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Gastbeitrag: Neuseeland mit Kindern und … Handwagen?!

Auf Reisen mit kleinen Kindern, vor allem wenn es mit dem Flugzeug in die Ferne geht, stellt sich vielen Eltern die Gretchenfrage: Wie halten wir’s mit dem Transport? Für das Tragen und den Kinderwagen oder Buggy sprechen jeweils viele gute Gründe – weshalb viele von uns schlussendlich beides machen. Hermine und ihre Familie haben eine dritte Option gewählt, die sie euch in einem Gastbeitrag vorstellen: einen klappbaren Bollerwagen.

Hermine_Bollerwagen_klein

© Hermine

Ende 2012 waren wir zweieinhalb Monate in Neuseeland und (vorher) drei Wochen in Australien. Unsere Kinder waren beim Antritt der Reise knapp fünf Jahre und 15 Monate alt. Das dritte Kind war unterwegs. Es war nicht unsere erste Neuseeland-Reise, aber die erste mit Kindern.

Unsere 15 Monate alte Tochter war zwar für ihr Alter motorisch sehr fit, aber zu glauben, dass sie längere Strecken alleine läuft, war absolut unrealistisch. Auch von der Großen konnten wir in Sachen „Laufleistung“ nicht allzu viel erwarten. Ich konnte und wollte wegen der Schwangerschaft kein Kind längere Zeit tragen. Mein Mann konnte keine zwei Kinder gleichzeitig tragen. Außerdem hatte man ohnehin schon einen Rucksack auf dem Rücken…

Wir brauchten also ein geländetaugliches Fahrzeug, das man ziehen kann, zwei Kindern Platz bietet, leicht ist und nicht allzu viel Stauraum beansprucht, denn in unserem vergleichsweise kleinen Wohnmobil war der Platz sehr begrenzt.

Eigentlich wollten wir einen Handwagen vor Ort kaufen. Aber in Neuseeland und Australien gab es nichts, was unseren Vorstellungen entsprach. Wir haben uns im Vorfeld informiert, fanden aber nur ein paar Plastik-Modelle, die bestenfalls als Spielzeug taugten.

So bestellten wir hier in Deutschland einen faltbaren Bollerwagen aus Aluminium, der (wahlweise) ein Regendach hat und im Flugzeug als „Kinderwagen“ deklariert werden konnte. Die luftbereiften Räder erleichterten das Ziehen, auch der Wenderadius war relativ klein. Wir mussten zwar einige hundert Euro investieren, aber es gab praktisch keine Alternative.

Viel Zeit zum Testen hatten wir leider nicht, aber das Auf-und Zusammenbauen war zum Glück unkompliziert und wurde schnell zur Routine. Dennoch gebe ich zu, dass es sich nicht lohnt, wenn man nur einen kurzen Ausflug macht und in einer halben Stunde wieder da ist.

Angekommen in Australien und Neuseeland, wurden wir mit unserem Gefährt oft zur Sensation. „Very good idea!“, sagten die Männer und „very cute!“ die meisten Frauen, als sie unsere beiden Mädchen im Handwagen sahen. Wie gesagt – in Neuseeland und Australien gibt es nichts Vergleichbares.

Besonders eindringlich erinnere ich mich an eine Frau, die stilvoll vor der Sidney-Oper ein Glas Weißwein trank, plötzlich aber vom Tisch aufsprang und mich wild gestikulierend ansprach, weil sie unbedingt ihrer schwangeren Tochter auch so einen Handwagen schenken wollte. Sicherlich war das alles nett gemeint, aber ich fand diese übersteigerte Aufmerksamkeit teilweise sehr anstrengend und unangenehm, vor allem wenn samt Handwagen unsere Kinder fotografiert wurden, ohne uns um Erlaubnis zu bitten.

Trotzdem wurde unser Alu-Wagen zum unverzichtbaren Begleiter, auch bei anspruchsvollen Wanderungen. Beispielsweise haben wir uns mit dem Wassertaxi am Ende des Abel-Tasman-Tracks aussetzen lassen und sind die verbleibenden 14 km zurückgelaufen. Das war in Anbetracht der Steigungen und Tücken des Weges (Baumwurzeln, Quellen, große Steine) eine Herausforderung, aber wir schafften es. Zwar nicht in Rekordzeit, aber den Anspruch hatten und haben wir auch nicht. Erschwerend hinzu kam noch, dass es ein sehr heißer Tag war.

Hermine_BollerwagenOhne Handwagen wäre es mit den Kindern absolut unmöglich gewesen, solche Distanzen zu bewältigen.

Ich erinnere mich auch an zahlreiche Regentage, an denen wir dankbar waren, dass zumindest die Kinder im Wagen trocken blieben.

Fazit: Wer trotz Kindern längere oder anspruchsvolle Wanderungen – egal ob in der Natur oder in der City – machen und ein bisschen wetterunabhängiger werden möchte, der sollte auf so einen Hightech-Handwagen nicht verzichten.

Danke für eure Experten-Einschätzung, liebe Hermine!

Wenn ihr Fragen zum Bollerwagen-Kauf und zum Handling auf der Reise habt, dann stellt sie uns gern – wir werden alles an Hermine weiterleiten, die uns versprochen hat, alle Fragen zu beantworten.

 

9 Kommentare

  • wir brauchten auch einen großen Handwagen, wollten aber kein Vermögen ausgeben.
    Durch eine Tasuchbörse sind wir dann an einen alten Handwagen für 5 Euro gekommen. Das Gestell und die Reifen waren noch gut und den Rest konnte man nicht mehr gebrauchen und haben wir auch nicht gebraucht

    den kompletten Aufbau wurde dann neu gemacht und angepinselt. Wir können ihn auseinandernehmen so dass er wunderbar flach in den Kofferraum passt.
    Mit Material hat uns der Wagen dann um die 40 Euro gekostet und ist vieeeel Größer als die vom Baumarkt oder Discounter.

    • Hallo Caroline, ich glaube, es war ein Ulfbo – der beste (und teuerste) Bollerwagen auf dem Markt.

  • Nicht nur für Ausflge mit Kindern ist so ein faltbarer Bollerwagen genau das Richtige! Wir nehmen ihn auch immer mit auf Vatertagstour und Kohltour (hier im Norden). Passt alles rein, ist leicht und kann schnell verstaut werden. Besser geht es nicht.
    Gerade aber für Kleinkinder sicher perfekt!

  • Den Bollerwagen haben wir mal getestet und finden ihn auch ganz gut. Er eignet sich super, um damit in den Urlaub zu fahren (praktisch faltbar) und um an den Strand zu gehen, denn es passt ja wirklich alles rein, zumal wir ein Einzelkind haben. Da ist dann noch reichlich Platz für Strandmatte, Zelt, Proviant und Co. LG Anni

  • Wir haben uns auch einen von den neuen faltbaren Bollerwagen zugelegt und ich muss sagen, es ist sowas von praktisch und entspannend den Handwagen dabei zu haben. Mittlerweile ist er bei jedem Urlaub dabei und nicht mehr weg zu denken. Die Kinder liegen Ihn und er erleichtert wirklich vieles. Ich kann so ein Wagen wirklich nur jedem mit Kindern für den Urlaub empfehlen.

  • Ja, wir hatten auf unserer letzten Reise (leider nicht nach Neuseeland) auch so ein Ding dabei. Eigentlich hatten es unsere Freunde dabei, die total darauf schwören. Und ja, es ist einfach genial. Wenn die Kids, auch die größeren, müde sind, können sie auch abends im Restaurant mal darin schlafen neben dem Tisch (wir haben das oft so gemacht). Auch der Weg zu weiter entfernten Stränden, die wir nur zu Fuß erreichen konnten, war mit dem ganzen Strand-Klimbim von zwei Familien so ein Kinderspiel. Und, und, und … und ja, viel Aufmerksamkeit erhält man so auch, eigentlich nur positive, aus denen sich auch sehr nette Unterhaltungen mit den Einheimischen entwickeln können. 🙂

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