Ausrüstung und Praktisches

Gebrauchsanweisung: Wanderschuhe kaufen

Wer nach Neuseeland fährt, wird dort unweigerlich die eine oder andere Wanderung machen; sei es ein „easy walk“ auf befestigtem Weg am Stadtrand oder einer der „great tracks“, die sich über mehrere Tage ziehen. Da es fast überall von Natur nur so wimmelt, sind gute Wanderschuhe ein unentbehrliches Reiseutensil. Wer nicht bereits welche hat, sondern erst welche kaufen will, liest in unserem Nikolaus-Special, wie das geht und was man sonst noch wissen muss.

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Schritt 1: Das geeignete Modell finden

Das passende Modell richtet sich nach dem potenziellen Einsatzgebiet des Wanderschuhs. Wo soll damit gewandert werden? Klar kann man das nicht allzu trennscharf angeben, aber meist weiß man doch wenigstens, ob man auch alpine Touren durch Geröll bewältigen will oder eher sanfte Spaziergänge mit den Kindern machen wird.

Unwichtig ist hingegen erst einmal das Design. Beim Wandern schaut in der Regel niemand zu und die Passform hat hier immer oberste Priorität!

Schuhkauf ist Vertrauens- bzw. Anprobierenssache, daher empfiehlt sich hierfür der Gang ins Fachgeschäft. Die haben vielleicht nicht die größte Auswahl, aber erfahrenes Personal, das die Passform gut einschätzen kann, und vor allem eine Teststrecke zum Probelaufen.

Grundsatzfrage: Leichter Goretex-Trekkingschuh oder fester Leder-Wanderstiefel?

Die Vorteile des Trekkingschuhs sind eindeutig: das niedrige Gewicht und die variable Einsatzfähigkeit. Trekkingschuhe aus Goretex sind nicht nur leichter als Leder, sondern wasserdicht, atmungsaktiv und schnell wieder getrocknet. Dazu kommt die flexiblere Passform; die Sohle des Trekkingschuhs ist weicher, rollt daher besser ab und erlaubt damit ein leichteres Laufen. Besonders für Kinder sind Trekkingschuhe daher in der Regel die bessere Wahl; ihre empfindlichen, noch sehr weichen Füße sollten grundsätzlich so weich wie möglich verpackt werden.

Wanderstiefel aus festem Leder, die den Fuß bis über den Knöchel umschließen und stützen, finden ihre besonderen Vorteile auf Bergtouren in schwierigem Gelände. Lange Anstiege mit schwerem Gepäck lassen sich mit festen Wanderstiefeln wesentlich besser bewältigen, weil diese den Fuß permanent entlasten und Bänder und Gelenke schonen. Komplizierte Füße freuen sich außerdem über Lederschuhe, weil sich diese nach einigen Wochen exakt an den Fuß des Trägers angepasst haben; das tun Goretex-Schuhe nicht. Die müssen schon beim Kauf wirklich perfekt passen.

Paradoxerweise sind Schuhe aus Leder in wärmeren Gegenden angenehmer zu tragen als Goretex-Treter; deren spezieller Feuchtigkeits- und Wärmeaustausch funktioniert am besten bei einem deutlichen Temperaturunterschied zwischen innen und außen. Das Leder saugt den Schweiß vom Fuß auf und erzeugt beim Trocknen angenehme Verdunstungskälte.

Schließlich ist es eine Frage der Nachhaltigkeit: Ein richtig guter Wanderstiefel aus Leder kann bei aufmerksamer Pflege über Jahrzehnte halten. Sohlen und andere Bestandteile lassen sich erneuern und ersetzen, und wer wollte schon einen Schuh, der wirklich wie angegossen passt, durch einen anderen ersetzen?

Fazit: Wer nur mal so, zwischendurch und tendenziell bei schönem Wetter, ein paar Tageswanderungen absolvieren will, der fährt mit einem leichten Goretex-Trekkingschuh gut. Wer aber weiß, dass das Wandern bei jedem Wetter und in jedem Terrain fester Bestandteil der nächsten Jahre sein wird – wer also einen Wanderschuh fürs Leben sucht – , der investiert besser in einen hochwertigen Wanderstiefel aus Leder und pflegt diesen brav.

Schritt 2: Richtig anprobieren

Jetzt wird anprobiert. Das geht so:

  • Beim Anziehen nur die Ferse auf den Boden setzen und fest nach unten drücken, die Schnürsenkel am Spann festziehen und am Tiefzughaken fixieren
  • Dann erst den Schaft schnüren, weniger fest als den Spann

Der Schuh sitzt am Fuß und drückt erst einmal nicht. Aber wie genau muss ein Schuh „passen“, wenn man ihn anprobiert?

  • Die Zehen brauchen genug Platz, um wackeln zu können.
  • Der Mittelfuß muss am Spann fest im Schuh eingeschnürt sein.
  • Die Ferse muss ein wenig Bewegungsraum haben, damit der Fuß abrollen kann.

Die nächsten Schritte führen quer durch die Schuhabteilung und idealerweise über die Rampe. Auf dieser Schräge kann getestet werden, ob der Schuh lang genug ist. Beim Bergabgehen rutscht der Fuß im Schuh nämlich immer nach vorn, egal wie fest er geschnürt ist. Niemals dürfen die Zehen auf der Rampe vorn gestaucht werden! Leichtes Berühren an den Seiten und vorn ist okay, alles andere bedeutet: Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut…

Auch die Ferse darf nicht zu fest im Schuh sitzen; das gibt unweigerlich Druckstellen und Blasen. Die Polsterung der Socken ist entscheidend und muss einkalkuliert werden; ordentliche Wandersocken sind nicht nur Pflicht beim Wandern, sondern schon beim Anprobieren!

Mit „ordentlichen Wandersocken“ meine ich solche aus Wolle oder Synthetik, keinesfalls aus Baumwolle. Die saugen die Feuchtigkeit vom Fuß zwar fein auf, halten sie aber fest; die Folge sind aufgeweichte Füße mit Blasen. Das Wundermittel gegen Stinkefüße, die häufig durch Synthetikgewebe entstehen, sind Wandersocken mit eingewebten Silberfäden (glitzert nicht!).

Am besten wird abends anprobiert, mit möglichst dick geschwollenen Füßen (so, wie sie sicherlich am Ende einer langen Wanderung aussehen werden; und genau dann dürfen die Schuhe nicht drücken!). Da es spannendere Dinge gibt, als stundenlang in einem Schuhgeschäft herumzustehen, geben viele gute Fachgeschäfte das ins Auge genommene Modell gern für einige Tage mit nach Hause.

Grundsätzlich sollten Wanderschuhe nicht erst kurz vor der Wanderung gekauft werden. Zum Einlaufen braucht der Fuß möglichst mehrere Wochen Zeit!

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Sonderschritt 3: Wanderschuhe für Kinder kaufen

Zarte Kinderfüße sind immer gesondert zu behandeln, und zwar möglichst behutsam. Die kleinen Füße sind noch perfekt, unverbogen und werden durch Schuhe eigentlich nur behindert.

 

Grundregel 1: Da Kinderfüße weich und formbar sind, stecken wahnsinnig viele von ihnen in zu kleinen Schuhen, ohne sich zu beschweren. Es ist von unbedingter Wichtigkeit, jeden Schuh peinlich genau auszumessen, ob er wirklich lang genug ist! Die Schuhgröße ist allenfalls ein Hinweis, sie sollte nie als Tatsache hingenommen werden.

Grundregel 2: Die Sohlen von Kinderschuhen sollten so biegsam und weich wie möglich sein. Kinder sind leicht, die Dämpfung ist daher weniger wichtig als die Flexibilität.

Gute Wanderschuhe sollten also so viel Stützung wie nötig verleihen und ansonsten möglichst wenig einschränken. Die stützende Funktion des hohen Schafts, der wackelige Erwachsene vor dem Umknicken im Gelände bewahrt, brauchen fitte Kinder nicht; für sie ist der Schaft allenfalls Schutz vor eindringendem Wasser. Hat man die Wahl zwischen Schnürsenkeln und Klettverschlüssen, sollte man immer zu ersteren greifen; Schnürsenkel lassen sich einfach besser regulieren. Manchmal sind die Schnürsenkel so glatt, dass die Schleifen nicht halten, dann sollten sie natürlich ersetzt werden.

Da Kinderfüße unberechenbare Wachstumsschübe machen, kaufen preisbewusste Eltern gern auf Zuwachs. Das ist okay, wenn der Schuh mithilfe von Einlegesohlen oder dicken Socken noch passt. Genauso wichtig ist ein möglichst universeller Einsatz des teuren Wanderschuhs. Die meisten Möglichkeiten deckt man mit einem Halbschuh ab; er funktioniert sowohl als Alltagsschuh bei trockenem Wetter als auch als Wanderschuh.

Bei Schuhen, die auf Zuwachs gekauft werden und dann anfangs leicht „schlappen“, sind Schaftstiefel die bessere Wahl, weil sie die Ferse besser umfassen. Diese Schuhe eignen sich sowohl fürs Wandern in Mittelgebirgen als auch im nasskalten Herbst- und Winterwetter. Wasserdichte Schuhe sind nicht gut für Kinderfüße; die braucht es wirklich nur im Winter. Ansonsten ist eine Imprägnierung Schutz genug für kurze Regenausflüge.

Schritt 4: Wanderschuhe richtig putzen

Die Grundregel: Es gibt keine Grundregel, oder vielmehr: Egal, wie man putzt, Hauptsache, man putzt. Die Putz-Prozedur besteht aus drei Schritten:

  • Reinigen und Trocknen: spätestens dann, wenn Erde, Sand oder Streusalz am Schuh kleben. Diese Fremdkörper schmirgeln die Lederfasern beim Laufen ab. Steinchen, die in der Sohle klemmen, ebenfalls herauspulen, da sie den Gummi beschädigen können. Den Schuh je nach Verschmutzung mit einem feuchten Tuch oder einer weichen Bürste säubern, dann trocknen.

Nasse Lederschuhe sollten immer sehr vorsichtig und nicht zu nah an der Heizung oder dem Ofen getrocknet werden, um dem Leder nicht die Gerbmittel zu entziehen. Feuchte Schuhe werden am besten weit aufgeklappt, ihrer Einlegesohlen entledigt und mit Zeitungspapier oder Baumwolltüchern ausgestopft. Das tut man, um das nasse Leder am Schrumpfen zu hindern, was es beim Vorgang des Trocknens normalerweise macht. Gründliches Ausstopfen erhält also die Passform.

Erst, wenn das Leder vollständig trocken ist, dürfen Pflegeprodukte aufgetragen werden! Ansonsten wird Feuchtigkeit eingeschlossen und das Leder vergammelt. Apropos: Ein regelmäßig gepflegter Schuh muss nicht jedes Mal neu gewachst werden. Auch wenn das letzte Mal schon ein wenig her ist, kann bei Eile auf Imprägnierspray zurückgegriffen werden.

  • Pflege: Hier scheiden sich die Geister zwischen Imprägnierspray und Wachs. Zweifelsohne ist Letzteres für Synthetikmaterialien und Veloursleder ungeeignet und Ersteres dann die Wahl, aber wie isses mit den guten alten Lederwanderstiefeln?

Grundsätzlich ist Imprägnieren von Lederschuhen möglich und in Ordnung, ersetzt aber nach Meinung von Fachleuten nicht die Pflege durch Wachs. Die im Leder enthaltenen Substanzen werden im Laufe der Zeit ausgeschwemmt und können nur durch Wachs wieder zugeführt werden.

Beim Wachsen sollte lieber häufiger und dünner aufgetragen werden, als einmal eine dicke Schicht draufzuschmieren. Es sollte so lange neues Wachs aufgetragen werden, wie sich das Leder noch rau anfühlt. Was zu viel drauf ist, reibt sich von selbst wieder ab, man kann einen Schuh also nicht „überwachsen“. Die Zunge beim Auftragen nicht vergessen!

  • Aufräumen: Wanderschuhe, die selten gebraucht werden, müssen nicht das Schuhregal im Flur verstopfen. Wenn man sie einlagert, sollte man darauf achten, dass es die guten Stücke dunkel, trocken und gleichbleibend kühl haben.

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