Gut zu wissen

Gefährliches Neuseeland: „Creepie Crawlies“, Großvieh und Keime

Und weiter geht es mit unserer gruseligen, aber notwendigen Aufklärungs-Reihe. Nach den Naturkatastrophen, den bösen Menschen und den giftigen Pflanzen schauen wir uns nun die Fauna an: Entgegen der verbreiteten Meinung gibt es nämlich doch giftige und/oder gefährliche Tiere in Aotearoa.

Creepie Crawlies gibt's in NZ zur Genüge

Creepie Crawlies gibt’s in NZ zur Genüge

Zugegeben, es sind nicht viele – schon mal gar nicht im Vergleich zum Nachbarland Australien. Aber einer kleinen Zahl von Land- und Seebewohnern Neuseelands sollte doch mit Vorsicht begegnet werden. Einige verursachen nur ein wenig Unwohlsein, andere können aber so richtig fiese Vergiftungen hervorrufen. Jedes Jahr gibt es einige wenige Vergiftungsfälle in Neuseeland – und zu denen wollt ihr sicher nicht gehören.

Nervig bis eklig: Krabbelviecher aka „Creepy Crawlies“

Preisfrage: Welches sind die einzigen Landlebewesen in Neuseeland, die Menschen so richtig gefährlich werden können?

Antwort: Bienen und Wespen – und auch die nur für Allergiker.

Sehr nervige und lästige Krabbelviecher gibt es jedoch reichlich: Da wären zum einen die berühmt-berüchtigten Sandflies, aber auch Moskitos hat es in Neuseeland reichlich. Diese kleinen Biester sind nicht giftig und übertragen auch keine Krankheiten, aber ihre Stiche können einerseits zu allergischen Reaktionen führen und sich andererseits durch Aufkratzen enorm entzünden.

Auch Spinnen gibt es in Neuseeland – wobei die größeren Exemplare zum Glück harmlos sind. Mit Vorsicht begegnen solltet ihr nur drei Arten:

  • Die einheimische Katipo-Spinne ist so selten, dass ihr sie wahrscheinlich nicht sehen werdet; Chancen habt ihr in Küstenregionen, wo die Spinnen nahe der Brandungszone in vom Meer abgewandten Sanddünen leben. Gebissen wird man in der Regel nur, wenn man sich aus Versehen auf eine Katipo draufsetzt.
  • Die Rotrücken-Spinne wurde aus Australien eingeführt; seit den 1980ern breitet sie sich immer weiter aus und Bisse sind inzwischen so häufig, dass ihr ein Gegengift frei verkäuflich in den meisten Apotheken finden werdet.
  • Schließlich könnt ihr euch von der seltenen und ebenfalls aus Oz eingeschleppten „Whiteback“-Spinne schmerzhafte Bisse holen – diese Spinne lebt am liebsten in menschlichen Behausungen und ist dort vor allem in Betten, Handtüchern oder Kleidungsstücken zu finden – wahh!

Bissig und wegen ihrer Größe gruselig, aber vollkommen ungiftig sind zum Schluss noch die Giant Wetas – diese gigantischen Heuschrecken beißen gern mal in einen Finger, der ihnen zu nahe kommt.

Nicht giftig, aber gruselig: die Giant Weta

Nicht giftig, aber gruselig: die Giant Weta

Unsichtbare Gefahr: Parasiten und Gift

Hier fallen mir – abgesehen von E.coli und den üblichen Verdächtigen, wegen denen man sich vor dem Essen die Hände waschen sollte – vor allem zwei Übeltäter ein:

Allerorten wird vor den Giardia-Parasiten gewarnt, die im Wasser von Flüssen enthalten sein können. Je abgelegener und kleiner ein Flüsschen und je waldiger das Quellgebiet, desto unwahrscheinlicher ist ein Befall mit Giardia; unbedarfte Touristen auf Wanderschaft sollten vorsichtshalber überhaupt nicht aus Flüssen trinken. Diese Warnung haben wir nicht beachtet – wenn man halt Durst hat und die Trinkflasche leer ist…?

Eine weitere Gefahr sind Amöben, die Hirnhautentzündung hervorrufen können, wenn sie über Nase oder Ohren in den Körper eindringen. Diese Viecher leben im Wasser von Thermalquellen und -flüssen, wo man häufiger auf Warnschilder trifft, die daran erinnern, den Kopf über Wasser zu halten. Das Risiko für „amoebic meningitis“ ist zwar sehr niedrig, aber im Fall des Falles verläuft diese Erkrankung tödlich. Taucht ihr aus Versehen den Kopf ins heiße Wasser, solltet ihr daher gründlich die Nase putzen!

Hier sind sie drin: fiese kleine Amöben (im Hidden Valley/Orakei Korako)

Hier sind sie drin: fiese kleine Amöben (im Hidden Valley/Orakei Korako)

Eine weitere, eher für Hundebesitzer und neugierige Kleinkinder reale Gefahr in Neueeland geht nur mittelbar von einem Tier aus: Gegen das knuddelige, aber nicht in Neuseeland gewünschte Possum (wir berichteten …) werden in abgelegeneren Gegenden Giftköder ausgelegt bzw. von Hubschraubern abgeworfen; dieses sogenannte „1080“ kommt in leuchtend blauen Pellets daher, aber davon lassen sich neugierige „Alles-in-den-Mund-Stecker“ eventuell nicht abschrecken. Aufklärung vor der Wanderung ist hier angesagt, spätestens wenn ihr auf ein Hinweisschild des DOC trefft!

Gefahr aus dem Meer

Rund um Neuseeland tummeln sich einige giftige Quallenarten im Wasser, deren Tentakel man möglichst meiden sollte. Neben der „spotted jellyfish“ und der „lion’s mane jellyfish“ gibt es noch die „Bluebottle jellyfish“ und ihre große Verwandte, die Portugiesische Galeere („Portuguese Man-of-War jellyfish“). Diese beiden Kandidaten können mit ihrem Nesselgift sehr schwere Verbrennungen hervorrufen; tödlich sind sie allenfalls für kleine Kinder oder kranke Menschen, weil der allergische Schock ihr Kreislaufsystem überlasten kann.

Der/die (?) Bluebottle Jellyfish, eng verwandt mit der tödlichen Portugiesischen Galeere (c) Flickr/Carol Green

Der/die (?) Bluebottle Jellyfish, eng verwandt mit der tödlichen Portugiesischen Galeere (c) Flickr/Carol Green

Generell solltet ihr Quallententakel, die Brennen oder rote Quaddeln auf der Haut hervorrufen, schnell mit möglichst heißem Salzwasser abwaschen und einen Arzt aufsuchen, wenn das Brennen länger anhält, die Quaddeln sich entzünden oder ein allgemeines Krankheitsgefühl dazukommt.

Weitere, zumindest potenziell gefährliche Wassertiere sind Stachelrochen: Sie sind tatsächlich giftig und finden sich in flachen Buchten und Flussmündungen – zu Verletzungen kommt es jedoch in der Regel nur, wenn man aus Versehen auf sie drauftritt.

Eindrücklich schwarz-gelb gefärbt und richtig giftig sind Seeschlangen, die ihr höchstwahrscheinlich nicht und wenn, dann nur auf der Nordinsel antreffen werdet. Seht ihr eine, dann heißt es Hände weg! 90 Prozent aller Todesfälle durch Seeschlangenbisse geschehen beim Versuch, die Viecher zu fangen (die scheinen zu schmecken).

Nicht giftig, aber durchaus gefährlich können Robben und Seelöwen werden, wenn man ihnen zu nahe kommt oder vom Zugang zum Meer abschneidet. Diese Tiere sind in Neuseeland nicht menschenscheu; dass sie ihr Revier bereitwillig und schnell verteidigen und dabei auch auf Schwimmer und Spaziergänger losgehen, haben wir selbst erlebt. Gerade mit kleinen Kindern solltet ihr auf Strandspaziergängen immer die Augen offen halten und auf penetranten Fischgeruch achten. Ein Sicherheitsabstand von zehn Metern sollte immer eingehalten werden, wenn ihr auf Robben oder Seelöwen trefft.

Ein Seelöwe am Strand - da macht man besser einen Umweg

Ein Seelöwe am Strand – da macht man besser einen Umweg

Zuguterletzt das Schlimmste, was passieren kann: ein Hai-Angriff. In Neuseeland passiert so etwas zwar sehr selten, aber es passiert – und immer wieder kommt es dabei zu Todesfällen. Schluck.

Zum Schluss noch eine viel realere, weil wesentlich häufigere Gefahr aus Neuseelands Gewässern: vergiftete Muscheln. Die werden nicht etwa mit Absicht vergiftet und sind auch nicht aufgrund von schlechter Lagerung verdorben; der Auslöser sind meist Kontaminationen des Wassers, das von den Muscheln gefiltert wird. Bakterien, Viren oder Biotoxine (zum Beispiel nach Algenblüten) sammeln sich dann in den Viechern an, die vom Menschen gern gepflückt und nur kurz gekocht oder gar (wie bei Austern) roh gegessen werden.

Immer wieder sieht man daher an Stränden große Schilder, die vor dem Sammeln und Verzehren der ansässigen Muscheln warnen; in Tageszeitungen sind „shellfish contamination“-Warnungen und -Entwarnungen eine gängige Rubrik. Wer sich nicht daran hält, der kann mit Durchfall bis hin zum Tod bestraft werden. Also:

Warnschilder in Neuseeland besser beachten!

4 Kommentare

  • Hallo,

    ich plane im Sommer nach Neuseeland zu reisen, um dort ein Praktikum zu machen. Ich bin recht kindisch, was Spinnen betrifft, daher verzeih(t) mir die Frage, aber: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich diesen drei besagten Spinnen begegnen werde, wenn ich mich die meiste Zeit in Auckland aufhalte?

    Liebe Grüße und danke für den netten Artikel.

    • Liebe Jacqueline, ganz ehrlich – ich würde sagen, die Wahrscheinlichkeit tendiert generell gegen Null, vor allem aber in einer Großstadt. Sag uns Bescheid, wenn du doch eine gesehen hast!

  • Wenn ich mir die Bilder so anschaue, bekomme ich einen Schauer, finde es aber auch interessant. Besonders der Jellyfisch sieht ziemlich außergewöhnlich aus. Da bin ich froh, dass ich solche Tiere hier nicht habe ^^

    • … und ausgerechnet dieser Jellyfish kommt auch recht häufig an Mittelmeer- und Atlantikstränden vor 😉

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