Ausrüstung und Praktisches

Gute Fotos in Neuseeland machen – (k)ein Problem?!

Neuseeland macht es Fotografen sehr einfach: Das Licht ist toll, die Landschaften sind grandios und nur selten verirrt sich ein störender Telegrafenmast in die Panoramas. Wir haben trotzdem ein paar Tipps und Tricks für euch gesammelt, damit ihr zu Hause atemberaubende Fotos präsentieren könnt.

Weltwunderer Kapiti Coast

Im Zeitalter der Digitalfotografie ist die direkte Rückversicherung über das Display oder den Laptop – ist die Aufnahme „was geworden“? – einfach und schnell möglich, und im Notfall  kann man verpatzte Kontraste per Bildbearbeitung retten. Aber die immer gleichen und immer etwas blassen Schnappschüsse von den immer gleichen Motiven aus NZ zeigen, dass hier doch noch Verbesserungspotenzial besteht. Lest also und lernt!

Das A und O: die richtige Vorbereitung

Egal, welche Kamera ihr einpackt: Bereitet euch gründlich auf den Umgang mit eurem Schätzchen vor. Wenn ihr in Neuseeland ankommt, solltet ihr genau Bescheid wissen, was euer Modell kann, wie ihr es bedient, wie lange der Akku hält usw. Je sicherer ihr im Umgang mit der Kamera seid, desto schneller und besser gelingen euch eure Aufnahmen, auch in spontanen oder schwierigeren Situationen.

Die Vorbereitung hängt zum großen Teil davon ab, was ihr auf eurer Neuseeland-Reise vorhabt. Wollt ihr vor allem grandiose Landschaftsaufnahmen machen, euch an Pinguine und Seelöwen heranpirschen oder verrückte Schnappschüsse von Fallschirmsprüngen machen? All das stellt andere Ansprüche an Kamera und Objektiv, aber auch an den Fotografen.

Seid ihr erpicht auf Panoramen und Naturspektakel, lohnt sich das Durchblättern von Fotobänden (Karl Johaentges ist ein Wahnsinnsfotograf, den ich jedem empfehle!), damit ihr euch darauf einstellen könnt, wie Profis an bekannte Motive herangegangen sind und wo ihr lohnenswerte Motive auf eurer Route findet (bzw. woran ihr eure Route ausrichten wollt). Eure Kamera sollte dann außerdem einen Weitwinkelbereich von mindestens 24 mm, besser 18 mm, abdecken, um Verzerrungen zu vermeiden. Für Aufnahmen von wilden Tieren lohnt sich wiederum ein Teleobjektiv und eine Kamera mit möglichst geringer Auslöseverzögerung.

Zur Beruhigung: In Neuseeland finden sich eigentlich an jeder Ecke tolle Landschaften; alle könnt ihr sowieso nicht abklappern, also hetzt nicht von Spot zu Spot durchs Land und lasst euch nicht die Laune verderben, wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Ein klares Bild vom Mount Taranaki oder ein Sonnenschein-Panorama vom Milford Sound dürften sehr selten hinzukriegen sein, wenn ihr im normalen Zeitrahmen vorbeikommt.

Die richtige Ausrüstung

Über „Kompakt vs. Spiegelreflex (aka (D)SLR)“ sind schon zig Seiten geschrieben worden. Gegen eine gute Spiegelreflexkamera ist nichts einzuwenden, aber man muss nicht unbedingt eine haben, um schöne Urlaubsfotos zu machen. Die Kompaktkameras, die heute auf dem Markt sind, genügen als Alternativen vollkommen und weisen dabei noch einige Vorteile gegenüber den großen Brüdern auf.

SpiegelreflexKompakt
ab 350 Euro, nach oben offenab 50 Euro
schwer und groß, Kameratasche/-Rucksack nötighandlich und leicht, Hosentaschenformat
nachrüstbar mit Zubehör wie externem Blitz oder zusätzlichen ObjektivenUnterwasseraufnahmen oder Spritzschutz günstig mit Plastikgehäusen oder -taschen möglich
gut für Nacht- und Innenaufnahmen und Panoramengut für spontane Schnappschüsse
Speicherung der Rohdaten, dadurch umfassende Bildbearbeitung möglichWYSIWYG – Bild gemacht, fertig (ein bisschen Nachbearbeitung geht auch)
großer optischer Zoombereich, aufrüstbar mit zusätzlichen ObjektivenZoom meist nur digital, sorgt für Qualitätsverlust
alle Aufnahmeparameter individuell einstellbar für Profis, plus Automatikprogramm(e)vollautomatische Aufnahmeprogramme und voreingestellte Szenenprogramme für Laien
pflegeintensiv, störanfällig und auffällig, dadurch anfälliger für DiebstahlVerluste und Beschädigungen sind eher zu verschmerzen

„Zwischendinger“ sind Systemkameras und Bridge-Kameras, die versuchen, die Vorteile beider Lager zu vereinen. Genügt euch eine kompakte nicht, scheut ihr aber die Ausgabe bzw. die Einarbeitung in das Spiegelreflex-Universum, solltet ihr euch beim Fachhändler dahingehend beraten lassen. Und: Die Kamera eures Smartphones kann durchaus auch als Alternative verwendet werden, einige Modelle können ja schon mit guten Kompaktkameras mithalten.

Wir empfehlen hier bewusst keine Marken, wobei wir mit unserer Canon EOS 600D mit HSM-Objektiv von Sigma (18-50 mm) durchaus zufrieden sind. Im mittleren Preissegment bestehen zwischen Canon, Nikon oder Pentax aber kaum echte Qualitätsunterschiede – individuelle Vorlieben oder Markentreue dürften hier entscheiden.

Laien und Anfänger sollten beim Kamerakauf mindestens darauf achten, dass das gewählte Modell im Internet gut bewertet ist und oft verkauft wurde (dabei kommen Macken am schnellsten heraus). Der optische Zoom soll so hoch wie möglich sein (lasst euch vom digitalen Zoom nicht ablenken), der Weitwinkelbereich am besten bei 24 oder 28 mm beginnen und die Bildauflösung möglichst hoch sein. Achtet außerdem auf eine lichtstarke Linse und eine möglichst hoch einstellbare Belichtungsempfindlichkeit bei geringem Rauschen – für gute Aufnahmen in der Dämmerung oder drinnen.

Was ihr noch braucht: für eine Kompaktkamera quasi nichts – außer dem Aufladegerät plus passendem Adapter. Für eine Spiegelreflexkamera empfiehlt der Weltwundermann:

  • eine Sonnen- bzw. Gegenlichtblende
  • einen Polfilter
  • ein Putztuch für die Linse und die Filter
  • ein Stativ (vor allem für Aufnahmen im Dunkeln oder im Regenwald)
  • einen zusätzlichen Akku oder einen Batteriegriff, wenn es mal keinen Stromanschluss zum rechtzeitigen Aufladen gibt
  • eine zusätzliche Speicherkarte oder ein anderes Medium zum Verwahren der Bilder (auf einem Laptop könnt ihr die Aufnahmen gleich abends bearbeiten, ins Internet hochladen oder einzelne Bilder an Oma nach Hause schicken)
  • … und für das Ganze eine staub- und stoßfeste Kameratasche mit Regencover, die sich als kleiner Rucksack für zusätzliche Speicherkarten, Objektive und Filter sowie für Dokumente, Handy und Geld quernutzen lässt (unsere ist von Mountainsmith und leistet seit Jahren treue Dienste)

Eine für Neuseeland geeignete Kamera sollte vor allem staub- und spritzwassergeschützt sein oder ein zusätzliches wasserdichtes Gehäuse haben. Diese sind meist etwas teurer; alternativ könnt ihr die Kameratasche mit einer Plastiktüte „auspolstern“, mit einer Regenhülle von außen abdichten und noch ein paar Beutelchen Silica hinzupacken (die liegen in jedem Schuhkarton und entziehen ihrer Umgebung Feuchtigkeit).

Seid ihr viel am und auf dem Meer unterwegs, müsst ihr das Objektiv eurer Kamera (egal welcher Art) fleißig reinigen, der Gischtnebel verschmiert dieses nämlich schneller als gedacht. Auch hierfür ist ein aufgesetzter Polfilter, der das Objektiv schützt, eine gute Idee. Tipp: Ab und zu auch mal mit einem feinen Pinsel die Sandkörner aus den Ritzen entfernen, sonst knirscht der Zoom bald und die Kamera ist futsch.

Wenn es feucht zugeht ...

Wenn es feucht zugeht …

Grundregeln fürs Fotografieren in Neuseeland

Überall auf der Welt herrschen die besten Lichtverhältnisse frühmorgens und spätnachmittags, da ist Neuseeland keine Ausnahme. Für tolle Aufnahmen gibt es keine Alternative zum frühen Aufstehen oder Warten auf die Dämmerung. (Dafür spricht außerdem die Abwesenheit von Reisebussen während dieser Zeitfenster.) Die Mittagszeit bleibt für Schnappschüsse vorbehalten – oder für den Mittagsschlaf. Normalerweise empfiehlt es sich deswegen auch, längere Fahrten auf den Mittag zu legen, aber in Neuseeland muss man wegen „scenic views“ so oft aussteigen und fotografieren, dass der Mittag hier eher keine gute Zeit zum Fahren ist.

Ansonsten lautet die Grundregel beim Fotografieren von Landschaften: Rahmt das Motiv mit Gegenständen aus dem Bildvorder- oder -mittelgrund ein oder nutzt den goldenen Schnitt, um das Bild ausgewogen zu komponieren. Der Himmel sollte nicht mehr als ein Drittel der Bildfläche einnehmen und weder knallblau noch durchgehend grau sein (das verfälscht die Farben des restlichen Bildes).

Zwar ist das Licht in Neuseeland bei klarem Wetter sehr intensiv, so dass sich ein aufgesetzter Polfilter auf dem Objektiv immer gut macht, schlechtes Wetter ist aber ebenso wahrscheinlich. Der Profitrick bei Regen und grauem Wolkenbrei: Versucht erst gar nicht, bei solchem Wetter ganze Landschaften zu fotografieren, das wird nichts. Konzentriert euch stattdessen auf Details wie tropfende Blätter, Farbkleckse im Grau, interessante Gebäude oder Schilder oder auch auf Menschen und nehmt möglichst wenig Himmel mit ins Bild (Ausnahmen wie unten bestätigen natürlich die Regel).

Schlechtes Wetter, gutes Foto

Schlechtes Wetter, gutes Foto

Apropos Details: In Neuseeland wandert man recht häufig durch dichten Regenwald, den man natürlich gern in seiner überbordenden Vielfalt an Farben und Formen abbilden möchte. Sind zu viele Details im Bild, kann sich der Betrachter aber nicht mehr konzentrieren und sieht nur noch Durcheinander (was übrigens der Sinn von Tarnfarben ist). Sucht also schon beim Fotografieren nach Strukturen oder rückt einzelne Pflanzen in den Bildvordergrund, um einen sinnvollen Bildaufbau zu erhalten. Schnappschüsse nutzen hier nichts; nehmt euch Zeit für eure Fotos!

Da es im Regenwald eher dunkel ist, macht sich hier ein Stativ gut. Schützt die Kamera vor Tropfwasser (statt Profischutz geht auch ein Regenschirm) und stellt möglichst lange Belichtungszeiten ein. Der Vorteil regnerischer Tage: Es geht wenig Wind, so dass eure Motive besser „still halten“. Und: Kein hartes Sonnenlicht bedeutet auch weniger Schlagschatten und einen weicheren Gesamteindruck von einer Szene. Der Polfilter kann draufbleiben, er reduziert auch Reflexionen von nassen Flächen.

Catlins Rainforest

Wollt ihr eure Bilder nicht als Fotokalender oder an Reisezeitschriften weiterverkaufen, solltet ihr euch außerdem nicht von den grandiosen Panoramen in Neuseeland ablenken lassen – mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden diese bereits von Profifotografen wesentlich besser in Szene gesetzt. Was eure Neuseeland-Reise ausmacht, sind eure persönlichen Erlebnisse, und genau die solltet ihr auch fotografieren.

Achtet also darauf, möglichst oft eure Kinder oder gleich die ganze Familie mit aufs Bild zu nehmen – ein Selbstauslöser ist hier eine gute Gelegenheit für Spielereien. Kinderfotos sollten übrigens aus der Höhe des Kindes gemacht werden, sonst bekommen die Kleinen auf dem Foto noch kürzere Beine und müssen geblendet nach oben schielen. Aufnahmen von ungewöhnlichen Details, aber auch Alltäglichkeiten eurer Reise wie das Innere eures Wohnmobils oder euren Frühstückstisch draußen auf der Wiese schaut ihr euch zu Hause bestimmt häufiger an als die zig Bilder von menschenleeren Bergzügen und Stränden.

"Wisst ihr noch, in der Tonga Bay...?"

„Wisst ihr noch, in der Tonga Bay…?“

Wir hatten auf unseren Neuseeland-Reisen viel Spaß mit Motivserien, nach denen bald die ganze Familie Ausschau hielt: Unsere Fotoreihen von Verkehrsschildern und selbst gebauten Briefkästen haben wir zu Hause in Posterform gebracht. Julia Schoon widmet sich in ihrem Neuseeland-Blog vor allem der Food-Fotografie, Ralf von UglyNZ sammelt seltsame Denkmäler und architektonische Totalausfälle in Neuseeland.

Was fällt euch ein?

1 Kommentar

  • Hach, der Beitrag macht Lust aufs sofortige Losreisen. Aber ich muss mich noch bis zum Jahresende gedulden. Bis dahin werde ich auf diesem wunderbaren Blog bestimmt so manche Anregung finden.

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