Where to go in NZ

Gastbeitrag: Maori-Kultur und/oder Massentourismus in Whakarewarewa

Vor einigen Wochen kommentierte Conny unseren Beitrag „10 Dinge, die ich nie wieder über Neuseeland hören und sehen will„, speziell das Problem mit der touristischen Vermarktung der Maori-Kultur. In Whakarewarewa bei Rotorua nahmen sie an einer Führung und einem Kulturprogramm teil und waren überrascht.

Das wollten wir genauer wissen; immerhin haben wir uns dieses „Highlight“ aus genau den Gründen verkniffen, dass wir keine Eingeborenen-Zirkusvorstellung sehen wollten. Was erwartet einen in „Te Whakarewarewa O Te Ope Taua A Waihiao„, wie das Dorf richtig heißt? Conny stellt uns hier freundlicherweise einen Auszug ihres Reisetagebuchs samt einiger Fotos zur Verfügung. Danke!

Haka (c) Conny Glasl

Haka (c) freyadventures

„Whakarewarewa ist ein ganz normales Maori-Dorf auf geothermal aktivem Gelände, das täglich von 10 bis 17 Uhr seine Tore für Touris öffnet. Von außen ist es unscheinbar, der Eintritt ist es nicht. [Der Eintritt inklusive einer etwa einstündigen Führung plus „Maori Cultural Performance“ kostet aktuell 35 NZ$, Kinder zahlen 13 NZ$; Anm. d. Weltwunderer]

Wir bekommen einen Plan in die Hand gedrückt, einen Tipp, was wir bis zur Tanzvorführung machen sollen – den „Mudpool“ besuchen – und den Hinweis, dass um 12:00 Uhr eine Führung durch den Ort stattfindet.

Durch einen großen Torbogen betreten wir das Dorf. Es sprühregnet. Zwischen den kleinen, bescheidenen Holzhäusern wabert der Dampf, es stinkt nach Schwefel.

Whakarewarewa Village (c) Conny Glasl

Whakarewarewa Village (c) freyadventures

Ich überlege, ob die Bewohner Sulfur-Symptome (entsprechend der klassischen Homöopathie) haben. Die unglaubliche Unordnung und leichte Schmuddeligkeit würden schon mal passen. Die Häuser sind nicht besonders hübsch und wo man hineinsehen kann, herrscht kreatives Chaos. Die Maori selbst sind sauber und gepflegt, allerdings fehlt ihnen jeder Sinn für Mode und Schick.

Im Vorführungshaus – heute findet die Vorführung drinnen statt, denn mittlerweile regnet und windet es wieder – wird es voll. Wieder mal auffallend rücksichtslose Inder und Deutsche dominieren das Bild. Während eine hübsche Maori-Frau uns begrüßt, sabbeln sowohl die einen als auch die anderen lautstark vor sich hin. Von den Erklärungen ist nichts zu verstehen.

Die Vorführung ist, obwohl für Touristen gemacht, sehr authentisch und nicht kitschig. Diese Maori tanzen und singen auch in ihrer Freizeit die Tänze für sich.

Tanzaufführung der Maori in Whakarewarewa (c) Conny Glasl

Tanzaufführung der Maori in Whakarewarewa (c) freyadventures

Exotisch sind die Klänge, befremdlich die Grimassen. Besonders der Haka. Stampfend, guturale Laute ausstoßend, schneiden die Männer Grimassen. Sie öffnen weit ihre Augen und strecken die Zunge heraus. Dabei stampfen sie mit dem einen Fuß auf, stehen gegrätscht und klopfen mit der rechten Hand auf den angewinkelten linken Unterarm. Dies ist der Kriegstanz. Er soll zum einen den Feind, oder auch einfach nur den Fremdling, einschüchtern, zum andern soll er den Krieger zum Angriff rüsten. Die Muskeln aufwärmen und Adrenalin ausschütten.

Die Führung hinterher ist interessant, obwohl wir nicht alles verstehen. Der Maoriführer spricht fast schönes Englisch, aber es ist doch schnell und neuseeländisch akzentuiert.

Der Mudpool ist nicht schlecht, er blubbt wie grauer Pudding. Wir erfahren, dass er aus durch die Hitze quasi geschmolzenem Stein besteht, der durch das Wasser und den Schwefel flüssig gehalten wird. Der Dampf des Wassers lässt ihn blubbern.

Mudpool (c) Conny Glasl

Mudpool (c) freyadventures

Die Häuser auf dem Gebiet haben keine heiße Wasserleitung, keine Heizung und nur ein paar haben einen Herd. Gekocht wird entweder in riesigen natürlichen Heißwassertöpfen oder in einem „Erddampfgarer“. Letzterer ist ein flacher Bretterverschlag über einem Dampfloch mit Deckel. Bis zu 40 Töpfe passen nebeneinander in so einen Dampfgarer.

Manche packen ihr Essen auch in Plastikfolie oder Alufolie, erklärt unser Guide. Beide Garversionen  – Wasser und Dampf – gehen sehr schnell. Muscheln oder Fisch brauchen im Wasser nur ein paar Minuten. Er erzählt lachend, dass man auf dem Weg zum Bad, den Topf in den Dampfgarer stellt und ihn danach wieder rausholt. Kostenlose Energie, lecker und gesund.

Gebadet wird in künstlich geschaffenen, natürlich gespeisten Wannen. Gemeinschaftlich zwischen 17 und 10 Uhr. Sonnenaufgang, Sonnenuntergang oder Sternenhimmel gibt es gratis; Regen auch. Schon wieder so eine bunte Mischung aus Mineralien – Schwefel, Kupfer, Silicat…. Ein richtiges homöopatisches Kombipräparat. Auf dem Friedhof stellen wir aber fest, dass das scheinbar nicht schadet, weil alle recht alt geworden sind.

Thermal-Badewanne (c) Conny Glasl

Thermal-Badewanne (c) freyadventures

Von einem Aussichtspunkt können wir die beiden aktivsten Geysire Neuseelands betrachten, die auf dem Thermalgebiet Te Puia liegen und im Gegensatz zum Lady Knox Geyser in Wai-O-Tapu  völlig ohne Seife ein paar Mal die Stunde spucken. Der Maori, der sie jeden Tag sehen kann, scheint sich trotzdem wieder daran zu erfreuen. Ebenso begeistert und ehrlich zufrieden ist er mit seinem Leben, seinem Dorf und seinem thermalen Wunderland.

Wir sind auch beeindruckt; aber wohnen würden wir hier in Rotorua, Whakarewarewa und Umgebung nicht für viel Geld. Es stinkt einfach zu sehr …

Maori-Holzmasken im Dorf (c) Conny Glasl

Maori-Schnitzereien im Dorf (c) freyadventures

1 Kommentar

  • Der mögliche Einblick in die Maori-Kultur kombiniert mit den geothermalen Besonderheiten der Region haben uns auch dazu bewegt Whakarewarewa zu besuchen. Wie eine Massenveranstaltung wirkte es für uns nicht. Unsere 12 Uhr Führung bestand aus maximal 20 Personen. Allesamt interessiert und bereit zuzuhören. Allerdings konnte man der Kasse schon erahnen dass hier auch schon mal größere Menschen-Mengen vorbeikommen.
    Die Show fanden wir sehr interessant und auch amüsant. Der oben abgebildete Kollege war auch bei uns in der Formation. Wohl ein sehr lustiger Zeitgenosse.

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