Unterwegs in Neuseeland

Mal eine andere Reiseidee: Skifahren in Neuseeland!

Neuseeland kann auch ganz andere Erfahrungen bieten als die immer gleichen Reiseführer-Impressionen, wenn man es mal aus einer anderen Perspektive angeht: und zwar als Winterdestination. Wer in Deutschland keine Zeit zum Skifahren hat(te), der kann sich für den Sommer ein billiges erschwingliches Flugticket sichern und Neuseeland im Winter erleben.

Skifahren in Neuseeland Queenstown

„standard“ heißt dieser Schnappschuss am Coronet Peak © Alan Lam unter CC 2.0

Damit wir uns nicht missverstehen: Mit Sommer meine ich den europäischen. Von Juni bis September, wenn wir hier im Freibad sitzen und unsere Skiausrüstung einsam im Keller liegt, herrscht auf der anderen Seite der Erde Winter. Wobei das relativ ist: Im Norden der Nordinsel wird es auch im Winter nicht kälter als 10° C, oft sind es über 20° C.

Skifahren in Neuseeland – was geht?

Genau das macht die Attraktivität einer Neuseelandreise im „Winter“ aus: Im Northland und der Bay of Islands könnt ihr (relativen) Sommer mitnehmen, während im Vulkanmassiv des Tongariro National Park und auf der Südinsel richtig gute Wintersportbedingungen warten.

Die Skigebiete im Zentrum der Nordinsel liegen zwischen 2.300 und 1600 m Höhe und umfassen drei (Tukino) bis 100 km Pisten, die vier Pisten am Mount Taranaki beginnen bei 1.700 m. Die Skigebiete auf der Südinsel liegen alle in den Southern Alps, jeweils auf 1.800 bis 2.000 m Höhe.

Die Skigebiete Neuseelands genießen einen hervorragenden Ruf – auf der Südhalbkugel, versteht sich. Klar, mit dem österreichischen Obertauern oder dem französischen Val d’Isère können sich Treble Cone und Mt Hutt nicht messen, die neuseeländischen Skigebiete sind ausnahmslos kleiner und bieten weniger moderne Liftanlagen. Mt Hutt, Coronet Peak und Cardrona bieten jeweils 40 km Pisten, während zum Beispiel im Awakino Ski Field über dem Waitaki Valley nur 5 km befahrbar sind.

Das macht sie aber gerade so sympathisch, finden viele Skifahrer; hier gibt es kein Gedränge am Lift und auf den clubeigenen Pisten ist man so gut wie allein unterwegs.

Dazu kommen einige Vorteile, die typisch Neuseeland sind:

  • Einige Skigebiete im Süden sind so abgelegen, dass man sie nur zu Fuß erreicht. Off the beaten Track auch beim Skifahren sozusagen!
  • Der Blick von den Remarkables über das Umland ist grandios, von Mt Hutt schaut man über die Canterbury Plains bis ans Meer.
  • Neben Skifahren sind in Neuseeland noch viele andere Wintersportarten möglich: das allseits bekannte Snowboarden und Langlaufen, aber auch Snow Kiting, Tourenski und Schneeschuhlaufen.
  • Ein exquisiter Spaß ist in Neuseeland noch relativ erschwinglich: Das Heliskiing-Gebiet in Wanaka ist das zweitgrößte der Welt!
  • Wegen der geringen Entfernungen zwischen den 21 Skigebieten auf der Südinsel kann man mehrere an einem Tag befahren; dafür gibt es extra Kombi-Tickets von NZ Ski.
  • Ebenfalls wegen der kurzen Distanzen kann man Skifahren auch mal als schnelle Zwischendurch-Aktivität einplanen. Weil man ja eigentlich gar nicht zum Skifahren hergekommen ist…
  • Der Schnee fällt in Neuseeland meist nur in den Bergregionen (wo die Skigebiete liegen), die Täler sind in der Regel schneefrei und recht warm. Habt ihr also keine Lust auf Skifahren, könnt ihr auch das „Winterurlaubs-Feeling“ vergessen.

Der einzige Nachteil (wenn man so will): Anders als in Europa, wo man Appartements in Hülle und Fülle direkt an der Piste buchen kann, sind den allermeisten neuseeländischen Skigebieten keine Unterkünfte angegliedert. Seid ihr nicht Mitglied in einem Skiclub und könnt das Vereinshaus nutzen, müsst ihr also ein Hotelzimmer oder einen Campingplatz im nächstgelegenen Ort beziehen. Aber der ist ja meist nicht weit entfernt und viele bieten auch Shuttle-Services zu den Skigebieten an.

Winter in Neuseeland – was zu bedenken ist

Es ist kalt – nicht unbedingt tagsüber und draußen, aber häufig nachts und drinnen. Das liegt nicht daran, dass die Häuser im Freien stehen, wie das bekannte Sprichwort sagt, sondern an der weltweit bekannten und mit Unverständnis belächelten Unfähigkeit der Neuseeländer, ihre Häuser wetterfest zu bauen. Mangels Zentralheizung, Isolierung und doppelt verglaster Fenster ist es in vielen günstigeren Hostels und Bed and Breakfasts im Winter recht frisch – das Ausstattungsmerkmal „Heizdecke inklusive“ sollte euch dahingehend alarmieren. Erkundigt euch vor der Buchung nach der Art der Heizung eurer Unterkunft und akzeptiert weder Heizlüfter noch Ofen!

Mietet ihr ein Wohnmobil, sollte das explizit zur Nutzung im Winter ausgestattet sein; mit ordentlicher Dämmung, Teppichboden zur Isolierung und einer Standheizung, die auch bei ausgeschaltetem Motor läuft. Einen guten Winterschlafsack solltet ihr vorsichtshalber gleich von zu Hause mitbringen.

Und übrigens: Die Neuseeländer jammern im Winter genauso über die Kälte in den Häusern wie die Touristen, das hat also nichts mit der größeren Naturverbundenheit der Kiwis zu tun. Eure einzige Rettung: warme Kleidung, von der ihr genug einpacken solltet.

Die Straßenbedingungen sind im Winter oft schlechter, weil sie – gerade auf der Südinsel – häufig über Pässe und durch einsame Gegenden führen. Wenn ihr dann mit dem ungewohnt großen und schweren Wohnmobil unterwegs seid, können Schnee und Glätte schnell zum Problem werden. Achtet beim Mieten eures Fahrzeugs darauf, dass Schneeketten an Bord sind! Die Straße zum Milford Sound und einige Pässe sind im Winter wegen Sturm und Lawinengefahr (oder gar Lawinenabgang!) häufig gesperrt.

Einige abgelegenere Skigebiete (z. B. Tukino bei Turangi am Mount Ruapehu) sind nur mit Allradantrieb zu erreichen; so ein Gefährt müsst ihr aber nicht für eure gesamte Neuseelandreise buchen.

Eure eigene Skiausrüstung im Flugzeug mitbringen oder eine vor Ort leihen? Hier lohnt sich ein Preisvergleich. Je nach Fluglinie können für Sportgepäck mit Sperrgut-Maßen wie Skier und Snowboards jedenfalls empfindliche Gebühren anfallen; bei Air New Zealand ist das selbstverständlich kostenlos.

Plant nicht zu fest: In den letzten Jahren ist es immer wieder passiert, dass der Schnee in Neuseeland auf sich warten ließ. Eigentlich beginnt die Skisaison Mitte Juni, im August ist die Schneedecke dann perfekt. Wenn ihr Pech habt, müsst ihr aber auf den ersten Schnee bis Anfang August warten. Wenn ihr aber unbedingt jetzt gleich skifahren müsst, dann versucht es doch in der SnowPlanet-Skihalle in Auckland 😉

Ach, und keine Angst wegen Skiunfällen und geizigen Unfallversicherungen: Wer in Neuseeland einen Unfall hat, wird auf Staatskosten gerettet (auch per Helikopter!) und ärztlich versorgt. Die staatliche Unfallversicherung ACC gilt auch für Touristen.

So, und jetzt ran an den Rechner bzw. ab ins Reisebüro! Flüge nach Neuseeland sind im Winter – äh, im Sommer – ein ganzes Stück günstiger!

2 Kommentare

    • Oberwiesenthal mag da durchaus besser sein – aber wer in einem großen Skigebiet in den Alpen fährt, vielleicht noch auf dem Gletscher, der sollte sich gegenüber einem NZ-Reisenden nicht wirklich umwelt-moralisch besser fühlen. 😛 Deshalb ja mein Argument: Skifahren in NZ, wenn man grad sowieso da ist. Nicht extra deswegen.

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