Neuseeland für Familien

Gastbeitrag: Achtung, Weta-Attacke!

In Neuseeland gibt es nicht nur grandiose Naturwunder zu bestaunen. Als Familie erlebt man hier die verrücktesten Sachen. Von einer Wildlife-Begegnung ihrer Tochter, die viele andere (inklusive uns!) zum Schreien gebracht hätte, berichtet unsere Leserin Hermine. Was habt ihr in Neuseeland erlebt?

Giant Weta Neuseeland

Die Giant Weta nach ihrer Entdeckung © Hermine

Im letzten Herbst waren wir zehn Wochen in Neuseeland unterwegs, eine davon in Puponga auf der Südinsel. Wir haben die Tölpel-Kolonie auf Farewell Spit besucht und waren mehrfach am Wharariki Beach. Dort haben wir Seebären gesehen, einen Hummer gefunden und mehrere Wal-Knochen. Das Spektakulärste haben wir jedoch an einem Abend in unserer Hütte erlebt.

Wie so oft war ich dabei, die Klamotten meiner drei Mädchen zu sortieren. Plötzlich hörte ich einen Schrei aus dem Zimmer nebenan. Offenbar hatte sich meine Jüngste – damals zwei Jahre alt – weh getan. „Komm bitte schnell!“, wurde ich aufgeregt vom Rest der Familie gerufen. Ich rannte, so schnell ich konnte, und stolperte dabei fast über die Türschwelle.

Die Kleine hatte ihren Kopf merkwürdig auf den Tisch gelegt. Ich fürchtete schon, dass sie sich eine schlimme Verletzung zugezogen hatte. Als  dann auch noch zwei große Fühler aus ihrem Hinterkopf herausragten, mutete mir an wie in einem Horrorfilm.

Ich untersuchte sie und stellte fest, dass sie gar keine Verletzung hatte, aber eine Giant Weta hatte sich in ihrem Haar verkrochen. Ich nahm das Tier heraus. Sie war größer als mein Daumen und durch die Fühler noch einmal so lang. Ich setzte das große Insekt auf den Küchentisch und musste erleichtert lachen. Zuerst meinten alle außer mir, dass das Tierchen eklig sei und dass sie Angst hätten.

Als ich alle beruhigt hatte, wollten wir den seltenen Besuch in unserem Insektenbeobachtungsglas untersuchen, doch das war viel zu klein! Es musste also ohne Glas gehen.

Die Weta summte uns etwas vor und machte merkwürdige Drohgebärden mit den Vordergliedmaßen. Dabei wollten wir ihr gar nichts tun. (Ein paar Wochen später habe ich durch Recherche in der Bibliothek erfahren, dass dieses Verhalten nicht untypisch für Giant Wetas ist.) Wir verziehen der Weta und setzten sie ins Freie. Die Kinder haben ihr „Bye-bye!“ hinterhergerufen.

Wir haben keine Ahnung, wo unsere Kleine sich die Weta eingefangen hat, und man könnte denken, dass sie seitdem Angst vor Insekten, speziell vor Wetas hat. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wetas zählen bis heute zu ihren Lieblingen!

Giant Weta Neuseeland

Drei Mädels im Sand – lauerte hier die Giant Weta? © Hermine

Zum Schluss noch ein paar Infos zur Giant Weta – der ihr, keine Sorge, in Neuseeland kaum einmal begegnen werdet:

Weil Neuseeland Millionen Jahre lang vom Rest der Welt abgeschnitten war, entwickelten sich hier nicht nur flugunfähige Riesenvögel, sondern auch gigantische Insekten. Die Giant Weta gibt es seit 190 Millionen Jahren! Sie ist damit sogar älter als die berühmte Tuatara-Echse.

Giant Wetas können dreimal so viel wiegen wie eine Maus und bis zu zehn Zentimeter groß werden. Über ihre Lebensweise ist kaum etwas bekannt; sie leben gern im Dunkeln und verstecken sich in Laub, Höhlen oder selbst gegrabenen Löchern, ernähren sich meist von Pflanzen und werden (im ausgewachsenen Zustand) etwa ein Jahr alt.

Es gibt über 70 Unterarten der Weta und elf Arten der Giant Weta in Neuseeland. Erst 1995 wurde eine neue Art, die Horn-Weta („tusked Weta“) in den Raukumara Ranges auf Coromandel entdeckt. Die europäischen Siedler und die Nagetiere, die sie mitbrachten, haben die Giant Weta aber schon fast zum Aussterben gebracht, sie lebt fast nur noch auf schädlingsfreien Inseln. Dass Hermine und ihre Familie ein solches Tierchen auf dem Festland getroffen haben, ist also enormes Glück! Räusper.

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