Rund ums Wohnmobil

Gebrauchsanweisung: Kochen im Wohnmobil

Der größte Unterschied am Reisen, egal wohin oder wie man reist: Man hat keine Küche dabei; oder nur eine ganz kleine. Das heißt: Bei nur einer oder zwei Kochplatten mit wenig Power und kaum Platz für die gewohnte Batterie an Kräutern, Gewürzen und raffinierten Helfern kommt man schnell in Verlegenheit, wenn man das von zu Hause Gewohnte herzaubern will. Es kann trotzdem Spaß machen, sich dieser Herausforderung zu stellen – und es muss nicht mit dem täglichen Gang ins Restaurant enden, der überdies schnell die Reisekasse sprengt.

Genussvolles Kredenzen herrlicher Mahlzeiten, die dann bei Sonnenuntergang bequem hingestreckt mit einem Glas Weißwein genossen werden – das ist mit Kindern sowieso nicht drin, beim Campen mit ihnen erst recht nicht. Wenn es also viermal pro Woche schnöde Nudeln mit Tomatensauce gibt, dann ist das kein Grund zum Schämen, im Gegenteil: Man darf noch stolz sein, dass man statt Ketchup immerhin die Sauerei einer „echten“ Tomatensauce auf sich genommen hat. Weniger ist hier beim Campen eindeutig mehr – und genug. Die Kinder freuen sich, denn die schätzen mehrstündige Kochgelage und deren Ergebnisse im Allgemeinen sowieso selten genug. Außerdem bleibt mehr Zeit fürs Wesentliche. Andersherum betrachtet ist das allerdings auch wieder ein Nachteil: Man muss ja trotzdem was essen, und das mehrmals am Tag. Man ist, was man isst, und besonders in Eile („Mamaaa, Hungeeer!“) oder auf Sparkurs ist man versucht, billig, eintönig und schnell zu essen. Zumal das Kochen auf begrenztem Raum und mit begrenzten Mitteln für viele Menschen eine echte Herausforderung ist.

Lösung: Nicht immer dasselbe kochen, weil es beim ersten Mal geschmeckt hat. Neues ausprobieren, Zutaten neu kombinieren. Aber auch mal: Selbst belegte Sandwiches am Straßenrand essen und die nagende Supernanny im Ohr ignorieren („Aber Kinder müssen jeden Tag Obst essen, und wenigstens einmal am Tag warm, und nicht immer dasselbe…“). Die einzigen, die jeden Mittag Nudeln doof finden, sind wir Eltern.

Vier Grundregeln, die auf alle Rezepte fürs Wohnmobil zutreffen sollten:

  • Nichts kochen, was mehr als zwei Töpfe benötigt
  • Nichts kochen, was mehr als 15 Minuten kochen, backen oder dämpfen muss (statt selbst gekochter Fleischbrühe muss zum Beispiel ein Brühwürfel reichen, Zutaten sollten immer so klein wie möglich geschnitten werden und langes Ziehen bei Restwärme reicht für Reis usw. völlig aus!)
  • Nichts kochen, was zu aufwändigem Abwasch (Schrubben oder Gekleister) führt
  • Nichts kochen oder braten, was stark spritzt oder riecht

Ansonsten ist eigentlich alles wie immer, nur etwas enger. In unserem Vier-Personen-Campervan gab es zwei Gasherdplatten mit einer Propangasflasche, die wir bei täglichem Kochen innerhalb von zwei Monaten genau einmal an einer Tankstelle auffüllen lassen haben – zu einem Preis, der neben dem Geld für das Benzin auf der Quittung überhaupt nicht ins Gewicht fiel. (Will heißen: Ich kann mich ums Verrecken nicht erinnern, was das Gas gekostet hat.) Daneben hatten wir eine Mikrowelle, die aber nur nutzbar war, wenn das Wohnmobil an eine externe Stromquelle angeschlossen war, und die daher zu 99 % der Zeit als Schrank diente. Der 80-Liter-Kühlschrank mit kleinem Gefrierfach war für uns vier gerade so ausreichend, zog bei dem sehr warmen Sommerwetter aber auch gewaltig Strom und gab auch mehrmals seinen Dienst auf. Lebenswichtige Medikamente hätte ich darin nicht lagern wollen …

Als Ess- und Arbeitsflächen dienten ca. 0,4 m2 auf der Anrichte plus der aufstellbare schmale Tisch sowie bei schönem Wetter der zusätzlich anzubringende Außentisch. Es war eng, ja, das muss ich zugeben.


Aber nicht vergessen: Das Tolle am Kochen auf Reisen ist ja, dass man „es“ überall „tun“ kann! Das bedeutet: Statt der Herdplatte im Autoinneren kann man auch hochromantisch die Feuerstelle oder den BBQ-Grill auf dem Campingplatz zum Braten und Grillen nutzen, man kann (Feuererlaubnis vorausgesetzt!) ein eigenes Feuer am Strand entzünden oder auch ganz spießig die Gemeinschaftsküche in Beschlag nehmen – die auf neuseeländischen Zeltplätzen in aller Regel hervorragend bestückt ist und wo sich außerdem häufig von anderen Reisenden gespendete Grundnahrungsmittel und Gewürze und gemütliche Sitzgelegenheiten finden. Die eine oder andere Bekanntschaft macht man beim gemeinsamen Kochen und Essen auch sehr schnell.

Die All-Time-Favourites in unserer Familie waren und sind, aufgereiht nach der Dauer der Zubereitung:

  • Couscous mit viel Petersilie und Gemüse des Tages oder Rosinen und Äpfeln (mitunter bekannt als Tabouleh) – Couscous mit kochendem Wasser übergießen, ca. 5 Minuten ziehen lassen, Zutaten einrühren (evtl. kurz anbraten)
  • Grießbrei mit Butter, Apfelmus oder Obst aus dem Glas – Grieß in kochende Milch einrühren und ca. 3 Minuten ziehen lassen
  • Salat! Alle Gemüsevorräte zusammenschnippeln, Essig bzw. Zitronensaft und Öl drüber, salzen und pfeffern – dauert 5 Minuten
  • Tomatensuppe, wahlweise mit Nudel- oder Reiseinlage – ca. 5 Minuten, Reis länger ziehen lassen
  • Nudeln mit Pesto (welches man fertig im Glas kauft und einfach in die Nudeln rührt) – Nudeln ca. 7 Minuten kochen
  • Nudeln mit Tomatensauce und Käse, zu verfeinern mit Gemüse des Tages, Wurstwürfeln, Dosenfisch, you name it – Nudeln ca. 7 Minuten kochen, Zutaten für die Sauce genauso lange anbraten und köcheln lassen
  • Reis mit Gemüse, zu ergänzen mit Fleisch, Ei oder Meeresfrüchten, alles zusammen angebraten – Reis ca. 10 Minuten kochen und nachziehen lassen; der Hit für Kinder wird es, wenn man den Reis anschließend zu Bällchen formt und mit Fingern isst!
  • Kartoffeln mit Butter und Quark – Kartoffeln ca. 15 Minuten kochen (in kleine Stückchen geschnitten geht es schneller)
  • Kartoffelbrei mit Spiegelei, Rührei oder Bratwurst (Vorsicht, neuseeländische Bratwurst ist ein No-Go!!) – Kartoffeln ca. 15 Minuten kochen, danach ca. 5 Minuten stampfen und Eier braten
  • Selbst gesammelte „green lipped mussels“ in Weißweinsauce dünsten – ca. 15 Minuten
  • Fleisch, Fisch, Kumaras, Kürbisse und/oder Meeresfrüchte auf dem kostenlosen BBQ grillen – ca. 20 Minuten für die ganze Prozedur (Grillgut vorbereiten, BBQ putzen und aufheizen, Grillgut braten)
  • Stockbrot am Lagerfeuer braten – ca. 5 Minuten Teig anrühren, ca. 20 Minuten Teig ziehen lassen, ca. 20 Minuten Feuer bauen und durchglühen lassen, ca. 15 Minuten Teig braten (in der Glut können gleichzeitig Kartoffeln, Kumaras und/oder Sardinen geröstet werden, aufgespießte Würste braten schneller als das Stockbrot)

Na dann: E kai ra!

8 Kommentare

  • Sag mal, ist es denn wahr, dass Gemüse in N. Z. sehr, sehr teuer sein soll? Habe eine Frau getroffen, die letzten Winter dort war und die sagt, dass eine Salatgurke (weil die wohl importiert werden?) sage und schreibe umgerechnet 5 Euro kosten soll … wie ist da Eure Erfahrung?

    • Also, das kann ich nicht bestätigen. Es ist halt so wie in D auch: Importierte Sachen, die in NZ grad keine Saison haben, sind teuer. Auf die kann bzw. sollte man aber sowieso eher verzichten (Nachhaltigkeit, gell?). Mais, Möhren, Kartoffeln usw. aus NZ sind nicht billiger, aber auch nicht teurer als bei uns.
      Und wenn dann Erntezeit ist… fühlt man sich wie im Paradies. Obst und Gemüse werden einem dann von den Straßenrändern quasi nachgeworfen 😉 Allein die Erinnerung an die Säcke voller reifer Avocados für 2,50 NZ$ lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen…

  • […] auch gern mal ein bisschen Luxus – oder hat schlicht keine Zeit und Lust, die Lütten selbst zu verköstigen. „Richtige“ Restaurants haben wir uns mit Blick aufs Budget seufzend gespart, obwohl die vielen […]

  • wir haben uns schon im sommerurlaub dazu eine liste gemacht:
    einen tag mexikanisch „richtig“ mit tortillas und allem, am andern dann den rest chili mit reis
    einen tag nudeln mit sauce, am andern dann nudelauflauf
    usw usw
    lachsnudeln gehen auch superschnell und brauchen nur eine pfanne
    und für die kinder natürlich: Milchreis!!!

    • Oh, Milchreis… Ich selbst hasse den ja leidenschaftlich. Und irgendwie war es in diesem Urlaub immer ich, die an dem Tag Abwaschdienst hatte. Es gibt echt nur eine Sache, die ich schlimmer finde als Milchreis essen: nämlich, einen Milchreistopf abzuwaschen. Würgs 😉

    • ich kanns eben auch nicht ausstehen! aber für die Kinder ists Freudentag und meist bleibt sowenig im Topf, dass das Abwaschen kein Problem mehr ist. Wobei, das Geschirr im Camper ist ja schon nicht ganz das wahre… hab die eigene Bratpfanne deswegen schon eingepackt, damit ich nicht immer auf den Resten der Vormieter kochen muss.

  • Kochen in einem Wohnmobil kann schon eine ganz schöne Herausforderung sein. Ich habe diese Erfahrung schon öffter gemacht. Es macht zwar spaß, ist aber auch anstrengender als zu Hause. Meistens habe ich das Problem das ich die Hände voll haben und keinen richtigen Platz zum Abstellen finde. Aber das gehört auf einer Reise einfach dazu. Die Rezepte werde ich mir auf jeden Fall merken. Die könnten Hilfreich sein für die nächste Reise.

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