Gut zu wissen

Großer böser Hai – in Neuseeland?!

Die Nachricht gelangte bis nach Deutschland: Ein (vermutlich) Weißer Hai hat gestern am Muriwai Beach einen Schwimmer attackiert und getötet. Am hellichten Tag, während 230 Schulkinder und andere Menschen am Strand und auf den Klippen das Drama teilweise live beobachteten – ohne etwas tun zu können. Furchtbar! Ist es überhaupt sicher, in Neuseeland im Meer zu schwimmen??

Weißer Hai! (c) steve.garner32/Flickr

Weißer Hai! (c) steve.garner32/Flickr

Das fragt sich zumindest der Weltwundermann zurzeit mit klappernden Zähnen, wenn er daran zurückdenkt, wie er beim Surfen am Muriwai Beach mitunter ganz allein hunderte Meter weit draußen im Meer war.

Tatsächlich sind Begegnungen mit Haien an neuseeländischen Küsten nicht so ungewöhnlich, wie man meinen mag:

Tödliche Hai-Attacken sind in Neuseeland sehr selten. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1837 gab es nur 15 solcher Vorfälle. Der letzte vermutete Todesfall, der einem Hai zur Last gelegt wurde, geschah im Dezember 2009 in Whangamata. Ein gekenterter Kajakfahrer wurde von einem Tier angefallen, das ein weißer Hai gewesen sein könnte; ein Gerichtsmediziner sagte allerdings aus, der Mann wäre ertrunken und eventuell erst nach seinem Tod angegriffen worden. Der letzte tatsächlich bestätigte Todesfall ist schon 37 Jahre her.

Der berühmte Weiße Hai ist an elf dieser 15 Vorfälle beteiligt gewesen – eine eindeutige Tendenz, würde ich mal sagen. Böser Hai!

Nicht-tödliche Hai-Attacken sind dagegen relativ häufig: In den letzten Jahren wurden jährlich ein bis zwei solcher Vorkommnisse verzeichnet, insgesamt sind es 44 seit 1852 (!). Zum Vergleich: Im ungefähr selben Zeitraum gab es in Europa 39 Hai-Angriffe. Moment mal: in Europa?!

Diese Zahl bezieht sich allerdings auf sogenannte unprovozierte Angriffe; logisch und nachvollziehbar ist es, wenn ein Hai sich wehrt, weil er an einem Angelhaken hängt oder mit einer Harpune beschossen wird. Das passiert gar nicht mal selten, weil Hai-Angeln in Neuseeland ein recht beliebter Sport ist.

Die Statistiken der Hai-Angriffe werden daher fairerweise getrennt ausgewertet. Und da diese Vorfälle eben nicht tödlich oder schwerverletzt ausgehen, werden sicherlich auch nicht alle gemeldet. Keine Ahnung, wie hoch hier die Dunkelziffer ist.

Ein paar Auszüge aus der Schreckensstatistik: 2012 attackierte ein Hai einen Surfer in Opunake/Taranaki (Biss ins Bein), 2011 war ein Surfer in Nelson dran (Biss in die Hand), während 2010 eine 14-Jährige in Invercargill einen Hai mit ihrem Boogieboard abwehren konnte, nachdem sie auf ihn draufgetreten (!) war (Biss in die Hüfte).

Die meisten Hai-Angriffe in Neuseeland geschehen übrigens zwischen Oamaru und der Otago Peninsula; man vermutet, dass es dort besonders viele Haie gibt, weil sie da besonders viel Beute finden. Meistens werden Menschen von Haien angegriffen, die schwimmen oder surfen, ein Viertel wird beim Schnorcheln von Haien überrascht. Es gibt aber auch Fälle, bei denen Haie Menschen angegriffen haben, die einfach im flachen Wasser standen. Von wegen, der Hai bleibt immer im tiefen Wasser!

Seit den 1960er-Jahren werden Schwimmer in Neuseeland durch Netze geschützt; in diesen Netzen wurden anfangs bis zu sechs Weiße Haie pro Jahr gefangen, seitdem gingen nur noch harmlose Tiere ins Netz. Die psychologische Wirkung auf die Neuseeländer ist offenbar so wichtig, dass man sich damit 1) über internationale Artenschutzabkommen hinwegsetzt (der Große Weiße Hai steht seit April 2007 in Neuseeland unter Artenschutz) und 2) fast 30.000 NZ$ pro Jahr dafür ausgibt.

Also dann: Happy swimming! 😉

(c) m4rtin/Flickr

(c) m4rtin/Flickr

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