Rund ums Wohnmobil

Gebrauchsanweisung: Wie miete ich den perfekten Familien-Campervan?

Der Sommer in Neuseeland steht in voller Pracht und tausende Touristen sind wieder per Wohnmobil auf den Inseln unterwegs. Allen Familien, denen die Freude einer Neuseelandreise noch bevorsteht, wollen wir bei der Wahl des idealen Campervans helfen – auf welche Kriterien muss man achten?

Ein Wohnmobil zu mieten, ist in Neuseeland nicht wesentlich günstiger als in Deutschland: In Neuseeland würde man für ein viersitziges Wohnmobil für drei Wochen im Dezember 2013 zwischen 2.900 und 7.000 NZ$ bezahlen. Würde man in derselben Saison, also drei Wochen im Juli 2013, in Frankfurt oder Berlin ein Wohnmobil leihen, käme man auf ganz ähnliche Preise.

Trotzdem ist das Wohnmobil als Fortbewegungsmittel in Deutschland selten, für viele Neuseelandreisende dagegen geradezu Pflicht – und es macht ja auch ungleich mehr Spaß auf den leeren und schönen Straßen „down under“.

Wir schauen uns die sieben wichtigsten Kriterien an, die ihr bei der Miete bedenken solltet:

  • Mietzeitpunkt und -dauer
  • Größe
  • Fahrzeugtyp und -alter
  • Sitzplätze
  • Komfort
  • Ausstattung
  • Kleingedrucktes

Campervan View Lake Wakatipu

Mietzeitpunkt und -dauer

Dass während der Hochsaison nahezu alles teurer ist, versteht sich eigentlich von selbst. Beim Mieten eines Campervans über mehrere Wochen kann der Zeitraum, für den die Buchung erfolgt, leicht einen Preisunterschied von 1.000 Euro ausmachen – was heißt, dass man bei Reisen in der „Shoulder Season“, also von Oktober bis Mitte Dezember und von Mitte Februar bis April, viel sparen kann. Wollt ihr noch mehr sparen und im Winter durch Neuseeland reisen, achtet bei der Wahl eures Campervans auf Teppichboden, einen (unabhängig von Stromversorgung) beheizbaren Innenraum und vor allem Dämmung der Wände. Winterfeste Reisende zahlen nur noch ein Viertel der High-Season-Preise.

Genauso wichtig wie der Zeitpunkt ist die Dauer der Miete, denn interessanterweise wird der Tagessatz mit zunehmender Länge der Vermietung niedriger und nahezu alle Vermieter bieten Rabatte für Long Term Rent an. Wenn ihr allerdings mehr als zwei Monate unterwegs sein wollt, kann es günstiger sein, direkt ein gebrauchtes Motorhome zu kaufen und am Ende wieder zu verkaufen – hier heißt es rechnen und überlegen, wie viel Zeit und Nerven ihr in so eine Aktion investieren wollt und könnt.

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Das gilt verschärft für Campervans. Wer sechs bis neun Monate vor der Abreise bucht, kann mehrere tausend Dollar sparen. Aber nicht nur das: Für Familien gibt es nicht allzu viele passende Modelle, und die sind schnell weg!

Ein letztes wichtiges Kriterium ist die Richtung eurer Reise: Neuseelands Geografie macht eine Rundreise nicht unbedingt nötig und durch die dann doppelt nötige Überfahrt mit der Fähre auch unnötig teuer (eine Strecke kostet je nach Saison schon mal 300 NZ$). Geschickter ist es, wenn ihr von Auckland nach Christchurch fahrt oder umgekehrt. Während Vermieter wie Britz für One-way-Fahrten einen Aufschlag von 250 NZ$ berechnen, ist das bei Wilderness Motorhomes kostenlos.

Da sich bei kleineren Vermietern oft zu viele Fahrzeuge am Endpunkt (das ist meist Christchurch) „ansammeln“, kann es sogar vorkommen, dass One-way-Mieten in die andere Richtung wesentlich günstiger angeboten werden, um das Verhältnis wieder auszugleichen. Checkt am besten beide Richtungen, bevor ihr euren Flug bucht.

Ist größer gleich besser?

Nein! Klarer Nachteil sind natürlich die Kosten, aber ein größeres Modell ist nicht nur aus Budget-Gesichtspunkten nicht automatisch besser. Für die Wahl eines kleineren Campervans sprechen dessen bessere Fahr- und Manövrierbarkeit, das einfachere Finden eines Parkplatzes (bzw. überhaupt der Zugang zu Tiefgaragen und überdachten Einfahrten!) und die erlaubte Reisegeschwindigkeit: Fahrzeuge über 3,5 t dürfen in Neuseeland maximal 90 km/h fahren, alle anderen immerhin 100 km/h.

Und auch auf den langsameren Strecken seid ihr mit einem schnittigen, kleineren Fahrzeug oft besser dran: Viele „Scenic Roads“ sind einspurig, eng, kurvig und unübersichtlich. Die Wirkung der teils heftigen Seitenwinde und der schlechten Straßen auf ein großes, unbeholfenes Wohnmobil (oft mit ebensolchem Fahrer) ist schließlich ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Auf Gravel Roads fährt es sich mit kleineren Campervans besser

Auf Gravel Roads fährt es sich mit kleineren Campervans besser

Fahrzeugtyp und -alter

Der durchschnittliche Leser der ADAC Motorwelt weiß, dass europäische Qualitätsmarken wie Fiat oder Mercedes bessere Leistungsparameter haben als asiatische Modelle wie Toyota oder Mazda. Ein größerer Motor, eventuell mit Turbo, der mit günstigerem Diesel betrieben wird, bessere Straßenlage und Sicherheitsmerkmale wie ABS, Airbags und ESP kosten natürlich auch mehr.

Ebenso entscheidend für den Preis und die Sicherheit ist das Alter des Wohnmobils. Logisch: Je älter ein Auto und je mehr Kilometer es auf dem Buckel hat, desto anfälliger ist es für Pannen. Die meisten „großen“ Vermieter bieten Fahrzeuge an, die entweder neu sind (KEA, Maui, Jucy oder United) oder bis zu sechs Jahre alt (Britz, Alpha oder Apollo) und weniger als 200.000 km auf dem Tacho haben. Wir empfehlen die zweite Kategorie; die Fahrzeuge werden regelmäßig gewartet und sind so robust, dass hier in der Regel wenig zu meckern ist.

Aber auch das Mieten eines älteren Fahrzeugs kann sich lohnen. Einige Vermieter wie Mighty oder Lucky Rentals bieten erfolgreich speziell solche älteren, meist von anderen Vermietern übernommenen Fahrzeuge an. Die Vorteile, neben dem niedrigeren Preis: Meist muss keine Kaution für die Selbstbeteiligung im Schadensfall hinterlegt werden und es gibt keine Altersbeschränkung für den Fahrer (während die meisten anderen Vermieter nur an über Zwanzigjährige vermieten).

Sitzplätze

Offensichtlich ist die Zahl der Sitzplätze für Familien entscheidend. Die meisten müssen nach Fahrzeugen mit vier Plätzen Ausschau halten, wo die Kinder im Fonds sitzen – entweder direkt hinter den Eltern (in den größeren Wohnmobilen) oder ganz hinten (in den kleineren und günstigeren Campervans). Das wiederum mag mit älteren Kindern gut funktionieren, für ein Kleinkind, dessen Schnuller ständig aufgehoben werden muss, ist es völlig ungeeignet.

Ein Campervan, der dem Baby-Kriterium entspricht, ist zum Beispiel der Flip Top mit vier Plätzen von Kea oder der Koru 2 Berth von Wendekreisen; ansonsten gibt es fast nur große Sechssitzer von Kea und Maui, bei denen zwei der Rücksitze weiter vorn sind.

Die Suchmasken vieler Wohnmobil-Verleihe bieten die Wahl zwischen Zwei-, Vier- und Sechssitzern – was aber, wenn ihr nur ein Kind mitbringt? Unser Tipp: Schaut erst einmal nach Zweisitzern; viele von diesen Modellen haben nämlich einen dritten „Notsitz“ zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Hier kann ein Erwachsener auf dem (in der Regel etwas höheren und nur mit Bauchgurt ausgerüsteten) mittleren Sitz Platz nehmen, während auf dem Beifahrersitz mit Dreipunktgurt ein Kindersitz Platz findet. Das ist verkehrsrechtlich nicht verboten, aber fragt lieber nach – einige Hersteller verbieten nämlich, dass Kinder unter acht Jahren vorn sitzen.

Eine weitere Option ist ein Spaceship – das ist sozusagen die Sparvariante eines Campervans mit einer Ausstattung nahe Null, aber der Wendigkeit eines normalen Autos. Hier kann ein Kind in einem Baby- oder Booster Seat direkt hinter den Eltern sitzen – ihr müsst euch dann aber auch zu dritt das Doppelbett teilen. Weil hier alles wirklich sehr, sehr eng ist, würde ich so etwas aber nur für Kurztrips empfehlen.

In die Buchungsmaske der Camperboerse könnt ihr unverbindlich eure Daten eingeben und die günstigsten Angebote der zehn größten Vermieter anschauen. (Und wenn ihr eure Buchung dann über die Camperboerse vornehmt, bekommen wir auch ein Stück ab … danke!)

Wie man sich bettet…

Schlafen im Wohnmobil kann sich wie im Hotel anfühlen – oder wie im Iglu-Zelt. Wenn ihr auf Platz und Komfort verzichten könnt, bieten kleinere Modelle ausklappbare Betten auf zwei Etagen, die ihr tagsüber zum Tisch umfunktionieren oder anderweitig verstauen könnt – bei einigen Fahrzeugen klappt sich auch das Dach hoch oder die Kofferraumhaube auf, um genug Raum zum Schlafen zu bieten. Beim klitzekleinen Jucy Choppa wird sogar eine Schlafkabine auf das Dach „aufgesetzt“.

Britz Toyota Voyager

Beim Britz Toyota Voyager sollen zwei Passagiere auf einer zweiten Ebene unterm Dach schlafen. SEHR eng.

Mehr Komfort und „richtige“ Betten findet ihr in den größeren Modellen, wo meist zwei Personen in einem festen Alkoven über der Fahrerkabine schlafen und weitere im hinteren Bereich auf einem Doppel- oder Etagenbett. Diese „Straßenmonster“ sind für alle Familien mit mehr als zwei Kindern sowieso Pflicht, weil ihr sonst null Bewegungsraum im Fahrzeuginneren habt, was binnen Stunden zum Eklat führen wird. Mal ganz abgesehen vom Stauraum, dessen Bedeutung ihr ebenfalls nicht unterschätzen solltet, und der Möglichkeit, Kinder sehr verschiedenen Alters zu unterschiedlichen Zeiten schlafen zu legen.

Besonders bei schlechtem Wetter ist es außerdem ideal, wenn ihr von der Fahrerkabine in den Innenraum kommt, ohne aussteigen zu müssen – das erkennt ihr an den Grundrissplänen.

Dieser Viersitzer von Alpha hat sogar Platz für 3 Kinder!

Dieser Viersitzer von Alpha hat sogar Platz für 3 Kinder!

Tipp: Schaut euch die Beispielbilder und Grundrisspläne der Modelle an, die ihr interessant findet, und achtet dabei auf freie Grundfläche, also alles, was im Fahrzeuginneren nicht durch Betten und Tische eingenommen wird. Die Möglichkeiten zum Verstauen sind hier leider meist schlecht zu erkennen.

Sucht hier nach Bewertungen von Kunden oder fragt gezielt nach Erfahrungen mit dem Modell eurer Wahl – wie unsere eigene Erfahrung gezeigt hat, bedeutet ein größeres Fahrzeug nicht unbedingt mehr Stauraum.

Britz Toyota Voyager Interior

Ausstattung

Hier gilt ganz klar: Jede Bequemlichkeit kostet extra. Am günstigsten fahrt ihr daher mit den kleineren Kastenwagen, die bei einigen Verleihern „custom made“, also selbst zum Wohnmobil umgebaut wurden. Die Ausstattung beschränkt sich hier auf eine Kochgelegenheit mit Gasflasche, einen kleinen Wassertank und einen Kühlschrank. Alles, was darüber hinausgeht, sollte kritisch geprüft werden: Braucht ihr unbedingt eine Mikrowelle, einen DVD-Player oder Air Conditioning im Innenraum?

Die Frage der Toilette ist ebenfalls zu bedenken: Günstiger ist es allemal ohne Bordtoilette und -dusche, die außerdem Platz im Innenraum wegnehmen. Wollt ihr allerdings öfters mal Freedom Camping machen, ist ein „self contained vehicle“ in der Regel Pflicht; zu erkennen an einer grünen Plakette im Fenster. Ein Kompromiss kann hier eine portable Campingtoilette sein, die ihr auf Verlangen brav vorzeigen könnt.

Tipp: Bei Wendekreisen sind alle Fahrzeuge fürs Freedom Camping zertifiziert, auch die kleinsten Budget-Modelle!

Eine Duschkabine macht eigentlich nur Sinn, wenn ihr schlank genug seid, um überhaupt darin duschen zu können, wenn der Wassertank genug fasst (man braucht ca. 10 Liter pro Minute zum Duschen; rechnet selbst aus, wie viele Familienmitglieder dann in den Genuss kommen) und/oder wenn ihr oft auf Campingplätzen übernachtet, die nur eklige oder Kaltwasserduschen bieten (und das dürfte die Minderheit sein).

Das Kleingedruckte

Fies, aber heutzutage überall normale Geschäftspraxis: Viele Anbieter ködern mit superdupergünstigen Preisen, Frühbucherrabatten und Preisnachlässen für Long Term Rent ab drei Wochen – aber wenn ihr dann begeistert bucht, kommen plötzlich viiiele kleine Extraposten auf den Mietpreis drauf.

Als da wären: One-way-Aufschlag, Aufschlag für einen zweiten Fahrer, Miete von Kindersitzen, Elektroheizern und Schneeketten (im Frühling und Herbst zu empfehlen!), Campingmöbeln, einer vollen Gasflasche, Bettwäsche, Aufschlag für Kreditkartenzahlung usw. Wenn dann diese ganzen Kosten nicht gleich anfallen, sondern erst bei der Schlüsselübergabe fällig werden, kann der Urlaub mit einem miesen Geschmack im Mund starten.

Aufgepasst heißt es vor allem bei den sogenannten All-inclusive-Preisen (auch Bonus-Pack oder neuerdings das noch teurere „No worries Cover“ von Britz): Hier sind dann für eine deutlich höhere Tagesmiete alle Extras aus dem Standardprogramm inklusive und die Hinterlegung einer Kaution für die Selbstbeteiligung (das sind bis zu 7.500 NZ$, die für die Dauer der Miete tatsächlich von der Kreditkarte abgebucht werden!) fällt günstiger aus oder ganz weg.

Besonders für sicherheitsliebende Deutsche („Na ja, es könnte ja wirklich was passieren…“) ist so etwas verlockend, in aller Regel wird es aber wesentlich teurer sein als die Miete zum Standardpreis. Wie man sich eventuell trotzdem im Schadensfall absichern kann, erzähle ich hier.

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