Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch: Wandern auf der Otago Peninsula

Oh Mann, schon wieder ist es nach zehn Uhr abends – und die Kinder sind noch nicht eingeschlafen. An der täglichen Routine müssen wir noch arbeiten, aber wenigstens in puncto Klima sind wir schon Profis. Selbst im gestrigen Nieselwetter und beim heutigen Dauersturm tragen wir eisern kurze Hosen wie die Eingeborenen.

Weltwunderer Otago PeninsulaDraußen aufs Klo zu gehen, war gestern Nacht eine besondere Mutprobe, denn der Sturm tobte wütend um unseren bedrohlich wackelnden Campervan. Das blieb auch für den Rest des Tages so, zum Glück aber bei gleichzeitigem Sonnenschein. Die Otago-Halbinsel präsentierte sich also von ihrer besten Seite – sturmgezauste, wogende Wiesen, tote Schafe und immer wieder herrliche Ausblicke auf türkisblaue Meeresbuchten.

Weltwunderer Otago PeninsulaEinen ersten Eindruck davon machten wir uns auf einem 45-Minuten-Walk von unserem Stellplatz aus, der über eine Schafweide zu einer „scenic view“ führte, versehen mit lehrreichen Tafeln über die Nutzung der einheimischen Bäume durch die Maori. Von denen sehen wir hier zwar im Alltag nichts, dafür gibt man sich auf der repräsentativen Seite umso mehr Mühe – vielleicht schämen sich die Weißen hier besonders?

Weltwunderer Otago PeninsulaNach getanem Marsch, den wir trotz allein laufendem Weltwundersohn und diversen Physiklehrstunden für die Weltwundertochter (Feuer anzünden mit Lupe und so…) in weniger als der angegebenen Zeit geschafft haben, besichtigten wir das Aquarium, um das wir gestern Abend schon herumgeschlichen waren.

Was soll ich sagen – wir sind mächtig beeindruckt! Für 25 NZ$ gab es zunächst einige sehr schöne Aquarien mit der einheimischen Fischwelt und einen großen „Touch Tank“, in dem die Kinder diverse Muscheln, Seeschnecken und -sterne anfassen konnten. Begeisterung beim Weltwundersohn: Eine der Schnecken war noch weicher als unsere Katze! Dann eroberten die Kinder das Spielzimmer mit Fisch- und Meeresfrüchte-Kostümen und anschließend widmeten wir uns dem Forschungslabor, in dem die Weltwundertochter mit unserer Unterstützung einen Kriminalfall löste: Wer war der Mörder von Muschel Betty? Ganz schön anspruchsvoll für uns, denn wir mussten ja übersetzen! Erst Stunden später habe ich herausgefunden, dass es sich bei der hochgiftigen „jellybox“ um die Würfelqualle handelt – ich hatte sie in der Hast mit „Glibberschachtel“ übersetzt.

Weltwunderer Portobello Aquarium Aber das war noch nicht alles! Nun ging es hangabwärts vorbei an einem großen Becken, das (angeblich…) den „Giant Squid“ beherbergen soll, sobald dieser einmal lebend gefangen werden kann. Zu Anschauungszwecken hing er schon mal als Pappkamerad über dem Becken. Zum Schluss setzten wir uns noch in ein echtes U-Boot und tauchten damit virtuell in die Tiefsee – wieder mit Live-Übersetzung durch uns. Uff!

NZ_Diashow (69 von 372)Mit breitem Lächeln und einigen Souvenirs in der Tasche packten wir unseren Kram zusammen und steuerten den Campervan zurück auf den gestern besichtigten Zeltplatz, der bei Sonnenschein gleich viel netter aussah, wo wir unser Waste Water verklappten und im Supermärktchen nebenan ein Räucherhuhn und Brot zum Mittag kauften. Selbiges (also das Brot) imbissten wir am oberen Ende der Sandy Bay, wo man einen tollen breiten Strand sehen konnte, zu dieser Tageszeit leider ohne Pinguine.

Sandy Bay Otago PeninsulaDa die Kinder bei unserer Halbinsel-Rundfahrt sanft entschlummert waren, wagten wir es, sie kurz allein im Auto zu lassen und huschten zu einem fünf Minuten entfernten Lookout – oh, süße Zweisamkeit! Getreu nach Murphys Gesetz wachte die Weltwundertochter in unserer Abwesenheit natürlich auf und warf dabei unsere in Blockbuchstaben geschriebene Nachricht herunter, die wir ihr auf den Schoß gelegt hatten. Wir kehrten also zurück und fanden zwei panisch schreiende Kinder vor … Auweia.

Nun hieß es schon wieder Abschied nehmen von der Otago-Halbinsel, denn wir haben noch viel vor und zwei Monate sind nicht viel, wenn man ganz Neuseeland sehen will. In Dunedin erstanden wir noch fix eine Wundcreme für den Windelpo des Weltwundersohns und einen leckeren Kaffee, in der Hoffnung auf Internet in diesem Café. Aber nein, es sollte bitte trotzdem 10 NZ$ kosten. Pff – entrüstet klappten wir unsere Türen zu und brausten weiter nach Süden. Inzwischen nieselte es wieder sanft, also verlängerten wir unsere Tagesetappe spontan und fuhren gleich bis nach Balclutha, dem Tor zu den Catlins.

Hier waren wir total überrascht: Erstens, weil das Städtchen am Fluss Clutha gar nicht so öde aussieht, wie es der Lonely Planet verheißt, zweitens, weil das „Balclutha Motor Camp“ ausnehmend hübsch ist – mit einer gemütlichen „Lounge“, schickem Spielplatz, Duschen for free mit Radio und diversen Enten – und drittens, weil die Besitzerin nach einem kleinen Plausch nur 30 NZ$ von uns haben wollte. Dafür sehen wir gern über die überbordende Beschilderung hinweg, die schon was von Ferienlager für renitente Jugendliche hat („Tu dies nicht, tu das nicht, und das erst recht nicht!“).

"Naish Park" in Balclutha

„Naish Park“ in Balclutha, direkt neben dem Motor Camp

Getoppt wurde der Eindruck von einer Herde Birkenpilze, die der Weltwundermann direkt neben unserem Stellplatz erlegte, und die wir in der traumhaft ausgestatteten Gemeinschaftsküche zusammen mit leckeren Steaks aus dem „New World“ ergänzten. Dort hatten wir vorher für einen Wochen-Großeinkauf nur 6 NZ$ bezahlt, weil wir zwei Einkaufsgutscheine einlösten, die wir letztes Jahr zur Hochzeit bekommen haben (danke, Susi und Tom!!). Dazu gab uns die Kassiererin noch eine Supersaver-Bonuskarte, mit der wir jetzt wie echte Kiwis sparen.

Jetzt ist es, wie gesagt, schon ordentlich spät und wir Eltern hocken mit Laptop in der Fahrerkabine, bis die Kids eingeschlafen sind – draußen ist es ordentlich kalt und in der „Lounge“ läuft das neuseeländische Dschungelcamp. Ob das wenigstens im neuseeländischen „bush“ gedreht wird?

Weltwunderer Balclutha Motorhome Park

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