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Happy Matariki!

Hä? Wasn das? Auch die Maori feiern ein Neujahrsfest – „Aotearoa Pacific New Year“ wird es selbstbewusst genannt. Weil kaum ein Tourist dies bemerkt (ungünstiges Timing!), haben wir uns kundig gemacht.

„Matariki“ heißt nicht nur „die Augen Gottes“, sondern bezeichnet auch die Plejaden im Sternbild Stier – einen hellen Sternennebel, den man zwischen Juli und April auch an unserem Nachthimmel sehen kann. Auch ohne Fernglas lassen sich die „Sieben Schwestern“, die Hauptsterne dieses Nebels, erkennen (tatsächlich befinden sich mehr als 1000 Sterne darin!).

M45 (c) Wikimedia commons_filip

Die Plejaden (c) Wikimedia Commons/filip

Klar, dass das Sternbild von den großen Seefahrern in ihren Einbäumen zur Navigation genutzt wurde – nicht nur von den Maori. Auch in den Höhlen von Lascaux in Frankreich gibt es eine Felsenmalerei dieser Sterne. Auch Autofans haben die Plejaden sicher schon anderswo gesehen: nämlich im Logo von Subaru (japanisch: Plejaden).

Viele polynesische Völker feiern ein Jahreswendfest, das sich am Sternbild der Plejaden orientiert – in Hawaii heißt es zum Beispiel „Makali’i“ oder „Makahiki“. Die „Wende“ des Winters geschah zu dem Zeitpunkt, wenn die Sonne (die für die Maori männlich ist) ihre Reise nach Norden mit ihrer Winterbraut Takurua (markiert durch den Stern Sirius) beendete und die Rückreise zum Sommer mit der Sommerbraut Hineraumati begann.

Die ungefähre Zeit des Jahres, in der die Plejaden kurz vor Sonnenaufgang am Himmel erscheinen (wo sie dann elf Monate lang bleiben), war für die Maori von anno dazumal das Signal, sich auf die neue Anbausaison vorzubereiten – je nachdem, wie die Sterne aussahen, pflanzte man bereits im September oder wartete lieber bis Oktober. Matariki war auch Anlass, den Tod all jener zu betrauern, die im letzten Jahr gestorben waren – gleichzeitig feierte man den Beginn des neuen Jahres und ließ Drachen steigen.

Heute ist Matariki eher eine Gelegenheit, neue Anfänge zu feiern und als Gemeinschaft zusammenzukommen – wie in dem hochgelobten Film gleichen Namens übrigens. Seit Anfang der 2000-er (sagt man das so?) gewinnt das Fest eine neue Bedeutung in Neuseeland. Einige bezeichnen es als das Thanksgiving oder Halloween von Neuseeland, so beliebt ist es in der Bevölkerung geworden. Feste mit Drachensteigen, Heißluftballons und Feuerwerken bedeuten ja generell viel Spaß für alle 😉

Einen genauen Matariki-Tag gibt es bis heute nicht – einige Stämme feiern Neujahr genau an dem Tag, an dem die Plejaden das erste Mal zu sehen sind, einige warten bis zum nächsten Vollmond und wieder andere bis zum nächsten Neumond. Schließlich gibt es auch noch Stämme, die sich gar nicht an den Plejaden, sondern am Rigel orientieren. Sehr verwirrend.

Die netten und sehr um Integration bemühten „Pakeha“-Neuseeländer haben es daher nicht leicht, aus Matariki einen offiziellen Feiertag zu machen. Ein Gesetzesvorschlag, der Matariki als Feiertag auf den Geburtstag der englischen Queen legen wollte (den in Neuseeland eh keiner mehr feiert), wurde 2009 aber nicht beschlossen. Bisher behilft man sich damit, irgendwann zwischen Anfang Juni und Mitte Juli eine komplette Woche oder gar einen Monat lang Matariki zu feiern.

2013 beginnt Matariki offiziell am 10. Juni; mehrere Wochen lang wird dann überall in Neuseeland gefeiert. In Auckland könnt ihr am 22. Juni „the rising of Matariki“ bewundern. Wer zu der Zeit down under ist, der sollte das nicht verpassen; auf der Hügelkuppe des One Tree Hill dürfte dann zum Morgengrauen einiges los sein.

Wann auch immer ihr feiert – happy Matariki!

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