Gesundheit

„Slip, slop, slap and wrap“ – so geht Sonnenschutz in Neuseeland

Die meisten Eltern wissen heutzutage um die Gefahren direkter Sonnenstrahlen für die kostbar zarte Haut des Nachwuchses. Sonnenbaden in Neuseeland setzt den aus Europa gewohnten Verhaltensregeln allerdings noch ein Sahnehäubchen auf.

Zuerst eine wichtige Klarstellung: Neuseeland liegt NICHT, wie eine verbreitete Annahme lautet, unter dem berühmten „Ozonloch“. Vielmehr ist die Sonneneinstrahlung hier wegen der klaren, kaum verschmutzten Luft und dem geografischen Breitengrad stärker als in den meisten Teilen Europas und Nordamerikas.

Die Folge: Seid ihr länger als eine Viertelstunde im Freien unterwegs, müsst ihr eure Haut dringend schützen. Kinderhaut ist viel dünner und durchlässiger als die von Erwachsenen, sie hat noch keinen Eigenschutz vor UV-Strahlung. Jeder Sonnenbrand auf Kinderhaut ist einer zu viel, denn neben fiesen Schmerzen steigt damit das spätere Risiko für Hautkrebs und Melanome.

Between eleven and three stay under a tree.

Am Strand, auf dem Meer und im Hochgebirge (auf Schnee) wird diese Zeitspanne gern noch großzügiger ausgelegt. Zwischen elf Uhr vormittags und drei bis vier Uhr nachmittags sollte man wirklich nie ungeschützt in der Sonne herumstehen; über Mittag ist es eine gute Idee, gar nicht am Strand zu sein, auch nicht im Schatten.

Babys und Kleinkinder bis zu drei Jahren solltet ihr schließlich überhaupt niemals ungeschützt in die Sonne lassen. Wer clever ist, schützt sich und die Kids schon durch geschickte Planung: Legt Strandausflüge und Bootstouren nie auf die Mittagsstunden, hier ist eher Zeit für eine Siesta oder allenfalls einen Stadtbummel angesagt.

Auch bei wolkenverhangenem Himmel bloß nicht nachlässig werden: Die UV-Strahlung ist dann zwar schwächer, aber nur um etwa 50 %. Viele Menschen (auch wir!) überschätzen die Dicke von Wolken und bekommen trotzdem einen Sonnenbrand. Bei aufgelockerter Bewölkung, wenn die Sonne ab und zu zwischen den Wolken hervorkommt, kann die UV-Strahlung sogar noch höher sein als bei blauem Himmel, weil die weißen Wolken die einwirkende Sonnenstrahlung noch verstärken.

Noch wichtiger ist daher die zweite Regel:

Slip, slop, slap and wrap.

Die Cancer Society, das Sun Safety Programme und das SunSmart Health Sponsorship Council verteilen nicht nur Info-Broschüren, sondern sogar Sonnencreme in kostenlosen Spendern – Sonnenschutz in Neuseeland ist also wirklich einfach!

  • „Slip on a shirt (and/or slip into some shade)“

Der beste Schutz vor Sonne ist, abgesehen von festen Wänden, Kleidung. Je dicker und lichtundurchlässiger der Stoff, desto besser. Ein normales, dünnes Baumwollshirt hat einen UV-Schutzfaktor von immerhin 5 bis 10, ein farbiges 10 bis 20, ein nasses wesentlich weniger. Da die Sonnenstrahlen unter Wasser durch die Lichtbrechung noch verstärkt werden, solltet ihr auch beim Baden und Schnorcheln grundsätzlich Kleidung tragen.

Viel mehr Tragekomfort bietet spezielle UV-Schutzkleidung mit einem Lichtschutzfaktor von bis zu 50: Man schwitzt darin weniger, kann sich im Wasser gut bewegen und ist schnell wieder trocken. Für blasse Hauttypen (und Kinder!) gibt es langärmelige und knielange hochgeschlossene Anzüge, aber auch getrennte Shirts und Shorts. Als Top-Marke kennen und schätzen wir hier Hyphen, aber auch Decathlon und Pusblu (von DM) bieten sehr guten Schutz.

Babys, die im Kinderwagen oder auf der Picknickdecke liegen oder in der Trage hocken, könnt ihr mit UV-Tüchern* schützen.

(Schutz für empfindliche Kinderfüße bieten spezielle Badeschuhe*; neben Sonnenbrand auf den Fußrücken vermeidet ihr damit auch Verletzungen der Fußsohlen durch heißen Sand, scharfkantige Steine oder fiese Seeigel-Stacheln.)

Ergänzend zu UV-Schutzkleidung und -Hüten solltet ihr am Strand immer Schattenspender wie Sonnenschirme, Sonnensegel oder Strandmuscheln nutzen. Auch hier ist die Schutzwirkung des Schattens aber trügerisch: Ein Schirm schützt nur vor der direkten Sonneneinstrahlung von oben, der helle Sand am Boden kann noch viel UV-Strahlung von unten reflektieren! Auch im Schatten könnt ihr ohne Weiteres einen Sonnenbrand bekommen.

  • „Slop on sunscreen“

… erinnert daran, sich wirklich immer mit Sonnencreme einzuschmieren. Dabei sollte ein möglichst hoher Lichtschutzfaktor gewählt werden und es ist darauf zu achten, auch genug Creme zu verwenden: Lieber zu viel auftragen als zu wenig. Die UV-Schutzzeit kann sich durch zu wenig Creme um die Hälfte verringern! Die Faustregel heißt: Ein Teelöffel Creme fürs Gesicht, drei bis fünf für den Körper. Gut einziehen lassen und die „Sonnenterrassen“ (Ohrmuscheln, Augenlider, Nase, Schultern und Fußrücken) nicht vergessen; besonders empfindlich sind die Lippen, die keinen Eigenschutz aufbauen und auf zu viel Sonne mit Herpes reagieren können.

Spätestens nach der Hälfte der möglichen Bestrahlungszeit (das ist die individuelle Eigenschutzzeit der Haut, multipliziert mit dem Lichtschutzfaktor) sollte man aus der Sonne gehen und bereits vorher nachcremen. Auch nach jedem Baden, nach Kontakt mit Kleidung oder Handtuch muss nachgecremt werden. Wirklich wasserfeste Sonnencreme gibt es nicht, egal was draufsteht. Sonnencreme speziell für Kinder muss nicht sein, hat aber den Vorteil, dass sie in der Regel frei von Duft- und Konservierungsstoffen ist. Hautärzte empfehlen mineralische Sonnencremes mit Mikropigmenten, die nicht in den Körper eindringen und Sonnenstrahlen nur reflektieren; der Nachteil ist, dass sie mitunter als dicker weißer Film auf der Haut kleben und sich schwer verteilen lassen.

  • „Slap on a hat“

… ermahnt zum Tragen von Kopfbedeckungen im Freien; das kann ein schickes Basecap sein, ein mondäner Strohhut oder ein typisch neuseeländisches Beanie, am besten hat es natürlich eine breite Krempe, die auch Gesicht und Nacken vor Sonne schützt. Angesichts des vielerorts herrschenden Windes ist auch ein Fangriemen eine gute Idee.

  • „Wrap on a pair of sunglasses“

Genauso wichtig wie Hut und Kleidung ist Sonnenschutz für die Augen. Linsentrübungen oder Netzhautschädigungen werden oft erst Jahre später deutlich und auch am Auge kann man Krebs bekommen! Eine Sonnenbrille, die die Augenregion möglichst rundum bedeckt (auch an den Seiten!), sollte daher so oft wie möglich getragen werden. Da viele billige Kindersonnenbrillen keinen ausreichenden UV-Schutz bieten, am besten beim Kauf (in Deutschland) auf das CE-Zeichen achten!

Gebräunte Haut ist (leider) kein Zeichen von Gesundheit, sondern zeigt Schädigung durch UV-Strahlung an. Je blasser ein Kind daher ist, umso besser. So gern ihr euch selbst in der Sonne aalt: Als Eltern solltet ihr euch eurer Vorbildwirkung bewusst werden und auf gezielte Sonnenbäder verzichten.

Ist die Haut gerötet oder richtiggehend verbrannt, bedeutet das mindest einen Tag Auszeit von der Sonne – ein Sonnenbrand ist eine echte Verletzung mit langfristigen Folgen und sollte ernstgenommen und behandelt werden! Ein Mittel gegen Sonnenbrand darf in der Reiseapotheke daher nicht fehlen.

Passt auf euch auf und genießt den neuseeländischen Sommer!

10 Kommentare

  • Hallo Weltwunderfrau,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Eine Sache möchte ich aber kurz anmerken: Es gibt kein Ozonloch über Neuseeland oder Australien. Es gibt ein Ozonloch über der Antarktis was zumindest, aber nicht mehr als das, die Ozonschicht in AU/NZ beeinflusst. Ansonsten sind die UV-Werte vergleichbar mit den in Afrika oder südliches Asien. Auch die Aussage über die entsprechende Verschmutzung der Umwelt in diesen beiden Ländern ist falsch. Denken Sie mal an die vielen Jahrhunderte der Verschmutzung in Europa. Dann müsste Europa ja eine durchschnittliche UV-Strahlung von 10 haben. Neuseeland liegt so zwischen 7-9 im Sommer. In Indien oder auch Australien sind zB aktuell die UV-Werte bei 12 (von 12 natürlich). Abgesehen davon, wie würde man die lange Verschmutzung der Umwelt und des damit gesteigerten Treibhauses mit einer guten und klaren Luft erklären?

    Wie dem auch sei, danke für den Beitrag – wenn er jetzt noch angepasst wird, haben wir vielleicht eine geringe Chance den Urban Myth über ein Ozonloch über Neuseeland/Australien endlich zu begraben 😉

    Viele Grüße aus CHCH!

    • Hallo Lukas, wegen deiner ausführlichen Anmerkung habe ich gleich den entsprechenden Passus geändert. Danke!

  • liebe weltwunderer,
    vielleicht können unsere familienerfahrungen zum thema sonnenschutzkleidung hilfreich sein:
    wir schwören auf die sonnenschutzkleidung von my hyphen und haben uns für unsere NZ-reise anfang nächsten jahres damit eingedeckt.ist zwar etwas teurer,hält aber ewig und kann auch nach mehreren saisons mit salzwasser-,sonnencreme-,waschmittelkontakt noch an kleinere geschwister weiter gegeben werden. anders sah es da leider bei den aldisachen aus,die halten in der regel mal 1-2saison und sind weniger angenehm zu tragen, dafür aber natürlich viel billiger.decathlon hat auch recht günstige sonnenschutzkleider,allerdings meist nur UPF50,my hyphen ist dagegen sogar besser als der australische standard,sie haben das 801,UV80 siegel der uni hohenstein und sind stiftung warentest sehr gut getestet.das siegel hat seit dieser saison übrigens auch die dm-marke pusblu,da kostet ein kinderoberteil auch nur ca 5-10€.auch nicht schlecht sind die tchibosachen,gibts dort aktuell grade.
    liebe grüsse, sandra

    • Danke für die guten Tipps, Sandra!
      Mit den Hyphen-Sachen sind wir auch sehr zufrieden, genauso wie mit denen von Decathlon (Vietnam-erprobt!). Pusblu wird diese Saison erstmals getestet. Sooo oft werden die ja nicht getragen, man kann sie also gut von Kind zu Kind weitergeben (beim ersten Kid dann prophylaktisch besser nicht in Pink kaufen ;-)).

  • Da ich vom 01.11.-10.12.2012 mit einem KEA-Camper durch North-und South NZL fahre, lese ich mit Begeistung alles was mir unter die Finger gerät. Hier habe ich die beste Info’s bisher bekommen. Wie sieht es denn mit einem Adapter aus – wie muss der sein -, gibt es genügend Internet-Cafe’s, haben die DOC-Camps auch Einkaufsmöglichkeiten. Das würde mich noch interessieren.

    • Hallo Barbara,
      danke für das Kompliment! November und Dezember gehören mit zur schönsten Reisezeit, alles grünt, Lämmchen laufen herum und die Pohutukawa-Bäume leuchten rot… seufz. Deine Fragen beantworte ich gern:
      1) Vor dem Adapterkauf in Deutschland habe ich in der „Packliste“ bereits gewarnt, weil die häufig nicht passen. In fast jeder Stadt gibt es einen „Dick Smith“ oder „Smith City“, wo man garantiert passende Adapter für ca. 10-15 NZ$ bekommt.
      2) Internet-Cafés gibt es nur in größeren Städten und auf vielen Campingplätzen, jedoch nicht in abgelegenen Gegenden (z.B. den Catlins) und auch nicht auf DOC Campsites (mit Ausnahme von Whakapapa).
      3) Die DOC Campsites bezaubern mit Lage und Preis, jedoch nicht mit Ausstattung. Kaufen kann man da in aller Regel also nichts, es gibt auch keine Dump Station (wichtig!). In den beiden DOC-Broschüren, wo alle Campsites aufgelistet sind, ist detailliert die Ausstattung jeder Campsite verzeichnet, damit es keine bösen Überraschungen gibt.
      Gute Reise – wir lesen uns vorher sicher noch einmal 😉

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