Lesen Reisetipps für Japan

Japan-Lesetipps: Vier Kandidaten für die Reisevorbereitung

Unsere Japan-Reise treten wir natürlich nicht komplett unvorbereitet an. Neben diversen Reiseführern sammeln wir peu à peu einen wachsenden Stapel an erbaulicher Literatur über das Reiseland Japan und seine Bereisung mit Kindern an. Vier herausstechende Kandidaten stellen wir euch heute vor – wobei wir allerdings nur zwei auch weiterempfehlen.

Weltwunderer Japan Buchtipps

 

„Zeit für Japan“ von Gert Anhalt

Dieses. Buch. ist. der. Hammer. Sage ich mal ganz einfach so. Gert Anhalt hat es einfach raus: Er schreibt flüssig, witzig und spannend, beobachtet die Kleinigkeiten des japanischen Alltags und arbeitet die Besonderheiten der japanischen Kultur und der Japaner im Allgemeinen wunderbar treffend, oft ironisch zwinkernd, immer aber respektvoll gegenüber den Menschen heraus.

Natürlich ist so ein Japan-Buch eine leichte Übung für einen Journalisten der alten Schule, der Japanologie studiert und jahrelang als Fernsehkorrespondent für ARD und ZDF in China und Japan gearbeitet hat. Wir haben Gert Anhalt schon vor Jahren kennen- und lieben gelernt, für seine unglaublich trocken-witzigen Fernsehreportagen über Japan. Nur dank Herrn Anhalt wussten wir, dass wir den kleinen Döschen mit „natto“ am japanischen Frühstücksbuffet mit großer Vorsicht begegnen mussten, und dank Herrn Anhalt freuen wir uns schon sehr auf die vielen netten Kleinigkeiten auf unserer Japan-Reise.

Tipp: Sucht mal auf YouTube nach Gert Anhalt, ihr werdet auf echte Juwelen stoßen!

Zeit für Japan“ gibt es über Amazon nur noch gebraucht, momentan für um die 30 Euro. Es lohnt sich!

 

„Lost Japan“ von Alex Kerr

Alex Kerr, in Deutschland komplett unbekannt, ist offenbar eine Ikone, wenn es um die Vermittlung der japanischen Kunst und Kultur in westlichen Kreisen geht. Er lebt seit seiner Jugend in Japan und ist einer der sehr wenigen „gaijin“, die komplett in die japanische Gesellschaft integriert sind. Das alte Bauernhaus „Chiiori“ im Iya Valley auf Shikoku, das er als Student kaufte und selbst originalgetreu sanierte, steht heute noch und ist ein Museum für die fast komplett verschwundene Alltagskultur Japans. Das will ich unbedingt sehen!!

Alex Kerrs Buch habe ich mit viel Respekt gegenüber einem offensichtlich sehr gebildeten, klugen Menschen gelesen. Seine Einschätzung Japans weicht deutlich von den gängigen Reiseführern ab, was mich teilweise überraschte und mitunter sogar schockierte. Erwartungen von mystischer, unberührter Natur, die der Lonely Planet schürt, habe ich nun nicht mehr – Alex Kerr schildert eindrücklich, wie die Japaner in den letzten 50 Jahren die letzten unberührten Waldgebiete abgeholzt und einbetoniert haben und dass es quasi keinen Ort gibt, an dem man wirklich noch unberührte Natur sehen könnte.

Das Buch gibt es zwar nur auf Englisch und mitunter geraten die Schilderungen japanischer Kunstthemen arg ausführlich. Aber wer mehr über Japan wissen will, als der Reiseführer anpreist, dem möchte ich dieses Buch dringend ans Herz legen!

Über Amazon bekommt ihr es nur noch gebraucht und meist sehr günstig – zugreifen!

 

„Kiyo – Als Familie unterwegs in Japan“ von Stefan Rosenboom

Dieses Buch wäre sooo toll fotografiert und geschrieben, es sei sogar für den deutschen Fotobuchpreis nominiert worden – so lasen wir andächtig in den vielen begeisterten Rezensionen. Der große Ruf, der dem Buch von Stefan Rosenboom vorauseilte, knickte allerdings schon beim Auspacken des Buches ein wenig zusammen: so klein?

Die Wahnsinns-Fotos fanden wir beim Durchblättern vor allem… verwaschen, oft verwackelt (ist das Kunst? Soll das so?) und irgendwie allesamt sehr dunkel. Haben wir einen Fehldruck erwischt? Zum Reisen nach Japan regten uns die Bilder jedenfalls nicht an – wir stehen nämlich nicht so sehr auf wochenlangen Regen und Nebel in einem kleinen Dreimannzelt.

Leider muss ich sagen, dass der Text uns ebenfalls nicht überzeugte. Es mag schon sein, dass Herr Rosenboom die eigenen Reise-Erfahrungen treffend und poetisch schildert, mich als Leser nimmt er dabei aber nicht mit. Ich erfahre in diesem Buch nichts über Japan, was mich vor meiner Reise irgendwie weiterbringen würde; Sätze wie „Es war der Regen, der uns Tokio spüren ließ“ lassen mich ratlos zurück.

Auch an konkreten Informationen wie etwa einer Karte von der Reiseroute oder Erklärungen zu den Verkehrsmitteln fehlt es leider. Schade, denn was hin und wieder an Verständlichem aufblitzt, klingt durchaus nach einer spannenden Reise!

„Kiyo“ habe ich zwar zum Geburtstag bekommen, aber den Preis musste ich für euch nun nachschauen: 24,90 Euro kostet das gute Stück über Amazon. Mein Fazit: Wer den Stil von Herrn Rosenboom mag, der hat das Geld gut investiert – wer aber auf der Suche nach konkreten Informationen und Reiserat zu Japan mit Kind(ern) ist, der sollte es anderweitig ausgeben.

 

„Elternzeit in Japan“ von Lars Hein

Es schien perfekt – ein Erfahrungsbericht zweier Backpacking-erfahrener Eltern, die mit ihrem Baby für mehrere Wochen durch Japan reisten. Hier würden wir alle Informationen finden, die uns der Lonely Planet so schmachvoll vorenthielt! Wir würden lesen, wie das mit dem Schlafen in Hotelzimmern, mit den Kinderpreisen im Zug und den Wickelmöglichkeiten vor Ort aussieht, wir würden tolle Tipps für kindergeeignete Unternehmungen finden und viele lustige Begebenheiten aus dem japanischen Familien-Alltag lesen, denn den hätten die reisenden Eltern doch bestimmt direkt mitbekommen.

Was ich stattdessen fand, war Folgendes: eine Meeeeenge an seeeehr detaillierten Informationen darüber, wie viel Reis, Brötchen und Gemüse Baby Henning gegessen hatte, warum es Mama Ulrike nicht geschmeckt hatte, wie oft und wie lange (exakt!) Henning geschlafen hatte und wie und wo Papa Lars den Kinderwagen auf- und wieder zusammengeklappt hatte. Und das an jedem einzelnen Tag dieser langen Reise. Im Gegensatz zu den Geschehnissen des Familienalltags kommen Eindrücke von der Reise erstaunlich wenig zur Sprache, und wenn, dann immer nur kurz und knapp. Einen Eindruck davon, wie es in Japan so ist, wie die Gegend und die Städte aussehen, wie die Menschen so sind, habe ich jedenfalls nicht bekommen.

Dass ich diesen Reisebericht – als „Buch“ will und kann ich es nicht bezeichnen – überhaupt bis zum Ende gelesen habe, wundert mich selbst. Es war zum großen Teil die irre Faszination daran, dass Lars Hein tatsächlich schon wieder „insofern“ schreibt und tatsächlich schon wieder auflistet, was es zum Frühstück gab und dass Mama Ulrike es nicht mochte.

REISS AUS!family hat das Buch ebenfalls rezensiert; meines Erachtens viel zu wohlwollend. Das Buch ist mitnichten eine „Goldgrube für Familien, die ihre Elternzeitreise oder eine Reise mit Kleinkind in Japan planen“. Was stimmt, ist, dass es „nicht so einfach lesbar“ ist – und das hat Frauke noch sehr milde ausgedrückt.

Das Führen eines Reisetagebuchs ist eine tolle Sache und privat mag man sich gern noch Jahre später aus den Einträgen vorlesen. Von der Veröffentlichung der Einträge als Buch möchte ich jedoch jedem Reisenden dringendst abraten! Versucht es gar nicht erst, Leute. Es ist ster-bens-lang-wei-lig zu lesen, wenn man nicht die Oma des beschriebenen Enkels ist.

Ach, und noch etwas: Wenn das Budget nur den Abdruck von Schwarzweißfotos hergibt, dann lasst es bittebitte lieber ganz bleiben und quält den Leser nicht mit kaum erkennbaren Urlaubsschnappschüssen. Die Wirkung ist dann eher kontraproduktiv, jedenfalls bei mir. Da es schon in den Reisetagebuch-Schilderungen irgendwie ständig regnet und kalt ist, hätte ich nach der Lektüre niemals Lust auf eine Japan-Reise bekommen. Zum Gück waren die Flugtickets schon gekauft – und zum Glück lagen noch weitere Japan-Bücher auf meinem Tisch, nachdem ich diesen Reisebericht entnervt unter selbigen geworfen hatte.

Das Schlimmste ist übrigens der Preis: ganze 24,90 Euro auf Amazon. Meine eindeutige Empfehlung: nicht kaufen!

 

Habt ihr noch mehr Buchtipps über Japan, die wir vor oder auch während unserer Reise gebrauchen könnten? Dann gern her damit!

1 Kommentar

  • Danke, Jenny! Bei uns in der Familie flottiert nach wie vor der noch nicht fixierte Plan „Japan 2016“ herum, und ich werde Deine Buchtipps exakt befolgen: Nr. 1 & 2 werden gekauft, an Nr. 3 & 4 wird gespart (und Rosenboom jetzt gleich mal von meinem Amazon-Wunschzettel gelöscht, wo er sich schon lange tummelt).

    Liebe Grüße,
    Maria

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