Norwegen Skandinavien

Norwegen – da sind wir!

Endlich, nach fast einer Woche, haben wir wieder mal einen Campingplatz mit „free wifi“ gefunden. Dass in diesem obermodernen Land mit den glücklichsten Menschen Europas und einem staatlichen Rentenfonds, der alle Einwohner rundum versorgt, das Internet für Touristen so teuer verkauft wird, hätten wir nicht gedacht. Nehmt euch ein Beispiel an den Entwicklungsländern Asiens, ihr Skandinavier!!

Hardangervidda Norway

Ansonsten wollen wir aber wirklich nicht meckern – die Natur hier oben ist derartig grandios, dass uns täglich der Mund offen steht. Petrus hat es überdies bisher mit uns so gut gemeint, dass wir manchmal schon dankend ablehnen wollten – für 25° C und pralle Sonne sind wir gar nicht ausgerüstet!

Nach stetigem Fahren gen Norden wurde es uns zu nachtkühl (und zu hell) und wir bogen nach Westen ab – am nördlichen Rand der Hardangervidda entlang sind wir über Geilo (nein, das wird „Jeilo“ gesprochen) nach Eidfjord gefahren und heute in Voss gelandet, bevor wir morgen in Bergen wieder ans Meer gelangen werden.

In den letzten Tagen haben wir uns in wilden und immer wieder neu geplanten Schnörkeln durch Mittel- und Südwestnorwegen bewegt, an zahlreichen Bergseen, Flüssen und Fjorden gecampt, gebadet und geangelt – leider bisher nichts gefangen, nicht einmal dort, wo die Fische um den Haken herum buchstäblich aus dem Wasser sprangen.

Dafür konnten wir eine norwegische Delikatesse ergattern, die selbst unter Einheimischen begehrt und teuer ist: Moltebeeren sehen etwa aus wie gelbe Himbeeren und wachsen nur tief im Wald an geheimen Plätzen, wie uns versichert wurde. Am Ufer eines riesigen Stausees auf dem gigantischen Hochplateau der Hardangervidda haben wir sie zufällig entdeckt und der Weltwundermann hat umgehend eine Marmelade daraus kredenzt – das geht auch per Campingkocher, jaha.

MoltebeerenWie es geschmeckt hat? Fragt bloß nicht die Weltwunderkinder. Die mäkeln hier an allem herum, wollen weder Polarbröd noch Blabärsoppa noch leckere Kaviarcreme aus der Riesentube haben. Zum Glück ist unser Wagen vollgeladen mit Salami und Dosenleberwurst…

Und zum Glück wachsen hier Him-, Johannis- und Heidelbeeren im Überfluss am Wegrand. Man kann gar nicht so viel naschen, wie die Kinder pflücken. Wenn sie dann noch mit Messer und Axt Holzschwerter und Suppenlöffel schnitzen, mit Stippe im Fluss angeln und nach Herzenslust in jedes Gewässer springen können, sind die Kinder glücklich. Und weil es hier oben erst gegen 23:30 Uhr dunkel wird, muss auch keiner zeitig ins Bett, ätsch!

Camping Morustranda Galthus Norway

Am senkrecht abfallenden oberen Rand des 184 Meter hohen (bzw. tiefen) Voringsfossen zu stehen, der direkt unter uns herabdonnerte, und das ohne jegliches Geländer, brachte uns schon zum Schlucken. Das ist nix für Kinder! Die waren auch zum Glück faul im Auto sitzen geblieben (Smartphones, Fluch oder Segen?).

Die Hardangervidda und der angrenzende Hardangerfjord haben nicht nur uns Erwachsene enorm beeindruckt. Zwar  gibt es hier im Gegensatz zu Neuseeland nicht wirklich viele Möglichkeiten für familienfreundliche Kurzwanderungen – der typische Norweger wandert wohl einfach der Nase nach los, wenn er wandern will. Ausschilderungen sind rar und Wanderrouten gelten erst als solche, wenn sie mehrere Tage dauern.

Wir sind daher nur ganz faul auf der National Tourist Route am Rand dieses Nationalparks entlanggefahren und ab und zu vom Wegrand ein Stück hineingelaufen. Dabei haben wir riesige Gletscher gesehen, Schneefelder bestiegen und mystische Seeufer voller Steintürmchen bewundert.

Die Straße an sich ist bereits ein Abenteuer: Sie windet sich bis auf 1.000 Meter Höhe hinauf und schraubt sich dann vor dem Hardangerfjord buchstäblich wieder hinab – mehrere kilometerlange Tunnel führen in Spiralen durch den Berg.

Hardangervidda Norway

Die glatten schwarzen Felswände des Fjords, an denen Wasserfälle herunterrauschen und die unten steil ins Meer abfallen, erinnern schon sehr an den Milford Sound in Neuseeland – nur dass dort keine riesigen Kreuzfahrtschiffe anlegen und auch keine Hochspannungsleitungen gezogen sind; ganz zu schweigen von den unzähligen Ferienhäuschen, jeder Norweger scheint ja eines zu haben.

Wenn wir uns jetzt noch etwas wünschen dürfen, dann bitte weniger von diesen lästigen Regenschauern, die seit gestern den Wetterbericht verunzieren. Und vielleicht noch einen Fisch – wo wir doch so eine schicke Angel geliehen bekommen haben, die der Weltwundermann mit immer neuem (teurem!) Equipment ausstattet.

Hardangerfjord Eidfjord Norway

7 Kommentare

  • Keine Ahnung. Ich hab so ein Ding freiwillig noch nie gegessen. 😉 Bin ja auch nur halbe Norwegerin. Und in Norwegen ist doch alles teuer. Warum dann nicht auch ein oller stinkender Fisch.

    • Gut, dann noch eine andere wichtige Frage: Gibt es in Norwegen tatsächlich keine H-Milch? Die Verkäuferinnen im Supermarkt zeigen mir nur Reismilch und Milchpulver, wenn ich nach haltbarer Milch frage – Frischmilch ist beim Camping leider sehr unpraktisch (oder man mag Trinkjoghurt).

    • Stockfisch ist doch so wie Bacalhau in Portugal, oder? Dann würde ich sagen, den muss man einweichen und dann braten oder sonstwie zubereiten?!

  • hach, ich hatte ja ganz vergessen, dass man euch online auf euren reisen begleiten kann, wie schön, mal wieder was zu lesen und auch FOTOS zu sehen :-), sieht echt beeindruckend aus!.
    Ich hoffe dass sich das wetter bessert, hier ist immer noch hochsommer…
    Gruß und kuss vom Bu!

    • Ach nee, das ist ja interessant… Dann kannst du mir vielleicht auch gleich erklären, was es mit dem horrend teuren Stockfisch auf sich hat – wie isst man den denn und warum, wenn er so teuer ist??

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