Unterkünfte Unterwegs in Neuseeland

Gastbeitrag: Neuseelands Motels – nicht zu empfehlen!

Christian und seine Familie leben seit Juni 2012 auf der neuseeländischen Südinsel. Auf ihren vielen Reisen durch das Land haben sie in zahlreichen Motels genächtigt – und waren in der Regel „not amused“. Ihre wichtigsten Lektionen wollen sie hier gern teilen. Danke!

Unterm Strich ist die Hotellerie in Neuseeland alles andere als empfehlenswert: Die meisten Zimmer liegen für die relativ hohen Preise weit unter mitteleuropäischem Niveau. Ein paar Beispiele?

Just another motel room in NZ (c) Christian

Just another motel room in NZ: im Whatuwhiwhi Top 10 Holiday Park (c) Christian

Betten mit Matratzen-Modell „Kreuzweh“ und Wohnzimmer-Einrichtungen vom Typ „Ich mag dich nicht“ (jede Sitzgelegenheit in einer anderen Zimmerecke, fehlende Esstische oder geflieste Wände), Farbspektren aus der Hölle (komplett rosafarbene Badeinrichtungen oder ganze Unterkünfte in blau-gelb-gemustert) und beschädigte Einrichtungen (fehlende Griffe, verbeulte Töpfe, abfallende Schranktüren etc.) sind eigentlich normal.

Elektrogeräte, die offenbar von den ersten Europäern mit nach Neuseeland gebracht wurden, schlampig oder stümperhaft Gebautes und Installiertes sowie Staub und Schmutz von Jahrzehnten, die Hausstauballergikern immer wieder asthmatische Nächte bescheren und oft nur mit Febreze oder automatischen Raumspray-Pumpen bekämpft werden, sind leider auch eher Regel als Ausnahme.

Herde aus der Steinzeit - ganz normal in neuseeländischen Motels

Herde aus der Steinzeit – ganz normal in neuseeländischen Motels (c) Christian

Die berühmten neuseeländischen Zweihand-Armaturen sind immer noch furchtbar weit verbreitet – wann, um Himmels willen, werden die Kiwis hinter die Vorteile einer Einhand-Mischbatterie kommen? Und warum bauen sie standardmäßig Waschbecken in Hobbitgröße in ihre Motels ein?

Waschen und Duschen in Motels ist überhaupt fast immer eine Knobelei: Wie wäscht man sich, ohne eine Hand zu verbrühen und die andere zu erfrieren? Wie wäscht man sich überhaupt in einem Waschbecken von der Größe eines Nudelsiebs? Wie füllt man dort eine Trinkflasche auf? Wie rasiert man sich, wenn der Spiegel an der Wand neben dem Waschbecken hängt? Wie duscht man, wenn der Wasserdruck nur ein Tröpfeln hervorbringt, das Wasser aus beliebigen Stellen des Duschkopfes herausspritzt und der Duschkopf fest installiert in Augenhöhe hängt?

Heiß oder kalt? Auf jeden Fall nicht warm!

Heiß oder kalt? Auf jeden Fall nicht warm! (c) Christian

Lektion 1: Ohne Planung geht nichts – schon gar nicht für Familien

Würde man alles zwei bis drei Wochen im Voraus planen und an jedem Ort mehrere Tage bleiben, könnte man sicherlich einige sehr tolle Homestays, Bed and Breakfasts und Ferienhäuser (auf neuseeländisch: „Baches“) finden. Wir haben uns auf unseren Kurztrips durch das Land aber meist spontan entschieden, wo wir über Nacht bleiben. Die am besten bewerteten Unterkünfte waren dann oft einfach nicht mehr verfügbar – und wir mussten halt das nehmen, was noch frei war.

Gerade die Familienzimmer sind oft als erste ausgebucht; meist gibt es zwar viele Zimmer oder Cabins, aber nur eine oder zwei, die für Familien geeignet sind. Und ausgerechnet die Familienzimmer sind dann oft kaputter als die anderen und stinken auch mehr, da sie vermutlich nicht das ganze Jahr über vermietet werden.

Lektion 2: Teuer ist nicht gleich gut

Wir haben schmerzvoll gelernt: Unter 220 NZ$ pro Nacht sollte man kein Motel buchen, wenn man Ansprüche an die Unterkunft stellt und Probleme mit Hausstaub hat (meine Nase ist hier jedenfalls fast immer dauerverstopft). Als Pärchen findet man für ein Drittel bis die Hälfte weniger auch etwas Akzeptables. Bed and Breakfasts scheinen auf den ersten Blick oft günstiger als Motels, sie haben aber meist keine Familienzimmer und sind nur für Pärchen ausgelegt.

Mit Hotels haben wir nur wenige Erfahrungen gemacht – aber was wir im „Rydges Hotel“ in Wellington erlebt haben, hat uns gezeigt, dass man statt eines günstigen Hotels (knapp 190 NZ$ für ein Zimmer mit Doppelbett) auch locker ein Motel nehmen kann.

Lektion 3: Es gibt kein „free wifi“

Gratis Wifi bedeutet in neuseeländischen Motels in aller Regel: Es gibt 50 MB. Diese lächerliche Menge genügt normalerweise nicht einmal, um die letzten E-Mails herunterzuladen – wozu man eine geschlagene Viertelstunde braucht. Im „Riverview Motel“ in Whanganui bekamen wir einen Voucher (!) für 50 MB und mussten jede Stunde an der Rezeption um Verlängerung bitten. Im „3 Oaks Motel“ in Wairoa hieß es: „Sorry, das Modem funktioniert grad nicht.“ Im sehr schicken (und teuren) „Azure Colonial LodgeMotel“ in Napier war das „free wifi“ so fehlerhaft konfiguriert, dass jeder zweite Seitenaufruf mit einer Fehlermeldung endet.

Ich will aber fair sein: Wir hatten in einigen Motels durchaus gratis und unbeschränktes Wifi. Bei einem Zimmerpreis von um die 230 NZ$ (zum Beispiel im „Gateway Motor Inn“ in Masterton oder im „Colonial Court“ in Tauranga) sollte das zu erwarten sein; ist es aber nicht, wie wir gelernt haben.

Fazit: Wer in Neuseeland unterwegs arbeiten will oder muss und dabei auf Internet angewiesen ist, der versorgt sich besser selbst mit einem Surfstick.

… und was ist unser Weltwunderer-Fazit daraus? Anstatt jeden Tag über 200 NZ$ für ein zweifelhaftes Motel auszugeben, könnt ihr auch locker in eurem eigenen gemütlichen Campervan auf einem schönen Campingplatz sitzen.

Wem das zu unbequem ist, der muss halt planen: Motels und Hotels, die bei TripAdvisor und HolidayCheck ausgezeichnet bewertet sind, gibt es in Neuseeland ja durchaus.

Die Weltwunderer waren mit ihren (vorgebuchten) Motels in Christchurch und Auckland jedenfalls vollauf zufrieden – unsere Weiterempfehlung: das „Diplomat Motel in Christchurch (Family Studio Unit für 165 NZ$, damals 135 NZ$) und „Airport Gold Star Motel in Auckland (Small Family Unit für 140 NZ$), beide mit Kinderspielplatz und Pool (wobei wir zugeben müssen: Free wifi gab es im „Gold Star Motel“ auch nicht).

Wir danken Christian für seinen zweiten Gastbeitrag bei uns und wünschen ihm noch ein paar angenehme Motels, bevor es wieder zurück nach Europa geht!

4 Kommentare

  • Neuseeland ist wunderschön wer aber viel unterwegs ist und dabei auf sein Internet angewiesen ist, der versorgt sich besser selbst mit einem Surfstick

  • Wir haben eine Riesensumme gezahlt für eine privat geführte Tour (Januar/Februar 2014), ausgearbeitet von GEBECO „Privatreise-Urlaub nach Maß“, durchgeführt von der Agentur APTC Wellington. Über die Hotelauswahl sind wir total verärgert, so etwas hätten wir über Internet auch zu Stande gebracht.. Nachfolgend zähle ich unseren Ablauf der Hotelbesuche auf, Länge des Aufenthalts und dazu all unsere persönlichen Eindrücke.
    City Central Motor Inn, Motel Christchurch 3 ÜF
    — In diesem Hotel das eigentlich ein Motel ist, haben wir die Situation “ertragen”.
    Kein Frühstücksservice, Frühstück abgedeckt mit Folie war aus dem Kühlschrank zu entnehmen mit kalten Bananen!, Kaffee und Tee selbst zuzubereiten! , schmales Bett, Motel statt Hotel, Selbstmanagement wie Spülen wurde von der Hotelführung verlangt, Miniwaschbecken, Minidusche..Wir haben erst einmal mit Jetlag große Augen auf die vorhandene Situation gemacht und uns versucht zu ordnen …..

    Pepper`s Bluewater Resort Lake Tekapo 1ÜF
    — konnten wir kurz genießen, war für eine Nacht unverhältnismäßig luxuriös,
    in der Reihe zu den anderen völlig unverständlich luxuriös und fein.
    Wir schöpften große Hoffnung , die Reise ging voller Optimismus weiter.
    Am Morgen mussten wir allerdings in einen von Asiaten überfüllten Raum 200 m weit gehen und dort auf einen Frühstückstisch 20 Minuten wegen Überfüllung warten.

    Quality Hotel Cargills, Dunedin 1 ÜF
    total abgewohnt, unappetitlich, eng, schmales Bett, es roch seltsam,
    — nicht akzeptabel, alternativ haben wir eine Unterkunft im Scenic Hotel gefunden

    Distinction Luxmore Hotel, Te Anau 1 ÜF — absolut grenzwertig, wurde ertragen , es war der Geburtstag der Ehefrau und
    wir Reisenden sehnten uns nach Ruhe, Harmonie und „innerer Balance“

    Discovery Sherwood Hotel, Queenstown 2 ÜF
    total abgewohnt, geräuschintensiv durch die leichte Holzbauweise mit viel
    Außenzugang, dunkles schmuddeliges Zimmer mit kleinem Doppelbett und
    Zusatzliege in der Küche
    — unakzeptabel, alternativ haben wir nach langer Suche
    eine Unterkunft im Millenium gefunden

    The Westhavn, Fox Glacier 1 ÜF
    — haben wir wegen herzlicher Gastfreundlichkeit und schönem Raum akzeptiert, obwohl das Frühstück am nächsten Tag erst 6 km weiter am Lake Matheson eingenommen werden konnte

    Punakaiki Resort, Punakaiki 1 ÜF
    — war endlich mal Standard, obwohl an der Hauptverkehrs- und Durchgangsstraße gelegen

    Harbourside Lodge, PortNelson 2 ÜF
    — haben wir trotz erheblicher Beeinträchtigungen –Gott ergeben- ertragen,
    wir waren nervlich fertig und waren es müde, ständig auf Hotelsuche zu gehen.
    Wir schliefen mit Ohropax …direkt im Industriegebiet gelegen entgegengesetzt zur Urlaubsseite der Stadt, unschöner Weg zur City,
    — dauernde Lärmbelästungen durch die tief-wummernden Kühlaggregate, sehr
    kleiner Raum, wohin mit dem geöffneten Koffer? /

    Mercure Hotel, Wellington 2 ÜF
    — Erst akzeptabel nach Upgrade, wobei das Upgrade auf Grund extremer, nachgewiesener Unsauberkeit zu Stande kam.

    The Park Travellers Lodge, Tongariro NP 2 ÜF
    —Die größte Zumutung, die wir je erlebt hatten! Es bedeutet Wohnen auf der
    Recycling-Sammelstelle mit Jugendtreff- Charakter!
    Stattdessen Chateau Tongariro- einzige Alternative laut Aussage des Guides, auch sehr verwohnt und abgetakelt, Aufzug ist mit schwarzem Teppich an Boden,Wand und Decke sehr mysteriös.
    — Die Agentur APTC hatte in „weiser“ Voraussicht ( ! ungewöhnlich)
    ein paar Tage zuvor reagiert und die vorgebuchte Lodge ParkTravellers abgesagt,
    deswegen ist nur ein Upgrade-Betrag von uns zu bezahlen gewesen.

    Alpin Motel Rotorua, Rotorua 1 ÜF
    — ein sehr kleiner Raum mit schmalem Bett in diesem vorwiegend Biker anspre-chendem Motel, alternativ wählten wir das Millenium Hotel, nachdem wir einige andere vorher erfolglos angefragt hatten , es war ja Hochsaison

    Pacific Harbour Lodge, Tairua 1 ÜF
    — haben wir angenommen, trotz Schwächen … Die Möbel und Matratzen waren sehr abgewohnt …, das angebotene Quartier lag direkt neben der Haupt- und Durchgangsstraße. Die Fenster waren nicht abdunkelbar, so dass die Lichtreklame über Nacht das Zimmer erhellte. Abhilfe konnte nicht geschaffen werden, denn als wir dies nach dem Abendessen feststellten, war die Rezeption nicht mehr besetzt.
    Wir sind nicht davon ausgegangen, dass w i e d e r was quer laufen könnte!

    the Grand Chancellor, Auckland 2 ÜF
    — untragbar, Gerüche sehr merkwürdig; Das kleine Zimmer lag direkt an der vierspurigen Hauptverkehrsstraße, die auf eine andere mehrspurige Straße zusammenführte. Alternativ fanden wir nach vier erfolglosen Anfragen eine Übernachtungsmöglichkeit im Pullmann Hotel

    Wir tourten vorher 3 Wochen mit Meyers Weltreisen durch Australien, da gabs nichts
    Großes zu meckern.
    Unser Rat: Neuseeland n u r mit Campmobil, werft nicht Euer Geld über Agenturen, Hotels und Reiseveranstalter zum Fenster raus. Dort unten seid Ihr am Ende der Welt und mit Eueren Beschwerden hört euch keiner mehr….. die Zeitverschiebung tut das Ihrige dazu….

    Wir sind da noch voll am Rudern …

    ___________________________
    Summe : NZD 1856,25

  • Kann die Erfahrung zum Glück nicht teilen – habe nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Zugegeben: ich habe mir vorher die Bewertungen auf unterschiedlichen Portalen angeschaut und vieles im Voraus gebucht. Das war ja wohl ein Stolperstein bei Eurer Erfahrung. Günstig ist was anderes, aber es gibt sie 🙂 Was ich persönlich immer toll finde: (fast) in jedem Zimmer gibt es eine kleine Küche oder zumindest einen Kühlschrank und einen Wasserkocher. Bei Euren Erfahrungen zur Internetnutzung hatte ich ein deja-vu – aber auch hier scheint Besserung im Anmarsch zu sein! Wer zentral, familiär und abseits von Touristemhotels ein Schmuckstück in Auckland sucht: 23 Hepburn – Beth war die beste Gastgeberin, man fühlt sich wie zuhause, traumhafte Zimmer, nicht ganz billig, aber es lohnt sich! War November 2012 dort und würde gar nicht auf die Idee kommen nach einer Alternative zu schauen! Und es gibt dort auch kostenloses Internet – no limits! Euch auf jeden Fall mehr Glück bei der nächsten Reise 🙂

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