On the road in NZ

Gravel Roads in Neuseeland – gute Fahrt!

Eine (wenigstens für den Weltwundermann) sehr sympathische Besonderheit von Neuseeland ist sein durchaus umfassendes, aber eben nicht umfassend geteertes Straßennetz. Überall, in manchen Gegenden aber besonders häufig, finden sich die sogenannten Gravel oder Dirt oder auch (warum auch immer) Metal Roads, die statt eines festen Asphaltbelags mit Splitt gedeckt sind oder schlicht aus Matsch bestehen.

Während einige Gravel Roads tatsächlich nur schlecht befahrbare Feldwege sind (besonders auf der Coromandel-Halbinsel), werden andere durchaus aufwändig gepflegt und repariert, bleiben aber dabei unasphaltiert. Paradoxerweise benötigen Gravel Roads sogar mehr Pflege als Asphaltstraßen, da durch Regen und Fahrzeuge der Belag schnell weggeschwemmt oder in fiese Spurrinnen gedrückt wird.

Ganz mies ist auch das sogenannte „washboarding“, also die Entstehung einer Waschbrettstruktur auf der Fahrbahn, die den Insassen der Autos die Zähne aus dem Kiefer klappern lässt. Wer ein loses Gebiss hat, sollte zum Beispiel von der Wanaka-Mount Aspiring-Road durch das Matukituki River Valley (die Anfahrt zum Rob Roy Valley Track) oder der Straße nach Pakiri Beach Abstand nehmen, denn die sind nur mit konstantem Durchrütteln zu bewältigen.

Einige Gravel Roads sind bei Reisenden gerade für ihre Schlechtigkeit berühmt. Der Lonely Planet überschlägt sich zum Beispiel geradezu, wenn er die gefährliche und aufregende Fahrt auf der 309 Road quer über die Coromandel-Halbinsel beschreibt. Wir können bestätigen: Ja, macht Spaß. Wenn man alles im Wohnmobil schön festgebunden hat.

Andere Gravel Roads, die eigentlich dafür sorgen, bestimmte Gegenden abgeschieden und relativ touristenfrei zu halten, werden von der Straßenbaubehörde Stück für Stück asphaltiert, wie die Whanganui River Road. Bei den meisten scheint das jedoch nicht so bald auf der Agenda zu stehen.

Auch ohne Lackkratzer und Unfälle ist das Fahren auf Gravel Roads mit Respekt anzugehen:

  • Das normale Landstraßentempo von 100 km/h ist in aller Regel nicht zu halten, man sollte mit maximal 30-40 km/h kalkulieren.
  • Die Staubentwicklung beim Fahren ist enorm; nur ein einziges Fahrzeug vor einem kann nicht nur das Tempo drastisch reduzieren, sondern auch jegliche Sicht nehmen.
  • Entgegenkommende Fahrzeuge zwingen einen an den Fahrbahnrand, der in der Regel nicht zum Befahren einlädt, und können fiese Steinchen an die Windschutzscheibe schleudern
  • Fiese Steine, Spurrinnen und Schlaglöcher ruinieren schnell das Fahrwerk, den Lack und die Bandscheiben, erhöhen die Gefahr des Wegrutschens in Kurven und des Abrutschens am Fahrbahnrand – dies besonders bei Autos mit hohem Schwerpunkt wie Wohnmobilen, die dann auch gern mal umkippen!
  • Loser Splitt kann sich am Fahrbahnrand so hoch aufschieben, dass man sich darin festfährt
  • „Ford“: Nein, hier kommt kein Ford, sondern es wartet eine Furt. Ja, wie in den Wildwestfilmen müssen in Neuseeland auch heute noch zum Teil beträchtliche Flussläufe ohne Brücken bezwungen werden. An schönen Tagen sind solche Flussdurchfahrten ein kribbeliges Abenteuer, bei oder nach Regenfällen schwellen die Flüsse aber schnell so stark an, dass Furt-Überquerungen unmöglich werden.
  • „Cattle Grids“: Diese Stab-Gitter, die nicht nur in Gravel Roads eingearbeitet sind, sollen Viehherden am fröhlichen Begehen der Straße hindern und auf dem Land des Besitzers halten. Sieht man ein Cattle Grid kommen, sollte man sofort in die Eisen gehen! Das Überqueren mit mehr als 10 km/h ist ein sicheres Rezept für sofortigen Verlust des kompletten Gebisses.

Aus diesen Gründen (und weil der schöne Lack auch viel schneller zerkratzt ist…) unterschreibt man im Kleingedruckten des Wohnmobil-Mietvertrags auch, dass man NICHT auf Gravel Roads fahren wird, ansonsten verliert man im Falle eines Schadens seinen Versicherungsschutz. (Zum Glück haben wir diese Passage erst eine Woche vor unserer Abreise gelesen, sonst hätten wir weite Teile unserer Reiseroute gar nicht erreichen können).

Ganz verboten für Wohnmobile und Mietwagen sind:

  • der Ninety Mile Beach im Northland
  • die Ball Hut Road am Mount Cook
  • die Skippers Road bei Queenstown und
  • alle Straßen nördlich von Colville auf der Coromandel-Halbinsel

Auf den meisten Straßenkarten sind Gravel Roads nicht extra markiert; man kann aber davon ausgehen, dass dünne oder gar gestrichelte Linien Straßen anzeigen, die mit Vorsicht und Geduld befahren werden sollten.

In diesem Sinne: Gute Fahrt!

1 Kommentar

  • Der Artikel ist wirklich interessant. Als ich vor 2 Jahren in Neuseeland war, habe ich das auch hautnah miterlebt. Auf manchen „Straßen“ muss man wirklich aufpassen, dass die inneren Organe auch an ihrem richtigen Platz bleiben..:D Dennoch ist Neuseeland für mich immernoch das perfekte Reiseziel und nur zu empfehlen. Die Natur dort ist einfach unübertrefflich finde ich ! (:
    Auf jeden Fall einen Besuch wert !!
    LG

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