Gut zu wissen

Vorsicht Gift: Gibt’s auch in Neuseeland!

Oft als einer der ersten Gründe pro Neuseeland wird dieser angebracht: „Da gibt es gar keine giftigen Tiere!“ Das stimmt nicht so ganz – angeblich lebt irgendwo unter einem Busch die erbsengroße Katipo-Spinne, an deren Biss allerdings noch niemals jemand gestorben ist – und außerdem wird dabei übersehen, dass es ja auch noch Pflanzen gibt. Hier sind durchaus einige Kandidaten gefährlich.

(c) FlickR/Murray Williams

(c) FlickR/Murray Williams

Keine Angst – auch an Pflanzenvergiftungen sterben nur wenige Menschen in Neuseeland, aber immerhin werden jährlich etwa 75 Behandlungen im Krankenhaus deswegen nötig. Meist sind das Kinder, die Gartenpflanzen gegessen oder berührt haben.

Während in Neuseelands Gärten über 80 mehr oder weniger giftige Kulturpflanzen wachsen, die allesamt eingeführt und den meisten Europäern daher bekannt sind, wenden wir uns hier der überschaubaren Zahl der einheimischen Giftpflanzen zu. Das sind insgesamt nur neun, und sie werden auch nur für sieben Prozent der Vergiftungsfälle verantwortlich gemacht.

Die Tödlichen: „Tree Tutu“ und „Ongaonga“ alias Baumnessel

Tree tutu (Coriaria arborea) ist eine kleine Pflanze, die im ganzen Land vorkommt, vor allem an Waldrändern und Wasserläufen. Alle Teile der Pflanze bis auf ihre Blütenblätter sind giftig. Das enthaltene Tutin greift das Zentralnervensystem an und verursacht Krämpfe und Atemnot, die zum Tod führen können – so geschehen zuletzt 1989.

Die coolen Maori brauen aus Tree Tutu übrigens alkoholische Getränke und kochen aus den Früchten Pudding – wobei sie die giftigen Samen heraussieben.

Tree Tutu (c) Wikimedia Commons/Rudolph89

Tree Tutu (c) Wikimedia Commons/Rudolph89

Die Baumnessel (Urtica ferox) macht es wie alle Nesseln und wirft bei Berührung stechende Härchen ab, die das Gift in die Haut des Opfers bringen. Wer sich in diese Nessel setzt, erlebt binnen einer Stunde Schwierigkeiten beim Laufen und Atmen, bis hin zum Verlust der Sehfähigkeit.

Die Pflanze wächst in Küstenregionen und in regenerierendem Strauchland bis zu 600 Meter über dem Meeresspiegel; meist bildet sie dichte, bis zu zwei Meter hohe Gestrüppe, in denen der Rote Admiral (ein Schmetterling) nistet.

Zuletzt starb 1961 ein Mann an einer Baumnesselvergiftung, der beim Wandern durch ein Nesselgestrüpp stolperte; fünf Stunden später starb er im Krankenhaus. Das war allerdings der bisher einzige verzeichnete Todesfall; alle anderen Vergifteten waren für zwei bis drei Tage sehr krank.

Ongaonga (c) Flick/NZ Alex

Ongaonga (c) Flick/NZ Alex

Nicht ganz so giftig

Diese einheimischen Pflanzen sind zwar giftig, aber es dürfte schwierig werden, davon so viel zu sich nehmen, dass man davon ernsthaften Schaden nehmen könnte.

  • Kōwhai (Sophora): die gelben Samen sind giftig, wenn man sie kaut
  • Tītoki (Alectryon excelsus): produziert giftige Zyanide
  • Ngaio (Myoporum): giftige Blätter
  • Karaka (Corynocarpus laevigatus): die orangerote Frucht enthält einen giftigen Samen
  • Poroporo (Solanum aviculare, S. laciniatum): die unreifen grünen Beeren sind giftig; aus dem reifen orangeroten Beeren wurde früher Marmelade gemacht
  • Tūrutu oder Blaubeer-Lilie (Dianella nigra): die violetten Beeren sind giftig
Kowhai (c) FlickR/hellendor

Kowhai (c) FlickR/hellendor

Im Fall des Falles

Habt ihr den Verdacht, dass euer Kind etwas in den Mund gesteckt hat, was dort nicht hineingehört, heißt es: Mundraum ausräumen, Fundstücke sichern, Mund ausspülen und sicherheitshalber Erbrechen herbeiführen. Ist der kleine Patient benommen oder gar schon bewusstlos, sofort in die stabile Seitenlage bringen und ab zum Arzt!

Wann immer möglich, solltet ihr die verdächtigte Pflanze, den Pilz oder Teile davon aufheben, damit ein Experte sie identifizieren kann.

Es gibt zwei Nummern, die ihr kennen solltet:

Mit der 111 ruft ihr den Notarzt. Es gibt auch einen speziellen Giftnotruf des New Zealand National Poisons Centre:

0800 764 766

Wir drücken allen Neuseeland-Reisenden die Daumen, dass sie dort nie anrufen müssen!

3 Kommentare

  • Ich finde hier leider keinen Hinweis zu der Tatsache, dass in manchen Teilen von Neuseeland wegen der Tutu Pflanze ab dem 1. Januar kein Honig mehr geerntet werden darf! Die Bienen sammeln den Honigtau eines Insekts das am Tutu Baum lebt. Hat dazu jemand nähere Informationen?

    • Hallo Bruno, mir ist das völlig neu (als Nicht-Imker und Nicht-Bär ist es mir aber auch ziemlich egal). Danke für die interessante Info!

  • Also optisch würde ich mir bei der Baumnessel schon gedanken machen, wenn ich nicht wüsste dass sie giftig ist, ob sie mir schadet oder nicht. Bei dem Tree Tutu würde mir das echt gar nicht auffallen, dass sie giftig ist. Da habe ich mal wieder was dazu gelernt 🙂

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