Anreise: Rund ums Fliegen

Langstreckenflug 2.0: Technik und Gadgets für das Fliegen mit Kindern

Was haben wir uns vor unserer ersten großen Reise für Gedanken gemacht: Nicht eine Minute der 24 Flugstunden sollten sich unsere Kinder langweilen (oder die anderen Passagiere nerven…)! Wir packten Bücher, Spielzeug und Malsachen und stellten uns auf Dauerbespaßung ein. Inzwischen sind wir iPhone, Laptop & Co. gegenüber sehr aufgeschlossen – und stellen euch ein paar Ideen für die elektronische Bespaßung vor.

Der erste Schritt der ersehnten Neuseeland-Reise ist und bleibt der Flug. Wie und wo ihr den clever sucht und bucht, haben wir schon ausführlich beschrieben. Die Zeit für die Suche nach Schnäppchen sollte man direkt anderswo investieren (Nägel feilen, stricken…), denn es gibt keine.

Habt ihr diese finanzielle Hürde genommen, wird es spannend, denn nun geht es um die Feinheiten. Wie übersteht ihr einen (mindestens) 24-stündigen Flug mit Kindern und was kann die moderne Technik dafür tun?

Inflight-Entertainment

Die allermeisten großen Airlines bieten auf ihren Mittel- und Langstreckenflügen Inflight-Entertainment an. Das bedeutet grob: Während des Fluges werden Filme gezeigt. Die Ausprägung dieser Vorführung reicht von einem einzigen Film, der auf einem großen Monitor in der Mitte des Flugzeugs läuft und mit den Kopfhörern am Sitz mitgehört werden kann (nicht unbedingt jugendfrei!), bis zu schicken kleinen Touch-Bildschirmen in der Rückenlehne des Vordersitzes, auf denen man eine individuelle Auswahl aus hunderten Filmen, Dokumentationen, Musikvideos, Computerspielen und Radiosendern treffen kann – wenn man will, vom Start bis zur Landung.

Euer erster Schritt nach (oder vielleicht sogar vor) einer Flugbuchung sollte also dieser sein: auf der Website der Airline das Inflight-Entertainment-Angebot für euren Flug checken. Verantwortungsbewusste Eltern informieren sich vorher über die Kinderfilme, die dort angeboten werden und entscheiden, ob sie sie ihren sensiblen Kleinen zutrauen können. (Nichts ist nämlich schwieriger, als ein verstörtes, überfordertes und dabei sowieso schon überreiztes Kind während des Fluges zu trösten.)

Lufthansa Inflight Entertainment

Aus eigener Erfahrung empfehlen wir, bereits vor dem Flug mit den Kindern den Rahmen abzustecken: Wir schauen höchstens zwei Filme an und machen dazwischen mindestens eine halbe Stunde Pause. Wenn das Essen serviert wird, ist der Monitor aus. Um die und die Uhrzeit ist Schlafenszeit, auch im Flugzeug.

Wenn ihr selbst Filme anschaut, die keine FSK-6-Freigabe haben, sollten die Kinder nicht auf euren Bildschirm sehen können! Das geht also nur, wenn die Kinder schlafen oder ihr jeweils zwei hintereinander liegende Sitzplätze bucht, so dass hinten der „Erwachsenenbereich“ ist.

Spezielle lautstärkegedämmte und ergonomisch angepasste Kinderkopfhörer könnt ihr für das Inflight-Entertainment übrigens nicht benutzen: Die Anschlussbuchsen in den Armlehnen passen nicht mit normalen Cinch-Steckern zusammen.

Apps

Wer ein Smartphone besitzt, hat die Segnungen von Apps wahrscheinlich bereits entdeckt: Das Angebot sowohl von Apple als auch von Android ist für alle Altersklassen und Spielbedürfnisse riesig, viele Spiele kann man kostenlos herunterladen. Ein eigener Spielcomputer wird überflüssig, was wertvollen Platz und Geld spart.

Zur Einführung seien hier nur unsere eigenen Favoriten genannt: „Toddler Lock“ für die Kleinsten (gibt es nur bei Android), „Angry Birds“ und „Lego 4 plus“ in zig Varianten für Vorschulkinder, „Parking Cars“, „Feed me Oil“ oder „Cut the Rope“ für pfiffige (Vor-) Schulkinder. Für die Größeren (aka Mama und Papa) gibt es „GeoQuiz“, aber auch herrlichen Blödsinn wie „Chirp Chirp“ oder „Food Fight“.

(Ach ja: Die Weltwunderkinder schauen sich auf den Smartphones mit Vorliebe auch einfach sich selbst an – Urlaubsfotos und -filme sammeln sich da ja schnell an.)

Für Spiele-Apps gilt im Übrigen dasselbe wie für Filme: Begrenzung ist die hohe Kunst. Kinder sollten unbekannte Spiele nicht allein ausprobieren, ihr Eltern habt die Pflicht, jede heruntergeladene App auf Altersangemessenheit und Funktionsfähigkeit zu prüfen.

Im Flugzeug ist es recht einfach, das spielende Kind zu beobachten, ihm bei der Bedienung zu helfen und darauf zu achten, wann es von einem Spiel überfordert wird. In diesem Fall wird das Smartphone ausgeschaltet und eine andere Beschäftigung angeboten – und zwar eine ohne Bildschirm!

Die große Frage: MP3-Player, iPod oder Tablet?

Uns persönlich genügen die beiden Eltern-Smartphones als Kinderbeschäftigung im Flugzeug vollkommen; sollte einmal überhaupt kein Inflight-Entertainment vorhanden sein, könnten wir außerdem auf unser treues kleines Netbook zurückgreifen, das eine ausgewählte Anzahl an Kinderfilmen auf der Festplatte hat.

Viele reiseerfahrene Familien empfehlen allerdings das [amazon_link id=“B009WN9HAA“ target=“_blank“ locale=“DE“ container=““ container_class=““ ]iPad[/amazon_link] von Apple, den wohl bekanntesten Vertreter der Tablet Computer. Sein Vorteil: lange Akkulaufzeit und eine akzeptable Kamera, absturzsicheres iOS-Betriebssystem und intuitive Bedienung. Viele Apps und Ebooks (siehe unten) gibt es eigens für das iPad und auch viele iPhone-Apps sind kompatibel; ganz im Gegensatz zu vielen  Android-Tablets.

(Hier könnt ihr einen ausführlicheren Testbericht zum iPad mini lesen.)

Das Problem: Das iPad ist sauteuer und kann immer nur von einem Kind in Beschlag genommen werden; bei Geschwistern sorgt das schnell für Streit. (Wenn ihr ohne Weiteres zwei iPads für die Kids kaufen könnt: Glückwunsch!)

Android-Tablets gibt es dagegen schon vergleichsweise günstig ([amazon_link id=“B007WXFWTC“ target=“_blank“ locale=“DE“ container=““ container_class=““ ]ab etwa 200 Euro[/amazon_link] kauft ihr keinen Schrott) und man kann wie auf einem Netbook auch eigene Filme darauf speichern und abspielen. Weitere Vorteile: Nehmt ihr ein 7-Zoll-Tablet, ist das für Kinderhände wesentlich bequemer (und damit fallsicherer). Mit einer Andock-Tastatur könnt ihr das Tablet schließlich als normales Netbook nutzen. Was für eure Bedürfnisse und die eurer Kinder am besten passt, solltet ihr auf jeden Fall vor der Reise gründlich ausprobieren, am besten direkt im Geschäft.

Ein MP3-Player ist nett, nimmt kaum Platz weg und kostet nicht die Welt, kann aber eben nur eines: Musik (oder Hörspiele) abspielen. Der [amazon_link id=“B009A6BXBK“ target=“_blank“ locale=“DE“ container=““ container_class=““ ]iPod touch[/amazon_link] ist die raffinierte Alternative: quasi ein iPhone ohne Telefonfunktion, kann er alles, was ein iPad kann – spielen, Filme anschauen, Musik abspielen, aber auch Fotografieren und Filme aufnehmen und ins Internet gehen. Damit spart ihr euch die früher so begehrte [amazon_link id=“B001TH8JYW“ target=“_blank“ locale=“DE“ container=““ container_class=““ ]Nintendo DS[/amazon_link] – wobei einige wiederum argumentieren, dass so eine Spielkonsole für Kinder besser zu bedienen ist, eine längere Akkulaufzeit hat und generell robuster ist.

Fazit: Geschmackssache!

Smartphone Airport

E-Book-Reader

Ebooks sind der letzte Schrei – die elektronische Variante fast jedes Buches kann man heute in jeder Online-Buchhandlung kaufen, aber auch in vielen Bibliotheken leihen oder ganz kostenlos herunterladen (Tipp: Viele Klassiker mit abgelaufenen Nutzungsrechten kosten überhaupt nichts!). Lesen ist ohne Diskussion eine tolle Sache, und mit Ebooks spart man außerdem eine Menge Gepäck.

Nun kann man Kinderbücher, Reiseführer und natürlich auch ganz normales Lesefutter auf das Smartphone oder auf ein Tablet laden; wirklich angenehm ist das Lesen oder Vorlesen vom kleinen oder spiegelnden Display zwar nicht immer, aber im Notfall geht das durchaus. Plus: Für das iPad gibt es auch Bilderbücher.

Klassische Ebook-Reader zeigen keine Bilder an, sind aber für die Augen auf Dauer wesentlich angenehmer, weil ihre Displays sehr hochauflösend und nicht hintergrundbeleuchtet sind. Die teureren Varianten wie etwa der [amazon_link id=“B00960YR3Q“ target=“_blank“ locale=“DE“ container=““ container_class=““ ]Kindle Fire[/amazon_link] haben auch WLAN, so dass auch während der Reise neue Bücher gekauft werden können. Mit angeschlossenen Kopfhörern wird der Ebook-Reader zum Hörbuch und für den Kindle von Amazon gibt es auch ein paar Spiele.

Apropos: Mit einem Kindle werden eure Kinder vielleicht nicht ganz glücklich, denn der Kindle Store hat ein vergleichsweise kleines Kinderbuch-Sortiment. Wer auf Petterson und Findus steht, hat zum Beispiel Pech: Bücher des Oetinger-Verlags werden im ePub-Format veröffentlicht, das mit dem Kindle nicht kompatibel ist. Ein wenig Recherche ist also auch hier vor dem Kauf angesagt!

Was für Elektronik habt ihr beim Fliegen im Handgepäck? Womit habt ihr gute Erfahrungen gemacht und wovon würdet ihr abraten?

6 Kommentare

  • Wir waren damals auf der Hinreise 33 h am Stück von Schweden nach Christchurch unterwegs (auf der Rückreise waren es sogar noch ein paar Stunden mehr aufgrund eines längeren Aufenthaltes in Amsterdam), da hatten wir schon ein wenig Sorgen, wie wir das gut überstehen sollten…
    Da wir abends gegen 17 h zuhause abflogen und den Flug nach Asien gegen 22 h in Europa starteten haben unsere Kinder den ersten Flug komplett durchgeschlafen – das war spitze! Die ca 3 h Aufenthalt in Hongkong haben die Kinder zum Toben genutzt – auch gut. Der darauffolgende Flug mit Air New Zealand war dann doch recht anstrengend: Kinder munter, Erwachsene müde, Bordentertainment eher mittelmässig (die Technik versagt darüber hinaus auch noch ab und zu…), aber irgendwie ging das auch. Der anschliessende Inlandsflug nach Christchurch (nachdem wir durch Zoll usw durch waren) brachte uns dann schon an das Ende unserer Kräfte…
    Ein iPad hatten wir damals auch noch nicht, nur einen kleinen iPod mit Hörspielen, so mussten auch Bücher, Papier und Stifte zur Unterhaltung herhalten.
    Rückflug war ok, sehr lange und beinhaltete ungefähr die gleichen Schwierigkeiten wie oben. Bordentertainment waren doch diesmal besser (sowohl bei Malaysia Airlines als auch bei KLM). Dumm war nur, dass unsere Tochter kurz vor dem letzen Flug anfing zu erbrechen… da half auch die beste Ablenkung nichts mehr….!

    • Oh mann, das klingt heftig. Nein, gegen Erbrechen hilft dann auch die beste App nichts mehr. Meine Lektion: Wenn wir schon umsteigen müssen, dann bitte mit einem laangen Zwischenstopp, so dass der nächste Flug wieder auf ein Schlaffenster fällt. Den Inlandsflug hättet ihr dann wohl besser erst ein, zwei Tage später machen sollen… Na, beim nächsten Mal, gell? 😉

    • Tja, da hat die Weltwunderfrau natürlich recht… wir hatten uns mit Absicht dagegen entschieden Zwischenstopps einzulegen und wollten lieber „schnell“ an Ort und Stelle sein, um uns ganz langsam in Christchurch akklimatisieren zu können. Zeitraubende extra Trips zwischen Flughafen und irgendwelchen Hotels in Auckland oder Asien erschienen uns eher lästig. Ging ja eigentlich ganz gut, aber ich würde es heute anders machen. Ein paar Tage Hongkong wären auch ok gewesen oder ein längerer Aufenthalt an einem Strand in der Nähe von Auckland.
      Auf dem Heimweg würde ich heute wohl noch ne Woche Fiji oder so einplanen. Die Alternative erschien uns doch damals zu aufwendig und vor allem zu kostspielig. Und in unserem Fall hätten wir ja dann sowieso nichts davon gehabt, da wir nach unserer Rückkehr ja erstmal ne Woche mit dem Darminfekt beschäftigt waren… + Jetlag. Das war „fein“!!!

  • Was das Board-Entertainment angeht, kann ich nur über Singapur Airlines urteilen. Das war top – schier unerschöpflich und für jedes Interesse was dabei. Hinzu kommt dass Fernsehen, Tablet oder Smartphone sind bei uns nur sehr dosiert zum Einsatz kommen. Eine Ausnahmesituation wie solch ein Langstreckenflug war somit leicht unter Kontrolle zu bringen. Kaum geht der Flimmerkasten an, sitzt Kind wie hypnotisiert davor.
    Extra Kinder-Kopfhörer gab es bei Singapur Airlines auch, aber ob die nur kleiner oder auch lautstärkegedämmt waren, kann ich nicht mehr beurteilen.
    Lustig war dass sogar englisch-sprachige Comics dauerhaft amüsieren konnten obwohl keine Silbe verstanden wurde.
    Tablet und Smartphone waren auch mit an Board, wurden aber bei uns kaum in Anspruch genommen.

    Allein mit einem Schwung Bücher oder etwas Spielzeug ist eine Flugstrecke von mind. 24h mit Kind(ern) kein Zuckerschlecken. Gerade was stressreduzierenden Dinge angeht, sollte man genau darauf achten was A) die Airline an Entertainment bietet und B) das eigene Technik-Angebot hergibt. Auch deshalb haben wir gern ein paar Euro mehr in den Flug investiert.

    • Auch wir sind Singapore Airlines gut gefahren (bzw geflogen ;). Sehr reiches Angebot, man kann auch schon von zuhause aus schauen was so läuft und dann gezielt freigeben.
      Daneben hatten wir das Ipad mit, genau wegen dem Streitfaktor durften sie darauf allerdings kaum spielen. Sehr gute Dienste hat es uns mit Tastatur aber unterwegs geleistet zum Bloggen, Skypen, Wetter checken usw. (Inzwischen haben wir ein zweites gewonnen! und werden es whs beim nächsten Mal auch etwas anders handhaben.). Für unterwegs waren immer noch die guten alten Hörbücher sehr beliebt.
      Gruss nach Deutschland, Anita

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