Reisetipps für Vietnam Vietnam

Mit Kindern nach Vietnam – die allerwichtigsten Reisetipps

Vietnam ist ein tolles, interessantes und faszinierendes, aber auch verdammt anstrengendes Land, um es mit Kindern zu bereisen. Das Wichtigste, was Eltern dazu wissen sollten, haben wir in diesem Post zusammengefasst – sozusagen die „bare essentials“, ohne die niemand mit Kindern losfahren sollte.

Temple of Literature Hanoi

Kulturschock garantiert

Die ersten Tage in Vietnam werden ziemlich sicher ziemlich anstrengend sein. Macht euch auf einen Kulturschock gefasst, besonders wenn ihr in Saigon oder Hanoi landet und direkt in die Stadt fahrt.

Er wird kommen, aber er wird auch vorbeigehen – genau wie der Hitzeschock, wenn ihr im Sommer nach Vietnam kommt (dann ist es auch im Norden des Landes heiß; und zwar so richtig). Ein Tipp, den wir von anderen Eltern bekommen haben: gleich weiterfliegen nach Phu Quoc, einer idyllischen Insel im Süden von Vietnam, wo man erst mal in Ruhe akklimatisieren kann.

Eine Methode, um den Kulturschock in Vietnam glimpflich zu überstehen: nicht aufregen. Immer lächeln und nicht aufregen. Das hier sind auch nur Menschen und egal, wie seltsam das scheinen mag, was sie hier tun, für sie macht es bestimmt Sinn. Gegen den Klimaschock hilft nur ergebenes Schwitzen. Läuft der Schweiß erst einmal, geht es dem Kreislauf besser. Das können Kinder meist viel besser als Erwachsene, die ewig stöhnen, dass es doch so heiß gar nicht sein kann!

Mekong Tour My Tho

Kinder stehen im Mittelpunkt – immer!

Macht euch aber vor allem auf einen ganz anderen Schock gefasst: Die Menschen in Vietnam sind kinderlieb. Und zwar so richtig. Wer noch nie mit Kindern in Südostasien unterwegs war, der wird hier eventuell ein Weilchen brauchen – das gilt natürlich für Eltern und Kinder. Ältere Kinder könnt ihr vorwarnen, damit sie sich darauf einstellen, dass sie mehrmals am Tag spontan umarmt, in die Wange gekniffen, fotografiert und mit Geschenken bedacht werden („cuoi“ heißt übrigens so etwas wie „Lächle!“, das werdet ihr oft hören).

Kleinere Kinder reagieren auf die unerwartete Zuwendung von Fremden sehr verschieden; wenn eure Kleinen nicht zu denen gehören, die es witzig finden, einfach geschnappt und weggetragen zu werden, dann wird es für euch schwierig. Denn ganz ehrlich: Es ist unmöglich, einem Vietnamesen begreiflich zu machen, dass er ein Kind doch bitte in Ruhe lassen soll.

Ich erkläre das inzwischen so: Vietnamesen (und auch Kambodschaner, Thais und sicherlich auch andere Völker) haben zu Kindern ein Verhältnis wie wir Europäer zu niedlichen Haustieren; sie vergöttern sie, sehen sie aber nicht als eigene Persönlichkeiten mit eigener Menschenwürde an. Die Idee, dass ein Kind vielleicht deshalb heult, weil es sich vor der fremden Kellnerin erschreckt hat, und es vielleicht besser der Mutter zurückgegeben werden sollte, kommt einem Südostasiaten einfach nicht.

Dementsprechend logisch ist es, dass die einheimischen Kinder zwar hemmungslos verwöhnt, mit Schleifchen und Kostümchen geschmückt und bis ins Vorschulalter per Löffelchen gefüttert werden, auf der anderen Seite aber auch zu spuren haben – ein vietnamesisches Kind wird man niemals bockend und trotzend vor einer Supermarktkasse finden, während die Eltern verzweifelt danebenstehen.

Gewöhnt euch also besser schnell daran, dass eure kleinen/blonden Kinder sofort und immer im Mittelpunkt stehen – sie werden ungefragt fotografiert, angesprochen, gestreichelt und auf den Arm genommen, von Männern und Frauen, von Jungen und Alten. Ja, es nervt, aber nutzt die Gelegenheit! Esst in Ruhe, so lange die Kellner mit euren Kindern schäkern, und fotografiert zurück, wenn ihr ungefragt abgelichtet werdet; so bekommt ihr tolle Porträtaufnahmen von Vietnamesen aller Couleur. Unsere Kinder fingen irgendwann an, von jedem Fotografen mit ausgestreckter Hand „one dollar“ zu verlangen – und bekamen immerhin ein paar Süßigkeiten. Ich will gar nicht wissen, auf wie vielen vietnamesischen Smartphones Bilder unserer Kinder sind …

Saturday Market at Bac Ha

Sehr wichtig, wenn ihr Jungs mit längeren Haaren dabei habt: Immer gleich sagen „It’s a boy“ (und die verwunderten Ausrufe lächelnd ertragen). Wenn ihr in Gegenden abseits der Touristenroute vordringt (das können auch die Seitenstraßen von Saigon sein), solltet ihr diesen Satz auch auf Vietnamesisch draufhaben („Đó là một cậu bé“). Forsche Einheimische halten sich nämlich nicht lange mit Überlegen auf, sondern finden das Geschlecht eines Kindes durch beherzten Griff zwischen die Beine heraus. Auch bei Siebenjährigen! (Die das natürlich keinesfalls toll finden, also seid auf der Hut!)

Der unbestreitbare Vorteil: Wer mit Kindern unterwegs ist, bekommt unheimlich viel echte, ernst gemeinte Freundlichkeit und Zuwendung zu spüren. Und ihr müsst euch nie darüber Gedanken machen, ob es jetzt okay ist, dass eure Kids laut lachend durchs Restaurant rennen oder auf den Sitzen im Bus herumhüpfen.

Wer Kinder hat (und verheiratet ist), wird in Südostasien, wo vielerorts traditionelle Rollenbilder vorherrschen, als Mensch gesehen und respektiert. Das ist in einem Land, in dem Touristen ansonsten entweder als Außerirdische oder als wandelnde Geldautomaten angesehen werden, nicht zu verachten. Ich bin der festen Meinung, dass wir in Vietnam und Kambodscha wegen unserer Kinder eine ganz andere und oftmals bessere Behandlung von vielen Menschen erfahren haben.

Und jetzt noch ganz ungeordnet ein paar konkrete Tipps, die auch nicht zu verachten sind:

1) Augen auf im Straßenverkehr! Er funktioniert vollkommen anders als in anderen Ländern und erst recht als in Deutschland, also seid vorsichtig. Haltet alle Kinder an der Hand, wenn ihr Straßen überquert, auch ältere. Schaut nach beiden Seiten, bevor ihr losgeht. (Ich erzähle später mehr darüber, wie man eine Straße überquert.)

Saigon near Ben Than Market

2) Mietet Mopeds nicht in Saigon oder Hanoi, sondern nur in kleineren Städten wie Mui Ne oder Hoi An, und fahrt erst dann mit den Kindern, wenn ihr euch wirklich sicher fühlt. Checkt vor dem Losfahren das Licht (finden Vietnamesen überflüssig), die Tankanzeige (ist oft kaputt) und die Bremsen (dito). Das allerwichtigste am Moped ist die Hupe, die braucht ihr permanent.

Seit 2007 gilt eine Helmpflicht in Vietnam, aber nur für Erwachsene (auch das Anschnallen im Auto scheint recht neu zu sein und wird von vielen „vergessen“). Hat der Vermieter keinen passenden Kinderhelm, sucht euch einen anderen! Bei längeren Reisen lohnt sich der Helmkauf aus Sicherheitsgründen sehr.

3) Wenn ihr Taxi fahren oder ein Auto mit Chaffeur mieten wollt (selbst fahren darf man als Ausländer in Vietnam nicht), belastet euch nicht mit einem Kindersitz: Die allermeisten Autos in Vietnam haben überhaupt keine Sicherheitsgurte auf der Rückbank. Wenn euch das unsicher erscheint: Das ist es! Für Eltern stellt sich unseres Erachtens hierin eine echte Gretchenfrage, die jeder für sich entscheiden muss.

4) Nehmt keinen Buggy und erst recht keinen Kinderwagen mit! Zwei Gründe: a) Die Fußwege sind in den Städten in der Regel sowieso unpassierbar (und auf der Straße wäre es kreuzgefährlich) und b) alle Grapscher haben freien „Zugriff“ auf das Kind im Buggy.

5) Wenn ihr in Hotels übernachtet: Einfach ein Doppelzimmer mit zwei Betten buchen. In ein solches Bett passen zwei Erwachsene locker rein und auch noch ein (kleines) Kind. Mehr als zwei Betten sind fast nie nötig. Unser Tipp für Reisen im Sommer: Investiert den Extra-Dollar und nehmt ein Hotel mit Pool, die Kinder werden es euch danken.

Extrem viele vietnamesische Hotels sind über Buchungsportale wie Booking zu finden. Tipp: Hotels, die ihr dort findet, persönlich anschreiben mit dem Verweis auf ihren Booking-Preis, dann wird es noch mal um ein paar Dollar günstiger. Wann immer möglich, solltet ihr außerdem bar und in Dong statt mit Kreditkarte und in Dollar bezahlen.

Fish massage in Siem Reap

6) Apropos Erfrischung: In jedem Bad gibt es neben der Toilette eine Art kleine Dusche; die wird von den Vietnamesen als Klopapier-Ersatz genutzt (denken wir…), eignet sich aber auch hervorragend als Kleinkind-Dusche oder zum Füße kühlen. Vorsicht: Lasst euch nicht vollspritzen!

Zur Toilette lässt sich vielleicht noch sagen, dass Klopapier und -brillen eine westliche und mancherorts noch recht neue Erfindung sind. Der Vietnamese hockt sich über ein Loch (ähnlich wie der französische Raststättengast) und benutzt zum Reinigen pures Wasser – keine Ahnung, wie das gehen soll. Für euch heißt das: a) immer Klopapier dabei haben, b) das Klopapier NIE in die Toilette werfen und c) besser die hygienischeren (und weniger verdreckten) Hock-Klos benutzen, wenn ihr die Wahl habt.

Toilet sign in Cambodia

7) In Vietnam kommt prinzipiell kein Trinkwasser aus dem Hahn. Nehmt trotzdem keine extra Trinkflaschen für die Kinder mit. Ihr müsst sowieso immer Flaschenwasser kaufen, Umfüllen ist da albern.

Nicht nur die Kinder sollten viel (mehr als zu Hause!) trinken und möglichst immer im Schatten bleiben. Achtet darauf, dass ihr immer mindestens einen Liter Wasser zur Hand habt. Wasser könnt ihr fast überall kaufen, aber im Supermarkt ist es eben günstiger als an einer Touristenattraktion.

8) Was das Essen angeht: Wir Erwachsenen lieben vietnamesisches Essen, aber mit Kindern sollte man immer ein paar Kekse (oder noch besser ein Baguette) zur Hand haben. Kleine Supermärkte und Verkaufsstände an der Straße gibt es allerorten.

Pizza und Pommes gibt es zwar fast überall, aber sie reißen ein ordentliches Loch in die Reisekasse. Versucht, möglichst schnell ein vietnamesisches Gericht zu finden, das die Kinder mögen und das ihr dann überall bestellen könnt. „Picky eaters“ haben es schwer in Vietnam und wenn ihr in Gegenden ohne „Western Food“ unterwegs seid, kann es zu unschönen Szenen mit müden und hungrigen Kindern kommen.

Soda Cans in Preah Khan

9) Das Baden im Meer ist keine Erfrischung, wenn das Wasser Badewannentemperatur hat und man nachher klebt. An Stellen, wo Einheimische baden, gibt es fast immer Gelegenheiten zum Abspülen des ganzen Körpers (die Vietnamesen tun das vollständig bekleidet) mit Frischwasser. Lasst die Kinder nicht in die Wasserbecken steigen, die Schöpfkellen sind dafür gedacht, dass man sich draußen abspült.

10) Wenn ihr auf eigene Faust unterwegs seid, nehmt Rucksäcke statt Rollkoffer; die passen besser in Taxi- und Bus-Kofferräume, können auf Mopedtaxis transportiert werden (einzige Form des Transports auf Inseln und in kleineren Orten) und sind bequemer durch den Stadtverkehr zu bringen, wenn die Fußwege dicht sind.

11) „Do like the locals“: früh aufstehen, Mittagsruhe halten und abends wieder raus auf die Straße; alles andere ist furchtbar anstrengend und schlecht für den Kreislauf. In vietnamesischen Städten gibt es viele und gut instandgehaltene Spielplätze und Parks, wo man die Mittagsstunden verdösen kann. Wir haben meist versucht, den mittäglichen UV-Strahlen in einem Fortbewegungsmittel zum nächsten Reiseziel zu entkommen.

12) Längere Strecken sollten, wenn möglich, per Flugzeug und Zug zurückgelegt werden. Die Nachtbusse in Vietnam sind entgegen der Werbung NICHT komfortabel, sondern grauenhaft und vor allem hundsgefährlich: vermeiden!!

Wenn es nicht anders geht: Bucht im Nachtbus nicht die vier oder fünf nebeneinanderliegenden Sitze ganz hinten (lasst euch das explizit auf eurem Ticket bestätigen!). Auf den schlechten Straßen (dazu zählen auch und insbesondere die National Highways) hüpft ihr sonst stundenlang auf und ab und könnt dabei nicht einmal aufrecht sitzen.

13) Ebenfalls wichtig, nicht nur für reisende Eltern: Nehmt auf alle längeren Fahrten ein Lunchpaket, genug Wasser und Spucktüten mit. Es ist nicht immer üblich, dass der Bus an einem Straßenrestaurant hält, auch nicht an einem überteuerten. Spucktüten sind wichtig, weil die Straßen schlecht und kurvig sind, die Fahrer wie wahnsinnig fahren und viele vietnamesische Passagiere zu Reisekrankheit neigen.

Im Nachtzug könnt ihr zwar Essen kaufen (das wird am Abteil verkauft), aber Vorsicht – auch hier werden Touristen gnadenlos abgezockt. Besser ein paar Snacks am Bahnhof kaufen und den Heißwasserspender im Zug nutzen, um eine Nudelsuppe aufzugießen.

Traditional Vietnamese breakfast - we-ell...

14) Vietnam ist ein Land mit einer mächtigen Bürokratie. Das heißt für euch: Wenn ihr eure Reise selbst organisiert, dann lasst vor Ort ein Reisebüro die Ticketbuchungen für Fahrten und geplante Touren vornehmen. Das ist nicht nur bequemer, sondern es wird höchstwahrscheinlich viel günstiger sein, als wenn ihr es als nicht ortskundige Touristen ohne Beziehungen zu diesem und jenem Beamten macht.

15) Seid generell immer sehr gut informiert und vertraut auffällig freundlichen Einheimischen nicht blind. Allzu oft wird man in Vietnam betrogen und abgezockt. Und, gaaanz wichtig: gelassen bleiben! Immer gelassen bleiben!

Serene Black Hmong woman in Sapa

5 Kommentare

  • Danke für den super Beitrag. Sicherlich das beste und ausführlichste, das man im Netz momentan finden kann. Wir überlegen momentan auch, mit unseren Kindern 10 und 12 ) nach Vietnam zu reisen. War schon sehr hilfreich auch meinen Mann ein Stück zu überzeugen. Er möchte zwar noch immer lieber durch Bulgarien oder Rumänien mit uns, aber ich arbeite weitere daran. Danke dir ganz herzlich für deinen Artikel!!

    LG

    Karina

    • Hallo! Wir planen ebenfalls gerade eine Reise nach/ durch Vietnam. Unsere Kinder sind 11 und 13. Hat jemand Empfehlungen für Hotels? Wir würden uns sehr darüber freuen.
      Andrea

  • Ich war zwar nicht mit Kinder in Vietnam, aber wahrscheinlich ist es ähnlich wie in Thailand. Mein damals 4jähriger fand es sehr gewöhnungsbedürftig ständig angesprochen, angelacht oder angefasst zu werden. Der mochte das nicht so. Der Kleine (damals 6 Monate alt) fand die Aufmerksamkeit jedoch super. Als wir nach 2 Monaten zurück nach Deutschland kamen, fiel er erstmal in ein kleines Loch, weil hier so gut wie nix mehr an feedback kam. Ja, selbst so ganz Kleine können nach so einer Reise schon ne kleine Rückkehr-Depri haben ;). Liebe Grüße, Nadine

    • Die Kinderliebe ist auf jeden Fall pan-asiatisch. Oder jedenfalls südostasiatisch. Ein Grund, warum ich diesen Teil der Welt so toll finde …

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