdienern (egal, ob angestellt oder selbständig) fallen dann im ersten Lebensjahr des Kindes ungefähr zwei Drittel des durchschnittlichen Nettolohns des vergangenen Jahres als Dankeschön des Staates zur Sicherung des Lebensunterhalts an; die Höchstgrenze des Elterngeldbezugs liegt bei 1.800 Euro.

Sind noch kleine Geschwister im Haus, gibt es einen Zuschlag von 10 Prozent. Zwillingseltern haben übrigens seit neuestem Anspruch auf doppeltes Elterngeld – Glückwunsch!

Jaaa, aber es kann doch immer nur einer der Partner mit dem Kind (oder den Kindern) zu Hause bleiben, sagt ihr? Der andere muss ja trotzdem arbeiten, meint ihr?

Falsch! Nach dem Vorbild der vorbildlichen Skandinavier hat die Regierung Merkel bereits 2007 die sogenannten Partnermonate (vulgo „Vätermonate“) eingeführt; diese beiden Monate werden nur dann ausgezahlt, wenn sie vom jeweils anderen Partner (in der Regel vom Vater) genommen werden. Natürlich dürfen die 14 Monate auch anders aufgeteilt werden: halbe-halbe zum Beispiel. (Auch die restlichen zwei Jahre der dann unbezahlten Elternzeit können nach Belieben aufgeteilt werden.)

Und jetzt kommts: Paare können „ihre“ Elterngeld-Monate auch gern gleichzeitig nehmen; dann bekommen sie zwar wahrscheinlich insgesamt weniger Elterngeld als Paare, in denen die Partner abwechselnd aussetzen (nachrechnen!), andererseits eröffnet sich so die verlockende Möglichkeit einer sehr langen und sogar „bezahlten“ Neuseeland-Reise.

(Längere) Reisen in der Elternzeit?!

Jaaa, aber das ist doch bestimmt gar nicht erlaubt, während des Elterngeldbezugs so lange zu verreisen, sagt ihr?

Das Bundeselterngeldgesetz sagt etwas anderes: Sofern sich die Eltern während des Elterngeldbezugs vorrangig zu „Urlaubs- und Erholungszwecken“ in Neuseeland aufhalten und ein (unbefristetes) Arbeitsverhältnis in Deutschland in dieser Zeit bestehen bleibt, darf man sich aufhalten, wo man will.

Einzige Bedingung: Ihr dürft euren Wohnsitz nicht aufgeben, müsst also in Deutschland gemeldet bleiben (das wünscht sich der Staat, um euch Post zustellen zu können). Das deutsche Meldegesetz sieht vor, dass man sich bei Auslandsaufenthalten von mehr als sechs Monaten abzumelden hat – hier wird bei geringfügig längeren Reisen aber niemand ein Fass aufmachen und euch nachher nicht mehr reinlassen.

Purau Neuseeland Elternzeit in Neuseeland

Jaaa, aber mit Baby kann man doch nicht so eine lange Reise machen, sagt ihr?

Nee, das sagt ihr nicht ehrlich, gell – das sagen Oma und Opa, oder Onkel und Tante. Wisst ihr was: Die sind nur neidisch. Genauso wie diejenigen, die laut lamentieren, ihr würdet „auf Staatskosten verreisen“. Fragt die doch mal, ob es ihnen lieber wäre, wenn ihr auf Staatskosten mit eurem Baby auf der Couch hockt – und was sie das überhaupt angeht?!

Die Elternzeit ist explizit dazu gedacht, dass Mama oder Papa, besser noch beide Eltern, die Gelegenheit haben, ganz ohne Geldnot und Zeitdruck den Nachwuchs willkommen zu heißen und eine Familie zu werden. Wo sie das tun, ist doch prinzipiell total egal!

Elternzeit in Neuseeland – na klar!

Tatsächlich sind viele Eltern überrascht, wie einfach und schön gerade Neuseeland-Reisen mit Babys funktionieren. Ein süßer Fratz, der nur seine Milch und seine Mama braucht und sich anstandslos stundenlang in der Babytrage durch die Natur schleppen oder im Campervan durchs Land kutschieren lässt, ist allemal ein besserer Reisegefährte als ein trotzendes und bockendes Kleinkind oder ein alles verweigernder Teenager – ganz zu schweigen von den Kosten, die ihr einspart!

-> Hier haben wir die wichtigsten Fragen zum Reisen mit Baby nach Neuseeland beantwortet.

Ein Baby isst und trinkt kaum etwas, es wünscht sich keine Spielsachen und will nicht unbedingt Quadbike fahren, es zahlt im Motel gar nichts und im Flugzeug je nach eurem Sicherheitsanspruch zwischen zehn und 80 Prozent. Dort wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zehn von zwölf Stunden schlafen – und wenn ihr clever gebucht und kein Riesenkind herangefüttert habt, kann es das sogar in einem bequemen Bassinet tun, das vor euch an der Wand hängt. Auch die Eltern schlafen dann überraschend gut!

Eltern von Krabbelkindern müssen in Neuseeland keine Angst vor ansteckenden Krankheiten, Malaria-übertragenden Moskitos oder giftigen Spinnen und Schlangen haben; es sind keine besonderen Impfungen erforderlich, die Temperaturen sind im Durchschnitt angenehm (Sonnenschutz ist allerdings ein Thema!), die Gesundheitsversorgung ist super und die Menschen sind wahnsinnig kinderfreundlich – niemand wird euch dort mit gerunzelter Stirn fragen, wie ihr eurem armen Kind das bloß zumuten könnt.

Okay, ihr müsst regelmäßig Windeln kaufen und entsorgen, Wickeln in freier Wildbahn kann ein Abenteuer sein und euren Aktionsradius müsst ihr wahrscheinlich auch ein wenig einschränken – es ist eben nicht alles perfekt…

Jaaa… dann machen wir das doch, sagt ihr?

Toll!

Lake Wakatipu Campervan Elternzeit in Neuseeland

5 Kommentare

  • Hallo,
    wir sprechen auch aus Erfahrung, dass das Reisen mit Baby nach Neuseeland ein unglaublich tolles und unvergessliches Abenteuer ist. Unsere Tochter war 2013 10 Monate alt und es war eine wahnsinnig intensive Zeit. Wir hatten damals allerdings „nur“ 5 Wochen Zeit aber unser 2. Kind ist in Planung und dann wollen wir uns den Traum erfüllen und 3 Monate durch Neuseeland zu reisen. Je jünger das Kind um so unkomplizierter das Vorhaben. Dem stimme ich absolut zu!
    Wir haben übrigens auch recht gute Erfahrungen mit den Windeln der Hausmarken gemacht 🙂
    Liebe Grüße
    Lisa

  • Kaum zu glauben, aber die Windeln sind ein echtes Problem! Erstens sind sie sehr viel teurer als in D und zudem taugen sie auch nix. Unser mitgeführter Pampers-Vorrat war nach einem Monat verbraucht und wir mussten uns nach Ersatz umsehen. Also Angebote gecheckt und „Huggies“ gekauft. Die waren sehr hübsch – mit einem Rentier drauf zur Weihnachtszeit – aber auch leider jede Nacht durch! Ein Öffnen verriet auch warum, einfach nur mit Vlies gefüllt. Als nächstes die Kiwi-Windeln „Treasures“ gekauft, die sind zwar besser, reichen aber selbst an Discounter-Eigenmarke-Windeln nicht heran. Wir waren letztendlich froh, ein UK-Import „Pampers baby dry“ bekommen zu haben, wenigstens für die Nacht.

    derkiwi

    • Tatsächlich? Da haben wir andere Erfahrungen gemacht; unser damals Zweijähriger ist mit der Hausmarke von Countdown gut klargekommen. Das ist wohl Typsache 😉

    • Mittlerweile gibt es Pampers Baby Dry in allen Läden der Kette „the warehouse“ und wenn man Glück hat sind sie sogar im Angebot. Die fallen komischerweise etwas kleiner aus als in Deutschland, wir mussten statt der Größe 4 die Größe 5 nehmen.Haben für 50 Windeln zwischen 20 und 35 NZD bezahlt, wobei letzterer der Normalpreis ist.

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