Neuseeland-Reise 2002

Keine Hobbits in Matamata, dafür Elfen in Rotorua

Vor lauter Enttäuschung ließen wir den Tag heute ein wenig geruhsamer angehen als sonst; einige von uns schliefen bis weit nach 8, während andere sich derweil ausführlich der Wäschetrocknung zuwendeten. Den Campingplatztrockner hatten wir mit Blick auf den Wetterbericht höhnisch verschmäht und unsere schicken Kleider lieber auf die Wäschespinne gehängt. Dort hatten sie sich im Dunst der Nacht leider gar nicht weiterentwickelt, also beschäftigten wir uns heute Morgen damit, die klammen Teile in möglichst intensiv sonnenbeleuchtete Teile des Campingplatzes zu halten.

Der Langschläfer revanchierte sich dann mit dem Zubereiten zahlreicher Frühstücks-Bagels – und beharrte anschließend darauf, es doch mal zu versuchen und „wenigstens mal zu kucken, ob wir irgendwie rankommen“ an den Herr-der-Ringe-Drehort.

Mit Erwartungen, die von „Das klappt, ihr werdet sehen!“ bis „Das wird nie was, lasst uns lieber gleich weiterfahren“ reichten, fuhren wir also rein intuitiv den Highway entlang und schnickten spontan rechts ab in die Berge bzw. Hügel, die in dieser Gegend quasi ubiquitär sind. Der Weltwundermann kaschierte seine völlige Ahnungslosigkeit mit zielstrebig zusammengekniffenen Augen und unterhielt sich dann schwungvoll mit einer blumenpflückenden Bäuerin am Wegrand, deren Erklärungen er, wie er danach wenigstens zugab, überhaupt nicht verstanden hatte.

Den wilden Gesten der Dame folgten wir so ungefähr und machten uns schließlich zu Fuß auf zum Horizont; Weltwundermann mit forschem Schritt, Tine ostentativ gähnend und ich zunehmend schwitzend, weil ich mal wieder das Wetter falsch eingeschätzt habe. Es war zwischen den lauschigen Hügeln, wo kein Lüftchen wehte, derartig warm, dass von Frühling gar keine Rede mehr sein konnte!

Irgendwann gaben wir es auf – links und rechts sah es eigentlich ständig so aus, als wäre das hier Beutelsend; aber eben nur fast. Während der Weltwundermann „noch diesen letzten einen Hügel“ erstieg, der tückischerweise zum Steilhang mutierte, haute sich Tine defätistisch ins Gras unter einen Baum, der FAST wie der Party Tree aussah, und nickte einfach ein.

Matamata

Nach diesem zweistündigen und mehr oder weniger erfolglosen Ausflug (aber wir waren ganz sicher irgendwo ganz in der Nähe…!) rasten wir ohne Umstände direkt nach Rotorua, wo wir erst im Ortszentrum merkten, dass etwas nicht stimmt – aber nein, keiner von uns hatte sich vergessen, hier stinkt es immer nach Pups. Aus jedem Gully und sogar aus dem Stadtpark steigt hier heißer Dampf. Wenig attraktiv für eine Stadt, sagten wir uns und bogen stracks wieder ab in den Wald, wo wir den Kerosene Creek suchten, weil wir dringend ein heißes Bad nehmen wollten.

Der Plan im Lonely Planet war genauso ungenau wie unsere Straßenkarte, so dass wir ungefähr sechsmal die gleiche besch… Gravel Road entlangrumpelten, bevor wir den zugehörigen Zeltplatz fanden. Der war schon großteils besetzt – und zwar mit einem echten Gypsy-Lager! Die saßen tatsächlich in langen, wallenden Gewändern auf den Terrassen ihrer knallbunt bemalten Holz-Wohnwägelchen und klampften auf ihren Gitarren herum. Niedlich. Da der Weltwundermann allergisch gegen Gitarrengeklampfe ist, verzogen wir uns auf einen hohen Hügel und beschauten von oben das Treiben.

In der heißen Quelle, die tatsächlich ein heißer Fluss im Wald ist, saßen die Gypsys auch schon, was uns aber nicht abhielt. Eine Stunde hielten wir es aus, dann kehrten wir weichgekocht und zart nach Schwefel duftend auf unseren Hügel zurück. Drei der Wesen folgten uns im Zwielicht und lösten sich dann in Luft auf… 🙂

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