Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch: Auf der Southern Scenic Route nach Te Anau

So eine Reise ist wahrlich kein Urlaub: Ständig nagen Pflichten an einem. Geburtstagskarten pünktlich abschicken, Essen für die nimmersatten Kinder kaufen, Tanken, Internetverbindungen fürs Arbeiten und Wasserhähne mit Trinkwasser finden und der ganze restliche Urlaubs-Alltags-Krimskrams. So braucht man dann für eine Tagesetappe von 250 km ganze sieben Stunden. Uff!

Weltwunderer Curio BayErwacht sind wir heute früh bei diesigem Himmel, der aber bald aufklarte, und oh Wunder, fast ohne Wind! Das war wohl auch der Grund, weshalb auf einmal doch die heimische Fauna aktiv wurde.

Schon beim Abwaschen im Küchentürmchen hörte ich ein paar Jungs mit entschieden deutschem Akzent aufgeregt von ihrem Beinahe-Zusammenstoß mit einem Seelöwen erzählen: Sie waren gerade im Meer gewesen und hatten mit den Delfinen gespielt (!), als einen Meter von ihnen ein Seelöwe auftauchte und sie brüllend attackierte. Woraufhin sie ebenfalls brüllend das Weite suchten (immerhin ehrlich…).

Achtung, Seelöwe! Da macht man besser einen Bogen beim Strandspaziergang

Achtung, Seelöwe! Da macht man besser einen Bogen beim Strandspaziergang

Und tatsächlich – beim Müll-Wegbringen sah ich einen fetten Seelöwen am Strand liegen, während direkt hinter ihm im Meer eine Schule Delfine herumsprang. Eine hilfreiche Rangerin (dieselbe, die uns schon bei den Pinguinen dezent, aber doch auf die Finger gesehen hatte) erklärte uns auch gleich den Unterschied zwischen Seelöwen und -hunden, zeigte den Trampelpfad, auf dem die Seelöwen immer auf den Zeltplatz hochkriechen (wo sie dann auch mal in die Zelte kucken, ob sich da was findet) und entschied, dass der Seelöwe die deutschen Jungs wohl nur vertreiben gewollt hätte. Ansonsten wären diese nämlich nicht mehr in der Lage gewesen, so wortreich von ihrer Begegnung mit ihm zu berichten.

Die Rangerin erklärt uns alles über den kleinen Dicken da am Strand

Die Rangerin erklärt uns alles über den kleinen Dicken da am Strand

Gegen 11 Uhr waren wir endlich auf der Straße. Mit Stopps in verschiedenen Orten zu verschiedenen Zwecken (siehe oben) verging kostbare Zeit, ganz zu schweigen von einem größeren Einkauf in Invercargill, einer aufsehenerregend flachen Stadt.

Dabei stellten wir mal wieder fest, wie ausnehmend freundlich man hier ist – die Frau hinter uns in der Schlange gab uns ihre Rabattkarte zum Durchziehen, damit wir auch ja kein „Countdown“-Sonderangebot verpassen, und half uns dann noch mit Kleingeld aus, damit wir passend bezahlen konnten (was prinzipiell gar nicht nötig war).

Der geleerte Einkaufswagen wurde uns auf dem Parkplatz von einem Wageneinsammler gleich am Auto wieder abgenommen; Pfandmünzen steckt man hier ja auch nicht rein. Die angenehme Ruhe beim Aufladen der Einkäufe auf das Band und das bedachtsame Einpacken, thematisch vorsortiert in Tüten durch die Kassiererin (nein, die Extra-Einpacker gibt es nicht mehr!) führt interessanterweise nicht zu längeren Wartezeiten. Wie machen die das?

Unser nächster Stopp, der länger wurde als gedacht, diente der Aufnahme von Trinkwasser und Mittagessen und fand ungeplant in Riverton statt. Der Weltwundermann bewunderte wortreich das Strandflair mit den Fischerbooten, während wir direkt auf dem Strand parkten, die Füße ins überraschend warme Wasser hielten und ein überraschend billiges Brathuhn genossen.

Nach den spektakulären Catlins wirkte Rivertons Idylle aber schon ganz schön langweilig (so dass wir noch nicht einmal Fotos davon machten).

Weltwunderer Clifden Suspension Bridge

Es ging daher bald weiter auf dem Southern Scenic Highway, der nun nach Norden in die Berge einbog. Die Landschaft veränderte sich enorm und der fehlende kalte Meereswind sorgte für angenehme Temperaturen.

In Clifden war die längste Hängebrücke Neuseelands leider wegen „Strukturschäden“ gesperrt, und zwar so richtig, mit dicken Betonblöcken. Auf die kletterten die Weltwunderkinder zwar begeistert drauf und ließen die nackigen Beine herunterbaumeln (denn es war ja plötzlich warm), aber auf die Brücke rauf trauten wir uns dann doch nicht.

Eine viel bessere, wenn auch weniger historische Hängebrücke (die in Clifden wurde immerhin 1899 gebaut und ist also für neuseeländische Verhältnisse uralt) fanden wir kurz vor Te Anau am Anfang des Kepler Tracks. Den wiederum fanden wir nur, weil wir auf Beharren des Weltwundermanns intensiv (also mit Vorbeifahren, nicht finden, streiten, umkehren und doch noch finden) nach dem Abzweig gesucht hatten, der zu einem Herr-der-Ringe-Drehort vom Fluss Anduin führen sollte.

Weltwunderer Kepler Track

Von dem hellblauen Fluss und der originalgetreuen Ansicht der Flussbiegung sowie dem tollen Bergwald mit Flechten, Pinien und federndem Waldboden war der Weltwundermann so begeistert, dass er gleich eine Etappe des Kepler Tracks wandern wollte.

Wir schlugen uns auch tapfer etwa 100 m über die erste Swing Bridge und ein Stück des Weges, kehrten dann aber schweren Herzens um.

Weltwunderer Kepler Track

Leider war es nämlich schon fast 19 Uhr und wir mussten uns ja noch für einen der vielen Zeltplätze in Te Anau entscheiden! Die Wahl fiel auf den hier, auf dem wir jetzt sind, mit allen Schikanen wie tollem Spielplatz, Waschraum mit Fußbodenheizung und Milford-Route-TV-Berieselung per Flatscreen sowie parzellierten und gekiesten Stellplätzen mit romantischem Flussblick.

(Sagen wir mal so: Wenn der Fluss Wasser führen würde, könnte man ihn in 50 m Entfernung vielleicht hinter den Bäumen besser sehen.)

So sitzen wir immerhin auf einer natürlichen Terrasse mit Bergpanorama – da wollen wir uns mal nicht beschweren. Und den Kepler Track laufen wir ganz bestimmt noch mal, haben wir uns vorgenommen. Nur nicht gerade morgen 🙂

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