Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch, 22. Januar: Reisepause mit Abstecher ans Ende der Welt

Als wir heute unter stahlblauem Sommerhimmel und bei einem lauen Lüftchen erwachten, während die Möwen, die alle Emma heißen, fröhlich tschilpten und die Wellen gar lieblich 15 Meter unter unseren Füßen an die Klippen schlugen, beschlossen wir kurzerhand, diese mal hochzulegen (also die Füße) und Pause vom Reisen zu machen.

Weltwunderer Catlins Curio Bay

Also statt hastigem Packen und überstürztem Check-out heute mal laaange frühstücken, die Sonne auf die blassen Winterbäuche scheinen lassen, Southern Ice Cream essen und den Vormittag so richtig schön verdaddeln. Der Weltwundersohn übte Im-Stehen-in- Flaxbüsche-Pinkeln, mit fürsorglicher Unterstützung der großen Schwester. Für so was ist ja auch nicht immer Zeit.

Irgendwann juckte es dann doch im Gaspedal-Fuß, meine rastlose Sehnsucht nach Sehenswürdigkeiten trieb uns wenigstens zu einem kleinen Tagesausflug. Unpraktischerweise mussten wir dafür den Campervan fahrfähig machen, also wenigstens halbherzig auf- und einräumen (wie es da drinnen manchmal aussieht, wollt ihr nicht wissen …).

Weltwunderer Catlins

Das Ziel des Tages war Slope Point: der südlichste Punkt Neuseelands. Dieser (und nicht etwa Bluff, was die südlichste Ortschaft ist!) liegt am Ende einer 13 km langen Gravel Road durch herrlichste Marschlandschaften voller Schafe, Meerblicke und windzerzauster Pinien (?). Da der Weltwundermann unseren Treibstoffvorrat sehr knapp kalkuliert hatte, musste allerdings zuerst nach Tokanui gefahren werden. Das war prinzipiell nicht weiter entfernt als Slope Point, aber mit drei Schleichwürsten vor uns auf der extrem staubigen Gravel Road, wo Überholen unmöglich war, zogen sich die letzten Meter gar sehr und sorgten für viel Zähneknirschen.

Weltwunderer Slope Point

Nach Besichtigung des Slope Point, wo bei genauerem Hinsehen nicht allzu viel zu besichtigen war, und dem Pflichtfoto „Wir waren hier“, blies uns der Antarktis-Wind, auch nach 4.000 km Anreise noch sehr kräftig, wie von selbst zurück über die Schafweide. Fazit: Was erwartet man eigentlich, wenn man den südlichsten, nördlichsten oder sonstwichsten Punkt von etwas besucht? Eben. Da wäre Bluff mit seinen 1.700 Einwohnern, der Fähre nach Stewart Island und den von hier aus startenden Antarktis-Forschungsschiffen vielleicht doch interessanter gewesen …

Weltwunderer Slope Point

Den Rest des Tages verbrachte die Weltwunderfamilie (einvernehmlich!) getrennt: Papa und Tochter sollten bzw. wollten angeln, also packte ich den Sohn und seinen Bagger ein und setzte mich mit Urlaubslektüre an den Strand der Porpoise Bay auf der „Rückseite“ unseres Zeltplatzes. In dieser Bucht aus weißem Sand, die wie ein Halbmond daliegt und das komplette Gegenteil der schroffen Klippen der Curio Bay ist, waren einige irre Kinder fröhlich am Baden und Wellensurfen. Auch der Weltwundersohn werkelte in kurzen Hosen friedlich vor sich hin, während ich in Fleecejacke und Handtuch gewickelt vor mich hin fröstelte.

Weltwunderer Porpoise Bay Catlins NZ

Als die heranrückende Flut den schönen, bestimmt 100 Meter breiten Sandstrand bis auf etwa einen Meter verschlungen hatte, verzogen wir uns wieder in unsere windgeschützte Flax-Ecke, wo wir uns mit heißem Tee und Toast-Picknick stärkten und die Angler auf den Klippen beobachteten. Entrüstung: Die angelten gar nicht! Sie aalten sich auf einem Felsen in der Sonne und aßen Gummibärchen! Zum Abendessen gab es zur Strafe nur Kartoffeln mit Brat, ohne Fisch. Die Kinder aßen ohne Unterlass und mussten gestoppt werden, damit wir überhaupt noch etwas bekamen.

Der ungebührliche Appetit rührte vielleicht von dem schröcklichen Erlebnis kurz vorher: Beim Gang zur Campingplatz-Küche sahen die Weltwundertochter und ich einen Seelöwen! Von ganz nah! Der war gerade über den Parkplatz gekrochen, wir erwischten ihn gerade noch am Strand. Verdammt groß, und das war angeblich nur ein Baby… Wenn wir jetzt noch die Hector-Delfine sehen, können wir hinter „Wildlife“ schon mal ein Häkchen setzen.

Weltwunderer Sea lion

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