Gut zu wissen

Lebensmittel kaufen in Neuseeland – was kommt auf den Einkaufszettel?


Weiter geht es mit unserem „Einkaufsführer Neuseeland“. Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Auf Reisen sollte man daher nicht mit einem Bauern gehen, auch nicht nach Neuseeland. Obwohl auf den ersten Blick vieles verdächtig vertraut erscheint, offenbaren sich im Detail eklatante kulturelle Unterschiede für uns Deutsche. Wir warnen daher vor den größten Überraschungen im Supermarkt.

vogels-bread (c) kiwianaramaDas bekannteste, aber vollständig zutreffende Klischee zuerst: Brot in deutscher Zubereitung gibt es in Neuseeland, wie ja auch im Rest der Welt, grundsätzlich nicht (auch nicht, wenn „German Rye Bread“ draufsteht!). Dafür steht man vor meterlangen Regalreihen mit Millionen Sorten von Toastbrot, Pita-Brot, Focaccia-Brot usw. Es ist also Zeit, den eigenen Brot-Begriff ein wenig zu erweitern! Toastbrot kann dann auch richtig teuer und edel sein, nicht zu vergleichen mit dem Billig-Mampf-Image, das es bei uns hat. Die Marke „Vogel’s“ ist, wenn man Blogger Selwyn glaubt, eine nationale Ikone. (Haben wir tatsächlich auch meistens gekauft, auch wenn sie nicht eben die billigste ist.)

New World Muesli AisleEine ähnlich große Auswahl gibt es bei Frühstücksflocken („cereals“) und Müsli („muesli“), die Regalreihen sind endlos lang und man kann locker monatelang variieren, bis man sein Lieblingsfrühstück gefunden hat. Um das noch zu toppen, bietet „New World“ eine eigene Abteilung an, in der man sich sein Müsli aus zig Bestandteilen selbst zusammenstellen kann.

ANZAC CookiesGenauso ist es mit Kuchen und Gebäck: Die Auswahl ist riesig, die Konsistenz eher fluffig und alles ist verdammt süß. Geschmackssache. Toll zum mitnehmen sind Biscuits, die es in hundert Geschmacksrichtungen von Chocolate bis zu ANZAC gibt. Am besten sind die von der Countdown-Hausmarke „Homebrand“ (weiß-rote Verpackung)!

Lisa's Hummus New ZealandBrotaufstriche aus Frischkäse gibt es ebenfalls kaum, der Neuseeländer nutzt so etwas eher als Dip (daher ist die Konsistenz meist viel flüssiger), dafür kann man viele Variationen von Hummus finden, die ich als sehr gute Alternative empfand. Der Brauch, eine Brotscheibe mit Aufstrich zu beschmieren oder zu belegen, ist in Neuseeland eher unbekannt, scheint mir; wer mal versucht hat, von drei Toastbrotscheiben mit Aufstrich satt zu werden, versteht auch, warum. Besser: „eat like the locals“, indem man ein (dünnes!) Steak mit Mustard und einer Scheibe Salat zwischen zwei Brotscheiben klemmt – fertig ist ein sättigendes „Steak Sandwich“.

Milk Aisle New Zealand (c) Otago Daily TimesMit Milchprodukten wird in Neuseeland ebenfalls anders umgegangen – während man Milch an sich von mindestens drei verschiedenen Marken, in unterschiedlichen Packungsgrößen (bis zu 4-Liter-Kanister!) und mit zig verschiedenen Graden von Fettfreiheit (da steht wirklich „99 % fat free“ drauf!) bekommt, gibt es kaum Weichkäse, Feta oder Mozzarella. Groß ist die Auswahl wiederum beim Joghurt und beim Hartkäse – Cheddar, Gouda und die üblichen Verdächtigen kann man in riesigen Blöcken kaufen. Allerdings nicht in Scheiben; warum auch immer.

Meat Aisle New Zealand (c) The Epoch TimesAuch Fleisch kommt in ungewöhnlich großen Packungsgrößen daher, wie gemacht für Familien-Barbecues, und schmeckt zu einem günstigen Preis überraschend gut (das sagen wir als normalerweise nur Biofleisch-Esser, wir sind also durchaus anspruchsvoll). Die Rinder und Lämmer sind selbstredend „grass fed“, es gibt auch viel Wild, das allerdings nicht unbedingt wild ist – Rot- und Damwild sieht man sehr häufig in Gehegen am Straßenrand, dort ist es angesichts der empfindlichen Flora wohl auch besser aufgehoben. Lecker sind auch die verschieden marinierten Grillhühnchen, die man heiß oder kalt direkt im Supermarkt kauft. Für ca. 14 NZ$ bekommt man da ein Mittagessen für die ganze Familie (und kann noch Reste fürs Abendessen aufheben – Stichwort: Sandwich!).

Green Lipped Mussels in TankGigantisch ist die Auswahl an Seafood, vor allem auf der Nordinsel – man kann die „green lipped mussels“ natürlich einfach selbst vom Felsen pflücken, aber es gibt sie eben auch (noch lebend im Frischwassertank) bei New World oder Countdown. Langusten („crayfish“) und andere Muscheln kann man sogar mitunter am Straßenrand „to go“ kaufen. Lediglich eine Forelle wird man nirgends finden – die muss man selbst fangen.

Gewarnt sei vor der neuseeländischen Wurst! Sie ist in der Regel vollständig ungenießbar, vor allem die grauenhaften quaderförmigen „Sizzlers“ in Zwanziger- oder Mehr-Packs. Grill-Bratwurst oder Wiener Würstchen für die Kinder fallen also aus. Aufpassen sollte man auch bei den großen Kühltruhen mit riesigen Fleischwürsten – hierbei handelt es sich um Hundefutter.

In Christchurch gibt es am Burnside Crescent immerhin den deutschen Fleischer Heck (VOX berichtete). Dort konnten wir im Januar 2011 leider keine leckere Bratwurst kaufen, weil offenbar die ganze Belegschaft die Weihnachtsferien für Urlaub nutzt. Unverschämt. 😉 Alle anderen Wurst-Gourmets sollten für die Dauer ihrer Reise lieber verzichten.

Pakn Save Fruit AisleBei Gemüse und Obst muss man sich evtl. ein wenig umstellen – Paprika, Zucchini usw. sind enorm teuer, wogegen Kiwis nach Beginn der Erntezeit lecker und billig sind (vorher gibt es sie auch, nur kommen sie dann aus Italien – kreisch!). Avocados gab es Ende Februar am Straßenrand für 2,50 NZ$ pro fünf Stück, zur gleichen Zeit kostete eine einzige Avocado im Supermarkt genauso viel. Lokale Spezialitäten sind zum Beispiel Kumaras (Süßkartoffeln), Maiskolben, Avocados, Tamarillos (unbedingt probieren, die gibt es nur selten!) und natürlich Kiwis, Kiwis, Kiwis.

Was es – zum Leidwesen des Weltwundermannes und natürlich der Kinder – gar nicht gibt in Neuseelands Supermärkten, sind Gummibärchen und Lakritze. Warum das so ist und keine importiert werden (Kloßmehl und Instant-Kartoffelbrei von deutschen Marken hingegen durchaus, die haben wir selbst gesehen!), entzieht sich meiner Kenntnis und meinem Verständnis. Es gibt im Übrigen in Neuseeland auch keine einzige IKEA-Filiale (was heiß bedauert wird) und auch keine Milka-Schokolade. (Das ist allerdings gar nicht schlimm: Einmal Cadbury’s probiert, und man weint dem Milch-Mist keine Träne nach.)

8 Kommentare

  • Hallo!
    Unsere Neuseeland Reise steht vor der Tür und wir lesen eure Beiträge sehr gerne!!!
    Unser Sohn ist jetzt ein Jahr u meine Gedanken kreisen um die Frage: was können wir dort für ihn kaufen. Er isst eigentlich schon alles, aber in der Früh u Abends brauchen wir noch „babyessen“☺️

    Weiß jmd zB ob man leicht zu Dinkel,-Hafer- oder Griessflocken kommt oder Wasser dass für die Zubereitung von Pre Nahrung empfohlen wird…

    Ein großes Dankeschön vorab!!!

    • Hallo, wir haben eure Frage weitergeleitet an unsere Facebook-Gruppe Neuseeland mit Baby und Kind. Und das haben unsere Leser geantwortet:

    • Unsere Kleine hat komplett bei uns mit gegessen, kann zu Breis nix sagen. Aber die neuseeländischen Avocados kann ich nur empfehlen, so cremig und aromatisch, der perfekte Snack unterwegs. Wir haben sie alle Mann geliebt
    • Auf jeden Fall gibt es diverse Marken stilles Wasser zu kaufen. Ob speziell für Babys, weiß ich leider nicht. Wir haben normales stilles Wasser genommen. Babynahrung gibt es auch. Nur Griesflocken und Dinkelbrei oder ähnliches haben wir damals nicht gefunden. Aber das ist ja industriell verpackt. Das kann man problemlos mitbringen.

      Ich hoffe, wir konnten euch damit weiterhelfen!

  • Ich lebe seit 22 Jahren in Neuseeland. Wer immer og. Artikel geschrieben hat, war wohl auch schon länger nicht mehr hier. Nur ein paar Beispiele: In den größeren Städten gibt es deutsche/französische/holländische Bäckereien. Die Wurstabteilungen in den Supermärkten haben sich stark verbessert, auch die Delikatessen. Es gibt gute italienische, südafrikanische, holländische und deutsche Metzger. Feta gibt es reichlich, auch Ziegen- und Schafsfeta und auch Mozzarella wird ständig besser.
    Gummibärchen sind auch angekommen, aber es gibt hier eine bessere Alternative.
    Whittacker’s Schokolade nimmt es mit Milka locker auf und Hummus-Dips sind gesünder als jeder Firschkäseaufstrich und vielseitiger verwendbar, etc., etc.
    Ganz zu schweigen von Obst- und Gemüsemärkten in Auckland und Umgebung. Unschlagbar. Die Liste könnte noch endlos weitergehen. Am Besten man passt sich einfach dem Gastland an. Sonst bräuchte man ja auch nicht zu verreisen.

    • Hallo Marianne, danke für deine Tipps! Sicher wirst du aber verstehen, dass man als Alteingessene/r einfach besser weiß, wo man bestimmte Leckereien finden kann, als wenn man als Tourist auf der Durchreise daherkommt. Die Zeit der meisten Urlauber in Neuseeland ist leider beschränkt, da geht man zum Einkaufen halt schnell in den nächsten Großmarkt – und sucht nicht den südafrikanischen Metzger auf, dann die holländische Käserei und schließlich noch die Kaffeerösterei. Ist man mit Kindern unterwegs, macht es sich einfach bezahlt, wenn man sich vorher darauf einstellen kann, wie der Speisezettel zu gestalten ist. Und die sind nun mal oft wählerisch und mögen Bekanntes (wie Gummibärchen). Das hat nichts damit zu tun, dass ich örtliche Spezialitäten wie Hummus oder auch Avocados ablehne – im Gegenteil. Schade, dass du meine Tipps in den falschen Hals bekommen hast. 🙁

  • Hallo !
    Deutsche Süssigkeiten findet man inzwischen in jedem New World oder Countdown, ob Bonner Bären oder Schokoladeneier mit Überraschung und auch die besten für den guten Enkel.
    Sogar deutsche Wasserfilter, aber leider kein vergleichbares Mineralwasser allerbestens klares Trinkwasser mit oder ohne Kohlensäure.
    In sachen Brot kann ich als Alternative zum weichen Sandwichtoast nur das Knäckebrot „crispbread“ empfehlen, findet man aber nicht beim Brot sondern bei den Keksen.
    Es gibt auch in und um Auckland ein paar deutsche Bäckereien zB. 30 km nördlich von Auckland City Diehls bakery. Ansonsten hilft nur selbst backen 😉

    • Ach weißt du, ich persönlich finde das gar nicht schlimm, wenn ich in anderen Ländern eben anderes Brot essen muss. Ich stehe sogar auf Sandwiches, Frühstückstoast und Arme Ritter. Unseren Kindern fällt es da schwerer, ihren Speisezettel anzupassen; hin und wieder wollen sie gern etwas Vertrautes essen, und da wird dunkles Brot immer als erstes genannt (während es zu Hause nie eine Erwähnung wert ist).

  • Hi.
    Eure Eindruecke sind wie immer sehr interessant. 🙂
    Cadbury sagt uns ueberhaupt nicht zu, das Zeug mit Milka zu vergleichen ist in unseren Augen eine Frechheit! 😉 Besser ist da schon Whittaker’s, und die ist wenigstens auch ein Kiwi Original!
    Wo habt ihr nach Lakritze gesucht? Das Zeug gibt es wie Sand am Meer in jedem Supermarkt. RJ’s, simply the best! http://www.rjslicorice.co.nz/
    Auch importierte Haribo Goldbaeren haben wir gesehen, allerdings bisher nur in Auckland.

    Viele Gruesse, Thomas

    • Dass es überall Lakritz gibt, werd ich gleich mal der Autorin des Buches „Was scheren mich die Schafe“ weiterleiten – die nimmt den Lakritzmangel quasi als Aufhänger ihrer ganzen Geschichte! Dann seid ihr Auswanderer ja doch nicht sooo schlecht dran…

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