Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch, 20. Januar: In die frostigen Catlins

Puh, war das kalt heute Nacht! Wir erwachten bei bewölktem Himmel und frühstückten hastig, denn zahlreiche Schilder wiesen eindringlich darauf hin, dass das Management des Balclutha Motor Camp da keinen Spaß versteht.

Naish Park in BalcluthaFast pünktlich, also nur 30 Minuten später, tuckerten wir vom Platz, um zehn Meter weiter den Naish Park zu entdecken – ein typisch neuseeländischer, also in englischer Manier sorgfältig zu einem „peaceful setting“ arrangierter Stadtpark, komplett mit allen Schikanen: Toilette, Spielplatz, Ententeich und Aviarium. Freedom Camping war aber nicht gestattet.

Der mächtige Clutha River war nicht so beeindruckend wie angekündig und bot vor allem keine Gelegenheit zum Angeln, also ging es weiter auf den Southern Scenic Highway über Kaka Point (kicher) zum Nugget Point. Links von der Straße eröffneten sich grandiose Strandabschnitte mit Wahnsinnswellen und einigen Robben – angekommen am Nugget Point, hörten wir auf einer kurzen Wanderung zum Lighthouse schon bald auf zu zählen, so viele Seehunde und -löwen sahen wir da tief unter uns am Fuß der schwindelnd hohen Klippen sich tummeln.

Weltwunderer Nugget PointDass momentan Hochsaison ist, erkennt man daran, dass auf dem Parkplatz gleich fünf Autos nebeneinander standen und wir mehrere Leute Deutsch sprechen hörten („Gugge ma da, wie die Robbe schwimme!“) Auf das Gespräch mit den Schwaben, deren einzige Erinnerung an Dresden eine verpasste Fabrikführung bei Dr. Quendt’s Russisch Brot war, hätte ich locker verzichten können.

Zurück vom Leuchtturm, der hinter der Natur am Nugget Point und den lyrischen Maori-Hinweistafeln weit zurücksteht, stellten wir den Campervan an einer flutbedrohten Parkbucht am Strand ab und kochten Nudeln – auf Wunsch des Weltwundersohns mit „Hühnern“. Nach dem Essen witschten wir der Flut davon und tuckerten weiter auf immer engeren Gravel Roads durch die Catlins zu „Jack’s Blowhole“. Das ist ein sehr tiefes Loch im Boden mitten im Regenwald, wo es in 55 Metern Tiefe laut donnert und zischt, wenn das Meerwasser mit voller Wucht durch eine unterirdische Höhle hineinrauscht. Benannt ist das Loch aber nicht nach Captain Jack, sondern nach einem fluchenden Maori-Häuptling.

Jack's Blowhole - man sieht es förmlich tosen, oder?

Jack’s Blowhole – man sieht es förmlich tosen, oder?

Beim Fotografieren stellte der Weltwundermann fest, dass die Batterien der Kamera gleich alle waren, weil er gestern vergessen hat, sie aufzuladen. Hätten wir also nun auf dem anvisierten stromlosen DOC-Zeltplatz an der Purakaunui Bay übernachtet, wäre der morgige Tag ohne Fotos geblieben. Schweren Herzens ob der erneuten überflüssigen Ausgabe steuerten wir stattdessen gleich ums Eck den Campground in Pounawea an. Der hat es geschafft, bereits zwei Wochen nach Erscheinen des aktuellen Campground Guides seine Preise um 2 NZ$ anzuheben, obwohl 35 NZ$ für uns vier immer noch moderat sind.

Der Platz liegt idyllisch direkt an einer geschützten Bucht und an einem Walk durch „native forest“, den wir gleich nach dem Dinner noch im einbrechenden Dunkeln absolvierten. Der Weltwundersohn lief die Viertelstunde fein selbst, obwohl er ansonsten heute immer getragen werden wollte bzw. musste. Obwohl es nur Schnitte gab, war es schon wieder 22 Uhr, als die Kinder endlich gebadet und gecremt im Bett lagen. Warm eingehuschelt übrigens, denn trotz Sonnenschein waren heute nur um die 13°C. Unsere Mitcamper tragen zwar trotzdem kurze Hosen, aber dazu dicke Wintermützen. Sehr apart!

Weltwunderer Catlins

Jetzt müssen wir Eltern planen, wie es weitergehen soll – im selben Schlendrian wie bisher oder mit strafferem Zeitplan, damit genug Zeit für die Nordinsel bleibt. Ich bin ja für weiteren Schlendrian; der Weltwundermann eigentlich auch: Sobald sich eine Gelegenheit zum Angeln bietet, wie etwa heute auf dem Weg zum Blowhole, sind nämlich sowieso alle guten Vorsätze vergessen.

Gravel Roads in den Catlins

Gravel Roads in den Catlins

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